Pressemitteilung

Pflegende Angehörige sind häufiger depressiv

DAK-Pflegereport untersucht psychische und physische Belastung

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Pflege kann krank machen: Rund 20 Prozent aller pflegenden Angehörigen in Deutschland leiden unter einer Depression. Auch Angst- oder Schlafstörungen kommen gehäuft vor. Insgesamt leidet etwa die Hälfte aller Pflegepersonen an psychischen Problemen, deutlich mehr als nicht-pflegende Menschen. Das sind zentrale Ergebnisse des aktuellen Pflegereports 2015 der DAK-Gesundheit.

Für den DAK-Pflegereport „So pflegt Deutschland“ wurden die anonymisierten Daten von 500.000 Versicherten ausgewertet. Ferner hat die Kasse Daten von 12.000 pflegenden Angehörigen mit denen einer nicht-pflegenden Gruppe verglichen und die häufigsten Krankheiten analysiert. Ein zentrales Ergebnis: Pflegende Angehörige werden um zehn Prozent häufiger wegen psychischer Leiden behandelt. Bei Depressionen sind es acht Prozent mehr. „Das zeigt, wieviel Druck auf Menschen lastet, die neben Job und Familie noch die Pflege eines Angehörigen übernehmen“, sagt Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Auch körperlich sind pflegende Angehörige belastet: Jede sechste Pflegeperson musste 2014 wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen zum Arzt, bei nicht-pflegenden Personen war nur jeder Zehnte betroffen.

Viele pflegende Angehörige sind überfordert

Zusätzlich zur Datenanalyse hat die DAK-Gesundheit eine repräsentative Forsa-Befragung in Auftrag gegeben. Danach schätzt über die Hälfte der pflegenden Angehörigen die eigene Belastung als hoch oder sehr hoch ein. Viele fühlen sich manchmal körperlich (50 Prozent), psychisch (68 Prozent) oder zeitlich (71 Prozent) überfordert von der Pflege. Sowohl Belastung als auch Überforderung steigen an, wenn die gepflegte Person dement ist. Bei jedem dritten Befragten ist das der Fall.

Aus dem Report geht hervor, dass mit rund 90 Prozent meist Frauen die Pflege übernehmen. Ein Drittel ist berufstätig, davon lediglich ein Fünftel in Vollzeit. Gepflegt werden überwiegend Menschen mit Pflegestufe Eins (knapp 50 Prozent). Doch auch die Stufen Zwei (30 Prozent) und Drei (zehn Prozent) sind mit ihrem intensiven Betreuungsbedarf in der häuslichen Pflege vertreten.

Trotzdem sind externe Hilfsangebote nur zum Teil bekannt und werden verhältnismäßig selten genutzt: So wissen laut Forsa-Befragung zwei von drei Angehörigen, dass die Pflegekassen kostenlose Kurse anbieten. Nur ein Fünftel jedoch hat diese Möglichkeit bereits genutzt. „Dass solche Angebote in so geringem Maße in Anspruch genommen werden, stimmt nachdenklich“, sagt der Pflegewissenschaftler Professor Thomas Klie von der Universität Klagenfurt. Vielen pflegenden Angehörigen fehle offenbar die Zeit, im hektischen Alltag noch regelmäßige Termine wahrzunehmen.

Neues Angebot: Der DAK-Pflegecoach

Die DAK-Gesundheit startet deshalb mit dem Pflegecoach ein neuartiges Angebot im Internet, das speziell auf die Bedürfnisse pflegender Angehöriger zugeschnitten ist. Dabei handelt es sich um einen zertifizierten Pflegekurs, der online absolviert werden kann. Die DAK-Gesundheit ist die erste Krankenkasse, die einen Kurs in dieser Form anbietet. Das Angebot kann von Versicherten aller Kassen kostenlos genutzt werden. Teilnehmer können die verschiedenen Module des DAK-Pflegecoachs absolvieren, wann immer sie möchten und die Inhalte nach ihren eigenen Bedürfnissen gewichten. Hinzu kommt ein soziales Netzwerk: Wer eingeloggt ist, kann sich mit anderen über Fragen und Probleme austauschen – auf Wunsch anonym. „Im Pflegealltag bietet der DAK-Pflegecoach Hilfe ohne Hürden“, sagt Vorstandschef Rebscher.

Der DAK-Pflegecoach ist im Internet unter www.dak.de/pflegecoach zu finden.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten gesetzlichen Kassen in Deutschland und versichert 6,2 Millionen Menschen.

