Stress im Job

Arbeit kann uns schwer zu schaffen machen: Zeitdruck, Konkurrenz und die Angst um den Arbeitsplatz sorgen für reichlich Stress. Daneben überfluten E-Mails, Blackberry und Instant Messenger uns regelrecht mit Informationen. Viele Berufstätige reagieren mit typischen Stresssymptomen: Mehr als die Hälfte kann selbst nachts nicht abschalten und wälzt sich schlaflos im Bett. Rund ein Drittel leidet an Konzentrationsstörungen, Unruhe und depressiven Verstimmungen, jeder Siebte hat Herzrasen. Andauernder Stress ist außerdem eine zentrale Ursache für psychische Krankheiten wie Depressionen und Angststörungen. Die Anzahl der Betroffenen steigt seit Jahren permanent an. Mittlerweile geht jeder zehnte Fehltag auf das Konto seelischer Leiden.

Risiko­gruppen

Beruflichen Anstrengungen kann sich kaum jemand entziehen. Wenn die Belastung allerdings zur dauerhaften Überlastung wird, wird es gesundheitsschädlich.

Frauen: Perfekt mit allen Mitteln

Vor allem weibliche Arbeitnehmer gehören zu der typischen Risikogruppe für Stress. Viele Frauen müssen einen regelrechten Spagat machen, um Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Dabei stellen sie hohe Erwartungen an sich selbst: Perfekt gestylt, voller Tatendrang und brillanter Ideen möchten sie sein – Superfrauen eben. Ihr Perfektionismus ist aber ein typischer Auslöser für Stresssymptome. Leider greifen Betroffene in solchen Fällen nicht selten zu Medikamenten. Frauen sind hier besonders anfällig: Dreimal so häufig wie Männer greift das weibliche Geschlecht bei Überlastungsanzeichen wie Schlafstörungen, Verstimmungen oder Nervosität zu Tabletten und Co.

Führungskräfte: Wenn Stress süchtig macht

Auch Menschen in leitenden Positionen sind besonders anfällig für krankhaften Stress. Die Ursachen liegen in den hohen Leistungserwartungen, in der wöchentlichen Belastung von bis zu 70 Arbeitsstunden und dem oftmals fehlenden privaten Ausgleich. Viele powern jahrelang am Limit, ohne die Gefahren zu erkennen. Für diese so genannten "Extremjobber" reicht oft schon eine kleine Krise, die das Kartenhaus dann aber zum Einstürzen bringt. Auch hier sollen oft Leistungssteigernde Medikamente die drohende Niederlage aufhalten. Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, sollten gestresste Manager vielmehr beizeiten die Notbremse ziehen. Sie sollten sich ehrlich die Frage stellen, ob sie denn wirklich alles selbst machen müssen. Der Schlüssel zu mehr Gelassenheit liegt häufig im Setzen von Prioritäten und dem Delegieren einzelner Arbeitspakete. Denn Teamwork verringert den psychischen Druck auf den Einzelnen und steigert nicht selten auch den gemeinsamen Erfolg. Zudem sind regelmäßige Pausen ein gutes Mittel, um sich neuen Überblick zu verschaffen, Kraft zu schöpfen und den Kopf frei zu bekommen.

Studenten: Lernen auf Rezept

Auch vor dem Berufsstart kann es heute schon zu Überbelastungen kommen: Jeder vierte Student leidet unter hohem Leistungsdruck, die Hälfte aller Schüler klagt über Schulstress. Kein Wunder, denn wer heute Karriere machen will, muss angesichts von G8, Bachelor und Master in kürzerer Schul- oder Studienzeit hohen Anforderungen gerecht werden. Leider gehören auch hier häufig ‚kleine Helfer’ aus dem Medizinschrank zur Tagesordnung. Ob Tabletten zum Wachhalten oder auch Beruhigungsmittel gegen Prüfungsängste, die Risiken und Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Stattdessen sollten Studenten lieber versuchen, ihren Studienalltag clever zu managen. Lieber einen eher übersichtlichen Stundenplan und den gut bewältigen, als zu viele Seminare und Vorlesungen auf einmal.

