Kaufsucht: Anzeichen erkennen und Hilfe finden

Ein neues Paar Sneaker, Kosmetik im Sale oder ein Produkt, das dir auf Social Media immer wieder begegnet: Online-Shopping kann schnell zum Kauf verleiten. Häufiges Shoppen allein bedeutet jedoch noch keine Kaufsucht. Problematisch kann es werden, wenn du den Drang zu kaufen kaum noch kontrollieren kannst, immer häufiger kaufst oder dein Kaufverhalten negative Folgen für dich hat. In diesem Artikel erfährst du, woran du problematisches Kaufverhalten erkennst, welche Rolle Social Media und Werbung spielen und wo du Unterstützung findest.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nicht jeder spontane oder häufige Kauf ist eine Kaufsucht.
- Entscheidend ist vor allem, ob du dein Kaufverhalten noch kontrollieren kannst und ob es dich oder deinen Alltag belastet.
- Problematisches Kaufverhalten kann mit Stress, negativen Gefühlen oder anderen psychischen Belastungen zusammenhängen.
- Wenn du dir Sorgen machst, kannst du mit einer vertrauten Person, einer Beratungsstelle oder einer psychotherapeutischen Praxis sprechen.
Was ist eine Kaufsucht?
„Kaufsucht“ ist ein gebräuchlicher Begriff für ein zwanghaftes oder problematisches Kaufverhalten. Fachleute sprechen auch von pathologischem Kaufen oder einer Compulsive Buying-Shopping Disorder.
Ein spontaner Kauf, ein Einkauf im Schlussverkauf oder eine Phase mit besonders vielen Bestellungen sind für sich genommen noch kein Hinweis auf eine Kaufsucht. Wichtiger sind folgende Fragen:
- Kannst du selbst entscheiden, ob und wann du etwas kaufst?
- Schaffst du es, weniger zu kaufen, wenn du dir das vornimmst?
- Kaufst du weiter, obwohl du bereits Probleme dadurch hast?
- Nimmt das Shoppen immer mehr Raum in deinem Denken und Alltag ein?
Kaufsucht ist in den gängigen internationalen Krankheitsklassifikationen nicht als eigenständige Diagnose festgelegt. Zwanghaftes Kaufverhalten wird in der Forschung jedoch als ernst zu nehmende psychische Problematik untersucht. Ob eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung vorliegt, kann nur eine Fachperson beurteilen.
Wie kann sich zwanghaftes Kaufverhalten äußern?
Der Kaufdrang kann sich außerdem auf bestimmte Dinge konzentrieren, etwa auf Kleidung, Kosmetik, Technik, Sammelobjekte oder digitale Inhalte.
Wo oder was du kaufst, spielt dabei keine Rolle. Wenn du dein Kaufverhalten kaum noch kontrollieren kannst, darunter leidest oder das Shoppen negative Folgen für dich hat, solltest du dein Verhalten hinterfragen. Die verschiedenen Ausprägungen sind keine eigenständigen Diagnosen und können sich überschneiden.
Wer ist besonders von Kaufsucht betroffen?
Zwanghaftes Kaufverhalten kann Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen betreffen. Gerade im Jugendalter können Trends, Zugehörigkeit und die Frage, wie du auf andere wirkst, bei Kaufentscheidungen eine wichtige Rolle spielen. Das bedeutet aber nicht, dass häufiges Shoppen automatisch zur Kaufsucht wird.
Warum sich zwanghaftes Kaufen entwickelt, lässt sich meist nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Belastende Gefühle, Stress oder ein geringes Selbstwertgefühl können mit problematischem Kaufverhalten zusammenhängen. Gleichzeitig können Werbung, Rabattaktionen und ständig verfügbare Online-Shops den nächsten Kauf besonders leicht machen. Welche Faktoren bei einem Menschen zusammenspielen, ist sehr individuell.
Online-Shopping bei Kindern und Jugendlichen
Eine Sonderanalyse zum Online-Shopping bei Kindern und Jugendlichen der DAK-Gesundheit und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt, wie stark digitale Kaufanreize den Alltag vieler junger Menschen prägen:
- 47,2 Prozent der 10- bis 17-Jährigen wurden über Social Media auf Produkte aufmerksam.
- Bei 40,4 Prozent spielten Influencer eine Rolle.
- 28,5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen kauften mindestens einmal im Monat online. Bei den 10- bis 13-Jährigen waren es 11,3 Prozent.
Im Screening auf problematisches Online-Kaufverhalten zeigten sich bei Mädchen etwas häufiger Auffälligkeiten als bei Jungen. Das Screening ersetzt jedoch keine klinische Diagnose. Die Zahlen zeigen außerdem nicht, dass regelmäßiges Online-Shopping automatisch eine Kaufsucht bedeutet. Sie machen aber deutlich, dass Kinder und Jugendliche häufig mit digitalen Kaufanreizen in Berührung kommen.
Woran erkenne ich eine Kaufsucht?
Eine Kaufsucht beginnt oft schleichend. Vielleicht denkst du immer häufiger ans Shoppen, suchst länger nach Produkten als geplant oder kaufst Dinge, obwohl du sie eigentlich nicht brauchst oder dir nicht leisten kannst.
