Steißbeinschmerzen beim Sitzen: Ursachen erkennen und Beschwerden lindern
Du setzt dich hin und plötzlich sticht, zieht oder brennt es ganz unten am Rücken? Steißbeinschmerzen sind unangenehm und können das Sitzen zur echten Herausforderung machen. Sie können nach einem Sturz auftreten, manchmal aber auch ohne erkennbaren Auslöser. Die gute Nachricht: In vielen Fällen lassen sich die Beschwerden lindern, wenn du längeres Sitzen meidest, belastende Bewegungen vorübergehend anpasst und deinem Körper Zeit zur Erholung gibst. Hier erfährst du, was hinter Schmerzen am Steißbein stecken kann und was dagegen hilft.

Was steckt hinter Steißbeinschmerzen beim Sitzen?
Fachleute bezeichnen Schmerzen am Steißbein oder in seiner unmittelbaren Umgebung als Kokzygodynie (auch: Coccygodynie). Das Steißbein befindet sich am unteren Ende der Wirbelsäule, direkt unterhalb des Kreuzbeins. Obwohl es klein ist, übernimmt es wichtige Funktionen: Es stabilisiert das Becken beim Sitzen und verteilt dabei das Körpergewicht gleichmäßig. Es ist außerdem zentral für das Zusammenspiel von Bändern, Sehnen und Muskeln – zum Beispiel setzen der Afterheber (Musculus levator ani), ein großer Muskel des Beckenbodens, und der große Gesäßmuskel (Gluteus Maximus) am Steißbein an. Ursächlich für Steißbeinschmerzen ist daher nicht zwingend das Steißbein selbst, vielmehr können sie auch durch Verspannungen oder Reizungen des umliegenden Gewebes ausgelöst oder verstärkt werden.
Wie äußern sich Steißbeinschmerzen?
Typisch ist ein Schmerz ganz unten an der Wirbelsäule, oft mittig am oberen Bereich der Gesäßfalte. Er kann sich dumpf, ziehend, stechend oder brennend anfühlen und verschlimmert sich oft beim Sitzen und Aufstehen. Der Schmerz kann sich auch beim Stuhlgang oder dem Geschlechtsverkehr bemerkbar machen. Steißbeinschmerzen können zudem in das Gesäß, den unteren Rücken oder den Beckenbereich ausstrahlen.
Betroffene können in ihrem Alltag stark eingeschränkt sein, zuweilen nehmen sie eine Schonhaltung ein, um den Schmerz zu lindern, was Fehlbelastungen wiederum verstärken kann.
Wie lange halten Steißbeinschmerzen an?
Wie schnell die Schmerzen nachlassen, hängt stark von der Ursache und der Belastung im Alltag ab. Eine leichte Reizung kann sich innerhalb einiger Wochen bessern. Nach einer stärkeren Prellung oder einem Bruch können die Beschwerden länger anhalten. Manche Kokzygodynien werden chronisch und brauchen eine langwierige Behandlung.
Gib deinem Körper Zeit, aber beobachte den Verlauf. Wenn du nach einigen Wochen keine Besserung spürst, die Schmerzen zunehmen oder ständig wiederkehren, lass die Ursache ärztlich prüfen.
Welche Ursachen können Steißbeinschmerzen haben?
Die Ursachen von Steißbeinschmerzen sind vielfältig. Manchmal ist ein Sturz der Auslöser. Manchmal entstehen Steißbeinschmerzen auch durch Fehlbelastungen, etwa durch zu langes und häufiges Sitzen.
Häufige Auslöser lassen sich grob wie folgt einteilen:
| Mögliche Ursachen | Was dahinterstecken kann |
| Langes Sitzen | Wer lange sitzt, übt dauerhaft Druck auf das Steißbein aus, besonders auf harten oder schmalen Flächen. |
| Ungünstige Haltung | Je nach Sitzhaltung kann sich die Druckbelastung auf das Steißbein verändern. Bei bestehenden Beschwerden kann dies die Schmerzen verstärken. |
| Sturz oder Stoß | Nach einem Sturz oder Stoß kann das Steißbein geprellt, gereizt oder verrenkt sein. Selten liegt auch ein Bruch vor. |
| Schwangerschaft und Geburt | Veränderungen im Beckenbereich sowie die Belastungen während Schwangerschaft und Geburt können das Steißbein reizen oder seine Beweglichkeit vorübergehend verändern. |
| Körpergewicht | Sowohl Übergewicht als auch sehr niedriges Körpergewicht können die Belastung des Steißbeins erhöhen. |
| Wiederholte Belastung | Wer das Steißbein immer wieder belastet, etwa beim Radfahren oder Rudern, kann Beschwerden entwickeln. |
Manchmal lässt sich kein einzelner Auslöser feststellen. Häufig spielen mehrere Faktoren eine Rolle, etwa langes Sitzen, Veränderungen der Beweglichkeit des Steißbeins oder Beschwerden im Bereich der Beckenboden- und Beckenmuskulatur
Was kann ich gegen Steißbeinschmerzen beim Sitzen tun?
Oft hilft es zunächst, den schmerzenden Bereich im Alltag gezielt zu entlasten. Das bedeutet nicht, dass du dich komplett schonen musst. Oft hilft es bereits, sich zu bewegen und schmerzhafte Belastungen vorübergehend zu meiden oder zu reduzieren.
