Gehirnerschütterung bei Kindern und Babys: Symptome erkennen und richtig handeln

Dein Kind ist gestürzt und hat sich den Kopf angeschlagen? Gerade bei Babys und Kleinkindern ist es schwieriger einzuschätzen, ob eine Gehirnerschütterung vorliegt. Hier erfährst du, woran du eine Gehirnerschütterung bei Kindern und Babys erkennen kannst, wie du richtig reagierst und was bei Schlaf und Sport zu beachten ist.
Was ist eine Gehirnerschütterung?
Eine Gehirnerschütterung ist eine leichte Form des Schädel-Hirn-Traumas (SHT). Zum besseren Verständnis hilft ein Blick auf den Aufbau unseres Schädels. Das Gehirn ist im Schädel gut geschützt, denn es ist vom sogenannten Nervenwasser (Liquor) umgeben, das normale Bewegungen und leichte Erschütterungen abfedert.
Bei einem heftigen Stoß, einem Aufprall oder einer ruckartigen Bewegung des Kopfes kann sich das Gehirn innerhalb des Schädels stärker bewegen und gegen die Schädelwand stoßen. Das kann die Gehirnfunktion vorübergehend beeinträchtigen. In den meisten Fällen erholt sich das Gehirn aber wieder vollständig. Laut Berufsverband der Deutschen Chirurgen e. V. erleiden in Deutschland jährlich rund 50.000 bis 60.000 Kinder eine Gehirnerschütterung. Damit ist die Verletzung die häufigste Unfallverletzung, die in Krankenhäusern bei Kindern verzeichnet wird.
Im Unterschied zu Erwachsenen ist das Gehirn von Babys und Kindern deutlich empfindlicher. Eine Gehirnerschütterung sollte daher insbesondere bei Babys und Kindern ernst genommen werden.
Woran erkenne ich eine Gehirnerschütterung bei Kindern und Babys?
Die Anzeichen einer Gehirnerschütterung können je nach Alter unterschiedlich ausfallen. Bei größeren Kindern und Jugendlichen sind typische Beschwerden:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit oder Erbrechen
- Schwindel und Gleichgewichtsprobleme
- Licht- oder Lärmempfindlichkeit
- Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme
- ungewöhnliche Müdigkeit
- Reizbarkeit oder Verwirrtheit
Wie lange sind Kinder mit einer Gehirnerschütterung krank?
Die Heilungschancen sind grundsätzlich gut: Viele Kinder fühlen sich nach einigen Tagen deutlich besser. Die auf Schädel-Hirn-Traumata spezialisierte ZNS-Stiftung geht davon aus, dass sich etwa 85 bis 90 Prozent der Betroffenen bereits innerhalb von einer Woche erholen. Bis alle Beschwerden vollständig verschwunden sind, können in seltenen Fällen jedoch auch mehrere Wochen vergehen.
Anzeichen einer Gehirnerschütterung bei Babys und Kleinkindern
Bei Babys und Kleinkindern können sich die Folgen einer Kopfverletzung vor allem im Verhalten zeigen. Achte darauf, ob dein Kind ungewöhnlich schläfrig oder teilnahmslos wirkt, sich deutlich weniger bewegt oder weniger Interesse am Spielen zeigt. Nach einer Gehirnerschütterung weinen Babys auch teils schrill oder trinken nur schlecht oder zögerlich.
Wichtig zu wissen: Eine Gehirnerschütterung kann ohne Bewusstlosigkeit oder sichtbare Verletzung auftreten. Eine Beule am Kopf bedeutet umgekehrt nicht direkt, dass dein Kind eine Gehirnerschütterung hat.
K.E.K.S.-Test: Gehirnerschütterung beim Kind erkennen
Für eine erste Orientierung nach einer Kopfverletzung kann der sogenannte K.E.K.S.-Test der ZNS-Stiftung helfen:
- K wie Kopf: Hat dein Kind Kopfschmerzen, ist ihm schwindlig oder übel?
- E wie Empfindlichkeit: Ist dein Kind ungewöhnlich gereizt oder schnell überfordert?
- K wie Konzentration: Kann sich dein Kind schlechter konzentrieren, wirkt es benebelt oder vergesslich?