Junge Beschäftigte: Mitten in der Rushhour

Zwischen dem 25. und dem 40. Lebensjahr steht viel an. Berufseinstieg, Partnerwahl, Karriere und Familiengründung - Experten sprechen von der "Rushhour des Lebens". Mit dem Druck, der durch die Mehrfachbelastung entsteht, kommen viele erstaunlich gut klar. Selbst Vollzeit arbeitende Mütter zeigen keine höheren Stresswerte als Beschäftigte ohne Kinder. Aber Eltern laufen Gefahr, dass sie zu viele Abstriche bei sich selbst machen und ihre Work-Life Balance leidet. Während fast ein Drittel der berufstätigen Frauen ohne Kinder viel Sport treibt, ist es bei den Müttern nur ein Sechstel. Auch bei den Themen gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf können Beschäftigte mit Kindern im Schnitt weniger für sich selbst tun. Weitere Informationen dazu finden Sie im Gesundheitsreport 2014.

Umgang mit Stress

Der richtige Umgang mit Stress

Ganz ohne Stress geht es in der Regel nicht. In vielen Situationen brauchen wir ihn sogar, um leistungsfähig zu sein. Entscheidend ist der richtige Umgang mit Belastungen. Anstatt seine Grenzen beispielsweise ständig zu überschreiten und erste Überlastungsanzeichen mit Hilfe von Tabletten zu betäuben, gilt es, eigene Kräfte zu mobilisieren. Das A und O dabei ist es, die eigenen Grenzen zu erkennen. Nur wer im hektischen Job oder turbulenten Familienalltag rechtzeitig die Reißleine zieht, kann trotz vielfältiger Anforderungen ein ausgeglichenes Leben führen. Welche effektiven Strategien dabei helfen, mit anstrengenden Phasen und Belastungen richtig umzugehen, zeigen die folgenden goldenen Regeln gegen Stress:

  1. Dem Körper zuhören
    Der menschliche Körper hat eine Art Frühwarnsystem - wird die Belastung zu hoch, läuten alle Alarmglocken. Wer sich durch Medikamente oder Alkohol einen Schalldämpfer einbaut, riskiert seine Gesundheit. Genauer hinhören heißt hier die Devise: Wenn Sie mehr als zweimal in der Woche schlecht schlafen oder Schmerzen in Rücken, Kopf oder Magen empfinden, sollten Sie Ihren Stresspegel drastisch reduzieren! Natürlich muss der Arzt auch mögliche körperliche Ursachen abklären.
  2. Einen kühlen Kopf bewahren
    Oft machen wir uns mehr Druck als nötig. Anstatt sich ständig zu sagen "Ich schaffe das nicht!", sollte man lieber strategisch vorgehen. Um seine Zeit effektiver zu nutzen, gibt es verschiedene "Schlachtpläne". Nach dem Eisenhower-Prinzip zum Beispiel werden alle anfallenden Aufgaben nach den Kriterien wichtig bzw. unwichtig und dringend bzw. nicht dringend unterteilt. Arbeiten, die gleichzeitig wichtig und dringend sind, haben danach oberste Priorität. Auch Pausen sind ein geeigneter Stresspuffer: Jede Stunde fünf Minuten aufstehen, durchatmen und neu sortieren – das schafft Überblick und neue Motivation.
  3. Egoistischer werden
    Gesundheit ist unser höchstes Gut, das wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten. Neben all der Arbeit ist daher auch der private Ausgleich wichtig. Denn nur durch Dinge, die Spaß machen, können wir nach Feierabend abschalten und entspannen. Also: Mal wieder pünktlich Feierabend machen und ab ins Kino oder aufs Fahrrad! Von einem ausgewogenen Lebensstil profitiert übrigens auch der Arbeitgeber, denn nur zufriedene und gesunde Mitarbeiter können produktiv arbeiten. Genau wie für seine Karriere sollte daher auch jeder für sein seelisches Wohlergehen eintreten.
  4. Mitstreiter finden
    Zusammen ist man weniger allein – das gilt auch für den Ausgleich. Zu gerne geben wir unserem inneren Schweinehund nach, wenn nach einem harten Arbeitstag noch die einsame Joggingrunde wartet. Mit Gleichgesinnten geht alles leichter. Am besten animiert man die Kollegen zum Mitmachen. Denn wer nach der Arbeit gar nicht erst nach Hause geht, hat beste Chancen dabei zu bleiben. Übrigens: Es muss nicht gleich der Marathon sein. Wer sich realistische Etappenziele setzt, verursacht nicht noch zusätzlichen Freizeitstress und sorgt für kleine Erfolgserlebnisse.
  5. Krisen zulassen
    Auch wenn wir gut darauf verzichten könnten - Liebeskummer, Trauer und Geldsorgen gehören zum Leben dazu. Wer Ängste und Nöte erlebt, darf auch mal unglücklich oder verzweifelt sein. Überwiegt jedoch das Gefühl, mit den Problemen allein nicht fertig werden zu können, sollte man sich unbedingt Hilfe suchen. Der Arzt kann beispielsweise eine professionelle Gesprächstherapie vermitteln. Medikamente, und seien sie auch „nur zum Einschlafen“, sollten auf keinen Fall in Eigenregie eingenommen werden, sondern lediglich als kurzzeitiger Notnagel dienen. Denn Vorsicht: Viele betäuben nur und machen schnell abhängig!

