Wann bin ich pflegebedürftig?

Unter welchen Voraussetzungen Sie Leistungen der Pflegekasse erhalten

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Wer mit einer Grippe das Bett hütet, ist in der Regel froh, wenn er jemanden hat, der ihn ein bisschen pflegt. Doch pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung ist er damit noch nicht - hier hat der Gesetzgeber genaue Kriterien festgelegt, um eine möglichst objektive Prüfung der Pflegebedürftigkeit zu gewährleisten.

Lesen Sie hier, unter welchen Voraussetzungen jemand so pflegebedürftig ist, dass er Anspruch auf die Leistungen der Pflegeversicherung hat.

Voraussetzung Nr. 1: Sind Sie lange genug pflegeversichert?

Wer innerhalb der letzten zehn Jahre mindestens zwei Jahre pflegeversichert war, hat die Vorversicherungszeit für Leistungen der Pflegeversicherung erfüllt. Für versicherte Kinder gilt die Vorversicherungszeit als erfüllt, wenn entweder Vater oder Mutter die Zeit erfüllt haben.

Voraussetzung Nr. 2: Sind Sie in verschiedenen Lebensbereichen dauerhaft auf Hilfe angewiesen?

Im Unterschied zu einer akuten Erkrankung handelt es sich bei Pflegebedürftigkeit meist um eine dauerhafte Beeinträchtigung der Selbständigkeit bei der man auf Hilfe anderer angewiesen ist. Darum kommt die Pflegeversicherung erst zum Einsatz, wenn der Betroffene durch die Beeinträchtigungen seiner Selbständigkeit auf Dauer – voraussichtlich jedoch für mindestens sechs Monate - auf Hilfe anderer angewiesen ist, und zwar in den folgenden sechs Bereichen.

1. Bereich: Sind Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt?

Körperkraft, Balance, Bewegungskoordination: Diese Fähigkeiten benötigt der Mensch, um sich zu bewegen. Wer hier aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt ist, hat beispielsweise Schwierigkeiten,

  • sich im Bett umzudrehen
  • eine stabile Sitzposition zu halten
  • sich umzusetzen
  • sich innerhalb seines Wohnbereichs fortzubewegen
  • Treppen zu steigen.

2. Bereich: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Kognitiv bedeutet „das Wahrnehmen, Denken, Erkennen betreffend“. Und bei der Kommunikation geht es darum, sich anderen Menschen mitzuteilen und zu verstehen, was andere einem mitteilen möchten. Wer hier aus gesundheitlichen Gründen auf Hilfe anderer Menschen angewiesen ist, hat beispielsweise Probleme,

  • Personen aus dem näheren Umfeld zu erkennen
  • bei der örtlichen und zeitlichen Orientierung
  • sich an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen zu erinnern
  • mehrteilige Alltagshandlungen zu steuern
  • Entscheidungen im Alltagsleben zu treffen
  • Sachverhalte, Aufforderungen und Informationen zu verstehen
  • Risiken und Gefahren zu erkennen
  • elementare Bedürfnisse mitzuteilen
  • sich an Gesprächen zu beteiligen

3. Bereich: Psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten

Wenn auffällige Verhaltensweisen und psychische Probleme als Folge von Gesundheitsproblemen immer wieder auftreten und personelle Unterstützung erforderlich machen, kann auch dieses ein Kriterium der Pflegebedürftigkeit sein. Dazu gehören unter anderem

  • motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
  • nächtliche Unruhe
  • Beschädigen von Gegenständen
  • aggressives Verhalten gegenüber sich selbst oder anderen Personen
  • Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen
  • Wahnvorstellungen
  • Ängste
  • Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage
  • Sozial inadäquate Verhaltensweisen

4. Bereich: Essen, Trinken, Waschen - wie steht es um die Selbstversorgung?

Wer sich selbst nicht mehr versorgen kann und hier aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft auf andere Menschen angewiesen ist, weist ein weiteres Merkmal der Pflegebedürftigkeit auf. Folgende Tätigkeiten sind konkret gemeint:

  • Waschen des vorderen Oberkörpers
  • Körperpflege im Bereich des Kopfes
  • Waschen des Intimbereichs
  • Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare
  • An- und Auskleiden
  • Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken
  • Essen und Trinken
  • Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls
  • Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma
  • Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma

5. Bereich: Verband wechseln, Tabletten einnehmen - Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen

Ärztlich verordnete Medikamente pünktlich einnehmen, sich Spritzen geben oder Wunden richtig versorgen – wer mit diesen Anforderungen an seine eigene medizinische Versorgung und Therapie aus gesundheitlichen Gründen überfordert ist, erfüllt das 5. Kriterium der Pflegebedürftigkeit.

Folgende Tätigkeiten gehören beispielsweise in diese Kategorie:

  • Medikation
  • Injektionen
  • Versorgung intravenöser Zugänge (Port)
  • Absaugen und Sauerstoffgabe
  • Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen
  • Messung und Deutung von Körperzuständen
  • Verbandwechsel und Wundversorgung
  • Versorgung mit Stoma, Katheter und Abführmethoden
  • Arztbesuche oder Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen
  • Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften
  • Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern

6. Bereich: Den Alltag gestalten und soziale Kontakte erhalten

Können Sie Ihren Tagesablauf selbständig gestalten? Haben Sie einen geregelten Schlafrhythmus und können Sie sich tagsüber beschäftigen? Haben Sie Kontakt zu anderen Menschen, auch außerhalb Ihres direkten Umfelds? Wer hier aus gesundheitlichen Gründen beeinträchtigt ist, erfüllt das sechste und letzte Kriterium zur Beurteilung der Pflegebedürftigkeit.

Zählt die Beeinträchtigung bei der Haushaltsführung nicht zur Pflegebedürftigkeit?

Wer in den oben genannten sechs Bereichen in seinen Fähigkeiten beeinträchtigt ist, kann auch seinen Haushalt nicht mehr uneingeschränkt führen. So ist es beispielsweise schwer, selbstständig einkaufen zu gehen, wenn man nicht mehr ohne Hilfe laufen kann. Bei der Prüfung der Pflegebedürftigkeit und der Beurteilung der Pflegegrade werden die Einschränkungen in der Haushaltsführung daher nicht extra berücksichtigt.

Zuletzt aktualisiert:
Tue Jan 03 13:45:05 CET 2017