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Hamburg: Frauen haben 27 Prozent mehr Fehltage als Männer

DAK-Gesundheitsreport zeigt große Unterschiede in den Krankheitsprofilen und im Umgang mit Krankschreibungen

Frauen in Hamburg fehlen häufiger im Job als Männer. Ihr Krankenstand lag im vergangenen Jahr 27 Prozent höher. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport 2016 hervor. Die Studie zeigt auch, dass Männer und Frauen anders krank sind: In Hamburg haben Männer 58 Prozent mehr Fehltage bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frauen 83 Prozent mehr bei seelischen Leiden. Insgesamt stieg der Krankenstand in der Hansestadt von 3,5 auf 3,7 Prozent in 2015.

Für die Studie wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Hamburg aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5.000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Dabei ging es insbesondere um Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Beim Krankenstand in der Hansestadt zeigt sich: Von 1.000 erwerbstätigen Frauen fehlten 2015 im Durchschnitt pro Tag 41 bei der Arbeit, bei Männern waren es nur 33. „Damit ist der viel zitierte kleine Unterschied größer als gedacht“, sagt Regina Schulz, Landeschefin der DAK-Gesundheit in Hamburg. „Die Studie zeigt, dass Männer und Frauen von ganz unterschiedlichen Krankheitsprofilen betroffen sind.“

Fehltage bei Herzinfarkt und Brustkrebs

Männer in Hamburg leiden häufiger als Frauen unter Herz-Kreislauf-Problemen (+ 58 Prozent mehr Fehltage) und sie haben 42 Prozent mehr Fehltage wegen Verletzungen. Frauen in Hamburg fehlen hingegen deutlich öfter wegen psychischer Erkrankungen (+ 83 Prozent) wie beispielsweise Depressionen. Sie haben fast doppelt so viele Fehltage wegen Krebsleiden (+ 87 Prozent), was durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt ist. „Betroffene Frauen stehen oft noch voll im Erwerbsleben“, erklärt Schulz. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern, der Prostatakrebs, trete hingegen erst im höheren Alter auf – meist ab etwa 60 Jahren. „Diese Krebsfälle bei den Männern werden von unserer Statistik, die sich ausschließlich auf Erwerbstätige bezieht, meist

nicht mehr erfasst“, so Schulz. Grundsätzlich sei das Krebsrisiko bei Männern und Frauen gleich.

Schwangerschaft hat Einfluss

Schwangerschaftskomplikationen spielten insgesamt eine eher kleine Rolle im Hamburger Krankheitsgeschehen. Bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich: Sie erklären über alle Altersgruppen hinweg sechs Prozent des Unterschiedes beim Krankenstand von Frauen und Männern. Bei den 30 bis 34-jährigen Frauen sind sogar 25 Prozent des Unterschiedes auf Schwangerschaftskomplikationen zurückzuführen.

Männer sind seltener beim Arzt
Ein Teil des Unterschieds bei den Fehltagen könnte sich auch durch den anderen Umgang von Männern und Frauen mit Krankheit erklären lassen. Berufstätige Männer in Hamburg besuchen im Durchschnitt nur vier Mal pro Jahr einen Arzt. Berufstätige Frauen hingegen sind etwa sieben Mal in ärztlicher Behandlung. „Selbst wenn man Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingte Behandlungen nicht einrechnet, sind Männer weitaus seltener beim Arzt. Sie sind womöglich aber genauso oft krank wie Frauen“, so Schulz.

Frauen neigen häufiger zu Präsentismus

Obwohl Frauen den höheren Krankenstand haben, schleppen sie sich sogar noch häufiger als Männer krank zur Arbeit. Experten sprechen vom Präsentismus: 69 Prozent der Frauen in Hamburg gaben bei der DAK-Befragung an, in 2015 mindestens einmal krank bei der Arbeit gewesen zu sein. Von den Männern sagten das nur 55 Prozent. Als Hauptgründe nannten Frauen, dass sie ihre Kollegen nicht hängen lassen wollten (88 Prozent) oder ihre Arbeit fertigstellen müssten (89 Prozent).

Betriebliches Gesundheitsmanagement im Fokus

„Für eine geschlechtersensible Gesundheitsförderung in den Betrieben können die Ergebnisse unserer Studie eine wichtige Grundlage sein“, sagt DAK-Landeschefin Regina Schulz. „Wo Männer und Frauen unterschiedliche Bedürfnisse haben, sollen sie von den Betrieben auch geschlechtsspezifische Angebote bekommen.“ Die DAK-Gesundheit stehe den Unternehmen in Hamburg sowohl bei der Bedarfsanalyse als

auch bei der Entwicklung und Evaluation von passgenauen Maßnahmen kompetent zur Seite.

Krankenstand gestiegen

Der DAK-Gesundheitsreport untersuchte auch den Krankenstand in Hamburg. Er war im vergangenen Jahr mit 3,7 Prozent höher als im Vorjahr (3,5 Prozent). 2015 waren demnach von 1.000 erwerbstätigen Mitgliedern der DAK-Gesundheit durchschnittlich pro Tag 37 krankgeschrieben. Vor allem Erkältungen machten den Menschen zu schaffen. Die Anzahl der Fehltage aufgrund von schweren Atemwegserkrankungen wie Bronchitis stieg um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an und verursachte 17,4 Prozent aller Fehltage. Für die meisten Ausfalltage waren aber mit rund 21 Prozent die psychischen Erkrankungen verantwortlich, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen mit einem Anteil von 18,4 Prozent.

Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand in Hamburg waren 2015 das Gesundheitswesen mit 4,4 Prozent und die Branche Verkehr, Lagerei und Kurierdienste mit 4,3 Prozent. Den niedrigsten Krankenstand hatte der Wirtschaftszweig Bildung, Kultur und Medien mit drei Prozent.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten Krankenkassen Deutschlands. Für die Analyse wurden die Daten von rund 77.000 erwerbstätigen Mitgliedern der DAK-Gesundheit in Hamburg durch das IGES Institut ausgewertet.