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Auch Unternehmen erkennen mittlerweile: Stress belastet die Mitarbeiter und senkt nachweislich ihre Produktivität. Damit überlastete Arbeitnehmer nicht krank werden oder auf leistungssteigernde Medikamente zurückgreifen, setzen immer mehr Arbeitgeber auf eine "Work-Life-Balance" – die Ausgewogenheit von Beruf und Privatleben.

Zu diesem Zweck bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern neben konventionellen Anreizen, wie guter Bezahlung und transparenten Aufstiegschancen, immer häufiger auch Angebote für mehr Ausgeglichenheit: Yogakurse im hauseigenen Ruheraum, Weiterbildungen in Sachen Stressmanagement oder flexible Arbeitszeitmodelle, damit das Privatleben nicht zu kurz kommt. Eine Win-Win-Situation, denn so bleiben Arbeitnehmer gesund und motiviert und werden nachhaltig in ihrer Leistungsfähigkeit unterstützt.

Die Gesundheitsinvestitionen rentieren sich nachweislich: Zum einen belegen regelmäßige Befragungen eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit und zum anderen lässt sich der Erfolg auch in Zahlen messen, wie beispielsweise geringere Fehlzeiten, weniger Kündigungen und niedrigere Gesundheitsleistungen pro Mitarbeiter. Experten sprechen von einem „Return on Investment“ von mindestens eins zu vier - ein investierter Euro bringt vier Euro Gewinn.

Die Gesundheitsexperten der DAK-Gesundheit unterstützten Unternehmen bei der Einführung oder Umsetzung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Stress­aus­löser

