DAK-Gesundheitsreport 2026: Arbeiten ab 50 - langfristig gesund und zufrieden

Die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Renteneintritt und ganz speziell die stufenweise Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters seit 2012 auf 67 Jahre führen zu einer Zunahme älterer Beschäftigter. Die veränderten Rahmenbedingungen spiegeln sich in einem Anstieg der Erwerbstätigenquote in den höheren Altersgruppen wider: So stieg die Quote bei den 60- bis 64-Jährigen zwischen 2014 und 2024 um 14 Prozentpunkte an, von 53 auf 67 Prozent, bei den 65- bis 69-Jährigen um sieben Prozentpunkte von 14 auf 21 Prozent (Statistisches Bundesamt 2025). Unter dem Titel „Arbeiten ab 50: langfristig gesund und zufrieden” beleuchtet der DAK-Gesundheitsreport 2026 die gesundheitliche Situation und die Rahmenbedingungen von Erwerbsarbeit in dieser Lebens- und Erwerbsphase.

Arbeitsmeeting - eine Frau und ein Mann sitzen fröhlich am Tisch

 

Wie steht es aber um die Gesundheit der immer älteren Beschäftigten? Zur Beschreibung der Gesundheit der Beschäftigten wird häufig der „healthy-worker-effect“ herangezogen, der die Beschäftigten per se als eine relative gesunde Gruppe der Bevölkerung kennzeichnet, da sonst eine reguläre Beschäftigung gar nicht möglich wäre.

Die Analysen der DAK-Gesundheit in den bisherigen Gesundheitsreporten zeigt einen mit zunehmendem Alter steigenden Krankenstand. Krankschreibungen nehmen zwar in ihrer Häufigkeit nicht zu, führen aber in der späten Erwerbsphase zu längeren Ausfällen. Hintergrund dieser Entwicklung sind mit zunehmendem Alter steigende Erkrankungsschwere oder Chronifizierungen bestehender Erkrankungen.

Der DAK-Gesundheitsreport 2023 zeigte bereits, dass ältere Beschäftigte sich selbst im großen Umfang eine hohe Leistungsfähigkeit und einen guten Gesundheitszustand zuschreiben. Mit Blick auf unterstützende betriebliche Rahmenbedingungen – speziell für ältere Beschäftigte – ergab die Analyse Hinweise auf einen stärkeren Handlungsbedarf durch die Betriebe.

Ergebnisse

  • Der „healthy-worker-effect“ setzt im Zuge der Anhebung des Rentenalters später und auf einem höheren Krankenstandniveau ein. Lange Krankschreibungen ab einer Dauer von sechs Wochen nehmen in der späten Erwerbsphase deutlich zu und führen zu entsprechend vielen Fehltagen.
  • Die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten unterscheidet sich unwesentlich von Leistungsfähigkeit der jüngeren Beschäftigten. Jedoch zeigen sich Leistungseinbußen bei Beschäftigten ab 50 Jahren, die körperlich anstrengende Tätigkeiten verrichten oder bei Geringqualifizierten.
  • Carearbeit in der späten Erwerbsphase spielt für einen nennenswerten Anteil der Beschäftigten eine Rolle. Die Carearbeit hat Einfluss auf die selbstberichtete Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Diese Gruppe der Beschäftigten arbeitet vermehrt im reduzierten Stundenumfang und erwägt einen früheren Eintritt in die Rente.
  • Mehr Wertschätzung der Arbeitsleistung und des Erfahrungswissens wünschen sich die meisten Beschäftigten ab 50, um möglichst lange gesund, motiviert und leistungsfähig weiterzuarbeiten. Diese Wertschätzung bleibt aktuell vielfach aus.
  • Die Nutzung von Fort- und Weiterbildungsangeboten in der späten Erwerbsphase ist ausbaufähig. Ebenso bieten die Betriebe älteren Beschäftigten aktuell noch wenig Unterstützung für solche Maßnahmen an.
     

