Welche Rechte habe ich gegenüber meinem Arzt?

Die Rechte des Patienten sind in einem Gesetz gebündelt. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) widmet sich ein eigenständiges Kapitel dem Behandlungsvertrag zwischen Patient und Arzt sowie den Rechten und Pflichten, die sich daraus ergeben. Die Grundsätze gelten auch für die Behandlung durch Angehörige anderer Gesundheitsberufe wie beispielsweise Heilpraktiker, Physiotherapeuten oder Hebammen.

Infor­ma­tionen

Recht auf umfassende Information

Ärzte sind per Gesetz verpflichtet, ihre Patienten verständlich und umfassend über alle Untersuchungen, Diagnosen, Therapien und Risiken zu informieren. Diese Informationspflicht erstreckt sich aber nicht nur auf medizinische Fragen. Sie umfasst auch wirtschaftliche Aspekte der Behandlung. Muss der Patient die Therapie selbst zahlen oder ist zumindest unsicher, ob die Krankenkasse die Kosten dafür trägt, hat der Arzt ihn frühzeitig darüber aufzuklären.

Treten Konflikte zwischen Arzt und Patient auf, hat dieser das Recht, seine vollständige Patientenakte einzusehen und - auf eigene Kosten - Kopien aller behandlungsrelevanten Unterlagen zu verlangen. Lehnt der Arzt die Einsichtnahme ab, muss er das begründen. Fehlt die Dokumentation der Behandlung oder ist sie unvollständig, wird in einem eventuellen Prozess zulasten des Mediziners vermutet, dass die nicht dokumentierte Maßnahme auch nicht erfolgt ist.

Dokumen­tation

Dokumentationspflicht

Ein Arzt muss über jede Behandlung Aufzeichnungen machen. Untersuchungen und Diagnosen müssen ebenso vermerkt werden wie therapeutische Schritte, verordnete Medikamente oder der Einsatz von Geräten. Bei Operationen muss der Verlauf detailliert protokolliert werden, einschließlich möglicher Zwischenfälle und der Nennung der beteiligten Ärzte.

Die Dokumentation dient als Grundlage für spätere Therapien, auch für weiterbehandelnde Ärzte. Unnötige Doppeluntersuchungen, beispielsweise Röntgenaufnahmen, sollen so vermieden werden. Sie hat aber auch eine wichtige Kontrollfunktion: Wenn in Zweifelsfällen andere Ärzte konsultiert werden sollen oder gar der Verdacht auf Fehlbehandlung besteht, ist die ärztliche Dokumentation für Patienten oft die einzige Möglichkeit, die Behandlung nachzuvollziehen und Beweismittel zu sammeln. Für die Dokumentation gelten deshalb strenge Maßstäbe. Sie muss vollständig und, zumindest für Fachleute, nachvollziehbar sein. Die Aufbewahrungsfrist beträgt im Normalfall zehn Jahre.

Behand­lungs­fehler

Haftung bei Behandlungsfehlern

Schätzungen gehen davon aus, dass in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen alljährlich zwischen 40.000 und 170.000 Behandlungsfehler begangen werden. Typische Fehler sind eine falsche Diagnose und Therapie, eine Verletzung bei der Operation, mangelnde Aufklärung über das Risiko einer OP oder überflüssige Eingriffe. Als Verstoß gegen die ärztlichen Pflichten gilt es auch, wenn der Arzt den Patienten nicht hinreichend über die Behandlung und deren Risken aufgeklärt hat. Ist dem Patienten dadurch ein Schaden entstanden, haften der Arzt oder die Klinik auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das Recht des Patienten, den Behandler für seinen Fehler haftbar zu machen, war früher nur schwer vor Gericht durchzusetzen. Seit dem Inkrafttreten des Patientenrechtegesetzes ist es deutlich gestärkt.

Heute muss der Patient im Grundsatz nicht mehr selbst beweisen, dass ein Fehler des Arztes für seine Verletzung oder Erkrankung ursächlich ist. Bei einem gravierenden Patzer wird vielmehr per Gesetz vermutet, dass der Arzt dadurch den Gesundheitsschaden verursacht hat. Weist der Mediziner seine Verantwortung zurück, ist es an ihm zu belegen, dass es keinen Zusammenhang zwischen seinem Behandlungsfehler und der Erkrankung oder Verletzung gibt. Lediglich in Fällen, in denen der Arzt nur geringfügig gegen anerkannte medizinische Standards verstoßen hat, trifft die sogenannte Beweislast noch den Patienten.

Wichtig ist für Patienten allerdings zu wissen, dass der Arzt keinen Therapieerfolg schuldet, sondern nur die Behandlung nach den anerkannten Regeln der medizinischen Wissenschaft. Juristisch geahndet werden kann es also nur, wenn der Arzt schuldhaft falsch behandelt hat.

Vorgehen bei einem Behandlungsfehler

Wer glaubt, dass ihm ein Arzt mit seiner Therapie Schaden zugefügt hat, sollte zunächst mit dem Mediziner sprechen und Kopien der Behandlungsunterlagen verlangen. Mit den Laborbefunden, Arztberichten und Ultraschallbildern kann der Patient zunächst einen weiteren Arzt aufsuchen und eine Zweitmeinung zu seiner Erkrankung einholen. Erhärtet sich der Verdacht eines Behandlungsfehlers, sollte sich der Patient fachkundig über rechtliche Schritte beraten lassen.

Ein wichtiger Ansprechpartner dafür ist die Krankenkasse. Die gesetzlichen Kassen sowie die Pflegekassen müssen ihre Versicherten bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler unterstützen. Sie können durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ein ärztliches Gutachten einholen lassen, um den Verdacht zu erhärten oder zu widerlegen. Bei der DAK-Gesundheit steht Ihnen dafür das Fachzentrum Regresse in Bremen zur Verfügung.

Steht fest, dass der Arzt gegen seine Sorgfaltspflichten verstoßen und dadurch einen Gesundheitsschaden beim Patienten verursacht hat, einigen sich die Parteien oft außergerichtlich über eine Entschädigung. Möglich ist, sich dafür an eine ärztliche Schlichtungsstelle zu wenden, die auf eine Verständigung hinwirkt. Kommt die nicht zustande, bleibt der - oft leider kostspielige - Weg zum Gericht.

Fachzentrum Regresse

Fachzentrum Regresse

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Zuletzt aktualisiert:
Mon Nov 17 13:54:12 CET 2014

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