Die häufigsten Stressauslöser im Job

... und geeignete Anti-Stress-Strategien

StressauslöserWarum?Anti-Stress-Strategie
DaueranspannungSteht viel Arbeit an, können viele auch nach Feierabend nicht abschalten. Die Folge: Der Ausgleich im Privatleben fehlt.Messen Sie Ihrer Freizeit mehr Bedeutung bei: Ein sportliches Hobby wie Joggen oder Fahrrad fahren baut aktiv Stresshormone ab. Am Besten gleich nach der Arbeit einplanen, damit der innere Schweinehund keine Chance hat.
DoppelbelastungNach der Arbeit wartet schon die Familie. Das kann bei aller Liebe auch zusätzlichen Stress bedeuten, weil hierfür oft zu wenig Zeit bleibt.Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob für Sie auch flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit oder Home-Office realisierbar sind. Sie helfen, Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren. Unternehmen Sie mit Ihrer Familie bewusst Aktivitäten, die Sie entspannen und Ihnen Freude und Genuss bereiten. Wer aktiv auftankt, kann später auch wieder Höchstleistungen bringen.
FührungsverhaltenEigentlich läuft die Arbeit gut, nur vom Chef kommt kein Feedback? Das kann auf Dauer belasten, denn die Unterstützung und Wertschätzung durch Vorgesetzte hebt die Zufriedenheit.Bitten Sie Ihren Vorgesetzten von Zeit zu Zeit um ein persönliches Gespräch, bei dem Sie sich Rückmeldung über Ihre Leistungen holen können. Legen Sie auch Ihre Vorstellungen und Ziele für Ihre Zukunft dar. So lässt sich erkennen, inwieweit sich Ihre Einschätzungen mit denen Ihres Chefs decken. Falls Sie jemandem übergeordnet sind: Loben und kritisieren Sie konstruktiv. Grundsätzlich gilt: je mehr Austausch, umso besser das Betriebsklima!
InformationsflutTelefonate und E-Mails begleiten uns pausenlos durch den Arbeitsalltag. Zahlreiche Arbeitnehmer fühlen sich von den Informationen regelrecht überflutet.Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, Sie müssten permanent erreichbar sein. Schalten Sie Ihr Firmenhandy nach Feierabend und am Wochenende konsequent ab. Auch berufliche E-Mails möglichst nicht mehr nach Feierabend checken. Job und Freizeit sollten sich nicht zu sehr vermischen.
KonflikteBelastungen wiegen umso schwerer, wenn man sie alleine trägt. Ein geringer Zusammenhalt oder Konflikte unter Kollegen sind wesentliche Stressfaktoren.Sprechen Sie Konflikte offen an, wenn diese längere Zeit andauern. Dabei gilt: je konkreter, desto besser. Machen Sie keine allgemeinen Vorwürfe, sondern schildern Sie sachlich, worin der Konflikt besteht. Oft stellt sich dann heraus, dass schwelende Konflikte häufig auf Missverständnissen beruhen.
ÜberforderungIst man den Anforderungen des Jobs nicht gewachsen, kann das erheblichen Stress auslösen.Versuchen Sie, Ihre Qualifikation durch Weiterbildung zu erhöhen. Heute reicht es vielfach nicht mehr aus, nur in seinem erlernten Fachgebiet fit zu sein. Lebenslanges Lernen wird zu einer immer wichtigeren Grundqualifikation. Beschäftigte haben nach einem halben Jahr Firmenzugehörigkeit einen Anspruch auf Weiterbildung.
UmfeldAuch äußere Einflüsse lösen Stress aus: anhaltender Lärm, schlechtes Raumklima, Staub, ungenügende technische Ausstattung und mangelnde Beleuchtung zum Beispiel.Schaffen Sie, soweit möglich, Raum für konzentriertes Arbeiten: Versuchen Sie Lärmquellen möglichst auszuschalten, achten Sie auf die richtige Ausstattung am Arbeitsplatz (Stuhl, Bildschirm, Beleuchtung etc.). Sprechen Sie Probleme offen bei Ihrem Chef an.
UnterbrechungenAufgaben lassen sich meist nicht am Stück bearbeiten, sondern werden durch Anrufe, E-Mails und Termine unterbrochen.Legen Sie klare Prioritäten bei der Erledigung Ihrer vielfältigen Aufgaben fest. Gehen Sie das Wichtigste immer sofort an. Scheuen Sie sich nicht, unwichtigere Dinge zurückzustellen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, holen Sie sich das Einverständnis bei Ihrem Vorgesetzten ein.
UnterforderungEin eingeschränkter Entscheidungsspielraum
und monotone Aufgaben wirken auf Dauer demotivierend.
Auch fehlende Aufstiegschancen können frustrieren.
Eigenverantwortung und konsequentes Handeln sind hier das A und O. Setzen Sie sich Ziele: Wo wollen Sie beruflich hin? Planen Sie eventuelle Tätigkeitswechsel in der Firma ein, suchen sie das Gespräch mit Ihren Vorgesetzten. Klären Sie dabei mögliche neue Zielsetzungen und Aufstiegschancen - sonst droht unter Umständen das sogenannte Bore-Out-Syndrom.
ZeitdruckKnapp gesetzte Deadlines sorgen oft dafür, dass die Arbeit unter erheblichem Termindruck erledigt werden muss.Hier ist ein effektives Zeitmanagement gefragt: Planen Sie ihre Arbeiten konsequent nach Wichtigkeit und delegieren Sie Aufgaben, soweit möglich.

Zuletzt aktualisiert:
Jan 22, 2016

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