DAK Kinder- und Jugendreport 2026: Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Gelangweilter Junge im Unterricht.

Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die meist im Kindes- und Jugendalter auftritt. Rund fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind betroffen – damit zählt ADHS zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindesalter. Typische Merkmale sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, die sich auf schulische Anforderungen, das soziale Miteinander und die Lebensqualität auswirken können. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für weitere psychische Erkrankungen. Bei Kindern und Jugendlichen erfolgt die Behandlung primär mit Psychoedukation und Arzneimitteltherapie, eventuell ergänzt durch Psychotherapie. Im Jahr 2026 wird eine überarbeitete Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) zu ADHS bei Kindern und Jugendlichen erwartet.

Der Kinder- und Jugendreport 2026 knüpft an die bisherigen DAK-Analysen zu psychischen Erkrankungen an und erweitert diese um den Schwerpunkt ADHS. Anders als viele zuvor untersuchte Störungen, die häufiger bei Mädchen diagnostiziert werden, zeigt sich bei ADHS ein umgekehrtes Bild: Jungen sind deutlich häufiger betroffen. Damit ergänzt der Report die bisherige Berichterstattung um eine neue geschlechterspezifische Perspektive auf die psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter.

Kernergebnisse des Reports – auf einen Blick

  • ADHS-Neuerkrankungen nehmen bei Kindern und Jugendlichen zu, insbesondere von 2023 auf 2024. Im Jahr 2024 sind 17,0 von 1.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren neu an ADHS erkrankt, im Jahr 2023 weisen 14,6 je 1.000 eine Neuerkrankung auf (+16 %).
  • Jungen weisen den Großteil der ADHS-Neuerkrankungen auf, verglichen mit gleichaltrigen Mädchen. Verglichen mit 2023 nehmen die ADHS-Neuerkrankungen bei Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren von 19,7 auf 22,4 je 1.000 Jungen zu (+14 %).
  • Bei Mädchen nimmt die Zahl der ADHS-Neuerkrankungen im Zeitverlauf ebenfalls zu. Im Jahr 2024 weisen 11,3 je 1.000 Mädchen im Alter von 3 bis 17 Jahren eine ADHS-Neuerkrankung auf. Damit liegt die Inzidenz höher als noch im Jahr 2023 (9,3 je 1.000). Insgesamt entspricht dies einem relativen Anstieg um 21 %.
  • Grundschul- und Schulkinder weisen am häufigsten ADHS-Neuerkrankungen auf. Im Jahr 2024 werden im Grundschulalter 23,8 und im Schulalter 18,3 Neuerkrankungen je 1.000 Kinder dokumentiert – deutlich mehr als im Kleinkind- oder Jugendalter.
  • ADHS-Medikamente werden seit 2019 häufiger bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren mit ADHS verschrieben. Im Jahr 2024 erhalten 50,1 % der 6- bis 17-Jährigen mit ADHS mindestens eine entsprechende Verschreibung, im Jahr 2019 waren es 43,4 %.

Kernergebnisse im Detail

ADHS-Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu, insbesondere seit 2022

Neuerkrankungen von ADHS nehmen im Zeitverlauf bei DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren zu, insbesondere seit den Jahren 2022 und 2023. Im Jahr 2024 wurden bei 17,0 von 1.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren erstmals ADHS diagnostiziert. Im Vergleich zum Jahr 2020 entspricht dies einem Anstieg um 28 %. Gegenüber dem Vorjahr 2023 nahm die Inzidenz um 16 % zu. 

DAK Kinder- und Jugendreport 2026: Grafik zu den ADHS-Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Neuerkrankungen von ADHS sind im Analysezeitraum bis zu 2,4-mal so häufig bei Jungen zu beobachten, verglichen mit gleichaltrigen Mädchen. Im Jahr 2024 erhielten 22,4 von 1.000 Jungen und 11,3 von 1.000 Mädchen erstmals eine ADHS-Diagnose. Der relative Zuwachs bei Mädchen fällt mit 46 % deutlich stärker aus (vs. Jungen mit +21%). Auch im Jahresvergleich 2023 zu 2024 ist der Anstieg bei Mädchen (+ 21 %) ausgeprägter als bei Jungen (+ 14 %). 