Anzeichen einer Kaufsucht können sein:
- du kaufst öfter oder mehr als geplant
- du denkst sehr häufig ans Shoppen oder an bestimmte Produkte
- du versuchst, weniger zu kaufen, schaffst es aber immer wieder nicht
- du bestellst heimlich oder versteckst Pakete und Einkäufe
- du löschst Bestell- oder Suchverläufe, damit andere nichts davon erfahren
- du findest Ausreden für deine Einkäufe oder die ausgegebenen Beträge
- deine Arbeit, Schule, Ausbildung, Hobbys, Freundschaften oder Schlaf geraten zunehmend in den Hintergrund
- du kaufst weiter, obwohl es bereits finanzielle, familiäre oder andere Probleme gibt
Wenn Kaufen zum Kreislauf wird
Bei zwanghaftem Kaufverhalten entsteht häufig ein wiederkehrender Kreislauf. Stress, Langeweile, innere Unruhe oder schlechte Stimmung können den Wunsch zu shoppen verstärken. Der Kauf sorgt kurzfristig für Freude oder Erleichterung. Danach folgen bei manchen Betroffenen Schuldgefühle, Scham oder Sorgen wegen der Ausgaben. Je häufiger sich dieser Kreislauf wiederholt und je schwerer es dir fällt, dein Kaufverhalten zu steuern, desto wichtiger ist es, genauer hinzuschauen.
Welche Folgen hat zwanghaftes Kaufverhalten?
Wenn sich aus häufigem Shoppen ein zwanghaftes Kaufverhalten entwickelt, kann das verschiedene Bereiche deines Lebens belasten. Mögliche Folgen sind:
- finanzielle Probleme, etwa wenn Rechnungen offenbleiben oder Schulden entstehen
- Streit und Vertrauensverlust, etwa in der Familie oder im Freundeskreis
- weniger Zeit für Schule, Ausbildung, Hobbys oder soziale Kontakte
- Schlafprobleme, wenn du lange nach Produkten suchst oder dir Sorgen um deine Ausgaben machst
- Scham- oder Schuldgefühle wegen der Einkäufe
- zunehmender Rückzug und psychische Belastung
Was hilft bei einer Kaufsucht?
Wenn du dein Kaufverhalten besser verstehen oder Kaufimpulse reduzieren möchtest, können folgende Schritte helfen:
- Schreibe deine Ausgaben für eine gewisse Zeit auf.
- Notiere, in welchen Situationen der Wunsch zu kaufen besonders stark ist.
- Frage dich vor einem Kauf: Brauche ich das wirklich – oder möchte ich mich gerade ablenken oder besser fühlen?
- Lege Produkte zunächst auf eine Wunschliste und vereinbare eine feste Wartezeit.
- Schalte Werbenachrichten aus und entferne gespeicherte Zahlungsdaten.
- Lösche Shopping-Apps, wenn sie dich immer wieder zum Kaufen verleiten.
- Lege ein realistisches Budget fest und überprüfe deine Ausgaben regelmäßig.
- Hinterfrage Rabattcodes, Countdowns und Influencer-Werbung. Ein zeitlich begrenztes Angebot ist nicht automatisch ein notwendiger oder günstiger Kauf.
Diese Schritte können eine erste Hilfe sein. Wenn du wiederholt erfolglos versuchst, weniger zu kaufen, oder bereits unter den Folgen leidest, reicht Selbsthilfe möglicherweise nicht aus. Dann ist es sinnvoll, Unterstützung zu holen.
Wo finde ich professionelle Hilfe?
Wenn der Kaufdrang sehr stark ist oder bereits Probleme entstanden sind, kannst du dir professionelle Unterstützung holen. Dazu gehören:
- Hausarztpraxis
- Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
- Suchtberatungsstellen
- bei finanziellen Problemen auch eine Schuldnerberatung
Ein erster Schritt kann auch ein Gespräch mit einer Person sein, der du vertraust – zum Beispiel mit deinen Eltern, einer Freundin oder einem Freund, einer Person aus der Schulsozialarbeit oder einer Beratungsstelle.
Eine mögliche Behandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei kann es unter anderem darum gehen, Auslöser für den Kaufdrang zu erkennen, Gedanken und Gewohnheiten zu verändern und andere Strategien für belastende Situationen zu entwickeln. Studien von Müller, Laskowski, Thomas et al. deuten auf einen möglichen Nutzen hin; die Forschung zu zwanghaftem Kaufverhalten ist jedoch noch begrenzt.
Für Eltern: Wie spreche ich mein Kind an?
Wenn du dir wegen des Kaufverhaltens deines Kindes Sorgen machst, sprich das Thema möglichst ruhig und ohne Vorwürfe an. Beschreibe konkret, was dir aufgefallen ist, zum Beispiel häufige Bestellungen, Sorgen wegen der Ausgaben oder dass das Shoppen sehr viel Zeit einnimmt.
Vermeide es, dein Kind vorschnell als „kaufsüchtig“ zu bezeichnen. Frage stattdessen, wie es ihm mit dem Kaufverhalten geht und ob es selbst etwas daran ändern möchte. Gemeinsam vereinbarte Regeln für Ausgaben und Online-Shopping können helfen.
Häufige Fragen zur Kaufsucht
Kann man kaufsüchtig sein, obwohl man keine Schulden hat?
Kann Kaufsucht nach einer Kaufpause wiederkommen?
Übernimmt die Krankenkasse eine Therapie bei problematischem Kaufverhalten?
Wie spreche ich eine Freundin oder einen Freund auf mögliches zwanghaftes Kaufen an?
Fachbereich der DAK-Gesundheit
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