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Bewusster leben

Wie entsteht ein Geburtstrauma?

Ob sich durch die Geburt ein Trauma entwickelt, liegt zum einen daran, wie sie verläuft: Kommt im Kreißsaal plötzlich Hektik auf und das Leben von Baby oder Mutter gerät in Gefahr, kann dies bei einer werdenden Mutter tiefe Ängste auslösen. Hinzukommen eine völlige Hilflosigkeit und das Gefühl des Ausgeliefertseins.

„Leider ist es heute zudem oft so, dass Ärzte und Hebammen aufgrund des Personalmangels unter Zeitdruck sind und Maßnahmen wie etwa den Kristeller-Handgriff oder einen Dammschnitt ohne medizinische Notwendigkeit durchführen, um die Entbindung zu beschleunigen“, bedauert Trauma-Expertin Petra Hartmann, die eine Praxis für Psychotherapie und Homöopathie in Berlin führt. Beim umstrittenen Kristeller-Handgriff, den die Weltgesundheitsorganisation WHO schon seit Längerem wegen zu vieler Risiken nicht mehr empfiehlt, soll der Geburtshelfer mittels wehensynchronem Bauchdruck in der Austreibungsphase die Geburt des Kindes beschleunigen.

„Das kann sich wie eine Vergewaltigung anfühlen – und ist oft nicht medizinisch notwendig“, weiß Petra Hartmann, die bereits viele traumatisierte Mütter behandelt hat. Besonders gefährdet für ein Trauma sind vor allem Frauen, die bestimmte negative Vorerfahrungen gemacht haben – etwa sexuellen Missbrauch oder eine gewalttätige Beziehung. Aus dieser Zeit kennen die Frauen das Gefühl der Machtlosigkeit – und erleben es während der Geburt wieder. Unbedachte Aussagen von Geburtshelfern oder Ärzten können bei jungen Müttern zudem das Gefühl unterstreichen, versagt zu haben.

„Viele Betroffene denken, es ist ihre Schuld, dass sie keine reibungslose und schöne Geburt hinbekommen haben“, erklärt Petra Hartmann. „Und diese Frauen haben es in den Wochen nach der Geburt dann doppelt schwer.“

DAK-PODCAST: GANZ SCHÖN KRANK, LEUTE!

Psychologe und Journalist René Träder

In unserer Podcast-Reihe spricht  Moderator René Träder (Foto) mit spannenden Menschen über ihre persönlichen Erfolge und Misserfolge und fragt, was sie antreibt und was sie aus Rückschlägen gelernt haben. Jetzt reinhören! https://gesundes-miteinander.de/podcast/

Wie erkenne ich eine Traumatisierung?

Die Symptome eines Traumas können ganz unterschiedlich sein: Viele Betroffene können nach der Geburt keine positiven Gefühle mehr erleben, sodass es ihnen häufig nicht gelingt, eine ausreichende Bindung zu ihrem Baby aufzubauen. Sie fallen in ein tiefes Loch aus emotionaler Taubheit und Gleichgültigkeit, aus dem sie sich nicht selbst wieder befreien können.

„Meist erleben Betroffene die Geburt in Gedanken immer wieder nach“, erzählt Petra Hartmann. „Sie kommen nicht über die Ereignisse hinweg und können auch nicht darüber sprechen.“ Die Trauma-Expertin ist überzeugt: „Was in der Öffentlichkeit als Wochenbettdepression bezeichnet wird, ist häufig ein Geburtstrauma.“

Neben den psychischen Symptomen treten bei betroffenen Müttern zudem häufig auch körperliche Anzeichen wie etwa Schlafstörungen, Herzrasen, Zittern und erhöhter Blutdruck auf.

Wo bekomme ich Hilfe?

Leider scheuen sich viele Frauen davor, sich jemandem anzuvertrauen, da das Thema Geburtstrauma in der Öffentlichkeit oft noch tabuisiert wird. Der Verein „Schatten & Licht e.V.“ fängt Betroffene auf und ist eine gute Anlaufstelle für alle Frauen mit psychischen Erkrankungen in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt.

Neben umfangreichen Informationen und Kontakten zu Selbsthilfegruppen gibt es hier auch eine Liste von Experten in ganz Deutschland. Eine gute Anlaufstelle für frischgebackene Mütter ist darüber hinaus auch die Hebamme oder der Gynäkologe. Sie sind mit der Thematik vertraut und können Kontakte zu Psychotherapeuten in der Nähe vermitteln, die sich auf (Geburts-)Traumata spezialisiert haben.

Sehr empfehlenswert ist auch, bereits in der Schwangerschaft eine positive Geburtsvorbereitung zu erlernen, zum Beispiel mit einer speziellen Form von Selbsthypnose, die Kristin Graf mit ihrer Methode ‚Die friedliche Geburt‘ entwickelt hat, da eine gute Vorbereitung einige Risiken einer Geburt minimiert.