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Das Toxische Schocksyndrom – alles über die Tamponkrankheit

TSS
Toxisches Schocksyndrom – ein Begriff, der spätestens bei der Lektüre von Tampon-Packungsbeilagen auftaucht. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter dieser seltenen Infektionskrankheit – und wie kannst du dich davor schützen? Hier erfährt du alles, was du über „TSS“ wissen solltest.  

Was ist das Toxische Schocksyndrom?

Was wie eine alternative Bezeichnung fürs Schlussmachen oder eine energiegeladene Wumme im postapokalyptischen Weltraum-Shooter klingt, ist in Wirklichkeit eine seltene Infektionskrankheit. Das Toxische Schocksyndrom, kurz TSS, wird durch die sogenannten Staphylokokken und manchmal auch die Streptokokken ausgelöst. Das sind Bakterien, die eigentlich zur normalen Flora unserer Haut gehören, aber auch unserer Schleimhäute – vor allem jenen in der Nase und Vagina.

Und da kommen wir der Sache auch schon näher: Denn zu gut 90 Prozent bricht diese Infektion, die umgangssprachlich auch als „Tamponkrankheit“ bezeichnet wird, im Zusammenhang mit der weiblichen Periode auf. Wenn ein Tampon nämlich zu lange in der Vagina liegen bleibt, kann das die Vermehrung giftiger Stoffe begünstigen – sogenannter Toxine. Dabei durchdringen die Bakterien die Schleimhaut der Vagina und gelangen ins Blut, wo sich die Giftstoffe entladen. In der Folge erfährt der Köper einen toxischen, also giftigen, Schock, der die Organe beschädigen kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings sehr gering, wie Frauenärztin Dr. Sheila de Liz sagt: „Da die Symptome von TSS einer Grippe ähnlich sind, wird es oft nicht gleich richtig diagnostiziert und das kann lebensgefährlich werden. Generell sind aber alle TSS-Fälle super selten: Nur ca. drei bis sechs von 100.000 Personen sind pro Jahr betroffen. Daher erst mal: keine Panik!“

Keine Panik, ja. Dennoch ist es wichtig, zu wissen, was es mit dem Toxischen Schocksyndrom genau auf sich hat, unter welchen Bedingungen es entsteht und was zu tun ist, damit es erst gar nicht so weit kommt. Lies also gern noch ein paar Zeilen weiter, dann bist du auf der sicheren Seite!

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Bei der J2 (zwischen 16 und 17 Jahren) handelt es sich um eine einmalige Vorsorgeuntersuchung. Es geht um Früherkennung körperlicher Probleme sowie Sexualitätsstörungen. Die J2 ist eine freiwillige Mehrleistung der DAK-Gesundheit. MEHR INFOS

PS: Ab 20 Jahren können junge Frauen einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung, auch wegen Früherkennung möglicher Krebserkrankungen.

Wie entsteht das Toxische Schocksyndrom?

Auslöser für das Toxische Schocksyndrom sind die Giftstoffe der Bakterien Staphylokokken und Streptokokken. Normalerweise sorgt deine natürliche Haut- und Schleimhautbarriere dafür, dass die Bakterien nicht ins Innere deines Körpers gelangen. Dazu kommt, dass dein Immunsystem ganz von allein Antikörper, also Abwehrstoffe, gegen die Erreger bildet und ihnen somit einen Riegel vorschiebt. Ein Toxisches Schocksyndrom kann sich jedoch bei einem Overload an diesen Bakterien entwickeln. Und besonders dann, wenn dein Immunsystem bisher noch nicht in Kontakt mit ihnen getreten ist und noch keine Antikörper für deren Bekämpfung parat hat. Darum ist es auch wahrscheinlicher, dass junge Erwachsene daran erkranken.

Und ganz besonders junge Frauen wie du. Wenn du nämlich deine Tage hast und einen Tampon benutzt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Bakterien die Schleimhaut der Vagina durchdringen und ins Blut gelangen. Denn Tampons stören das Gleichgewicht der Scheidenflora, indem sie der Schleimhaut Magnesium entziehen. Und in einer Umgebung mit wenig Magnesium fühlen sich die Staphylokokken nun mal pudelwohl und vermehren sich rasant. Aber auch durch Verletzungen oder Infektionen haben die Bakterien leichtes Spiel, in deinen Körper zu gelangen. Ganz egal, ob nun die Vaginalschleimhäute betroffen sind oder ganz gewöhnliche Wunden und Infektionen im Zusammenhang mit deiner Haut vorliegen – wie durch Stürze, Verbrennungen oder Insektenstiche. Okay, das klingt jetzt heftig, aber denk dran: Das betrifft nur 3 von 100.000 Frauen.

