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Potsdam, 12. Dezember 2019. Mehr ein Viertel aller Schulkinder in Brandenburg zeigt psychische Auffälligkeiten. Zwei Prozent aller Jungen und Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren leiden an einer diagnostizierten Depression, 2,3 Prozent unter einer Angststörung. Das zeigt der aktuelle Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit „Ängste und Depressionen bei Schulkindern“. Hochgerechnet sind insgesamt etwa 6.600 Schulkinder in der Mark betroffen, Mädchen dreimal so häufig von Depressionen und doppelt so häufig von Angststörungen wie Jungen. Im Vergleich zu Berlin haben Schulkinder in Brandenburg eine 34 Prozent niedrigere Depressionsprävalenz, insbesondere jüngere Kinder sind in Brandenburg deutlich seltener betroffen. Für die Versorgung depressiver Schulkinder gibt die DAK-Gesundheit in Brandenburg im Jahr pro Kopf durchschnittlich 2.900 Euro mehr aus als für seelisch gesunde Gleichaltrige.

Im Auftrag der DAK-Gesundheit hat die Universität Bielefeld die Gesundheits- und Versorgungssituation von Jungen und Mädchen in Brandenburg umfassend untersucht. Die repräsentative Studie mit Abrechnungsdaten aus 2016 und 2017 nimmt insbesondere die seelische Gesundheit von Jungen und Mädchen in den Fokus. „Psychische Erkrankungen werden immer noch wie ein Tabu gesehen. Dagegen wollen wir angehen“, sagt Anke Grubitz, Leiterin der DAK-Landesvertretung in Brandenburg. „Wenn Kinder seelisch leiden bleibt dies oft unbemerkt und es dauert zu lange bevor sie eine passende Diagnose bekommen. Wir möchten hier alle sensibilisieren - die Familie, das Umfeld in der Schule oder im Sportverein. Es gilt hier nachhaltig zu helfen.“ 

Unterschiede zwischen Brandenburg und Berlin 
Depressionen (minus 34 Prozent) und Angststörungen (minus vier Prozent) werden bei Schulkindern in Brandenburg seltener diagnostiziert als bei Gleichaltrigen in Berlin. Auch die Versorgung erfolgt unterschiedlich. Kinder aus Brandenburg, die unter Depressionen leiden, werden seltener im Krankenhaus behandelt (minus fünf Prozent) und müssen seltener mehrfach stationär behandelt werden (minus 45 Prozent). Vergleichbar hoch ist allerdings der Anteil medikamentös behandelter Kinder mit Depressionen. Über alle Krankheitsarten gibt es in Brandenburg jedoch mehr Arzneimittelverschreibungen (plus 27 Prozent) und mehr Krankenhausaufenthalte als in Berlin (plus 71 Prozent).

Ängste und Depressionen treten oft parallel auf
25 Prozent aller Schulkinder in Brandenburg sind von einer psychischen Erkrankung oder Verhaltensstörung betroffen. Vor allem jüngere Schulkinder fallen am häufigsten durch Entwicklungsstörungen auf, zu denen Sprach- und Sprechstörungen gehören.  Auch Verhaltensstörungen, wie etwa ADHS sind verbreitet. Seltener, aber von hoher Relevanz für die Versorgung, sind affektive Störungen, zu denen auch die Depressionen gehören. Zwei Prozent aller DAK-versicherten Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren sind so stark betroffen, dass sie einen Arzt aufsuchen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Depressionshäufigkeit 2017 in der Mark um vier Prozent gestiegen. Mädchen leiden deutlich häufiger als Jungen. Mit einer diagnostizierten Angststörung kämpfen 2,3 Prozent aller Schulkinder. Hochgerechnet auf alle Kinder und Jugendlichen in Brandenburg entspricht dies etwa 3.500 mit einer Depression und 4.000 mit Angststörungen. Ängste und Depressionen treten oft parallel auf: Jeder sechste Junge in Brandenburg mit einer diagnostizierten Depression hat parallel auch eine Angststörung. Bei den Mädchen ist es fast jedes vierte.

