Mehr als die Hälfte der älteren Beschäftigten will vorzeitig in Rente
• DAK-Gesundheitsreport untersucht Situation älterer Beschäftigter in Deutschland: Rentenpläne und Krankenstand
• Krankenstand steigt mit zunehmendem Alter deutlich: Mit 66 Jahren liegt er im Schnitt bei 11 Prozent
• DAK-Chef Storm sieht Schlüssel für längeres Erwerbsleben in einem starken Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Hamburg, 22. Juni 2026. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten ab 50 Jahren will früher in Rente gehen. Bei denjenigen, die ihre Gesundheit als weniger gut beschreiben, sind es sogar 60 Prozent. Das geht aus einer Befragung von rund 7.000 Beschäftigten hervor, die das IGES Institut für den DAK-Gesundheitsreport 2026 im Auftrag der DAK-Gesundheit ausgewertet hat. IGES hat auch den Krankenstand aller DAK-versicherten Beschäftigten analysiert und dabei einen besonderen Fokus auf die älteren gelegt: Sie sind seltener, aber im Schnitt länger krankgeschrieben. Ab Mitte 50 ist eine Dynamik zu erkennen und es kommen auffällig viele Fehlzeiten dazu. Im Alter von 66 Jahren liegt der Krankenstand der Beschäftigten im Schnitt bei 11 Prozent. DAK-Chef Andreas Storm sieht großen Handlungsbedarf, denn Firmen können es sich nicht leisten, ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zeiten des demografischen Wandels zu verlieren.
„Der Schlüssel für ein längeres Erwerbsleben sind ein nachhaltiges betriebliches Gesundheitsmanagement und eine Unternehmenskultur, die die Erfahrung älterer Beschäftigter wertschätzt. Wenn jeder zweite Beschäftigte ab 50 Jahren heute über einen vorzeitigen Renteneintritt nachdenkt, verdeutlicht dies den großen Handlungsdruck. Darüber hinaus liegt der Krankenstand mit 66 Jahren im Durchschnitt doppelt so hoch wie mit 50“, kommentiert Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, die Ergebnisse. „Unternehmen müssen Gesundheitsangebote verstärken, denn sie können es sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nicht mehr leisten, ältere Beschäftigte und deren Kompetenzen zu verlieren.“
Über die Hälfte der ab 50-Jährigen plant vorzeitigen Ruhestand
Die repräsentative Befragung zeigt, wie verbreitet der Wunsch ist, früher in Rente zu gehen. Über alle Altersgruppen hinweg geben 44 Prozent an, über einen vorzeitigen Renteneintritt nachzudenken, 35 Prozent möchten bis zum Rentenalter arbeiten und neun Prozent planen darüber hinaus weiterzuarbeiten. Bei den Beschäftigten ab 50 Jahren fällt der Wunsch nach einem früheren Renteneintritt besonders stark aus: Mehr als die Hälfte (52 Prozent) will vorzeitig in den Ruhestand gehen. Entscheidend ist dabei die Gesundheit. 49 Prozent der Beschäftigten ab 50, die über eine gute Gesundheit verfügen, wollen vorzeitig gehen. Bei denjenigen, die ihre Gesundheit negativ bewerten, sind es hingegen 60 Prozent.
Wertschätzung: wichtigste Voraussetzung für längeres Arbeiten
Der Report zeigt: Wertschätzung ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Menschen länger arbeiten. Um „so lange wie möglich gesund, motiviert und leistungsfähig arbeiten“ zu können, forderten 40 Prozent der Befragten ab 50: „mehr Wertschätzung für meine Arbeitsleistung“. Und für 36 Prozent wäre entscheidend, dass ihr Erfahrungswissen stärker anerkannt und genutzt wird. Die Ergebnisse zeigen, was passiert, wenn Beschäftigte sich nicht ausreichend anerkannt fühlen. So planen Beschäftigte ab 50 Jahren, die wenig Anerkennung für ihr Erfahrungswissen erfahren, häufiger einen vorzeitigen Renteneintritt als Beschäftigte, die viel Anerkennung erhalten (55 gegenüber 49 Prozent).
Beschäftigte ab 50 seltener, aber länger krankgeschrieben
Entgegen dem gängigen Vorurteil eines geistigen und körperlichen Abbaus zeigt der Report, dass die selbstberichtete Leistungsfähigkeit der älteren Beschäftigten im Durchschnitt kaum anders ist als die der jüngeren. Auch bei den Krankschreibungen zeigt sich ein differenziertes Bild: Beschäftigte ab 50 Jahren haben deutlich weniger Krankschreibungen als jüngere Kolleginnen und Kollegen. So kamen im Jahr 2025 auf 100 ältere Beschäftigte 165 Krankschreibungen, bei den unter 50-Jährigen waren es mit 213 Fällen deutlich mehr. Allerdings sind die Erkrankungen der Älteren in der Regel gravierender und die Krankschreibungen entsprechend länger. Ein Krankheitsfall ist bei ihnen im Mittel mit einem doppelt so langen Ausfall verbunden. Insgesamt hatten die Beschäftigten ab 50 im Jahr 2025 durchschnittlich 26,9 Fehltage pro Kopf. Zum Vergleich: Bei den unter 50-Jährigen waren es pro Kopf 17,4 Fehltage.
Mit zunehmendem Alter steigt der Krankenstand kontinuierlich an. Der Krankenstand liegt bei den 50-Jährigen bei 5,8 Prozent. Er steigt danach langsam und schrittweise an und erreicht mit 60 Jahren 7,7 Prozent. Anschließend nimmt er nochmals deutlich zu und liegt mit 66 Jahren bei elf Prozent. Ein Krankenstand von elf Prozent bedeutet, dass an jedem Tag durchschnittlich elf von 100 Beschäftigten arbeitsunfähig sind.
Aktivrente: Extra-Bonus für Gesunde?
Die Befragung zeigt auch: Gegenüber der neuen Aktivrente sind viele Beschäftigte ab 50 grundsätzlich offen (65 Prozent), allerdings gibt es keine Mehrheit mit klarer Nutzungsabsicht. Knapp ein Viertel der Befragten (24 Prozent) kann sich die Nutzung einer Aktivrente gut vorstellen. Weitere 41 Prozent schließen dies nicht aus. Gleichzeitig lehnen 35 Prozent die Aktivrente klar ab. Insbesondere Frauen nennen als Hauptgrund gesundheitliche Einschränkungen und befürchten, nicht über das Rentenalter hinaus arbeiten zu können. Frauen haben zudem noch stärker als Männer (32 Prozent gegenüber 27 Prozent) Zweifel daran, überhaupt ein entsprechendes Arbeitsangebot für die Aktivrente zu finden, und gehen davon aus, dass ältere Beschäftigte nicht so gern genommen werden.
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Rüdiger Scharf
Chef-Pressesprecher & Leiter Unternehmenskommunikation
Themen: Vorstands-Kommunikation und Interviewanfragen, Gesundheits- und Pflegepolitik sowie Kinder- und Jugendgesundheit