Hochgerechnet auf alle Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 17 Jahren in Deutschland erhielten im Jahr 2024 ca. 202.000 Kinder und Jugendliche eine neue ADHS-Diagnose. Hochgerechnet auf alle Jungen und Mädchen in Deutschland wiesen im Jahr 2024 rund 136.500 Jungen und 65.000 Mädchen eine ADHS-Neuerkrankung auf (Hochrechnungen sind gerundet auf die 500er-Stelle, rundungsbedingte Abweichungen in der Berechnung der Summe/Differenz möglich, siehe Kapitel 4.3).

KJR 2026: Administrative Inzidenz von ADHS bei DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter von 3-17 Jahren.

Abbildung 1 Administrative Inzidenz von ADHS bei DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter von 3-17 Jahren. Quelle: Daten der DAK-Gesundheit, 2020-2024. Falldefinition: Mindestens eine gesicherte ambulant-ärztliche oder stationäre Haupt- und Nebendiagnosen (ICD-10-Code: F90.-) im Beobachtungsjahr und keine entsprechende Diagnose im Vorjahr (M1Q), Fälle je 1.000 Kinder und Jugendlicher.

KJR 2026: Administrative Inzidenz von ADHS bei DAK-versicherten Jungen und Mädchen im Alter von 3-17 Jahren.

Abbildung 2 Administrative Inzidenz von ADHS bei DAK-versicherten Jungen und Mädchen im Alter von 3-17 Jahren. Quelle: Daten der DAK-Gesundheit, 2020 vs. 2024. Falldefinition: Mindestens eine gesicherte ambulant-ärztliche oder stationäre Haupt- und Nebendiagnosen (ICD-10-Code: F90.-) im Beobachtungsjahr und keine entsprechende Diagnose im Vorjahr (M1Q), Fälle je 1.000 Mädchen und Jungen.

Grundschul- und Schulkinder weisen am häufigsten ADHS-Neuerkrankungen auf

ADHS-Neuerkrankungen nehmen seit 2020 in allen Altersgruppen bei Kindern und Jugendlichen zu. Am häufigsten sind ADHS-Neuerkrankungen bei Grundschulkindern, gefolgt von Schulkindern. Im Jahr 2024 wurden 23,8 Neuerkrankungen je 1.000 Grundschulkinder und 18,3 je 1.000 Schulkinder dokumentiert. Auch bei Jugendlichen stieg die Inzidenz an (2024: 11,0 je 1.000), während Kleinkinder weiterhin die niedrigsten Werte aufweisen (2024: 6,1 je 1.000). 

GrKJR 2026: Administrative, altersspezifische Inzidenz von ADHS bei DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter von 3-17.

Abbildung 3 Administrative, altersspezifische Inzidenz von ADHS bei DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter von 3-17 Jahren. Quelle: Daten der DAK-Gesundheit, 2020-2024. Falldefinition: Mindestens eine gesicherte ambulant-ärztliche oder stationäre Haupt- und Nebendiagnosen (ICD-10-Code: F90.-) im Beobachtungsjahr und keine entsprechende Diagnose im Vorjahr (M1Q), Fälle je 1.000 Kinder und Jugendlicher.

ADHS-Prävalenz verbleibt auf hohem Niveau, mit einem leichten Anstieg seit 2023

Die ADHS-Prävalenz bleibt bei Kindern und Jugendlichen (3-17 Jahre) im Zeitraum 2019 bis 2024 auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Im Jahr 2024 lag bei 52,1 je 1.000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen eine ADHS-Diagnose vor, im Vergleich zum Vorjahr ist ein leichter Anstieg von 9 % zu beobachten (2023: 47,6 je 1.000). Im Jahr 2019 wiesen 49,2 je 1.000 eine ADHS-Diagnose auf (+6 %). 

KJR 2026: Grafik zur ADHS-Prävalenz, die auf einem hohen Niveau verbleibt.

