Nachsorge nach einer bariatrischen OP – ein Überblick

Eine bariatrische Operation stellt für viele Menschen mit Adipositas einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem gesünderen Leben dar. Doch der Erfolg der Operation hängt maßgeblich von einer konsequenten und dauerhaften Nachsorge ab. Mit Nachbehandlung ist dabei nicht nur die einmalige Nachbetreuung durch die Chirurgin oder den Chirurgen zum Fäden ziehen gemeint, sondern vielmehr die Unterstützung auf lange Sicht.
In diesem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick über die wesentlichen Aspekte der Nachsorge nach einer bariatrischen Operation.
Warum ist die Nachbehandlung bei einer bariatrischen OP so wichtig?
Nach einer bariatrischen Operation ist eine systematische Nachsorge für Ihr Wohl und den Therapieerfolg so entscheidend. Das gilt vor allem für die erste Zeit und das erste Jahr nach der OP. Das erste Jahr nach der bariatrischen OP ist ein wichtiges Zeitfenster, da hier neue Gewohnheiten im Bereich Ernährung, Bewegung und Verhalten eingeübt werden. Das erste Jahr ist ein besonders wichtiges Lern- und Anpassungsfenster. Auch später sind Verbesserungen möglich – regelmäßige Nachsorge hilft, Rückschritte früh zu erkennen.
Aber auch im weiteren Verlauf sollen regelmäßige Kontrolluntersuchungen dafür sorgen, dass Sie die Adipositas dauerhaft bezwingen und in ein gesünderes Leben finden. Diese Nachsorge umfasst regelmäßige medizinische Kontrollen, Ernährungsberatung, die Anpassung des Lebensstils und bei Bedarf psychologische Unterstützung.
Checkliste für Ihre Nachsorge
Unsere Checkliste soll Ihnen Orientierung und Sicherheit geben, um die wichtigsten Schritte nach einer bariatrischen OP im Blick zu behalten.
In den ersten Wochen nach der OP:
- Wundkontrolle: Lassen Sie regelmäßig die Operationswunde auf Anzeichen einer Infektion überprüfen.
- Nachkontrolle bei einem Adipositas-Chirurgen: Vereinbaren Sie in den ersten 3-6 Monate einen Termin bei einem Adipositas-Chirurgen.
- Langsamer Kostaufbau: Halten Sie sich an die Ernährungsempfehlungen Ihrer Klinik und steigern Sie die Nahrungsaufnahme langsam.
- Neue Essgewohnheiten: Achten Sie auf ihr Körpergefühl und beenden Sie das Essen, wenn ein Sättigungsgefühl eintritt.
- Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie über den Tag verteilt mindestens 1,5 Liter Wasser oder Tee, vorzugsweise kohlensäure- und kalorienfrei.
- Ernährungsberatung: Vereinbaren Sie einen Termin mit einer Ernährungsfachkraft, um Ihre Ernährung optimal auf Ihre neuen Bedürfnisse anzupassen.
- Nahrungsergänzungsmittel: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Nahrungsergänzungsmittel Sie einnehmen sollten. Nehmen Sie die empfohlenen Vitamin- und Mineralstoffpräparate ab Entlassung regelmäßig (oft langfristig) ein. Blutwerte werden kontrolliert, um Dosierungen und zusätzliche Präparate individuell anzupassen.
- Psychische Unterstützung: Nutzen Sie bei Bedarf die Möglichkeiten der psychologischen Nachbetreuung, um sich an die neue Lebenssituation anzupassen.
Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel
Ernährungsberatung
Nutzen Sie eine Ernährungsberatung, um bei der Umstellung Ihrer Ernährung unterstützt zu werden.
Ein zentraler Bestandteil der Nachsorge ist die Anpassung der Ernährungsgewohnheiten. Nach der Operation und für Ihren neuen Lebensabschnitt ist eine eiweißreiche und ballaststoffhaltige Ernährung wichtig, die wenig Fette und Kohlenhydrate enthält.
Empfohlene Lebensmittel sind:
- Gemüse
- zuckerarmes Obst
- Vollkornprodukte.