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Statement

Statement von Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher, Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit

(Es gilt das gesprochene Wort!)

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Wie organisieren wir die Pflege hilfsbedürftiger Menschen? Diese Frage wird uns nicht nur künftig sehr beschäftigen. Sie drängt bereits jetzt. Die Menschen werden älter, und damit steigt auch die Zahl derer, die auf Pflege angewiesen sind, kontinuierlich an. Derzeit leben in Deutschland rund zwei Millionen Pflegebedürftige. Schätzungen zufolge werden es 2050 doppelt so viele sein. Die Politik stellt die Weichen, aktuell mit der Pflegereform. Das geht in die richtige Richtung. Doch Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Ein Fünftel aller Pflegebedürftigen lebt im Heim. Diese Form der Betreuung löst bei vielen noch immer ein Unbehagen aus, es bleibt oft die letzte Lösung. Alten-WGs, generationenübergreifende Quartiere oder sogar ganze Dörfer, in denen Alte und Junge zusammen leben und sich umeinander sorgen, sind gute Ideen, die dringend weitergedacht und vorangebracht werden müssen. Doch in der derzeitigen Pflegelandschaft spielen sie nur eine sehr kleine Rolle.

Anders bei der häuslichen Pflege: 70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Die Hauptlast tragen also Angehörige. Sie bekommen Hilfe: von den zahlreichen Pflegediensten, den Pflegekassen und weiteren Institutionen. Doch diese Infrastruktur soll nur den Rahmen bilden und kann den zwischenmenschlichen Aspekt von Pflegearrangements nicht ersetzen. Diese Hauptlast tragen die Angehörigen, meistens die Kinder, Partnerinnen und Partner der Betroffenen. Ohne sie würde das Pflegesystem zusammenbrechen. Nicht umsonst spricht man oft vom „größten Pflegedienst Deutschlands“.

Mit unserem neuen DAK-Pflegereport beleuchten wir die Situation in der häuslichen Pflege. Wer leistet diese Aufgabe? Wie gehen pflegende Angehörige mit der Belastung um? Welche Bedürfnisse haben sie? Unser Report hat ergeben: Viele verlieren durch die Pflege die eigenen Bedürfnisse aus den Augen. Die Folge sind Überforderung und gesundheitliche Konsequenzen. Pflegende leiden öfter als andere an psychischen Erkrankungen. Viele haben Rückenprobleme, denn Pflege ist auch körperlich anstrengend. Das zeigt, wieviel Druck auf Menschen lastet, die neben Job und Familie noch die Pflege eines Angehörigen übernehmen.

Wir wollen helfen und diese Menschen mit ihren Problemen nicht allein lassen. Es gibt bereits Hilfsangebote, die pflegenden Angehörigen zum Beispiel psychologische Hilfe geben, wenn sie in Krisen geraten. Die Pflegekassen bieten kostenlose Pflegekurse an, in denen die richtigen Handgriffe erlernt werden. Doch, auch das zeigt der Report, nur verhältnismäßig wenige Menschen nutzen diese Kurse. Vielen fehlt im Alltag die Zeit dafür.

Hilfsangebote müssen also genauer auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten werden. Die DAK-Gesundheit macht bereits zahlreiche Angebote, zum Beispiel einen Pflegeberater im Netz. Jetzt gehen wir mit dem DAK-Pflegecoach einen Schritt weiter. Das ist ein Online-Pflegekurs, der es pflegenden Angehörigen erlaubt, bei völliger zeitlicher Flexibilität einen zertifizierten Pflegekurs zu absolvieren und sich darüber hinaus mit anderen Betroffenen zu vernetzen. Im Pflegealltag bietet der DAK-Pflegecoach Hilfe ohne Hürden.

Ich freue mich sehr, dass sich mit Professor Thomas Klie einer der führenden Pflegewissenschaftler am DAK-Pflegereport beteiligt hat. Auch bei den anderen beteiligten Experten, Professor Eckhard Nagel und Doktor Mercedes Hillen, bedanke ich mich für die Zusammenarbeit.

Im Anschluss an die Pressekonferenz möchte ich Sie noch herzlich zum DAK-Pflegetag einladen. Das Impulsreferat zum Thema „Familie, Pflege und Beruf im Einklang – aber wie?“ hält Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig.

Jetzt wird Ihnen Milorad Pajovic, Leiter der DAK-Pflegekasse, die Ergebnisse des DAK-Pflegereports vorstellen.

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Zuletzt aktualisiert:
Sep 7, 2016

Jörg Bodanowitz

Pressesprecher

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