Gesundheit und Arbeitsunfähigkeit

In der Altersspanne von 50 bis 58 Jahren steigt der Krankenstand der DAK-versicherten Beschäftigten kontinuierlich von 5,8 auf 7,0 Prozent. Danach verstärkt sich der Anstieg: Die stärkste Zunahme zeigt sich zwischen dem Alter 62 und 64, der Krankenstand erreicht einen Wert von 10,6 Prozent. Bis zum Alter von 66 Jahren steigt der Krankenstand verlangsamt, aber kontinuierlich und erreicht seinen maximalen Wert von 11,0 Prozent. Damit liegt der Krankenstand knapp 90 Prozent über dem Ausgangsniveau der Beschäftigten im Alter von 50 Jahren (5,8 Prozent).

Grafik 1: Krankenstand der Beschäftigten ab 50 Jahren nach Einzelalter

Abbildung 1: Krankenstand der Beschäftigten ab 50 Jahren nach Einzelalter
Quelle: AU-Daten der DAK-Gesundheit 2025

Ein Index-Vergleich des Krankenstandes im Alter von 50 Jahren der Jahre 2005, 2015 und 2025, wobei der Indexwert für das Alter 50 100 Prozent entspricht, zeigt, wie sich der Krankenstand ausgehend von diesem Basiswert mit zunehmendem Alter entwickelt hat. Die Indexdarstellung ermöglicht einen Vergleich der Altersprofile unabhängig vom jeweiligen Niveau des Krankenstandes in den einzelnen Jahren. Der Vergleich des Krankenstandes ab 50 Jahren zeigt, dass der Krankenstand in den drei Referenzjahren im Altersverlauf auf ein maximales Niveau von 160 Prozent (2005), 171 Prozent (2015) bzw. 190 Prozent (2025) anstieg. Zudem setzt der „healthy-worker-effect“ 2015 deutlich früher ein als 2025. Das höchste Niveau erreichte der Krankenstand 2005 bereits im Alter von 60 Jahren und sank danach allmählich ab. Der altersbedingte Anstieg des Krankenstandes fiel im Zeitverlauf zunehmend stärker aus: Im Alter von 65 Jahren lag der Krankenstand 2005 noch 31 Prozent über dem Niveau der 50-Jährigen, 2015 bereits 41 Prozent und 2025 deutlich höher mit 85 Prozent über dem Ausgangsniveau von 2005.

Grafik 2: Altersprofil des Krankenstands der Beschäftigten ab 50 Jahren in 2005, 2015, 2025

Abbildung 2: Altersprofil des Krankenstands der Beschäftigten ab 50 Jahren in 2005, 2015, 2025
Quelle: AU-Daten der DAK-Gesundheit 2005, 2015, 2025

Während eine Krankschreibung im Alter von 50 Jahren durchschnittlich 12,4 Kalendertage dauert, sind es im Alter von 66 Jahren bereits 27,7 Kalendertage. Dagegen werden Beschäftigte in der späten Erwerbsphase zunehmend seltener krankgeschrieben: Auf 50-Jährige entfallen je 100 Versichertenjahre 170 Krankschreibungen, auf 63-Jährige noch 164. Danach sinkt die Zahl der Krankschreibungen deutlich ab. Der Anstieg des Krankenstands mit fortschreitendem Alter ist überwiegend auf eine Zunahme der Fehlzeiten durch sehr lange Krankschreibungen mit einer Dauer von mehr als 42 Tagen zurückzuführen. Vermutlich stehen die langen Fehlzeiten im Zusammenhang mit einer Chronifizierung verschiedener Erkrankungen im Altersverlauf der Beschäftigten.

