Liposuktion bei Lipödem: Alle Infos zu OP, Nachsorge und Kassenleitung

Du hast die Diagnose Lipödem erhalten und überlegst nun, wie es weiter geht? Erst einmal gibt es keinen Grund zur Sorge – bei einer Fettverteilungsstörung gibt es mehrere Möglichkeiten, wie du die Symptome lindern kannst. Eine davon ist die Liposuktion, also eine Lipödem-OP. Wir erklären, wann eine Fettabsaugung bei einem Lipödem sinnvoll ist, wie der Eingriff abläuft und welche Verfahren eingesetzt werden. Außerdem erfährst du, worauf du nach der OP im Alltag achten solltest, wer solche Eingriffe durchführt und ob die Lipödem-OP von der Krankenkasse bezahlt wird.
Wann ist eine Fettabsaugung bei einem Lipödem sinnvoll?
Wie läuft eine Liposuktion bei einem Lipödem ab?
Doch wie läuft eine Fettabsaugung nun genau ab? Die Lipödem-OP besteht aus mehreren Schritten. Wir geben dir einen Überblick:
Voruntersuchung & Planung
Zunächst wird die Diagnose gestellt: Deine Ärztin oder dein Arzt beurteilt das Stadium des Lipödems, die Verteilung des Fettgewebes sowie den Druckschmerz und setzt bei Bedarf eine Ultraschalluntersuchung ein. Anschließend wirst du über Nutzen, Grenzen und mögliche Risiken der Operation aufgeklärt. Auf dieser Basis entsteht ein individueller Behandlungsplan mit festgelegten Arealen, der voraussichtlichen Anzahl an Sitzungen, der passenden Narkoseform und der geplanten Nachsorge.
OP-Ablauf bei der Liposuktion
Je nach Befund erfolgt die Betäubung entweder in Lokalanästhesie oder in Vollnarkose. Über kleine Hautschnitte führt die Operateurin oder der Operateur feine Kanülen ein, bereitet das Gewebe mit Flüssigkeit vor und saugt gezielt das krankhaft vermehrte, druckempfindliche Unterhautfett ab. Die Kanüle wird dabei kontrolliert in kurzen Bewegungen vor- und zurückgeführt. Der Umfang richtet sich nach den zu behandelnden Arealen: Eine Sitzung dauert in der Regel zwischen einer und drei Stunden. Bei ausgedehnten Befunden werden die Regionen auf mehrere Eingriffe aufgeteilt, um das Gewebe und die Lymphbahnen zu schonen und ein gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen.
Nachsorge bei einer Lipödem-OP
Nach der Operation trägst du konsequent Kompressionskleidung. Frühzeitige, dosierte Bewegung unterstützt die Abschwellung des behandelten Bereichs. Bei Bedarf ergänzt manuelle Lymphdrainage die Regeneration. Du erhältst Hinweise zur Wund- und Narbenpflege und kommst zu regelmäßigen Kontrollen. Das endgültige Ergebnis zeigt sich erst nach einigen Wochen bis Monate. Eine sorgfältige Nachsorge ist sehr wichtig, denn sie stabilisiert die erreichte Schmerzlinderung und die Volumenreduktion.
Bitte beachte: Folgeoperationen, wie etwa eine Hautstraffung, können möglich sein. Hierzu berät dich deine Ärztin oder dein Operateur.
Welche OP-Verfahren sind für eine Lipödem-OP geeignet?
Ärztinnen und Ärzte greifen bei einer Liposuktion auf verschiedene Operationstechniken zurück: Wir geben dir einen Überblick:
- Tumeszenz-Liposuktion (TLA): Bei der Tumeszenztechnik (Tumeszenz = Anschwellung) wird eine große Menge einer verdünnten Kochsalzlösung (mit Lokalanästhetikum und Adrenalin) in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Das Gewebe schwillt an und lässt sich anschließend mit feinen Kanülen absaugen.
- Wasserstrahlassistierte Liposuktion (WAL): Bei dieser Variante löst ein feiner Strahl aus Kochsalzlösung, der in das Unterhautgewebe gespritzt wird, das Fettgewebe, während es zugleich abgesaugt wird. Die Technik ist weit verbreitet, da Schwellungen vermieden werden und das Gewebe schonender separiert wird.
- Andere Verfahren: Bei der Laserassistierten Liposuktion werden die Fettzellen durch einen Laser zerstört und danach abgesaugt – ein Verfahren, das bei kleineren Arealen zum Einsatz kommt. Beim Ultraschall-assistierten Verfahren werden die Fettzellen durch Ultraschallwellen zerstört und danach abgesaugt.
Fazit: Entscheidend bei allen Verfahren ist die Schonung der Gewebestruktur. Welche Methode für dich am besten passt, solltest du individuell mit erfahrenen Fachärztinnen oder Fachärzten besprechen.
Worauf sollte nach der Lipödem-OP geachtet werden?
Der erste Tag nach dem Eingriff fühlt sich oft ungewohnt an: Kompressionskleidung, Müdigkeit, vielleicht Druckschmerz. Damit du sicher durch diese Phase kommst, findest du hier das wichtigste To-Dos, die nach der Liposuktion bei einem Lipödem anstehen:
- Kompressionswäsche konsequent tragen: So lange und so oft wie verordnet – das reduziert Schwellungen und formt das Ergebnis.
