Ängste bei Kindern in Brandenburg werden chronisch

- DAK-Kinder- und Jugendreport: Angststörungen bei jugendlichen Mädchen steigen seit 2019 um 35 Prozent
- Essstörungen steigen weiter an und Depressionen bleiben auf hohem Niveau
- DAK-Landeschefin Grubitz fordert runden Tisch und Offensive für mentale Gesundheit
Potsdam, 23. Januar 2026. Anhaltende Krisen sorgen bei vielen jungen Menschen in Brandenburg dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigt der neue DAK-Kinder- und Jugendreport zu Angststörungen, Depressionen und Essstörungen. Im Fokus der wissenschaftlichen Studie stehen Brandenburger Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, da sich hier die größten Anstiege zeigen: 2024 waren 71 von 1.000 DAK-versicherten jugendliche Mädchen mit einer Angststörung in Behandlung, womit hochgerechnet landesweit rund 2.500 junge Frauen betroffen waren. Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Anstieg um 35 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl chronischer Angststörungen um 83 Prozent. Auch andere psychische Erkrankungen sind in Brandenburg auf einem hohen Niveau. So sind bei jugendlichen Mädchen in der Mark die Fallzahlen von Depressionen ebenfalls erhöht. Bei Essstörungen steigen die Behandlungszahlen sogar weiter an. Kinderärzte sehen eine „besorgniserregende Entwicklung“.
„Unser Kinder- und Jugendreport für Brandenburg zeigt die enorme psychische Belastung, unter denen junge Menschen in einer Welt voller Krisen stehen. Ängste, Depressionen und Essstörungen begleiten viele Kinder und Jugendliche inzwischen dauerhaft – vor allem Mädchen“, sagt Anke Grubitz, DAK-Landeschefin in Brandenburg. „Es ist unsere Aufgabe und Pflicht, der jungen Generation zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen: mit gezielter Prävention. Deshalb fordern wir einen runden Tisch Kindergesundheit für Brandenburg.“
Angststörungen chronifizieren sich bei jugendlichen Mädchen
Laut DAK-Kinder- und Jugendreport für Brandenburg sind jugendliche Mädchen von Angststörungen besonders betroffen. So hat sich die Chronifizierung von Angststörungen bei ihnen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie knapp verdoppelt: 2019 mussten 8,6 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren jedes Quartal mit einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt werden. 2024 waren es rund 16 je 1.000 jugendliche Mädchen. Zudem haben sich die Komorbiditäten, also ein gleichzeitiges Auftreten zweier psychischer Erkrankungen bei jungen Patientinnen, ebenfalls fast verdoppelt. Im Jahr 2024 wurden bei 26 je 1.000 jugendlichen Mädchen die Diagnosen Angststörungen und Depressionen zeitgleich dokumentiert.
Plateau-Bildung bei Angststörungen seit 2021
Der DAK-Kinder- und Jugendreport zeigt für Brandenburg, dass 2024 rund 25 von 1.000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren mit einer Angststörung behandelt wurden. Das entspricht hochgerechnet landesweit rund 8.000 Kindern und Jugendlichen. Seit 2021 bleiben die Zahlen in allen Altersgruppen auf einem konstant hohen Niveau. Diese Plateau-Bildung zeigt sich besonders deutlich bei jugendlichen Mädchen: 2024 mussten rund 71 von 1.000 brandenburgische Mädchen mit einer Angststörung ambulant oder stationär versorgt werden, insbesondere mit sozialen Phobien und Panikstörungen. Hochgerechnet waren es landesweit rund 2.500 Teenagerinnen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Vergleich mit dem letzten Vorpandemiejahr 2019 ist das ein Plus von 35 Prozent.
Als erste Krankenkasse in Brandenburg hat die DAK-Gesundheit ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf Angststörungen, Depressionen und Essstörungen für das Jahr 2024 ausgewertet. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von knapp 44.100 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Brandenburg versichert sind. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit insgesamt rund 2,3 Millionen ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen. Der Fokus der Analyse lag auf der Altersspanne fünf bis 17 Jahre und insbesondere auf jugendlichen Mädchen.
Kinderärzte: „Ergebnisse besorgniserregend“
„Die Ergebnisse sind besorgniserregend und decken sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis“, sagt Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e. V. (BVKJ). „Wir sehen weiterhin eine hohe Rate an psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Insbesondere Ängste spielen dabei eine große Rolle. Dass sich bei den psychischen Erkrankungen gerade bei jugendlichen Mädchen ein Plateau gebildet hat, überrascht mich nicht. Die Krisen reißen nicht ab – Pandemie, Klimawandel, Kriege, gesellschaftlicher Druck, Zukunftsängste. Das alles bleibt im Alltag junger Menschen präsent. Aus meiner Sicht brauchen wir einen Ausbau von Präventions- und Unterstützungsangeboten, und zwar dort, wo Kinder und Jugendliche ihren Alltag verbringen: in Schulen, Kitas und Jugendzentren.“
Anstieg von Essstörungen in der Mark
Mit Blick auf Essstörungen sind in Brandenburg weiter steigende Zahlen zu beobachten. So steht 2024 im Vergleich zu 2019 bei allen Kindern und Jugendlichen im Alter von fünf bis 17 Jahren ein Plus von 25 Prozent, bei Mädchen sogar ein Plus von 47 Prozent. Jugendliche Mädchen sind von Essstörungen besonders betroffen. Im Vergleich zu 2019 stieg die Zahl jugendlicher Mädchen, die mit einer Essstörung in Behandlung waren, um 63 Prozent. Verglichen mit 2023 nahm die Zahl um 24 Prozent zu. Hochgerechnet waren 2024 etwa 700 Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren mit einer Essstörung in der Arztpraxis oder Klinik.
Depressionen weiter auf hohem Niveau
Bei Depressionen zeigt sich in Brandenburg eine Plateau-Bildung auf hohem Niveau. So stiegen die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Depressionen 2024 im Vergleich zu 2019 um gut 23 Prozent. Seit 2021 verharren die Zahlen nahezu unverändert auf der gleichen Höhe. 2024 waren in Brandenburg hochgerechnet rund 2.400 jugendliche Mädchen mit einer Depression in Behandlung.
Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit. Insgesamt sind bei der Krankenkasse in Brandenburg mehr als 250.000 Menschen versichert.
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Stefan Poetig
Pressesprecher Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern
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