„Länger andauernde Ausfälle älterer Beschäftigter stellen Betriebe vor besondere organisatorische und personelle Herausforderungen. Die größte Herausforderung entsteht dort, wo erfahrene Mitarbeitende über längere Zeit fehlen. In vielen Betrieben hängt an einzelnen Personen viel implizites Wissen, z. B. zur Störungsbehebung, zu Abläufen oder zu Kundensituationen. Fällt diese Erfahrung über Wochen oder Monate weg, entstehen Lücken, die nicht kurzfristig ersetzt werden können. Gleichzeitig bringen längere Ausfälle aber auch eine gewisse Planungssicherheit mit sich. Anders als bei häufigen Kurzfehlzeiten ermöglichen sie es Unternehmen, Vertretungsregelungen oder Umverteilungen strukturierter aufzusetzen. Herausfordernd ist auch die Rückkehr, gerade nach langen Erkrankungen. Die Wiedereingliederung erfordert Fingerspitzengefühl und klare Absprachen. Gut aufgestellte Unternehmen investieren hier heute stärker in abgestimmte Prozesse, damit der Wiedereinstieg gelingt.“ Prof. Dr. Sascha Stowasser, Direktor des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. und Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Im Rahmen der Beschäftigtenbefragung wurde der selbstberichtete Gesundheitszustand erhoben: Rund 84 Prozent der Beschäftigten bis 44 Jahre beschreiben ihren Gesundheitszustand als mindestens gut. In der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen liegt dieser Anteil mit rund 78 Prozent etwas niedriger. Ab Mitte 50 sinkt der Anteil der Beschäftigten mit mindestens gutem Gesundheitszustand tendenziell weiter und bewegt sich zwischen 64,3 Prozent bei den 62- bis 63-Jährigen und 76 Prozent bei den 64- bis 67-Jährigen. Der Anteil der Beschäftigten, die ihren Gesundheitszustand als „ausgezeichnet“ oder „sehr gut“ einschätzen, nimmt mit zunehmendem Alter nahezu kontinuierlich ab und erreicht seinen Tiefpunkt bei den 62- bis 63-Jährigen, bevor er in der nächsthöheren Altersgruppe wieder leicht ansteigt. Spiegelbildlich dazu steigt der Anteil der Beschäftigten mit einem „weniger guten“ oder „schlechtem“ Gesundheitszustand ab Mitte 50 an, erreicht ebenfalls bei den 62- bis 63-Jährigen seinen Höchstwert und geht in der obersten Altersgruppe wieder zurück. Dieses Muster deutet auf den „healthy-worker-effect“ hin.

Bei Beschäftigten mit dem niedrigsten Tätigkeitsniveau zeigen sich in der sehr späten Erwerbsphase deutliche Veränderungen: In der Altersgruppe der 60- bis 67-Jährigen geben 39,7 Prozent einen weniger guten oder schlechten Gesundheitszustand an – erheblich mehr als in den jüngeren Altersgruppen. Bei Beschäftigten mit mittlerem Tätigkeitsniveau (gelernt/qualifiziert) steigt der Anteil in den oberen Altersgruppen ebenfalls an, jedoch auf einem geringeren Niveau. Beschäftigte mit gehobenem/hochqualifizierten Tätigkeitsniveau zeigen in allen Altersgruppen den geringsten Anteil mit weniger gutem oder schlechten Gesundheitszustand.

Hinsichtlich der Leistungsfähigkeit lassen sich nur geringe Unterschiede zwischen den Altersgruppen feststellen. Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass sich die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten in der späten Erwerbsphase nicht wesentlich vom Gesamtdurchschnitt unterscheidet, nennenswerte altersbedingte Einbußen zeigen sich nicht.

Jedoch zeigt sich bei körperlich tätigen Beschäftigten ab 55 Jahren ein deutlicher Einschnitt: Der Anteil derjenigen, die ihre volle Leistungsfähigkeit abrufen können, sinkt von 56,8 Prozent bei den 50- bis 54-Jährigen auf 41,0 Prozent bei den 55- bis 59-Jährigen und verbleibt auch in den höheren Altersgruppen durchgängig unter 50 Prozent. Bei den vorwiegend geistig Tätigen stellt sich die Entwicklung anders dar: Der Rückgang in der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen fällt deutlich geringer aus, und in den höheren Altersgruppen steigt der Anteil der Beschäftigten mit voller Leistungsfähigkeit sogar wieder merklich an.