Da die Nahrungsaufnahme reduziert ist, kann es zu einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen kommen, der durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden sollte. Als Krankenkasse übernehmen wir die Kosten für Nahrungsergänzungsmittel nicht.
Regelmäßige medizinische Kontrollen
Die Nachsorge beinhaltet regelmäßige medizinische Untersuchungen, um den Gesundheitszustand zu überwachen und mögliche Mangelerscheinungen frühzeitig zu erkennen.
Typisch sind Kontrollen von Blutbild, Eisenstatus, Vitamin B12/Folat, Eiweißstatus, Nieren- und Leberwerten sowie Calcium und Vitamin-D-Status. Je nach Operationsverfahren und Beschwerden kommen weitere Werte (z. B. fettlösliche Vitamine und Spurenelemente) hinzu.
Zeitliche Abfolge der Nachsorge
Die Nachbehandlungen sollten in den unten aufgeführten zeitlichen Abständen stattfinden. Sie umfassen Laboruntersuchungen, die Anpassung von Medikamenten und die Überprüfung des Ernährungszustands.
- 1 Monat nach der OP: Erste Nachuntersuchung zur Kontrolle des Heilungsprozesses und der Nährstoffversorgung.
- 6 Monate nach der OP: Überprüfung der Blutwerte, Gewichtskontrolle und Anpassung der Ernährung.
- 12 Monate nach der OP: Umfassende Untersuchung zur langfristigen Überwachung des Gewichtsverlaufs und der Nährstoffversorgung.
- 18 Monate nach der OP: Fortlaufende Kontrolle der Blutwerte und des Gewichts.
- 24 Monate nach der OP: Jährliche Nachuntersuchungen zur Sicherstellung des langfristigen Erfolgs der Operation.
- Danach sollten Sie jährlich zur Nachsorge gehen. Am besten machen Sie dafür direkt einen Termin aus.
Psychische Nachbetreuung
Dieser Punkt ist besonders wichtig für Personen, die bereits vor der OP psychisch belastet waren.
Lebensstilverändernde Maßnahmen
Suchen Sie sich Unterstützung in Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle Unterstützung für Menschen, die das gleiche Schicksal teilen – auch nach einer bariatrischen Operation. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann motivieren und helfen, Herausforderungen besser zu bewältigen. In Selbsthilfegruppen können Sie Ihre Erfahrungen teilen und praktische Tipps erhalten.
Selbsthilfegruppen finden Sie zum Beispiel über diese Seiten:
Rekonstruktion der Körperform nach Gewichtsverlust
Normalerweise nehmen Personen zwei Jahre nach der bariatrischen OP nicht weiter ab. Das neue Zielgewicht ist dann meistens erreicht. Nach einem erheblichen Gewichtsverlust kann überschüssige Haut im Alltag oder Beruf einschränken. Auch ästhetisch kann die überschüssige Haut stören. Da sich die Haut meist nicht von allein zurückbildet, kann in solchen Fällen eine plastisch-chirurgische Operation zur Entfernung des überschüssigen Hautgewebes in Betracht gezogen werden. Wenn Sie die Hautstraffung selbst zahlen, ist dies jederzeit möglich. Lassen Sie sich dazu von einer plastischen Chirurgin oder einen plastischen Chirurgen beraten. Diese Eingriffe sollten von erfahrenen Praxen durchgeführt werden.
Wichtig: Nur in rein medizinisch erforderlichen Fällen können wir im besonderen Einzelfall die Kosten einer Hautstraffung übernehmen. Eine Kostenübernahme erfolgt daher recht selten.
Adipositas-OP und Kinderwunsch
Frauen im gebärfähigen Alter sollten in den ersten zwei Jahren nach der Operation eine Schwangerschaft vermeiden, da die Phase der starken Gewichtsabnahme eine Mangelversorgung des Ungeborenen begünstigen kann. Bei bestehendem Kinderwunsch ist eine engmaschige Betreuung durch den Frauenarzt und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wichtig.





