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Verschickungskinder: Offener Umgang mit einem dunklen Kapitel


Mit dem Wort Verschickungskinder verbindet sich ein wenig erforschtes Kapitel der Nachkriegsgeschichte, das für manche Menschen bis heute mit Angst und schmerzhaften Erinnerungen belastet ist. Die DAK-Gesundheit arbeitet dieses dunkle Kapitel der Geschichte nun umfangreich auf.

Verschickungskinder der DAK-Gesundheit

Von den 1950er bis in die 1990er Jahren verbrachten Kinder und Jugendliche mehrere Wochen ohne Begleitung der Eltern in einem Kinderkurheim oder einer Kinderkurklinik. Bundesweit gab es rund zehn Millionen Verschickungskinder, darunter bis zu 450.000 DAK-versicherte Kinder und Jugendliche. Ein Teil der Kinder litt unter Einsamkeit, Heimweh, Verlustängsten und der strengen Pädagogik. Teilweise wird von körperlichen Züchtigungen und demütigenden Strafen berichtet, vereinzelt auch von sexuellen Übergriffen. Im Herbst 2020 erreichten die DAK-Gesundheit entsprechende Vorwürfe ehemaliger Verschickungskinder.

Zur Aufarbeitung verpflichtet

Vorstand und Verwaltungsrat der DAK-Gesundheit haben sich daraufhin in einer gemeinsamen Erklärung als erste Krankenkasse zur Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse verpflichtet.

Wir beauftragten den Bielefelder Historiker Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl mit einer fundierten, unabhängigen Auseinandersetzung. Dieser forscht zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und setzt neben der Auswertung historischer Quellen auch auf die Methode der „Oral History“:
Schmuhl
Die Geschichte soll aus den Beschreibungen der Zeitgenossen rekonstruiert werden, in diesem Fall aus Gesprächen sowohl mit ehemaligen Verschickungskindern als auch mit Menschen, die in dieser Zeit im Dienst der DAK standen. Aus seinen Forschungsergebnissen ist eine Publikation entstanden.

DAK-Gesundheit übernimmt Verantwortung

Anja Röhl und Prof. Dr. Christiane Dienel von der Betroffeneninitiative der Verschickungskinder begrüßen darin, „dass die DAK Verantwortung für ihren Anteil an den Kinderverschickungen übernimmt“. Durch den Forschungsansatz von Professor Schmuhl würden die bisherigen Befunde aus den Untersuchungen der Initiative „bedrückend konkret, insbesondere in der Schilderung der vielfältigen Misshandlungen und Gewaltvorkommnisse“.

Der DAK-Vorstandsvorsitzende Andreas Storm wandte sich direkt an die ehemaligen Verschickungskinder:

Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, mich bei allen, die negative Erfahrungen in den Kinderkuren der DAK-Gesundheit gemacht haben, von tiefstem Herzen zu entschuldigen für das Leid, das ihnen widerfahren ist.

Es ist Aufgabe und Verpflichtung der DAK-Gesundheit, auch weiter den Dialog zu suchen und Hilfe anzubieten. Betroffene können sich unter der E-Mail-Adresse verschickungskinder@dak.de an die Kasse wenden. 


Das Buch zum Thema

Hans-Walter Schmuhl
Kur oder Verschickung? Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Buchcover-klein

Dölling und Galitz Verlag
304 Seiten, 30 Abbildungen
Broschur, Format 14 x 21,5 cm
ISBN 978-3-86218-163-6, 28,00 Euro

Aktualisiert am:
040 325 325 555

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