DAK-Monitor: Zufriedenheit mit Gesundheitssystem sinkt auf tiefsten Wert seit 15 Jahren

  • Aktuelle Allensbach-Umfrage für die DAK-Gesundheit zeigt großen Vertrauensverlust in Gesundheitsversorgung 

  • Ärztemangel und Wartezeiten: Viele machen schlechtere Erfahrungen bei ambulanter und stationärer Versorgung

  • Einschätzung der Vorschläge zur Gesundheitsreform:  Mehrheit für Zuckersteuer – Skepsis bei Leistungskürzungen

  • DAK-Chef Storm fordert faire Lastenverteilung und mutige Strukturreform: Vertrauen ins Gesundheitssystem schaffen

 

Eine  Frau und ein Mann diskutieren etwas am Computer.

Hamburg, 12. Mai 2026. Ärztemangel, lange Wartezeiten und schlechtere Erfahrungen bei der Versorgung: Die Zufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitssystem erreicht 2026 den niedrigsten Wert seit 15 Jahren. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht zwar einen Bedarf für eine umfassende Gesundheitsreform, blickt aber skeptisch auf die Umsetzungschancen. Zusätzliche Belastungen für die Bürger durch höhere Kosten und niedrigere Leistungen werden mehrheitlich abgelehnt. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Meinungsumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für den neuen „DAK-Gesundheitsmonitor 2026“ der DAK-Gesundheit. Die repräsentative Studie erscheint kurz vor der parlamentarischen Beratung über das Beitragsstabilisierungsgesetz von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und bewertet auch die Vorschläge für Einsparungen. DAK-Vorstandschef Andreas Storm fordert von der Regierung eine faire Lastenverteilung und mutige Strukturreformen, um neues Vertrauen der Menschen zu schaffen. 

„Das deutsche Gesundheitssystem ist krank: Wenn die Zufriedenheit der Menschen den tiefsten Stand seit 15 Jahren erreicht, dann müssen umgehend wirkungsvolle Therapien zur Hilfe eingeleitet werden“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Im DAK-Gesundheitsmonitor können die Menschen die Defizite in der Versorgung sehr genau benennen und haben aktuell kein Vertrauen in die Lösungskompetenz der Politik. Wir brauchen daher bei der geplanten Gesundheitsreform von Ministerin Warken eine Kombination aus fairer Lastenverteilung und mutigen Strukturreformen. Nur so können wir unser Gesundheitssystem nachhaltig stabilisieren und das Vertrauen der Menschen wieder zurückgewinnen.“

Für den neuen DAK-Gesundheitsmonitor hat das Institut für Demoskopie Allensbach unter Leitung von Prof. Dr. Renate Köcher vom 18. bis 30. April 2026 insgesamt 1.015 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland durch mündlich-persönliche Interviews befragt. Die repräsentative Meinungsumfrage untersucht unter anderem die Zufriedenheit und das Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem und vergleicht die Ergebnisse rückblickend auf die vergangenen 20 Jahre. Auch die Reaktion der Bevölkerung auf den aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung für eine Gesundheitsreform zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung wurde umfassend untersucht. „Die Gesundheitsversorgung ist für die Bevölkerung ein außerordentlich wichtiges Thema. Die große Mehrheit macht sich zurzeit Sorgen, dass sich die Qualität der Versorgung verschlechtert und gleichzeitig die Beiträge weiter steigen. Für die Politik hängt viel von erfolgreichen Reformen ab“, so Prof. Dr. Renate Köcher.

Jeder Dritte hat schlechtere Erfahrungen bei ärztlicher Versorgung
Laut DAK-Gesundheitsmonitor geht die Zufriedenheit der Menschen mit der Gesundheitsversorgung seit 2020 kontinuierlich zurück. Nachdem zwischen 2012 und 2022 konstant über 80 Prozent der Bürger das deutsche Gesundheitswesen positiv bewertet haben, sind es aktuell nur 62 Prozent. Das ist der schlechteste Wert seit 15 Jahren. Die Zahl der kritischen Stimmen hat sich seit 2020 von 11 auf 35 Prozent mehr als verdreifacht. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung hat in den vergangenen zwei oder drei Jahren persönlich schlechtere Erfahrungen mit der ärztlichen Versorgung gemacht als früher.

