Ernährung bei Pflegebedürftigkeit – so machen Sie es richtig

Beispiele für die richtige Ernährung bei Demenz und Schlaganfall

„Essen hält Leib und Seele zusammen“, sagt ein Sprichwort. Das gilt auch und im Besonderen bei Pflegebedürftigen. Essen ist nicht nur die Versorgung des Körpers mit wichtigen Nähr- und Mineralstoffen. Eine Mahlzeit ist auch ein geselliger Akt, sie fördert nicht zuletzt Kommunikation und Sozialkontakte.

Für Sie als pflegender Angehöriger ist die richtige Ernährung bei Pflegebedürftigkeit eine zusätzliche Herausforderung. Viele pflegebedürftige, vor allem ältere Menschen, haben weniger Appetit und auch selten Durst. Eine Unterversorgung insbesondere mit Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen entsteht schnell. Und wer zu wenig trinkt, wird vergesslicher, schwächt das Herz und den Blutfluss.

Im Folgenden erläutern wir Ihnen an den Beispielen Demenz und Schlaganfall, wie die richtige Ernährung bei Pflegebedürftigkeit aussehen sollte.

Beispiel 1: Ernährung pflegebedürftiger Demenzkranker

Demenzkranke verlieren das Hunger- und Durstgefühl, den Geschmacks- und Geruchssinn. Sie vergessen, wie gegessen und getrunken wird, welche Speisen da überhaupt auf den Tisch kommen und sind so häufig mit der Gesamtsituation einer Mahlzeit überfordert.

  • Da sich Demenzkranke nicht mehr gut zu ihren Vorlieben äußern können, ist es an Ihnen, mit Geduld herauszufinden, wie das Essen am besten schmeckt. Sie als pflegender Angehöriger haben da einen großen Vorteil gegenüber professionellen Pflegekräften: Sie kennen Ihren Pflegepatienten noch aus gesunden Zeiten. Seien Sie jedoch nicht enttäuscht, wenn das Essen stehenbleibt. Demenzkranke haben häufig völlig andere Vorlieben als vor ihrer Erkrankung, manche werden extrem wählerisch oder süchtig nach Süßem.
  • Essen und Trinken gehören zu den wichtigsten Beschäftigungen Demenzkranker. Nehmen Sie sich die Zeit, bleiben Sie gelassen und nachsichtig, wenn Sie mit dem Patienten gemeinsam essen. Versuchen Sie, feste Essenszeiten und regelmäßige Trinkpausen einzuhalten. Auch Trinksprüche können dazu genutzt werden, das Ritual des Trinkens zu verfestigen.
  • Binden Sie den Demenzkranken in die Zubereitung der Mahlzeiten ein. Wählen Sie appetitanregende und nährstoffreiche Nahrungsmittel, die sie in kleinen Portionen anbieten. Geben Sie dem Patienten bei Bedarf spezielles Besteck oder bereiten Sie Fingerfood zu.
    Achten Sie vor allem darauf, dass Ihr Pflegepatient ausreichend Flüssigkeit bekommt. Fertige Trinknahrung ist nur als Zusatz empfehlenswert, wenn durch die Nahrung zu wenige Mineralien und Spurenelemente aufgenommen werden.
  • Menschen mit Demenz können trotz aller Anstrengung schnell ein Nährstoffmangelsyndrom entwickeln. Der Gewichtsverlust ist oft schleichend und setzt meist schon in der Anfangsphase ein. Viele Medikamente, aber auch eine bereits bestehende Unterernährung führen zu Appetitlosigkeit. Mobile Demenzkranke haben zudem einen erhöhten Energiebedarf. Sie können verhungern, obwohl sie essen. Regelmäßige Gewichtskontrollen sind daher notwendig.
  • Im letzten Fall stellt sich vermutlich auch die Frage nach der Ernährung mittels Magensonde. Wägen Sie diese Entscheidung gut ab. Ist der Pflegebedürftige noch mobil und körperlich fit, hat aber beispielsweise Schluckstörungen oder keine Lust zum Essen, kann eine PEG sinnvoll sein. Ist der Krankheitsverlauf jedoch weit fortgeschritten und begleitet von Sprachverlust, Immobilität oder anderen schwerwiegenden Erkrankungen, hat der Sterbeprozess möglicherweise schon begonnen, sollten Sie auf eine künstliche Ernährung verzichten.
  • Greifen Sie nicht vorsorglich zu Vitamin- und Mineralstoffpräparaten, sondern sprechen Sie mit dem Hausarzt. Auch eine Überversorgung kann schädlich sein.
  • Bleiben Sie stets respektvoll vor der Individualität und fördern Sie die Selbstständigkeit des Demenzkranken.

Beispiel 2: Ernährung von Schlaganfallpatienten

In der Bundesrepublik werden jedes Jahr 103.000 neue Schlaganfälle gezählt. Die Dunkelziffer ist jedoch erheblich höher. Viele leichte Schlaganfälle werden gar nicht erkannt. Der Hirnschlag ist die häufigste Ursache für Langzeitbehinderungen. Mehr als 30 Prozent der Patienten sind nach einem Schlaganfall langfristig beeinträchtigt, fast 20 Prozent benötigen auch zwei Monate nach dem Ereignis intensive Betreuung.

Ärzte raten, auch nach einem Schlaganfall auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung zu achten. Denn wer einmal einen Schlaganfall hatte, ist akut gefährdet, weitere zu erleiden. Schon, wer die empfohlenen 1,5 Liter täglich trinkt, minimiert das Risiko eines zweiten Schlages um 25 Prozent.

Die Ernährung nach einem Schlaganfall sollte sich an der so genannten Mittelmeerdiät orientieren:

  • viel (weißfleischiges) Obst und Gemüse, Nüsse, Vollkornprodukte, Meeresfrüchte und Fisch (Omega-3-Fettsäuren), Öle mit ungesättigten Fettsäuren
  • keine süße, kohlenhydratreiche oder fette Kost
  • wenig rotes Fleisch
  • ausreichend Flüssigkeit, um die Thrombosegefahr zu senken
  • keine zuckerhaltigen Getränke
  • wenig Salz (maximal 5g pro Tag)
  • Folsäure und Vitamin D
  • Stress und anstrengende Sportarten vermeiden, Bewegungsplan mit maßvoller Bewegung (Gymnastik, Treppensteigen)
  • Alkohol in Maßen, kein Rauchen

Schlaganfallpatienten, die unter Mangelernährung leiden, haben meistens eine Schluckstörung, in der Fachsprache Dysphagie genannt. Diese Einschränkung betrifft in der Akutphase des Anfalls 60 Prozent der Patienten. Bei einem Viertel aller Betroffenen wird die Schluckstörung chronisch. In diesen Fällen müssen Sie sich gemeinsam mit Ärzten und Logopäden über die künstliche Ernährung mittels nasogastraler Sonde (NGS) oder PEG (perkutane endoskopische Gastroskopie) beraten. Häufig ist eine Kombination aus Sondenernährung und breiförmiger Kost möglich. Dann bleibt für den Pflegepatienten zumindest ein Gefühl einer realen Mahlzeit und damit ein Stück Lebensqualität erhalten.

Zuletzt aktualisiert:
Fri Jan 13 14:24:51 CET 2017

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