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Presse

Thüringen: Fast jedes dritte Kind ist chronisch krank

Neuer Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit untersucht Behandlungsdaten von rund 13.000 Jungen und Mädchen

Grafik Kinder- und Jugendreport Thüringen 2018

Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen – in Thüringen ist fast jedes dritte Kind körperlich chronisch krank. Knapp jedes Zehnte leidet an einer psychischen Erkrankung mit potentiell chronischem Verlauf. Das zeigt der neue Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit. Für die Studie hat die Krankenkasse Versichertendaten von rund 13.000 Kindern in Thüringen ausgewertet. Demnach sind mehr als 90 Prozent aller Jungen und Mädchen wenigstens einmal im Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus. Dabei zeigt sich auch: Bereits Schulkinder leiden vermehrt unter krankhaftem Übergewicht und Rückenschmerzen. Für die Versorgung aller Minderjährigen in Thüringen gibt die DAK-Gesundheit im Jahr 13,4 Millionen Euro aus.

Im Auftrag der DAK-Gesundheit hat die Universität Bielefeld die Gesundheits- und Versorgungssituation von Jungen und Mädchen in Thüringen umfassend untersucht. Die repräsentative Studie mit Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2016 liefert erstmals systematische Analysen zum Erkrankungsgeschehen bei Kindern. „Wir leisten mit dem Report Pionierarbeit und machen uns stark für Kindergesundheit“, sagt Marcus Kaiser, Leiter der DAK-Landesvertretung Thüringen. „Wir wollen die gesundheitliche Situation von Kindern besser verstehen und sie in den Vordergrund der politischen Diskussion rücken.“

Chronische Leiden belasten die Kinder

In Thüringen ist fast jedes dritte Kind körperlich chronisch krank. Jungen etwas häufiger als Mädchen. Der Kinder- und Jugendreport wertet 14 verschiedene Erkrankungen aus, die potenziell einen chronischen Verlauf nehmen können. Am stärksten verbreitet sind Neurodermitis und Asthma gefolgt von Heuschnupfen und entzündlichen Darmerkrankungen. „Das sind Erkrankungen, die den Alltag für Kinder und Eltern erheblich beeinträchtigen können“, betont Marcus Kaiser. Bei Asthma bronchiale führen verengte Bronchien zu rasselnder Atmung. Die Patienten leiden anfallsartig unter Husten und Luftnot. Asthma-Sprays gehören zur siebthäufigsten Arzneimittelgruppe bei Kindern.

Schon Kinder haben Rückenschmerzen

Atemwegserkrankungen stehen insgesamt auf Platz 1 der wichtigsten Erkrankungsarten im Kindesalter. Fast zwei Drittel (64 Prozent) aller Jungen und Mädchen in Thüringen leidet mindestens einmal pro Jahr unter einem grippalen Infekt oder einer akuten Bronchitis. In der Häufigkeit dahinter folgen Infektionskrankheiten, Hauterkrankungen, Augenerkrankungen und psychische Leiden. Muskel-Skelett-Probleme wie Rückenschmerzen sind ebenfalls recht verbreitet. Jedes fünfte Kind hat wenigstens einmal im Jahr eine entsprechende Diagnose. Ab dem zwölften Lebensjahr ist weit mehr als ein Viertel aller Jungen und Mädchen betroffen. „Das ist alarmierend“, betont Kaiser, „denn frühe Muskel-Skelett-Probleme können im Erwachsenenalter schwere Rückenleiden nach sich ziehen." Ein weiteres Leiden, das mit Bewegungsarmut zusammenhängt, ist krankhaftes Übergewicht. Über alle Altersgruppen hinweg sind über vier Prozent betroffen. „Bei Schülern der Sekundarstufe werden für solch verhaltensbezogene Krankheitsbilder die Weichen gestellt“, kommentiert DAK-Landeschef Kaiser die Ergebnisse.