„Längere Erwerbstätigkeit wird in den Betrieben oft noch biologisch statt funktional gedacht. Alter wird primär mit Leistungsabnahme assoziiert, weniger mit Erfahrungswissen, Problemlösungskompetenz oder sozialer Stabilität. Entsprechend fehlen vielfach differenzierte Rollenmodelle jenseits klassischer Vollzeit- und Linienfunktionen, etwa projektbezogene Tätigkeiten, Mentoring-Rollen oder wissensorientierte Übergangsmodelle in Richtung Ruhestand.“ Frau Prof. Dr. Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung

Rentenpläne 

Im Herbst 2025 planten 43,6 Prozent der befragten Beschäftigten, vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Erwerbsleben aussteigen zu wollen. Männer planen mit 45,7 Prozent etwas häufiger einen früheren Austritt als Frauen (40,3 Prozent). Am häufigsten planen Beschäftigte der Altersgruppe 55 bis 59 Jahre einen frühen Renteneintritt. Einen sehr frühen Renteneintritt, mindestens fünf Jahre vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter, planen am häufigsten Beschäftigte unter 55 Jahren. Für die ältere Beschäftigte ist diese Option teilweise schon nicht mehr relevant, entsprechend planen die aktuell aktiv Erwerbstätigen in den höheren Altersgruppen zu größeren Anteilen, bis zum gesetzlichen Rentenalter oder sogar darüber hinaus zu arbeiten (62 bis 63 Jahre: 48,2 bis 1 Prozent; 64 bis 67 Jahre: 70,9 Prozent). Keine Angaben zu ihren Rentenplänen können 17 Prozent der unter 50-Jährigen machen, bei den 50- bis 54-Jährigen hingegen nur 5,4 Prozent.

Grafik 3: Beschäftigtenbefragung, alle Beschäftigte (n = 7.050)

Abbildung 3: Anteil Beschäftigte nach Plänen zum Renteneintritt
Quelle: Beschäftigtenbefragung, alle Beschäftigte (n = 7.050)

Gute Arbeitsbedingungen spielen für 49 Prozent der Befragten eine große oder sehr große Rolle dabei, die Arbeit die Erwerbstätigkeit möglichst lange aufrechtzuerhalten. Freude an der Arbeit (48,8 Prozent) ist mit ebenfalls rund 49 Prozent ein praktisch ebenso wichtiger Faktor. Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Arbeit ihnen große Freude bereitet und dies ein wesentlicher Faktor für den Verbleib im Erwerbsleben ist. Soziale Kontakte durch die Arbeit spielen für 44,8 Prozent eine große oder sehr große Rolle, was die Bedeutung des Arbeitsplatzes als sozialen Raum unterstreicht, der über die reine Erwerbstätigkeit hinausgeht. Die Möglichkeit, Wissen und Erfahrungen weiterzugeben, ist für 42,2 Prozent der Befragten ein wichtiger Grund. Mehr als zwei Fünftel sehen darin eine Chance, ihre über Jahre erworbene Expertise zu teilen. Die finanzielle Situation erfordert es bei 40,1 Prozent der Befragten, möglichst lange zu arbeiten. Für zwei Fünftel ist die wirtschaftliche Notwendigkeit ein entscheidender Faktor. Das Gefühl, gebraucht zu werden, spielt für 38,2 Prozent eine wichtige Rolle. Dass die Arbeit einen Sinn im Leben gibt, wird von 37,1 Prozent als bedeutsam eingestuft. Für 35,1 Prozent der Beschäftigten ab 50 Jahren ist die Tatsache, dass Sie ihre Arbeit flexibel gestalten können ein wichtiger Grund dafür, lange erwerbstätig bleiben zu können.

Grafik 4: Anteil Beschäftigte nach Gesundheitszustand und Plänen zum Renteneintritt

Abbildung 4: Anteil Beschäftigte nach Gesundheitszustand und Plänen zum Renteneintritt
Quelle: Beschäftigtenbefragung, alle Beschäftigte (n = 7.018)

