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Wunderwerk Darm: wichtig für (fast) alles

Darmgesundheit: Eine junge Frau sitzt im Bademantel auf dem Sofa und krümmt sich vor Bauchschmerzen.

Der Darm galt lange als eher peinliches und langweiliges Entsorgungssystem des Körpers. Forschende in diesem Bereich wurden gern mal als „Pups-Wissenschaftler“ belächelt. Inzwischen gilt der Darm dank neuer Erkenntnisse als eine Art Super-Organ. Heute wissen wir: Ein gesunder Darm sorgt dafür, dass wir körperlich und seelisch gesund und stark sind. Wie er funktioniert und was du sonst noch über das größte Organ deines Körpers wissen solltest, erfährst du hier.

Der Darm im Kurzporträt

Der Darm ist ein bis zu sieben Meter langer Muskelschlauch und das größte Organ im menschlichen Körper. Er besteht aus Dünndarm, Dickdarm und Enddarm.

Die Hauptarbeit der Nährstoffgewinnung erledigt der fünf bis sechs Meter lange Dünndarm. Der Dünndarm hat eine mit Ausbuchtungen und Zotten mehrfach in sich gefaltete Oberfläche. Diese Fläche übersteigt die unserer äußeren Haut um ein Vielfaches. Damit ist der Dünndarm die größte Austauschfläche zwischen der Umwelt und unserem Körpersystem.

Über die Schleimhaut des Dünndarms nimmt unser Körper jeden Tag lebenswichtige Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien sowie Energie auf. Über sie wehrt er aber auch schädliche und giftige Stoffe ab.

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Wichtige Hilfe erhält die Schleimhaut in Dünn- und Dickdarm dabei von den etwa 100 Billionen Bakterien, die auf ihr siedeln. Das Mikrobiom, wie man die Gesamtheit dieser Bakterien nennt, bringt in seiner Summe fast zwei Kilo Gewicht auf die Waage und ist seit einigen Jahren intensiver Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung. Auch wenn noch viele Studien ausstehen, ist heute schon sicher: Im Darm spielen die kleinen mit den ganz großen Akteuren eng zusammen – und unsere Gesundheit hängt nicht zuletzt davon ab, dass es den vielen Mitbewohnern in unserem Darm gut geht.

Schau doch mal unser Trivial-Genial Video an, um zu erfahren, wie du deinen Darm mit der richtigen Sitzposition auf dem Klo unterstützen kannst, was eigentlich mit der ganzen Luft im Darm passiert und warum uns Stress so leicht auf den Darm schlägt.

Video: Der Darm: Hättest du es gewusst?

Welche Aufgaben hat der Darm?

Eine zentrale Aufgabe des Darms ist es, Nahrung zu verdauen und die Nährstoffe aufzunehmen. Im Laufe eines Lebens verarbeitet er etwa 30 Tonnen an Nahrung und entzieht dem Nahrungsbrei rund 50.000 Liter Flüssigkeit. Doch er kann noch mehr:

  • Der Darm ist mit verantwortlich für die Regulierung des Wasserhaushalts im Körper.
  • Der Darm spielt eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern: 70 bis 80 Prozent unserer Immunzellen befinden sich im Darm. 
  • Der Darm produziert verschiedene Hormone und Botenstoffe, zum Beispiel ein Großteil des „Glückshormons“ Serotonin.

Wie funktioniert Verdauung?

Verdauung, also die Verwandlung von Essen und Trinken in Energie und Nährstoffe beginnt bereits im Mund. Auf dem Weg vom Mund bis in den Enddarm wird unsere Nahrung, zum Beispiel ein Apfel oder ein Käsebrötchen, unter anderen zerquetscht, zerrieben und aufgespalten, um die Nährstoffe und die Energie aus ihnen aufzunehmen zu können.

Neben Muskelkraft kommen dabei viel Chemie zum Einsatz. Sie zerlegt die Nahrungsbestandteile Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße in wasserlösliche Einfach- und Zweifachzucker, Fettsäuren und Aminosäuren. Verantwortlich dafür sind eine Reihe von Verdauungssäften, Säuren und Enzymen in Mund, Magen, Bauchspeicheldrüse, Galle und Dünndarm.

Am Ende ist die Nahrung nur noch ein dünnflüssiger Brei, der bis zu neun Stunden im Dünndarm verbleibt. Über die Darmschleimhaut nimmt der Körper dann alle wertvollen Bestandteile und Nährstoffe in die Blutbahn auf und leitet sie weiter in die Leber.

Die Muskelbewegung des Darms, die sogenannte Peristaltik, schiebt den dünnen Restnahrungsbrei aus dem Dünndarm nach und nach in Dickdarm.

