DAK-Report: Menschen in Hessen verlieren das Vertrauen in die Pflegeversorgung

Aktuelle Allensbach-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zeigt Erwartungen an große Pflegereform
44 Prozent der Befragten in Hessen rechnen in Zukunft mit schlechterer Versorgung
DAK-Landeschefin Britta Dalhoff fordert strukturelle Neuausrichtung der Pflegeversicherung
Frankfurt am Main, 16. März 2026. In Hessen gibt es einen großen Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Pflegeversorgung: 66 Prozent der Menschen bewerten die Pflegesituation derzeit als nicht oder gar nicht gut. Fast jeder Zweite rechnet mit einer Verschlechterung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage durch das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der DAK-Gesundheit hervor. Diese zeigt die Erwartungen der Menschen in Hessen an Politik und Pflegereform auf: 87 Prozent der Befragten fordern, dass die Pflege in Deutschland „für alle bezahlbar“ werden müsse. Hohe Kosten für die Pflege im Heim werden als eines der zentralen Probleme benannt. Ende 2025 hatte die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Bund-Länder-Kommission „Zukunftspakt Pflege“ ihre „Roadmap“ für die angekündigte große Pflegereform vorgelegt.
„Unser DAK-Pflegereport zeigt eine große Verunsicherung der Bevölkerung in Hessen“, sagt Britta Dalhoff, Landeschefin der DAK-Gesundheit. „Die Ergebnisse der Allensbach-Befragung sind ein Weckruf an die Politik in Bund und Ländern. Das Vertrauen der Menschen in die Pflege muss gestärkt und die bekannten Probleme in der Finanzierung und Versorgung müssen gelöst werden. Wir brauchen jetzt eine Reform mit einer strukturelle Neuausrichtung der Pflegeversicherung, die die Menschen in Hessen ausreichend, verlässlich und bezahlbar absichert.“
Für den DAK-Pflegereport hatte das Institut für Demoskopie Allensbach gemeinsam mit Studienleiter Prof. Dr. Thomas Klie bundesweit rund 4.400 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren befragt, davon knapp 300 in Hessen. Die Ergebnisse zeigen die Erwartungen, Ängste und Herausforderungen der Bevölkerung auf. Demnach sehen 70 Prozent der Befragten in Hessen die Finanzierung der Pflegeversicherung als nicht gesichert an.
Große Sorge um verlässliche Pflegeversorgung
Die Mehrheit der Menschen in Hessen sieht die Pflegeversorgung gefährdet: 66 Prozent der Befragten empfinden diese als nicht gut oder gar nicht gut. 44 Prozent gehen davon aus, dass sich die Situation in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtert. Wie im Bund sehen die Befragten in Hessen die größten Probleme im Bereich der Finanzierung: 70 Prozent der Befragten nennen an erster Stelle die hohen Kosten für Pflegebedürftige und ihre Familien bei stationärer Pflege. 69 Prozent bewerten die Finanzierung des gesamten Pflegesystem als größtes Problem. Es folgen mit 66 Prozent der Personalmangel und fehlende Pflegekräfte.
Bevölkerung fordert bezahlbare Pflege
87 Prozent sehen es als wichtigstes Ziel, die Pflege für alle Menschen bezahlbar zu machen. 80 Prozent erwarten eine langfristige Sicherung der Finanzierung. Für 70 Prozent ist die Deckelung der Pflegeheimplatzkosten wichtig, während sich 69 Prozent eine Vereinfachung des Leistungssystems wünschen. Eine große Mehrheit (81 Prozent) der Befragten in Hessen erlebt es als ungerecht, nach langjähriger Einzahlung in die Pflegeversicherung bei Pflegebedarf nicht ausreichend abgesichert zu sein. Beinahe genauso viele (80 Prozent) sind überzeugt, dass die Pflege für viele Menschen schlicht nicht mehr bezahlbar ist. Knapp drei Viertel fürchten durch die Kosten überfordert zu werden, sollten sie selbst pflegedürftig werden. Fast genauso viele Menschen setzen Pflege mit einem Armutsrisiko für Pflegebedürftige und ihre Familien gleich.
Mehrheit fordert staatliche Zuschüsse zur finanziellen Absicherung
Um die Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung auf ein zukunftssicheres Fundament zu stellen, sieht die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Hessen den Staat in der Pflicht: Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) findet, es sei ausschließlich Sache des Staates und der gesetzlichen Pflegeversicherung, einen Pflegebedarf abzusichern. 50 Prozent finden, es sollten staatliche Zuschüsse oder Steuermittel eingesetzt werden, um die Absicherung von Pflegebedürftigen sicherzustellen. 46 Prozent halten eine Beitragserhöhung für vermögende oder gutverdienende Menschen für den richtigen Weg. 48 Prozent finden, Vermögende sollten im Pflegefall stärker an den Pflegekosten beteiligt werden. Zur Überlegung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, eine private Pflegezusatzversicherung einzuführen, unterscheidet sich das Meinungsbild in Hessen im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt: Immerhin knapp ein Drittel (im Bund: 21 Prozent) befürwortet dies.
Text zum Download
(Copyright: DAK-Gesundheit_GettyImages_Maskot)
Ihr Kontakt

Sandra Scheuring
Pressesprecherin
Wächtersbacher Str. 89
60386 Frankfurt am Main
Telefon: (+49)69 985 5913-1135