Depressionen und Angststörungen zählen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den schwerwiegendsten Leiden in der Gruppe der psychischen Erkrankungen. Depressionen sind gekennzeichnet durch Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Interessenverlust. Bei schweren depressiven Episoden haben die jungen Patienten Schwierigkeiten, ihre alltäglichen Aktivitäten fortzusetzen. Sie ziehen sich stark zurück, schaffen es kaum noch, in die Schule zu gehen. Bei Angststörungen ist der natürliche Angstmechanismus des Menschen aus den Fugen geraten. Die Betroffenen zeigen Reaktionen, die der jeweiligen Situation nicht angemessen sind und losgelöst von einer realen äußeren Gefährdung ablaufen.

Chronische Krankheiten steigern Risiko für Depressionen
Der Report zeigt erstmals auf Basis von Abrechnungsdaten, wie stark bestimmte Faktoren die Entwicklung eines Seelenleidens beeinflussen. So tragen Kinder mit einer chronischen körperlichen Erkrankung insbesondere im Jugendalter ein bis zu 4,5-fach erhöhtes Depressionsrisiko. Für eine Angststörung ist das Risiko bis zu 3-fach erhöht. Auch das familiäre Umfeld kann ein Faktor sein: Kinder seelisch kranker Eltern sind deutlich gefährdeter (3-fach), selbst eine depressive Störung zu entwickeln. Kinder suchtkranker Eltern sind ebenfalls signifikant häufiger betroffen (2,4-mal häufiger) als Gleichaltrige aus suchtfreien Elternhäusern. 

Depressive Jugendliche häufig mehrmals im Krankenhaus 
„Mit dem Kinder- und Jugendreport 2019 haben wir für Brandenburg auch belastbare Analysen zur Versorgungssituation von Kindern mit psychischen Auffälligkeiten“, erklärt Julian Witte von der Universität Bielefeld als Studienautor. Depressive Schulkinder in Brandenburg bekommen häufiger Arzneimittel und eine Krankenhauseinweisung. Der Verschreibungsanteil von Antidepressiva liegt bei Jungen etwas höher als bei Mädchen. Im Bundesdurchschnitt ist es andersherum. Der Anteil der Betroffenen mit Rezept liegt mit zwölf Prozent in Brandenburg unter dem DAK-weiten Bundesdurchschnitt (17 Prozent). Wesentlich höher als im Bundesdurchschnitt ist in Brandenburg der Anteil der Jungen und Mädchen mit einer Klinikeinweisung: zehn Prozent der Schulkinder mit einer diagnostizierten Depression wurde 2017 stationär behandelt, durchschnittlich für 38 Tage. Im Bundesdurchschnitt waren es knapp unter acht Prozent.  

DAK-Gesundheit entwickelt neue Angebote
Die DAK-Gesundheit in Brandenburg startet das neue integrierte Versorgungsangebot „veo“, damit Betroffene nach einer Krankenhausentlassung besser aufgefangen werden. „veo“ ermöglicht depressiven Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren für drei Jahre eine vernetzte ambulante Nachsorge und Versorgung. Das Programm „veo“ ist einzigartig. Es hilft Kinder- und Jugendtherapeuten, Psychiatern sowie Haus- und Fachärzten dabei, die die ambulante Nachsorge zu optimieren. Weitere wichtige altersgruppenspezifische Beteiligte wie Beratungsstellen, Schulpsychologen und Jugendämter werden ebenfalls eingebunden. Das Ziel ist eine bessere Vernetzung und damit eine schnelle und unproblematische Hilfe für die betroffenen Kinder – ohne lange Wartezeiten und komplizierte Terminabsprachen.  

Parallel intensiviert die DAK-Gesundheit ihre Aktivitäten im Bereich Stressprävention. Gemeinsam mit der Cleven-Stiftung hat sie mit fit4future Teens ein neues Präventionsprogramm zum Thema Stressprävention für weiterführende Schulen entwickelt. Außerdem bietet sie Kindern ab zwölf Jahren individuell an, ihre seelische Stärke mit einer neuen Software zu trainieren. „DAK Smart4me“ ist kostenfrei zugänglich und passwortgeschützt auf Smartphones und allen anderen Bildschirmgeräten nutzbar. Infos dazu gibt es unter: www.dak.de/smart4me