Der Dickdarm ist etwa 1 bis 1,5 Meter und liegt wie ein großes U um den Dünndarm herum. Dort wird der Brei nun viel dicker. Über die Schleimhaut wird ihm Wasser und Salz entzogen. Außerdem produzieren die Darmbakterien im Dickdarm aus den löslichen Ballaststoffen die lebenswichtigen Vitamine B und K, aber auch streng riechende Gase wie Methan oder Schwefelwasserstoff. Diese gelangen gemeinsam mit dem restlichen Nahrungsbrei nach bis zu 30 Stunden Aufenthalt in den Enddarm. Dort wird er noch einmal angedickt und zum Stuhl geformt, der schließlich ausgeschieden wird. Was am Ende in der Toilette landet, besteht aus 75 Prozent Wasser, unlöslichen Ballaststoffen, abgestoßenen Zellen der Darmschleimhaut, Schleim aber auch 100 Milliarden Bakterien pro Gramm Kot.

Was ist das Mikrobiom?

Als Mikrobiom, Mikrobiota oder auch Darmflora bezeichnet man die Welt der Mikroorganismen, die in Billionenstärke unseren Körper und besonders unseren Darm besiedeln. Während der Geburt, durch das Stillen und den Kontakt mit der Mutter und zum Beispiel anderen Personen und Haustieren kommt der kindliche Organismus mit immer mehr Keimen in Kontakt, die Bakterien siedeln sich im Darm an und das Immunsystem lernt immer besser, zwischen gefährlichen und nützlichen Bakterien zu unterscheiden.

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Letztere bekämpfen nicht nur krankmachende Keime und schleusen Gifte aus dem Körper, sie produzieren auch Vitamine und Botenstoffe, die unsere Gesundheit und Stimmung positiv beeinflussen können.

Rund 2000 unterschiedliche Spezies dieser „stillen Untermieter“ in unserem Darm konnte man inzwischen genetisch nachweisen. Ob Bakterien nützlich oder schädlich sind, weiß man in einigen, aber nicht in allen Fällen. Bekannt sind die gesundheitsförderlichen Wirkungen von Milchsäurebakterien und Bifidobakterien. Sie kann man auch über die Nahrung gezielt aufnehmen, zum Beispiel mit Joghurt oder frischem Sauerkrankt. Kolibakterien oder Fäulnisbakterien dagegen können Durchfall und Darmbeschwerden hervorrufen. Doch wie genau das ideale Mikrobiom aussehen müsste, weiß die Wissenschaft bis heute nicht.

Förderlich scheint auf jeden Fall eine möglichst große Artenvielfalt zu sein. Viele Erkrankungen wie Diabetes Mellitus und Multiple Sklerose, Allergien, Übergewicht aber auch neurologische Erkrankungen wie Autismus fallen mit einer Reduzierung der Artenvielfalt des Mikrobioms zusammen. Bisher ist jedoch nicht klar, was hier Ursache und was Wirkung ist.

Normalerweise finden sich im Darm eines erwachsenen Menschen etwa 500 unterschiedliche Bakterienarten. Das Biotop an Mikroorganismen ist bei jedem Menschen individuell und dazu in ständiger Veränderung. Ihre Zusammensetzung lässt sich mit einer Umstellung der Ernährung, zum Beispiel mit mehr oder weniger Fleisch, in kurzer Zeit umbauen.

Und noch etwas gilt als gesichert: Besonders wichtig sind für die nützlichen Darmbakterien im Dickdarm die unverdaulichen Ballaststoffe. Sie ernähren sich von ihnen.  Ballaststoffe sind vor allem in Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten enthalten. Wenn du deinem Mikrobiom etwas Gutes tun willst, bist du mit einer faserreichen Ernährung also auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

Warum sitzt das Immunsystem im Darm?

Mit einer artenreichen Darmflora ist in der Regel auch ein starkes Immunsystem verbunden, denn die Darmbakterien halten die Darmschleimhaut gesund und schützen sie vor Schädigungen oder Fehlbesiedlung.

In der Darmschleimhaut befinden sich mehr als 70 Prozent aller Abwehrzellen des menschlichen Körpers. Ihre Aufgabe ist es zu erkennen, welche Nährstoffe die Darmbarriere durchbrechen und in die Blutbahn eintreten dürfen und welche nicht. Diese Informationen und die passenden Abwehrstoffe dazu teilen die Immunzellen der Darmschleimhaut mit anderen Immunzellen im Körper. Deswegen ist unser Darm ein regelrechtes Trainingscamp der körpereigenen Keimabwehr und Darmgesundheit die Voraussetzung für einen gesunden Körper.

Autor(in)

Journalistin für Medizin und Gesundheitsthemen

Qualitätssicherung

DAK Fachbereich

Quellenangaben

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