- S wie Schlaf: Schläft dein Kind schlechter, ist es müder als sonst oder erschöpft?
Trifft eines oder mehrere dieser Anzeichen zu oder fühlt sich dein Kind nach einer Kopfverletzung unwohl, ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen. Der K.E.K.S.-Test dient zur ersten Orientierung und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Was sollte ich tun, wenn mein Kind auf den Kopf gefallen ist?
Nach einem Sturz auf den Kopf heißt es zunächst Ruhe bewahren. Schau genau hin: Wie geht es deinem Kind gerade und was ist genau passiert? Mit diesen ersten Maßnahmen behältst du den Überblick und kannst dein Kind nach dem Unfall versorgen:
- Merke dir den Unfallhergang: Wann ist der Sturz oder Unfall passiert, aus welcher Höhe ist dein Kind gefallen und wie ist es mit dem Kopf aufgekommen? Diese Angaben helfen der Ärztin oder dem Arzt, die Verletzung besser einzuschätzen.
- Kühle eine Beule vorsichtig: Kälte kann Schmerzen und Schwellungen bei einer Prellung lindern. Nutze dazu ein Kühlpad, das du in ein Tuch einwickelst, damit die Stelle nicht zu kalt wird.
- Versorge kleine oberflächliche Wunden: Kleine Schürf- oder Schnittwunden kannst du vorsichtig reinigen und bei Bedarf mit einem Pflaster abdecken. Größere oder anhaltend blutende Wunden sollten ärztlich behandelt werden.
- Beobachte dein Kind weiter: Beschwerden nach einer Kopfverletzung können sich verzögert zeigen. Achte deshalb darauf, ob sich der Zustand deines Kindes oder sein Verhalten verändert.
Bist du unsicher oder treten Beschwerden auch zeitversetzt auf, lass dein Kind kinderärztlich untersuchen.
Wann sollte ich bei einer Gehirnerschütterung den Notruf wählen?
Nach einer Kopfverletzung können bestimmte Anzeichen auf eine schwerere Verletzung hindeuten. Wähle den Notruf 112, wenn dein Kind:
- bewusstlos oder kaum ansprechbar ist
- einen Krampfanfall hat
- Lähmungserscheinungen oder deutliche Bewegungsstörungen zeigt
- auffällig spricht oder nicht mehr sicher gehen kann
- zunehmend schläfrig oder verwirrt wirkt
- unterschiedlich große Pupillen hat
- Blut oder klare Flüssigkeit aus Nase oder Ohren verliert
- starke Beschwerden hat und sich sein Zustand deutlich verschlechtert
Bei Babys kann eine gespannte Fontanelle, also die weiche Stelle, an der die Schädelknochen oberhalb der Stirn aufeinander treffen, auf eine ernstere Verletzung hindeuten. Wenn die Fontanelle sich auch ohne Schreien prall, hart und nach außen gewölbt anfühlt und sich nicht wieder glättet, muss das umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Anhaltende starke Kopfschmerzen oder wiederholtes Erbrechen sind ebenfalls Gründe, dein Kind rasch ärztlich untersuchen zu lassen. Wirkt dein Kind ansonsten stabil, kontaktiere noch am selben Tag die kinderärztliche Praxis. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Wie wird eine Gehirnerschütterung bei Kindern untersucht?
Für die ärztliche Einschätzung sind deine Beobachtungen wichtig. Berichte möglichst genau, was passiert ist und wie sich dein Kind seit dem Unfall verhält. Relevant sind unter anderem die Sturzhöhe, der Untergrund und die Stelle des Aufpralls.
Anschließend untersucht die Ärztin oder der Arzt dein Kind. Dabei werden unter anderem Bewusstsein und Reaktionsfähigkeit, Pupillen und ihre Reaktion, Sprache und Orientierung, Bewegungen und Gleichgewicht sowie mögliche neurologische Auffälligkeiten überprüft. Das klingt erst einmal nach vielen Untersuchungen, läuft für dein Kind aber meist unkompliziert ab: Die Ärztin oder der Arzt schaut vor allem, ob sich Hinweise auf eine stärkere Verletzung zeigen und wie wach und ansprechbar dein Kind ist.