ADHS wird bei Jungen deutlich häufiger diagnostiziert als bei Mädchen. Im Jahr 2024 wiesen 72,8 je 1.000 Jungen eine ADHS-Diagnose auf, gegenüber 30,2 je 1.000 Mädchen. Bei Jungen zeigt sich nach einer leichten Abnahme bis 2021 ab dem Jahr 2022 wieder ein Anstieg der Prävalenz, der sich bis 2024 fortsetzt. Mädchen weisen seit 2021 eine kontinuierliche Zunahme der ADHS-Prävalenz auf. Die relative Zunahme von 2023 bis 2024 fällt bei den Mädchen mit +14 % stärker aus als bei Jungen (+8 %). Hochgerechnet auf alle Jungen und Mädchen in Deutschland im Alter von 3-17 Jahren entspricht dies im Jahr 2024 rund 443.500 Jungen und 174.000 Mädchen mit einer ADHS-Diagnose.
 

KJR: Grafik zur administrativen Prävalenz von ADHS bei DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter von 3-17.

Abbildung 5 Administrative Prävalenz von ADHS bei DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter von 3-17 Jahren. Quelle: Daten der DAK-Gesundheit, 2019-2024. Falldefinition: Mindestens eine gesicherte ambulant-ärztliche oder stationäre Haupt- und Nebendiagnosen (ICD-10-Code: F90.-) im Beobachtungsjahr (M1Q), Fälle je 1.000 Kinder und Jugendlicher.

ADHS-Medikamente werden seit 2019 häufiger verschrieben

Rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit ADHS erhalten ADHS-spezifische Arzneimittelverschreibungen, im Zeitverlauf nimmt dieser Anteil zu. Im Jahr 2024 bekamen 50,1 % der 6- bis 17-Jährigen mit ADHS mindestens eine entsprechende Verschreibung, gegenüber 43,4 % im Jahr 2019. Gegenüber dem Jahr 2019 entspricht dies einem Anstieg um 15%. 

KJR 2026: Grafik zu ADHS-Medikamenten

Jungen mit ADHS erhalten ADHS-Medikamente häufiger verschrieben als Mädchen. Im Jahr 2024 bekamen 52,3 % der Jungen mit ADHS ein ADHS-Medikament und 44,3 % der Mädchen (2019: 45,7 % bzw. 36,9 %). Während sich bei Jungen seit 2019 ein moderater Anstieg zeigt (+ 15 %), fällt die relative Zunahme bei Mädchen etwas stärker aus (+ 20 %).

KJR 2026: Grafik zum Anteil der Kinder und Jugendlichen mit ADHS-Diagnose und mehr im Alter von 6 bis 7.

Abbildung 4 Anteil der Kinder und Jugendlichen mit ADHS-Diagnose und mind. einer ADHS-spezifischen Arzneimittelverschreibungen im Alter von 6 bis 17 Jahren (in %). Daten: DAK-Gesundheit, 2019-2024, gesicherte ambulant-ärztliche und stationäre Haupt- und Nebendiagnosen. Falldefinition: Min1 gesicherte ADHS-Diagnose (ICD-10-Code: F90.-) und Min1 ADHS-spezifische Arzneimittelverschreibung (ATC-Codes: N06BA02, N06BA04, N06BA09, N06BA12 und N06BA21) im Beobachtungsjahr.

Auf ein Wort

  • Porträt Andreas Storm, Vorstand der DAK-Gesundheit

    Wir brauchen ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller, die Kinder begleiten und versorgen. Nur so können sie früh stabilisiert und gezielt unterstützt werden, bevor sich Belastungen verfestigen. Dafür sind ein offener Diskurs und konkrete Umsetzungspläne entscheidend, um die Resilienz junger Menschen zu steigern und Stressoren zu reduzieren. Ein großes Potenzial liegt hier in der Schule, wo wir alle Kinder erreichen können.