Beschäftigte mit schlechterem Gesundheitszustand planen deutlich häufiger einen vorzeitigen Renteneintritt: In der Altersgruppe der 50- bis 67-Jährigen beabsichtigen 60,0 Prozent derjenigen mit weniger gutem oder schlechtem Gesundheitszustand, vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Bei Beschäftigten mit gutem bis ausgezeichnetem Gesundheitszustand liegt dieser Anteil mit 48,6 Prozent um mehr als 11 Prozentpunkte niedriger. Nur 28,0 Prozent der gesundheitlich Beeinträchtigten planen, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten (vs. 37,3 Prozent bei guter Gesundheit). Lediglich 9,1 Prozent der gesundheitlich Beeinträchtigten können sich vorstellen, länger zu arbeiten (vs. 11,3 Prozent bei guter Gesundheit). Bei den unter 50-Jährigen ergibt sich ein ähnliches Bild, aber die Unterschiede sind noch ausgeprägter. Der Anteil derer, die einen vorzeitigen Ausstieg planen, liegt bei gesundheitlich Beeinträchtigten um 13,3 Prozentpunkte höher als bei Beschäftigten in guter Gesundheit (51,5 Prozent vs. 38,2 Prozent). Nur 4,2 Prozent der gesundheitlich Beeinträchtigten können sich vorstellen, über das gesetzliche Renten eintrittsalter hinaus zu arbeiten – bei guter Gesundheit sind es mehr als doppelt so viele (8,9 Prozent).

Für Beschäftigte mit weniger gutem oder schlechtem Gesundheitszustand spielt die finanzielle Notwendigkeit eine deutlich größere Rolle für eine lange Erwerbstätigkeit (46,6 Prozent) als bei jenen mit gutem bis ausgezeichnetem Gesundheitszustand (37,1 Prozent). 

Beschäftigte, die eine Person in ihrem Umfeld bzw. ihrer Familie unterstützen, arbeiten zudem häufiger in Teilzeit oder haben ihre Arbeitszeit in den letzten 12 Monaten reduziert und wollen zu höheren Anteilen vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Erwerbsleben aussteigen. Die Auswirkungen von Carearbeit auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind unverkennbar.

„Betriebe können viel dafür tun, damit Beschäftigte gesund und motiviert bis zum Renteneintritt arbeiten können. Entscheidend ist, Arbeit so zu organisieren, dass Belastungen reduziert und Ressourcen gestärkt werden, etwa durch realistische Arbeitsvolumina, eine gute Führungskultur und transparente Entwicklungsperspektiven. Hilfreich sind außerdem Angebote wie regelmäßige Gesundheitschecks, Bewegungs- und Präventionsprogramme sowie flexible Modelle, die unterschiedlichen Lebensphasen gerecht werden. Wenn Unternehmen zudem Lerngelegenheiten kontinuierlich fördern und Teams so aufstellen, dass Wissen im Alltag geteilt wird, stärkt das sowohl die Beschäftigungsfähigkeit als auch die Zufriedenheit der Mit arbeitenden. Zudem spielen Wertschätzung und Respekt eine tragende Rolle.“ Jurek Tiedemann, Economist für Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V

Gefragt nach Änderungen, damit die Beschäftigten so lange wie möglich gesund, motiviert und leistungsfähig arbeiten können, steht mit 39,8 Prozent der Wunsch nach mehr Wertschätzung der Arbeitsleistung an erster Stelle, gefolgt von der Erhöhung der Bezahlung mit 37,8 Prozent und mehr Wertschätzung des Erfahrungswissens mit 36,2 Prozent. Danach folgen verschiedene Aspekte der Flexibilisierung: Die Anpassung der Arbeitszeiten an individuelle Bedürfnisse wird von 35,4 Prozent genannt, die Anpassung des Arbeitsumfangs von 31,1 Prozent. 

Grafik 5: Veränderungsbedarfe für langes und motiviertes Arbeiten in Gesundheit (Beschäftigte ab 50 Jahren)

Abbildung 5: Veränderungsbedarfe für langes und motiviertes Arbeiten in Gesundheit (Beschäftigte ab 50 Jahren)
Quelle: Beschäftigtenbefragung, Beschäftigte ab 50 Jahren (n = 3.548)
 

