Der DAK-Gesundheitsmonitor 2026: Analyse der Versorgungszufriedenheit und Reformbedarfe im deutschen Gesundheitswesen

Ein Gespräch bei der Arbeit am Besprechungstisch.

Methodik und Untersuchungsrahmen

Im Zeitraum vom 18. bis 30. April 2026 führte das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der DAK-Gesundheit eine repräsentative Erhebung zur Situation des deutschen Gesundheitswesens durch. Die Stichprobe umfasste n = 1.015 Probanden ab dem 16. Lebensjahr. Die Datenerhebung erfolgte mittels mündlich-persönlicher Interviews. Ziel der Untersuchung war die Erfassung der aktuellen Versorgungszufriedenheit sowie die Evaluation geplanter gesundheitspolitischer Maßnahmen, insbesondere des Beitragsstabilisierungsgesetzes.

Quantitative Entwicklung der Versorgungszufriedenheit

Die Untersuchung indiziert eine signifikante Erosion der Patientenzufriedenheit. Während im Zeitraum zwischen 2012 und 2022 eine stabile Zustimmungsrate von über 80 % zu verzeichnen war, sank dieser Wert im Jahr 2026 auf 62 %. Parallel dazu stieg der Anteil kritischer Bewertungen seit 2020 von 11 % auf 35 %.

Punkte-Graph: DAK Gesundheitsmonitor 2026: Zufriedenheit mit Gesundheitswesen befindet sich im Sinkflug

Abbildung 1: DAK-Gesundheitsmonitor 2026: Zufriedenheit mit Gesundheitswesen befindet sich im Sinkflug

Ein Drittel der Befragten gibt an, in den letzten zwei bis drei Jahren eine Verschlechterung der ambulanten ärztlichen Versorgung erfahren zu haben. Auch das Vertrauen in die stationäre Versorgung (Krankenhäuser) korreliert mit diesem Trend und sank von 43 % (2022) auf aktuell 33 %.

Determinanten des Vertrauensverlustes

Als primäre Belastungsfaktoren im Versorgungssystem wurden identifiziert:

  • Ärztemangel: Die subjektiv wahrgenommene Unterversorgung stieg seit 2011 von 13 % auf 36 % an. In den ostdeutschen Bundesländern liegt dieser Wert mit 57 % signifikant über dem Bundesdurchschnitt.
  • Wartezeiten: 72 % der Probanden nannten lange Wartezeiten auf Arzttermine als zentrales Defizit. Der Anteil derer, die wiederholt von exzessiven Wartezeiten berichten, stieg im Vergleich zu 2016 um 15 Prozentpunkte.
  • Zukunftserwartung: 59 % der Bevölkerung prognostizieren eine weitere Verschlechterung der Versorgungsqualität innerhalb der nächsten Dekade, begleitet von steigenden Kosten und einer zunehmenden Stratifizierung des Systems („Zwei-Klassen-Medizin“).

Evaluation gesundheitspolitischer Reformvorschläge

Die Akzeptanz potenzieller Reformmaßnahmen variiert stark in Abhängigkeit von der Art der Belastung:

Befürwortete Maßnahmen

Es besteht eine Mehrheit für fiskalische Maßnahmen zur Einnahmensteigerung und Kostendämpfung auf Anbieterseite:

  • Einführung bzw. Erhöhung von Steuern auf Tabak, Alkohol und zuckerhaltige Erfrischungsgetränke.
  • Erhöhung der Herstellerabschläge für Pharmazeutika.

Abgelehnte Maßnahmen

Maßnahmen, die eine unmittelbare Leistungsreduktion oder Kostensteigerung für Versicherte bedeuten, stoßen auf breite Ablehnung:

  • Kürzung der Zuschüsse für Zahnersatz und Erhöhung der Kassenbeiträge (jeweils 74 % Ablehnung).
  • Einschränkung präventiver Leistungen (z. B. Hautkrebsvorsorge: 67 %).
  • Reduktion des Krankengeldes (65 %).
  • Eingriffe in die beitragsfreie Familienversicherung für Ehegatten (53 %).

Systemische Einordnung und politisches Vertrauen

Trotz der kritischen Bewertung der aktuellen Versorgungslage bleibt die Unterstützung für das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit 74 % auf einem hohen Niveau. Dennoch wird die Lösungskompetenz der aktuellen Politik skeptisch beurteilt: 61 % bewerten die gegenwärtige Gesundheitspolitik negativ. Lediglich 10 % der Bevölkerung halten eine nachhaltige Beitragsstabilisierung durch die geplanten Reformen für wahrscheinlich.

Tortendiagramm: DAK Gesundheitsmonitor 2026: Mehrheit glaubt nicht an Stabilisierung der Beiträge.

Abbildung 2: DAK-Gesundheitsmonitor 2026: Die Bevölkerung geht mehrheitlich davon aus, dass es der Politik nicht gelingen wird, die Kassenbeiträge zu stabilisieren.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass ein dringender Bedarf an strukturellen Reformen artikuliert wird, wobei die Aufrechterhaltung des Leistungsniveaus und eine als fair empfundene Lastenverteilung die zentralen Anforderungen der Versicherten darstellen.

Auf ein Wort

  • Porträt Andreas Storm

    Das deutsche Gesundheitssystem ist krank: Wenn die Zufriedenheit der Menschen den tiefsten Stand seit 15 Jahren erreicht, dann müssen umgehend wirkungsvolle Therapien zur Hilfe eingeleitet werden. Im DAK-Gesundheitsmonitor können die Menschen die Defizite in der Versorgung sehr genau benennen und haben aktuell keine Zuversicht in die Lösungskompetenz der Politik. Wir brauchen daher bei der geplanten Gesundheitsreform von Ministerin Warken eine Kombination aus fairer Lastenverteilung und mutigen Strukturreformen. Nur so können wir unser Gesundheitssystem nachhaltig stabilisieren und das Vertrauen der Menschen wieder zurückgewinnen.

    Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit

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