    Andreas Storm, Vorsitzender des Vorstands der DAK-Gesundheit


 
  • Porträt Dr med Christoph U. Correll

    Bei ADHS handelt es sich um eine multifaktorielle Erkrankung mit nachgewiesen starker biologischer Grundlage. Wenn eine genetische Veranlagung besteht, können aber auch sogenannte Stressoren dazu führen, dass eine psychische Erkrankung eher zum Tragen kommt. In den Daten des DAK-Kinder- und Jugendreports sehen wir, dass ADHS häufiger diagnostiziert wird – unter anderem eventuell auch, weil der Druck und Stress für Kinder und Jugendliche zugenommen haben. Wir beobachten wahrscheinlich zum Teil auch Spätfolgen der Pandemie, weil wichtige Lernschritte eventuell unterbrochen oder verzögert wurden. 

    Zudem nimmt der negative Einfluss sozialer Medien zu: Der erhöhte Medienkonsum kann die Konzentrationsfähigkeit mindern, das Stresslevel erhöhen und durch unrealistische Idealbilder den Selbstoptimierungsdruck verstärken. Sicherlich ist das Thema ADHS in der Öffentlichkeit auch präsenter geworden. Ärztinnen und Ärzte, Eltern und Lehrkräfte sind heute besser über die Symptome informiert. Die Krankheit kann dadurch schneller und früher diagnostiziert und gegebenenfalls behandelt werden – genau das ist wichtig, um jungen Menschen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Von einer Modediagnose oder Überdiagnostik kann jedoch im Allgemeinen keine Rede sein.

    Prof. Dr. med. Christoph U. Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité


 
  • Porträt Dr Michael Hubmann

    Die Ergebnisse des Kinder- und Jugendreports decken sich mit meiner subjektiven Wahrnehmung in der Praxis. Der Anstieg der ADHS-Neuerkrankungen steht aus meiner Sicht im Kontext der sogenannten ‚neuen Morbiditäten‘. Zwar gehören klassische Kinderkrankheiten weiterhin zu unserem Alltag, doch Themen wie Aufmerksamkeitsstörungen, psychosoziale Belastungen, Medienkonsum und veränderte Lebenswelten nehmen einen immer größeren Teil unserer Arbeitszeit in Anspruch. Der zeitliche und inhaltliche Aufwand für die Versorgung dieser Kinder ist erheblich gestiegen.

    Dr. Michael Hubmann, Kinder- und Jugendarzt und Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e. V. (BVKJ)


 
  • Porträt Dr. Ronny Jung

    Die Ergebnisse des Kinder- und Jugendreports kann ich aus der Versorgungsperspektive klar bestätigen. In unserer Praxis sehen wir nicht nur mehr Kinder mit ADHS-Verdacht, sondern vor allem komplexere Fälle mit multiplen Fragestellungen, die eine interdisziplinäre Diagnostik erfordern. Die reine Diagnose ist dabei längst nicht mehr der zentrale Punkt – entscheidend ist der differenzierte Blick auf Komorbiditäten, familiäre Dynamiken und schulische Anforderungen. Der Versorgungsbedarf ist deutlich strukturintensiver geworden.  

    Die Zahlen sind aus meiner Sicht weniger Ausdruck einer ‚Zunahme im engeren Sinne‘, sondern vielmehr einer verbesserten Sensibilität im System. Wir erkennen heute differenzierter, früher und auch in bislang unterversorgten Gruppen. Das ist grundsätzlich positiv – gleichzeitig zeigt es aber auch, dass unsere bestehenden Versorgungsstrukturen diesem differenzierten Bedarf nicht ausreichend gerecht werden.

    Besonders bemerkenswert ist der starke Anstieg bei Mädchen. Das spiegelt sehr gut wider, dass ADHS bei Mädchen lange unterdiagnostiziert war, da sich die Symptomatik häufig weniger externalisierend zeigt. ADHS ist kein reines ‚Jungen-Thema‘, sondern ein häufig übersehenes Störungsbild bei Mädchen, das sich oft erst spät und dann mit bereits erheblichen Folgebelastungen zeigt.

    Die Konsequenz daraus kann aus meiner Sicht nur sein, Versorgung neu zu denken: Wir brauchen strukturierte, multiprofessionelle Settings in der ambulanten Pädiatrie, klare diagnostische Pfade und ausreichend Zeitressourcen für Gespräche mit Familien und Schulen.