Fort- und Weiterbildung

Die Teilnahmequote an einer Fortbildung in den zurückliegenden zwölf Monaten liegt über alle Altersgruppen hinweg bei 49,7 Prozent. Nach Altersgruppen aufgeschlüsselt ergibt sich das folgende Bild: Mit 54,0 Prozent weisen die unter 50-jährigen Beschäftigten die höchste Teilnahmequote auf. Mit steigendem Alter nimmt die Teilnahmequote tendenziell ab. So liegt sie bei den 50- bis 54-Jährigen bei 48,5 Prozent und in der Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen bei 39,0 Prozent. Die 60- bis 61-Jährigen haben eine Teilnahmequote von 43,2 Prozent, während die 62- bis 63-Jährigen mit 29,1 Prozent den niedrigsten Wert erreichen. Die älteste Gruppe der 64- bis 67-Jährigen weist mit 31,2 Prozent wieder einen leicht höheren Wert auf

Grafik 6: Teilnahme an Fort- oder Weiterbildung in den letzten 12 Monaten und Gründe für Nichtteilnehme nach Alter.

Abbildung 6: Teilnahme an Fort- oder Weiterbildung in den letzten 12 Monaten und Gründe für Nichtteilnehme nach Alter
Quelle: Beschäftigtenbefragung, alle Beschäftigte (n = 7.019)

Auch die wahrgenommene Unterstützung zur Fort- oder Weiterbildung nimmt im Altersverlauf ab. Besonders deutlich ist der Alterseffekt bei der Ermutigung durch die Führungskraft: Hier sinkt die Zustimmung von 44 Prozent bei den unter 50-Jährigen kontinuierlich auf 26 bis 29 Prozent bei den über 55-Jährigen.

Grafik 7:  Ermutigung und Unterstützung zur Fort- oder Weiterbildung nach Alter

Abbildung 7: Ermutigung und Unterstützung zur Fort- oder Weiterbildung nach Alter
Quelle: Beschäftigtenbefragung, alle Beschäftigte (n = 6.696 – 6.572)
 

„Für Betriebe ergibt sich mit Blick auf älter werdende Belegschaften die Herausforderung Lebenslanges Lernen mit sich schnell verändernden digitalen Medien zu erreichen und die Medienkompetenz der Beschäftigten immer aktuell zu halten.“ Ulrike Scheytt, Referentin Pflegeausbildung der Vitanas GmbH & Co. KGa

Einordnung und Diskussion

Mehr Menschen arbeiten länger – und das unter Bedingungen, die nicht immer für eine lange Erwerbstätigkeit ausgelegt sind. Dieser Wandel hat zwei Seiten. Einerseits stehen den Betrieben mehr ältere Beschäftigte zur Verfügung, deren Erfahrungswissen und Leistungsbereitschaft ein echtes Potenzial darstellen.

Die große Mehrheit der älteren Beschäftigten beschreibt ihre Leistungsfähigkeit als unwesentlich schlechter als die der Jüngeren. Auch die Bereitschaft zu langer oder sehr langer Erwerbstätigkeit ist ausgeprägt. Selbst in der späten Erwerbsphase zeigen ältere Beschäftigte eine hohe Offenheit für Fortbildung und Weiterentwicklung. Für Betriebe ist das eine gute Nachricht: Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und den wirtschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart ist das Potenzial älterer Beschäftigter – insbesondere ihr Erfahrungswissen – ein strategisch wertvoller Faktor, der aktiv gehoben werden sollte. 

Andererseits zeigt sich, dass die Gruppe der Beschäftigten immer heterogener wird. Waren es vor der schrittweisen Anhebung des gesetzlichen Rentenalters v. a. Personen, die freiwillig länger arbeiten, finden sich nun auch vermehrt Beschäftigte, die bereits erhebliche gesundheitliche Einschränkungen aufweisen, eine Tätigkeit mit hoher Arbeitslast ausführen oder sich neben der eigentlichen Beschäftigung um eine Person kümmern bzw. diese pflegen. Hinzu kommt außerdem bei vielen Beschäftigten die finanzielle Notwendigkeit länger zu arbeiten. Das Krankenstandsgeschehen spiegelt dies unmittelbar wider: Der sogenannte „healthy-worker-effect“ – also der Selektionseffekt, der früher dafür sorgte, dass in der späten Erwerbsphase überdurchschnittlich gesunde Beschäftigte in der Erwerbstätigkeit verblieben sind – setzt heute deutlich später ein.

