Kinästhetik: Pflege ohne Rückenschmerzen

Was ist Kinästhetik und wie hilft die Technik pflegenden Angehörigen?

Als pflegender Angehöriger brauchen Sie einen starken Rücken: Die Kinästhetik hilft Ihnen, diesen zu erhalten oder zu bekommen.

Kinästhetik: Den Rücken in Balance halten

Es dürfte wohl kaum einen pflegenden Angehörigen geben, der wie ein Gewichtheber aus einer ausbalancierten Hockstellung mit geradem Rücken einen Pflegebedürftigen eng am Körper und damit rückenschonend heben kann. Stattdessen heben wir mit nach vorn oder zur Seite gebeugtem Oberkörper und quetschen unsere Bandscheiben keilförmig zwischen den Wirbelkörpern ein. Schon ohne ein Gewicht an den Armen sorgt diese Haltung für erhebliche Belastungen im Lendenwirbelbereich.

Eine Technik, die dieser Fehlhaltung entgegenwirkt und sich insbesondere im Pflegebereich bewährt hat, ist die Kinästhetik. Übersetzt bedeutet dieser Begriff soviel wie die „Kunst der Bewegungsempfindung“, die Achtsamkeit für die eigenen Bewegungen. Kinästhetik hat weniger mit Sport oder Muskeltraining zu tun als vielmehr mit der Erfahrung und Wahrnehmung des eigenen Körpers in alltäglichen Situationen, wie beim Heben und Tragen.

So funktioniert Kinästhetik

In Kinästhetik-Kursen lernen Sie, selbstständig auf sich und ihre Bewegungen zu achten. Sie lernen, Pflegepatienten nicht mehr zu heben oder zu tragen, sondern sie zu bewegen. Ganz ohne Belastung der Wirbelsäule.

Das hat einen zweiten positiven Effekt: Der Pflegepatient wird in die Bewegungen einbezogen. Erfahrungen zeigen, dass viele Pflegepatienten in erster Linie Hilfestellungen benötigen, um die Schwerkraft kontrollieren zu können. Sie verlassen damit ihre passive Haltung bei pflegerischen Maßnahmen und kommen zurück in eine aktive Rolle. Ganz nach den individuellen Möglichkeiten wird die noch vorhandene Beweglichkeit aufgenommen, unterstützt und gestärkt. Das fördert nicht nur die Beweglichkeit des Pflegebedürftigen, sondern unterstützt auch sein Selbstwertgefühl und entlastet nicht zuletzt den Pflegenden.

Themenbereiche der Kinästhetik

In der Kinästhetik werden sechs Themenbereiche gelehrt und gelernt, mit deren Hilfe die Eigenwahrnehmung der Bewegung, die wirksame Gestaltung von Bewegungen sowie die Selbstkontrolle unterstützt werden:

  • Interaktion: zwischen Menschen, aber auch zwischen einzelnen Körperteilen
  • Funktionale Anatomie: Training im Umgang mit Gewicht gegenüber der Schwerkraft
  • Menschliche Bewegung: Was sind stabile Haltebewegungen, wie verändern drehende Transportbewegungen die einzelnen Körperteile?
  • Anstrengung: Erlernen des Zusammenspiels von Druck und Zug im menschlichen Körper, um ein angepasstes Spannungsmuster für verschiedene Aktivitäten aufbauen zu können
  • Menschliche Funktion: Einordnung von menschlichen Aktivitäten, um absichtsvolle und zielgerichtete Bewegungen herbeiführen zu können
  • Umgebung: Beschreibung der Beziehung zwischen menschlichen Aktivitäten und der physischen Umgebung

Lernen Sie Kinästhetik

Die Pflegekasse der DAK-Gesundheit bietet im Rahmen der kostenlosen Pflegekurse für pflegende Angehörige auch Kinästhetik an. Sie können sich direkt in der häuslichen Umgebung des Pflegebedürftigen schulen lassen. Oder nutzen Sie unser Onlinecoaching für pflegende Angehörige.

Zuletzt aktualisiert:
Jun 20, 2017

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