- Schmerzmanagement & Thromboseprophylaxe: Schmerzmittel und verordnete Medikamente solltest du genau nach Plan einnehmen.
- Frühe Bewegung: Sobald möglich, versuche, aufzustehen und kurze Strecken zu gehen; das unterstützt den Lymphfluss und senkt das Thromboserisiko.
- Lymphfördernde Maßnahmen: Wenn ärztlich empfohlen, plane manuelle Lymphdrainage ein
- Wundpflege & Kontrollen: Halte Pflaster und Verbände sauber, kümmere dich um Dusch- und Narbenpflege nach Anleitung und nimm Kontrolltermine zuverlässig wahr.
- Warnzeichen ernst nehmen: Starke Rötung, Fieber, zunehmende oder untypische Schmerzen solltest du unbedingt sofort ärztlich abklären lassen.
Bei welchem Arzt oder in welcher Klinik wird eine Lipödem-OP durchgeführt?
Du suchst einen Ort, der Erfahrung, Sicherheit und eine gute Nachsorge verbindet. Hier findest du die wichtigsten Anlaufstellen für deine Liposuktion – und erfährst, worauf du bei der Auswahl achten solltest.
Diese Anlaufstellen kommen für eine Lipödem-OP in Betracht:
- Fachärztinnen und Fachärzte für Plastische und ästhetische Chirurgie, die nachweislicher Erfahrung in der Lipödem-Liposuktionen vorweisen können.
- Universitäts- und Spezialkliniken / zertifizierte Zentren, die eine
multidisziplinäre Betreuung anbieten (Plastische Chirurgie, Anästhesie, Physiotherapie).
Worauf solltest du bei der Praxiswahl achten?
- Verfahren & Technik: Lymphschonende Methoden und passende Narkoseoptionen
- Erfahrung & Transparenz: Operationszahlen, Beispiele von Ergebnissen, klare Aufklärung zu Nutzen und Grenzen des Eingriffs und zum Operationsvorgehen.
- Nachsorgekonzept: Konkreter Plan für die OP-Kontrollen.
- Bauchgefühl & Zweitmeinung: Dein Gefühl zählt: Wenn du dir unsicher bist, nutze eine Zweitmeinung, um dein Wissen und deine Einschätzung zu erweitern.
Ab wann wird eine Liposuktion bei einem Lipödem zur Kassenleistung?
Du stehst kurz vor der Entscheidung zur Liposuktion – medizinisch ist für dich vieles geklärt, offen bleibt vor allem: Wer übernimmt die Kosten? Vielleicht bereitet dir genau diese Frage Bauchschmerzen.
Derzeit übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Liposuktion nur beim Lipödem im Stadium III und unter bestimmten Voraussetzungen. Dabei darf ausschließlich das Fettgewebe an den Extremitäten – also an Armen und Beinen – behandelt werden; andere Körperregionen sind ausgeschlossen. Eine Kostenübernahme für ambulante Eingriffe ist momentan nicht vorgesehen.
Das ändert sich voraussichtlich im Frühjahr 2026: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat beschlossen, die Liposuktion bei einem Lipödem als Regelleistung der GKV einzuführen – und zwar auch in den Stadien I und II.
Das bedeutet: Wird die Liposuktion bei einem Lipödem im Stadium I–III durch eine Fachärztin oder einen Facharzt als medizinisch notwendige Operation verordnet, werden die Kosten von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die Voraussetzungen für eine Liposuktion bei Lipödem sind in den Qualitätssicherungsrichtlinien zur Liposuktion geregelt. Die Leistung kann per Überweisung in Anspruch genommen werden, die Abrechnung der Operation erfolgt dann über die Krankenkassenkarte.
Häufige Fragen zur Lipödem-OP
Wie lange hält eine Liposuktion bei Lipödem?
Die abgesaugten Fettzellen kommen nicht wieder. Damit kein neues Fettgewebe entsteht, ist eine gesunde Ernährung und Bewegung maßgeblich.
Welche Nachteile hat die Liposuktion bei einem Lipödem?
OP-Risiken wie Blutungen, Infektionen, Asymmetrien, Gefühlsstörungen können auftreten. Auch die Narkose kann Risiken mit sich bringen, zudem sind eventuell mehrere Sitzungen nötig.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Lipödem-OP?
Nach der OP solltest du dich rund vier Wochen schonen. Arbeitsunfähig bist du je nach Tätigkeit bis zu zwei Wochen. Sport darfst du vier bis sechs Wochen nach der OP wieder machen, halte Rücksprache mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt. Nach rund drei Monaten ist das endgültige Ergebnis des Eingriffs sichtbar.
Wie schmerzhaft ist eine Lipödem-Operation?
Das Schmerzempfinden ist immer sehr individuell und unterschiedlich; viele berichten in den ersten Tagen über Druck- oder muskelkaterähnliche Schmerzen, die mit verordneten Schmerzmitteln gut behandelbar sind und rasch abnehmen.
Fachbereich der DAK-Gesundheit

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