Weniger gesund als im Bundesdurchschnitt

Im bundesweiten Vergleich sind Kinder in Thüringen weniger gesund als Gleichaltrige anderswo. Zwar dominieren dieselben Erkrankungen wie auf Bundesebene, aber der Anteil der betroffenen Jungen und Mädchen ist vielfach höher. So haben Kinder in Thüringen häufiger Atemwegserkrankungen (plus elf Prozent) und Infektionen (plus 14 Prozent) als im Bundesdurchschnitt. Auch von etwas selteneren Erkrankungen sind sie stärker betroffen: So zeigt die Studie mehr Kinder mit muskuloskelettalen Erkrankungen (plus 16 Prozent) oder mit krankhaften Übergewicht (plus 34 Prozent). „Mit dem Kinder- und Jugendreport liegen belastbare Zahlen zur regionalen Häufigkeit bestimmter Erkrankungen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt vor“, erklärt Julian Witte von der Universität Bielefeld als Co-Autor der Studie. „Es ist die erste kontinuierliche und erkrankungsartenübergreifende Analyse von solchen regionalen Abrechnungsdaten einer gesetzlichen Krankenkasse.“

„Unterschied zwischen Stadt und Land ist größer als gedacht“

Sechs von zehn DAK-versicherten Minderjährigen in Thüringen wachsen in ländlich geprägten Gebieten auf. Der Kinder- und Jugendreport zeigt, dass diese Jungen und Mädchen anders krank sind als Gleichaltrige aus der Stadt: Stadtkinder leiden häufiger unter Zahnkaries, Depressionen, Viruserkrankungen und grippalen Infekten. Landkinder haben hingegen eher eine Allergie. „Unser Report belegt, dass der Unterschied zwischen Stadt- und Landkindern in Sachen Gesundheit größer ist als gedacht“, betont Marcus Kaiser. „Allerdings kennen wir die Gründe für diese beobachteten Zusammenhänge nicht. Es kann an den Versorgungsstrukturen liegen, an der Umwelt, oder auch am Verhalten der Eltern.“ Tatsächlich zeigt der Report, dass der Bildungsstatus der Eltern den Gesundheitszustand ihrer Kinder beeinflusst. So leiden Kinder von Eltern ohne Ausbildungsabschluss bis zu 2,8-mal häufiger unter Karies als der Nachwuchs von Akademikern.

Prävention an Schulen und Kitas ausweiten

Auf Grundlage des Reports will die DAK-Gesundheit die bestehende Versorgung von Kindern und Jugendlichen weiter optimieren. Außerdem wird die Krankenkasse ihre Prävention an Kitas und Schulen intensivieren. So soll die Präventionskampagne „fit4future“ mit der Cleven-Stiftung für mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Stressbewältigung ausgeweitet werden. Das Programm läuft aktuell an 70 Grund- und Förderschulen in Thüringen mit etwa 56.000 Schülern und soll in diesem Jahr an weiterführenden Schulen und 2020 auch in Kitas starten.

Mehr als 13 Millionen Euro für Kindergesundheit

Insgesamt zahlte die DAK-Gesundheit 2016 in Thüringen 13,4 Millionen Euro für Kindergesundheit. Davon gingen über zwei Drittel an Kliniken (39 Prozent) und niedergelassene Ärzte (26 Prozent). Arzneimittel machten etwa 17 Prozent aller Kosten aus, Heil- und Hilfsmittel zusammen 15 Prozent. Reha-Leistungen hatten mit rund drei Prozent den geringsten Anteil. Umgerechnet auf alle versicherten Jungen und Mädchen zahlte die Kasse am meisten für Säuglinge. Sie benötigten in Thüringen im Durchschnitt pro Kopf und Jahr 1.494.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten Krankenkassen Deutschlands. Für die Analyse wurden die Daten von 12.913 minderjährigen Versicherten der DAK-Gesundheit in Thüringen durch die Universität Bielefeld ausgewertet. Infos zu allen Angeboten, die die Krankenkasse speziell für Kindergesundheit bereithält, unter: www.dak.de/kinder

Daniel Caroppo

Pressesprecher Thüringen

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