Vertrauensverlust bei Krankenhäusern und durch Ärztemangel
Auch das Vertrauen in die stationäre Gesundheitsversorgung ist gesunken. Aktuell haben nur 33 Prozent der Befragten uneingeschränktes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser. 2022 waren es noch 43 Prozent. Ein weiterer Grund für die Vertrauensverluste liegt in dem zunehmenden Ärztemangel. Laut DAK-Gesundheitsmonitor ist der Anteil der Bevölkerung, der in der eigenen Region einen Ärztemangel erlebt, seit 2011 von 13 auf aktuell 36 Prozent angestiegen. In Ostdeutschland ist mit 57 Prozent mehr als jeder Zweite betroffen. Auch auf die Frage nach negativen Erfahrungen im Gesundheitssystem werden lange Wartezeiten für einen Arzttermin mit 72 Prozent am häufigsten genannt. Fast jeder Zweite gibt an, dass er in den letzten Jahren mehrmals sehr lange auf einen Termin warten musste. Das waren 15 Prozentpunkte mehr als noch 2016. 

Mehrheit erwartet zukünftig schlechtere Gesundheitsversorgung
Die Bevölkerung blickt auch pessimistisch in die Zukunft. 59 Prozent erwarten, dass sich in den kommenden zehn Jahren die Gesundheitsversorgung weiter verschlechtert. Die große Mehrheit rechnet mit steigenden Kosten und einer verstärkten Zwei-Klassen-Medizin. Zwei Drittel der Bürger sind der Überzeugung, dass das deutsche Gesundheitssystem umfassend reformiert werden muss. Vor zehn Jahren glaubten dies nur 41 Prozent. Allerdings glaubt die Mehrheit nicht, dass es zu umfassenden Gesundheitsreformen kommt. Insgesamt wächst die Kritik an der Gesundheitspolitik der Bundesregierung. Aktuell haben 61 Prozent der Bevölkerung keinen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik – der schlechteste Wert seit 2009. 

Aktuelle Reformen: Mehrheit für Tabak-, Alkohol- und Zuckersteuer
Auf die aktuell diskutierten Reformvorschläge zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung reagiert die Bevölkerung sehr unterschiedlich. Die Mehrheit findet zum Beispiel höhere Steuern auf Tabak und Alkohol sowie die Einführung einer Zuckerabgabe für Erfrischungsgetränke oder Softdrinks gut.  Auch höhere Rabatte der Pharmahersteller für Medikamente werden unterstützt. 

Gegen Kürzung bei Zahnersatz, Hautkrebsvorsorge und Krankengeld
Dagegen werden alle Maßnahmen von der Mehrheit abgelehnt, die für die Bürger höhere Kosten oder niedrigere Leistungen mit sich bringen. Den größten Widerstand gibt es gegen Kürzungen bei Zuschüssen zum Zahnersatz sowie höhere Kassenbeiträge (jeweils 74 Prozent Ablehnung), Einschränkung bei der Hautkrebsvorsorge (67 Prozent), Kürzung des Krankengeldes (65 Prozent) oder der teilweisen Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehegatten (53 Prozent).

Mehrheit glaubt nicht an stabile Beiträge
Trotz der aktuellen Diskussion über eine große Gesundheitsreform glauben nur 10 Prozent der Bürger an eine Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die große Mehrheit von 68 Prozent hat zurzeit keine Hoffnung, dass die Stabilisierung der Beiträge gelingt. 

Solidarprinzip in gesetzlicher Krankenversicherung wird unterstützt
Laut DAK-Gesundheitsmonitor hält die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenkassen für ein gutes Model. 74 Prozent der Befragten unterstützen das Solidarprinzip, lediglich 9 Prozent äußern sich kritisch. „Bei allen aktuellen Problemen im deutschen Gesundheitssystem hat das Prinzip der solidarischen Krankenversicherung einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung“, erklärt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Diese Akzeptanz ist wichtig, um die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung durch nachhaltige Reformen wieder zu steigern und das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen.“

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Rüdiger Scharf

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Themen: Vorstands-Kommunikation und Interviewanfragen, Gesundheits- und Pflegepolitik sowie Kinder- und Jugendgesundheit 

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