Was ist zu tun, wenn ich TSS habe?

Zunächst einmal gilt es herauszufinden, ob du tatsächlich vom Toxischen Schocksyndrom betroffen bist. In der Regel sind typische Grippe-Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, hohes Fieber und niedriger Blutdruck erste Anzeichen. Hin und wieder kommt auch ein Hautausschlag hinzu, der einem Sonnenbrand ähnelt. Erhöhte Alarmbereitschaft ist geboten, „wenn du gerade deine Tage hast und diese Symptome plötzlich auftreten“, weiß Gynäkologin Dr. Sheila de Liz. „Wenn dem so ist, entferne als erstes deinen Tampon, und zwar umgehend. In sehr seltenen Fällen kann auch eine Menstruationstasse oder Verhütungsmittel wie die Verhütungskappe oder das Diaphragma Auslöser für TSS sein. Also nimm auch diese sofort raus und gehe schnellstmöglich zu deinem Arzt oder deiner Ärztin.“

Ihm oder ihr solltest du erzählen, dass du gerade deine Tage hast und welches Produkt du benutzt. Das grenzt die möglichen Ursachen für deine Symptome direkt ein. Sollte es tatsächlich auf TSS hinauslaufen, ist das halb so wild: Die betroffene Stelle wird einfach desinfiziert und du bekommst wirksame Antibiotika verschrieben. Wirklich gefährlich kann es lediglich werden, wenn sich die Bakterien schon zu lange in deinem Köper aufhalten. Das ist aber sehr unwahrscheinlich. Um allerdings alle Eventualitäten auszuschließen, heißt es: Vorsorge ist die beste Sorge. Und um es weniger kryptisch zu sagen: Der folgende Abschnitt klärt dich auf, was zu tun ist.

Wie beuge ich dem Toxischen Schocksyndrom vor?

Die allerwichtigste Maßnahme zur Vorbeugung wirst du womöglich schon erraten haben: Lass weder Tampon noch Menstruationstasse zu lang in der Vagina. Tampons solltest du nach vier bis sechs Stunden, allerhöchstens aber noch acht Stunden wechseln. Greife daher über Nacht auf Binden oder Menstruationstassen zurück. Wobei auch die Tassen nicht länger als acht Stunden zum Einsatz kommen sollten.

Um ungewünschten Infektionen und Krankheitskeimen einen Riegel vorzuschieben, ist darüber hinaus eine vernünftige Menstruationshygiene entscheidend. Dr. Sheila de Liz empfiehlt: „Bevor du dir einen Tampon oder eine Menstruationstasse einführst Händewaschen nicht vergessen. Und natürlich auch danach. Spüle zudem die Menstruationstasse und das Aufbewahrungsbehältnis nach dem Ausleeren mit Wasser ab und koche alles nach dem Ende der Periode in heißem Wasser aus. Das tötet alle Bakterien ab. Sollte die Tasse oder das Diaphragma dennoch riechen, sind möglicherweise noch bakterielle Reste enthalten – in dem Fall gehört das Produkt in den Müll.“

Synthetische Tampons besser vermeiden

Auch Tampons, deren Verpackung beschädigt sind, sollten aus dem „Verkehr“ gezogen werden. Zudem wird geraten, auf Tampons aus synthetischen Materialien zu verzichten. Die sind zwar saugfähiger, bieten allerdings für Bakterien bessere Bedingungen, sich zu vermehren. Die bessere Alternative sind nachhaltige Menstruationstassen mit Bio-Baumwollsäckchen.

Fazit:

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, an einem Toxischen Schocksyndrom zu erkranken, ist es wichtig, zu wissen, was dazu führen kann und wie du die dich vor TSS schützen kannst. Darum beachte unsere Hygienetipps, dann sollte das kein Problem sein.

Wenn du weitere Fragen hast, schreib eine E-Mail an das Team der DAK-Gesundheit: doktorsex@dak.de


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