Ist nach einer Gehirnerschütterung ein CT nötig?
Ob eine Computertomografie (CT) nötig ist, entscheidet das Behandlungsteam anhand mehrerer Faktoren. Dazu gehören unter anderem Alter, Unfallhergang, Bewusstseinszustand und neurologische Auffälligkeiten. Auch wiederholtes Erbrechen oder starke Kopfschmerzen fließen in die Entscheidung ein. Je nach Gesamtrisiko kann statt einer sofortigen CT zunächst eine ärztliche Beobachtung ausreichen.
Beobachtung nach der Untersuchung
Die meisten Babys und Kinder können nach der ärztlichen Untersuchung wieder nach Hause, wenn keine Hinweise auf eine schwere Kopfverletzung bestehen. Je nach Befund kann eine weitere Kontrolle sinnvoll sein. In jedem Fall solltest du dein Kind zu Hause zuverlässig beobachten.
Eine stationäre Beobachtung im Krankenhaus ist nur üblich bei anhaltenden starken Kopfschmerzen, wiederholtem Erbrechen und bei Verdacht auf Schädelfrakturen (Knochenbruch des Schädels) oder Hirnblutungen. Meistens erfolgt der Aufenthalt für 24 Stunden, weil nach diesem Zeitraum Komplikationen als unwahrscheinlich gelten. Hat dein Kind nach der Kopfverletzung stärkere Beschwerden oder braucht es ein Schmerzmittel, kläre am besten ärztlich ab, welches Mittel geeignet ist. Die Gabe eines Schmerzmittels ist erst nach einer ärztlichen Untersuchung sinnvoll, damit die Symptome nicht durch das Schmerzmittel unterdrückt werden.
Wann darf mein Kind nach einer Gehirnerschütterung wieder spielen oder Sport machen?
Wie schnell dein Kind wieder in seinen gewohnten Alltag zurückkehren kann, hängt von Alter, Beschwerden und dem Verlauf der Genesung ab. Eine feste Zeitspanne gibt es deshalb nicht. Die folgenden Empfehlungen dienen daher als grobe Orientierung.
Phase | Was ist zu beachten? | Empfehlungen für die Phase | Wann geht es weiter? |
|---|---|---|---|
| Die ersten 24 bis 48 Stunden nach einer Gehirnerschütterung | Relative Ruhe zu Hause einhalten. Strikte Bettruhe ist normalerweise nicht nötig. Leichte Alltagsaktivitäten und moderates Spielen sind möglich. | Auf regelmäßige Pausen achten. Zu viel Bewegung in den ersten Stunden vermeiden. Auf Fernsehen, Handy, Lesen und Hausaufgaben in dieser Zeit verzichten. | Werden die Beschwerden stärker, die Belastung zurückfahren. Erst wenn der Alltag daheim wieder funktioniert, in die nächste Phase starten. |
| Zurück in Kita oder Schule („Return-to-Learn“) | Nach der Ruhephase daheim kann dein Kind langsam in die gewohnte Betreuung zurückkehren. | Informiere das pädagogische Personal über die Gehirnerschütterung. Bei Bedarf und nach Möglichkeit kürzere Tage, mehr Pausen und weniger Lernstoff für den Einstieg vereinbaren. | Neu auftretende Kopfschmerzen, starke Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme können in dieser Phase darauf hinweisen, dass dein Kind noch mehr Erholung zu Hause braucht. |
| Zurück zum Sport („Return-to-Play“) | Erst wenn der Besuch von Kita oder Schule ohne Probleme möglich ist, kann dein Kind schrittweise wieder mit dem Sport beginnen. Bei leicht eingestuften Fällen ist nach rund zwei Wochen ein erstes Training denkbar. Es kann aber je nach Zustand auch noch länger dauern. | Zunächst nur leichte Bewegung erlauben, gefolgt von mäßiger Ausdauerbelastung. Danach sind Sportübungen ohne Risiko für Körperkontakt oder Stürze möglich. Für jede dieser Stufen beim Sport solltest du mindestens 24 Stunden einplanen. | Das sportliche Pensum erst steigern, wenn dein Kind in einer Stufe auch unter Belastung beschwerdefrei bleibt. Intensives Training, Rückkehr zu Kontaktsportarten wie Fußball, Handball, Eishockey oder Kampfsport sowie Wettkämpfe erst nach ärztlicher Freigabe ermöglichen. |
Wichtig zu wissen: Treten Beschwerden innerhalb einer der Phasen neu auf oder werden sie wieder deutlich stärker, sollte dein Kind die aktuelle Belastung zurückfahren und für einen Tag wieder in die vorherige Stufe zurückkehren. Besprich im Zweifelsfall mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt, wie es weitergehen soll.