Du kannst beispielsweise Folgendes ausprobieren:
- Sitzposition verändern und Druck reduzieren: Probiere aus, welche Sitzhaltung den Druck auf das Steißbein am wenigsten verstärkt. Vielen Betroffenen hilft ein aufrechteres Sitzen oder eine leichte Gewichtsverlagerung nach vorn. Steh regelmäßig auf, geh ein paar Schritte und unterbrich längeres Sitzen.
- Arbeitsplatz ergonomisch gestalten: Ein ergonomischer Stuhl, ein höhenverstellbarer Schreibtisch, dynamisches Sitzen und regelmäßige Positionswechsel können helfen, Druckspitzen zu vermeiden.
- Sitzkissen nutzen: Ein spezielles Steißbeinkissen oder ein keilförmiges Sitzkissen kann den Bereich bei manchen Menschen entlasten. Prüfe, ob du darauf tatsächlich angenehmer sitzt. Ein Sitzring hilft nicht allen und kann den Druck ungünstig verlagern.
- Hüftbeuger-Dehnung: Vorsichtig dehnen, wenn sich die Vorderseite der Hüfte durch langes Sitzen verspannt oder weniger beweglich anfühlt. Lies hier mehr über den Psoas-Muskel, den Hüftbeuger, und was gegen Verspannungen helfen kann.
- Gesäßdehnung: Gesäßmuskulatur behutsam dehnen, wenn sie verspannt wirkt.
- Beckenboden-Entspannung: Tief atmen und den Beckenboden bewusst loslassen, statt ihn dauerhaft anzuspannen.
- Wärme oder Kälte testen: Nach einer akuten Reizung oder einem Stoß empfinden manche Kälte als angenehm. Bei Muskelverspannungen kann Wärme guttun.
- Schmerzmittel vorsichtig verwenden: Schmerzmittel wie Ibuprofen können kurzfristig Beschwerden lindern, eignen sich aber nicht für alle Menschen und sollten zudem nicht dauerhaft eingenommen werden. Beachte die Packungsbeilage und frage in einer Arztpraxis oder Apotheke nach, wenn du schwanger bist, Vorerkrankungen hast oder andere Medikamente einnimmst.
Übungen bei Steißbeinschmerzen
Sanfte Bewegung kann unterstützen, wenn sie deine Beschwerden nicht verstärkt. Physiotherapie zum Beispiel kann bei anhaltenden Beschwerden hilfreich sein. Häufig werden dabei sanfte Mobilisations-, Dehnungs- oder Entspannungsübungen eingesetzt. Welche davon bei Steißbeinschmerzen geeignet sind, wird der Therapeut oder die Therapeutin individuell beurteilen. Physiotherapie kann insbesondere dabei unterstützen, Bewegungsmuster, Haltung und individuelle Belastungsfaktoren zu beurteilen und anzupassen.
Wann sollte ich Steißbeinschmerzen untersuchen lassen?
Viele Beschwerden bessern sich mit Entlastung und etwas Geduld. Ärztlicher Rat ist aber wichtig, wenn die Schmerzen mehrere Wochen anhalten, stärker werden oder dich in deinem Alltag deutlich einschränken. Bitte lass die Beschwerden auch zeitnah abklären bei:
- einem Sturz, Unfall oder einem Verdacht auf Steißbeinbruch,
- sehr starken Schmerzen oder sichtbarer Schwellung,
- Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl,
- Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder neurologischen Beschwerden,
- Problemen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang,
- Eiter, Nässen, Blutungen oder schmerzhafter Schwellung in der Gesäßfalte,
- unerklärlichem Gewichtsverlust oder anhaltenden Schmerzen ohne klare Ursache
Die erste Anlaufstelle ist meist deine Hausärztin oder dein Hausarzt. Je nachdem, was hinter den Beschwerden steckt, kann dich die Praxis an eine orthopädische Fachpraxis oder an die Unfallchirurgie überweisen. Treten die Schmerzen nach einer Geburt auf, können auch deine Frauenärztin, dein Frauenarzt oder eine physiotherapeutische Fachkraft mit Erfahrung in Sachen Beckenboden weiterhelfen. Liegen die Beschwerden eher im Bereich der Gesäßfalte oder des Enddarms, kann eine proktologische Fachpraxis die passende Anlaufstelle sein.
Zu Beginn fragt die Ärztin oder der Arzt, seit wann du die Schmerzen hast, wann sie auftreten und ob ihnen beispielsweise ein Sturz oder eine Geburt vorausging. Danach folgt meist eine körperliche Untersuchung. Das Steißbein und benachbarte Strukturen können vorsichtig abgetastet werden. Eine Bildgebung ist nicht immer nötig. Nach einem Unfall oder bei einem auffälligen Untersuchungsbefund kann die Ärztin oder der Arzt Röntgenaufnahmen veranlassen. Bei länger anhaltenden Beschwerden können unter bestimmten Voraussetzungen Aufnahmen im Sitzen und Stehen helfen, die Beweglichkeit des Steißbeins zu beurteilen. Ein MRT kommt infrage, wenn der Befund unklar ist oder eine Entzündung beziehungsweise eine andere Ursache ausgeschlossen werden sollen.
Häufig gestellte Fragen zu Steißbeinschmerzen beim Sitzen
Darf ich mit Steißbeinschmerzen Sport machen?
Kann Stress Schmerzen am Steißbein verstärken?
Was ist eine Steißbeinfistel?
Fachbereich der DAK-Gesundheit
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