Bremen: Depressionen bei jugendlichen Mädchen steigen stark an

  • DAK-Kinder- und Jugendreport: Anstieg seit 2019 um 42 Prozent
  • Auch Angststörungen bei jugendlichen Mädchen nehmen seit 2019 um 24 Prozent zu
  • DAK-Landeschef Michael-Niklas Rühe fordert Offensive für mentale Gesundheit

Bremen, 6. Februar 2026. Die Folgen der Pandemie und anhaltende Krisen sorgen bei vielen jungen Menschen in Bremen und Bremerhaven dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigt der neue DAK-Kinder- und Jugendreport zu Depressionen, Angststörungen und Essstörungen und. Im Fokus der wissenschaftlichen Studie stehen Bremer Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, da sich hier die größten Anstiege zeigen: 2024 waren rund 75 von 1.000 DAK-versicherten jugendlichen Mädchen mit einer Depression in Behandlung, womit hochgerechnet landesweit etwa 700 junge Frauen betroffen waren. Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Anstieg um 42 Prozent. Experten sehen in den Ergebnissen des Reports ein „Erbe der Pandemie“, da auch andere psychische Probleme, wie Angststörungen, dauerhaft behandelt werden müssten. Bei jugendlichen Mädchen in der Hansestadt sind die Fallzahlen von Essstörungen entgegen dem Bundestrend hingegen rückläufig.

„Die aktuellen Ergebnisse des DAK-Kinder- und Jugendreports zeigen, dass die psychischen Folgen der Pandemie bei jungen Menschen in Bremen und Bremerhaven weiterhin deutlich spürbar sind. Besonders besorgniserregend ist der starke Anstieg bei Depressionen, vor allem bei Mädchen. Gleichzeitig können wir auch bei Angst- und Essstörungen keine Entwarnung geben“, sagt Michael-Niklas Rühe, DAK-Landeschef in Bremen. „Psychische Erkrankungen im Jugendalter wirken oft lange nach und belasten später Ausbildung, Familie und Berufsleben. Deshalb brauchen wir in Bremen eine gezielte Offensive für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Angebote wie beispielsweise die Gesundheitsfachkräfte an Schulen können hier einen Teil zu beitragen.“

Depressionen bei jugendlichen Mädchen steigen um 42 Prozent
Laut DAK-Kinder- und Jugendreport für Bremen sind jugendliche Mädchen von Depressionen besonders betroffen. So haben sich die Behandlungszahlen bei ihnen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie deutlich erhöht: 2019 mussten rund 53 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren ambulant oder stationär versorgt werden. 2024 waren es rund 75 je 1.000 jugendliche Mädchen. Das entspricht einer Steigerung von 42 Prozent. Hochgerechnet auf alle jugendlichen Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren in Bremen und Bremerhaven erhielten 2024 rund 700 jugendliche Mädchen die Diagnose Depression. Im Vergleich zu 2023 blieben die Zahlen auf Vorjahresniveau. 

Experten sehen Erbe der Pandemie 
„Die Zahlen des DAK-Kinder- und Jugendreports machen das Erbe der Pandemie sichtbar. Wir sehen eine langfristige Verfestigung psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen“, so Prof. Dr. med. Christoph U. Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité. Fehlende soziale Kontakte und Entwicklungsschritte aus der Pandemie-Zeit führten vor allem bei Mädchen zu einem internalisierenden Verhalten, was hohe Behandlungszahlen im Bereich psychischer Erkrankungen zur Folge habe. „Zudem sind Mädchen vulnerabler als Jungen für soziale Medien, deren Konsum in der Pandemie angestiegen ist“, so Correll weiter. „Sie sehen Körperbilder, Glücks- und Zufriedenheitsideale, die nicht erfüllt werden können. Das erhöht das Stresslevel und kann die Ausprägung psychischer Erkrankungen fördern und vertiefen.“

Als erste Krankenkasse im Land Bremen hat die DAK-Gesundheit ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf Depressionen, Angststörungen und Essstörungen und für das Jahr 2024 ausgewertet. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 4.800 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Bremen und Bremerhaven versichert sind. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit insgesamt rund 252.000 ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen. Der Fokus der Analyse lag auf der Altersspanne fünf bis 17 Jahre und insbesondere auf jugendlichen Mädchen. 

Angststörungen steigen seit Pandemie
Eine dynamische Entwicklung seit der Pandemie zeigt sich an der Weser mit Blick auf Angststörungen. So nahmen die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Angststörungen 2024 im Vergleich zu 2019 um 24 Prozent zu. Mussten im Jahr 2019 noch etwa 40 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren ambulant oder stationär behandelt werden, waren es 2024 schon 49 je 1.000 jugendliche Mädchen. Bundesweit ist das der niedrigste Wert. Verglichen mit dem Jahr 2023 ist ein Rückgang von 14 Prozent zu verzeichnen. Dennoch waren 2024 in Bremen hochgerechnet rund 500 jugendliche Mädchen mit einer Angststörung in Behandlung. 

Rückläufiger Trend bei Essstörungen
Bei jugendlichen Mädchen in Bremen und Bremerhaven zeigt sich von 2019 bis 2020 ein Anstieg der Diagnosen von Essstörungen, danach folgt eine kontinuierliche Abnahme der Fallzahlen. Im Jahr 2024 wurde bei rund 13 je 1.000 jugendlichen Mädchen in Bremen die Diagnose Essstörungen dokumentiert. Hochgerechnet auf alle jugendlichen Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren erhielten 2024 rund 100 jugendliche Mädchen die Diagnose Essstörung. 

Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands, davon 33.000 in Bremen, und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit.

 

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(Copyriht: GettyImages Dmitriy Bilous/DAK-Gesundheit)

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