Ein zentraler Befund des Reports ist, dass bekannte Belastungsfaktoren – körperlich schwere Arbeit, hoher Arbeitsdruck, geringe Qualifikation – bei älteren Beschäftigten zu deutlich stärkeren Einbußen der Leistungsfähigkeit führen als bei Jüngeren. Soziale Unter schiede werden im besonderen Maße in der späten Erwerbsphase sichtbar und wirken verstärkt auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Erwerbstätigkeit von älteren Beschäftigten hat aber auch das Bild, das Unternehmen von ihnen zeichnen. Hier zeigen die Daten des Reports, dass sowohl in teilzeittätige Männer wie auch Frauen ab 50 Jahren vermehrt aus betrieblichen Gründen ihre Arbeitszeit nicht aufstocken können oder wegen der betrieblichen Situation innerhalb der letzten zwölf Monate die Arbeitszeit reduzierten. Verglichen mit Beschäftigten unter 50 Jahren treffen die Aussagen zur Teilzeit vermehrt auf ältere Beschäftigte zu. Auch das Erfahrungswissen älterer Beschäftigten sollte eine wichtige betriebliche Resources darstellen. Jedoch geben Beschäftigte ab 50 Jahren im Rahmen der Beschäftigtenbefragung an, dass ihr Erfahrungswissen im Hinblick auf verschiedene Aspekte seltener genutzt wird als das Wissen jüngerer Kolleginnen und Kollegen.

Der DAK-Gesundheitsreport 2026 macht deutlich: Die Verlängerung der Erwerbsbiografien ist möglich, wenn Betriebe und Politik die Rahmenbedingungen aktiv gestalten. Arbeit muss so organisiert sein, dass sie Belastungen reduziert, Ressourcen stärkt und Erfahrungswissen wertschätzt. Politische Anreizsysteme müssen so konzipiert sein, dass sie nicht nur die Gesunden sowie sozial und ökonomisch besser Gestellten erreichen, damit eine längere Erwerbstätigkeit für möglichst viele Beschäftigte eine lebensnahe Option bleibt.

Datengrundlage und Methodik

Die Ergebnisse des Schwerpunktthemas stützen sich auf verschiedene Datenquellen. Hierbei handelt es sich zum einen um die Prozessdaten der DAK-Gesundheit. Für die Analysen wurden Arbeitsunfähigkeitsdaten und die Daten aus der ambulanten Behandlung der 2,4 Mio. bei der DAK-Gesundheit versicherten Beschäftigten analysiert. 

Zum anderen wurde eine standardisierte Online-Befragung von 7.086 abhängig Beschäftigten im Alter von 18 bis 67 Jahren in Deutschland durchgeführt. Aufgrund der Schwerpunktsetzung ist die (ungewichtete) Stichprobe so angelegt, dass 50 Prozent der Befragten 50 Jahre oder älter sind. Die Befragung wurde im Zeitraum 05. bis zum 21. November 2025 durch die forsa Politik- und Sozialforschung GmbH als Online-Befragung realisiert.

Die Befragten sind auf Basis der Daten des Mikrozensus nach Alter, Geschlecht, Bildung und Bundesland gewichtet, sodass der Datensatz repräsentativ für die abhängig beschäftigte Bevölkerung im Alter von 18 bis 67 Jahren in Deutschland ist.

Eine weitere Datenquelle stellt eine halbstandardisierte Befragung von 9 Expertinnen und Experten dar. Der Pool der Befragten umfasst dabei zum einen Personen aus der wissenschaftlichen Praxis und zum anderen betriebliche Fachleute. Im Fokus der Befragung der wissenschaftlichen Expertinnen und Experten stehen die aktuelle Empirie zu Beschäftigten in der späten Erwerbsphase, die Chancen und Herausforderungen von zunehmend längerer Erwerbstätigkeit und vor diesem Hintergrund auch geeignete betriebliche Strategien für ein gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld in dieser Erwerbsphase sowie der Stellenwert von Erfahrungswissen und Erfahrungswerten.

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