    Dr. Ronny Jung, Kinder- und Jugendarzt, Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e. V. (BVKJ) und Vorstandsmitglied der AG ADHS

Downloads: Report

Die Vollversion des Kinder- und Jugendreports vertieft die Analyse über die Kernergebnisse hinaus und beleuchtet ADHS im Kontext weiterer häufiger psychischer und Verhaltensstörungen, differenziert nach Neuerkrankungen und Prävalenzen – unter anderem nach Alter, sozioökonomischer Deprivation und ärztlicher Fachdisziplin. Zudem werden ausgewählte Komorbiditäten wie Sprachentwicklungsstörungen, Angststörungen und Depressionen detailliert untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, darunter fachärztliche Versorgungskontakte, ADHS-spezifische Arzneimittelverordnungen, psychotherapeutische Maßnahmen sowie multimodale Therapieansätze. Ergänzend enthält der Bericht eine approximierte Abgrenzung zwischen ADHS und ADS, eine transparente Darstellung der Methodik inklusive Operationalisierungen und Hochrechnungen sowie einen ausführlichen Datenanhang mit ergänzenden Tabellen.

Datengrundlage und Methodik

Die systematische Beschreibung der gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen sowie die Analyse beeinflussender Faktoren sind von hoher Relevanz für die öffentliche Gesundheit in Deutschland. Seit 2017 veröffentlicht die DAK-Gesundheit deshalb in Zusammenarbeit mit Vandage und der Universität Bielefeld jährlich mehrere Schwerpunktanalysen zur Gesundheit und Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Mit fast 800.000 DAK-Versicherten im Alter von 0 bis 17 Jahren ist der DAK-Kinder- und Jugendreport eine der größten Analysen im Themengebiet der Kindergesundheit in Europa.

Für die vorliegenden Analysen wurden bundesweite anonymisierte Abrechnungs- bzw. Routinedaten aller im Zeitraum zwischen 2019 und 2024 bei der DAK-Gesundheit versicherten Kinder und Jugendlichen ausgewertet. Dem zugrunde liegen alle zu Abrechnungszwecken dokumentierten Versicherungs- und Leistungsdaten. Diese umfassen Informationen zur:

  • Mitgliederstatistik (Stammdaten)
  • stationären Versorgung [§ 301 Abs. 1 fünftes Sozialgesetzbuch (SGB V)]
  • vertragsärztlichen Versorgung (§ 295 Abs. 2 SGB V)
  • Arzneimittelversorgung (§ 300 Abs. 1 SGB V)
  • Vorsorge und stationären Rehabilitation (§ 301 Abs. 4 SGB V)
  • Heilmittelversorgung (§ 302 SGB V)
  • Hilfsmittel (§ 302 SGB V)
  • Arbeitsunfähigkeit (der Eltern, § 295 Abs. 1 SGB V)

Der vorliegende Kinder- und Jugendreport zu ADHS fokussiert Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 3 und 17 Jahren, für die medikamentenbezogenen Analysen werden 6- bis 17-Jährige betrachtet. Diese differenzierte Betrachtung ist sinnvoll, da ADHS gemäß der AWMF-Leitlinie ab 3 Jahren diagnostiziert werden sollte und ADHS-spezifische Medikamente ab 6 Jahren zugelassen sind. Bis zu 673.000 DAK-versicherte Kinder und Jugendliche aus Deutschland im Alter von 3 bis 17 Jahren, die in den Jahren 2019 bis 2024 bei der DAK-Gesundheit versichert waren, gehen somit in die vorliegende Analyse des DAK-Kinder- und Jugendreportes ein. Die Geschlechtsverteilung DAK-versicherter Kinder und Jugendlicher ist repräsentativ zur bundesweiten Verteilung. Sowohl der Anteil aller DAK-versicherten Mädchen an allen DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen sowie der Anteil aller Mädchen in Deutschland an allen Kindern und Jugendlichen in Deutschland liegt bei 48,6 %. Der Anteil der Jungen liegt dementsprechend bei 51,4 %. Kinder aus ostdeutschen Bundesländern sind unter DAK-Versicherten im bundesweiten Vergleich leicht überrepräsentiert. 

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