Wie kann ich einer Gehirnerschütterung bei Kindern und Babys vorbeugen?
Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche
Entwickelt sich mein Kind gesund und altersgerecht? Bei uns kannst du besonders viele Vorsorgeuntersuchungen kostenlos in Anspruch nehmen.
Etwa die Hälfte der leichten Schädel-Hirn-Traumata passieren in Deutschland im Haushalt oder in der Freizeit. Stürze gehören bei Kindern zu den häufigen Ursachen für Kopfverletzungen. Im Alltag lassen sich viele typische Gefahrenstellen mit einfachen Maßnahmen entschärfen, ganz verhindern lassen sich Kopfverletzungen allerdings nicht.
Sicher zu Hause
Babys und Kleinkinder entwickeln ständig neue Fähigkeiten. Ein Kind, das sich gestern kaum drehen konnte, kann das heute plötzlich. Achte daher auf eine sichere, kindgerechte Umgebung:
- Wickeltisch: Behalte beim Wickeln immer eine Hand am Baby. Musst du kurz weg, lege dein Kind lieber auf eine Decke am Boden.
- Treppen: Sichere Treppen mit geeigneten Schutzgittern.
- Bett: Bettschutzgitter oder ein Rausfallschutz helfen, damit dein Kind nicht versehentlich aus dem Bett fällt.
- Fenster und Balkone: Bringe Kindersicherungen an und stelle keine Möbel davor, die als Kletterhilfe dienen könnten.
- Möbel: Befestige kippgefährdete Regale, Schränke und andere schwere Möbel an der Wand.
- Stolperstellen: Räume herumliegende Gegenstände und andere Stolperfallen aus häufig genutzten Laufwegen.
- Hochstuhl und Einkaufswagen: Schnalle dein Kind mit den vorgesehenen Gurten an und lass es nicht unbeaufsichtigt darin stehen.
Unterwegs und beim Sport
Im Auto schützt ein passender Kindersitz, der auf Größe und Alter deines Kindes abgestimmt ist. Sichere dein Kind bei jeder Fahrt richtig, auch auf kurzen Strecken.
Beim Fahrradfahren, auf dem Roller, beim Inlineskaten, Skateboarden oder Skifahren gehört ein gut sitzender Helm zur Schutzausrüstung. Achte darauf, dass der Helm zur Aktivität passt, richtig sitzt und ein entsprechendes Prüfzeichen trägt.
Ein Helm kann eine Gehirnerschütterung nicht sicher verhindern. Beim Radfahren senkt er aber das Risiko für Kopfverletzungen, insbesondere für schwere.
Mit zunehmendem Alter kannst du deinem Kind außerdem erklären, welche Regeln beim Spielen, im Straßenverkehr und beim Sport für seine Sicherheit wichtig sind. Auch hier hast du eine Vorbildfunktion und kannst deinem Kind durch dein Verhalten zeigen, wie es sich sicher verhalten kann.
Häufige Fragen zur Gehirnerschütterung bei Kindern und Babys
Du hast noch mehr Fragen zur Gehirnerschütterung bei Kindern? Hier findest du weitere Antworten.
Wie schnell zeigt sich eine Gehirnerschütterung bei Kindern?
Darf mein Baby oder Kind nach einer Gehirnerschütterung schlafen?
Kann Fieber nach einer Gehirnerschütterung auftreten?
Wie lange sollte ein Kind nach einer Gehirnerschütterung zu Hause bleiben?
Fachbereich der DAK-Gesundheit
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