Ärztliche Schweigepflicht

Das Gesetz nimmt es mit der ärztlichen Schweigepflicht sehr genau. Unter die Geheimhaltungspflicht fallen selbst so scheinbar banale Fakten wie Ihr Name und ob Sie sich in Behandlung befinden. Zu Verschwiegenheit verpflichtet sind nicht nur die Ärzte, sondern auch das Praxispersonal, die Angestellten im Krankenhaus und Beschäftigte der Krankenkassen. Selbst der eigenen Sprechstundenhilfe darf der Arzt nur die Informationen weitergeben, die sie für ihre Arbeit benötigt. Grundsätzlich gilt die Schweigepflicht gegenüber jedem Dritten, ob Arbeitgeber, Staat oder anderen Ärzten – selbst gegenüber den Angehörigen. Atteste für Behörden und Arbeitgeber dürfen nur die unbedingt notwendigen Daten enthalten. In Prozessen hat der Arzt ein Zeugnisverweigerungsrecht.
Da die Krankenkassen sonst ihren gesetzlichen Aufgaben nicht nachkommen können, muss der Arzt der Krankenkasse bestimmte Daten auch ohne Schweigepflichtsentbindung mitteilen, zum Beispiel die Diagnose.

Entbindung von der Schweigepflicht

Aufgehoben werden kann die Schweigepflicht in den übrigen Fällen nur durch Ihre Einwilligung. Sie können den Arzt mündlich von der Schweigepflicht entbinden. Eindeutiger aber ist eine schriftliche Erklärung. Eine Einwilligung erteilen Sie automatisch bei einer Einstellungsuntersuchung oder wenn Sie einer Versicherung die Erlaubnis geben, Auskünfte über Ihren Gesundheitszustand einzuholen.
Weitergegeben werden dürfen Informationen auch an den nachbehandelnden Arzt. Anders liegt der Fall, wenn eine Arztpraxis verkauft wird. Der neue Arzt darf Ihre Krankenakten nur mit Ihrem Einverständnis einsehen. Dazu genügt es, dass Sie zur Behandlung in der Praxis erscheinen.

Ausnahmen von der Schweigepflicht

In einigen Fällen, etwa bei besonders ansteckenden Krankheiten, ist der Arzt darüber hinaus gesetzlich zur Meldung verpflichtet. Wenn Mitmenschen gefährdet sind, sei es durch Straftaten, unberechenbares Verhalten im Straßenverkehr oder bei Kindesmisshandlung, muss der Arzt abwägen, ob der Schutz der unbeteiligten Dritten höherwertig ist und einen Bruch der Schweigepflicht rechtfertigt. Zunächst sollte allerdings der Patient aufgefordert werden, von sich aus Maßnahmen zu ergreifen.
Nicht gebunden an die Schweigepflicht ist der Arzt auch bei der Verteidigung eigener Interessen, beispielsweise bei Honorarforderungen oder beim Vorwurf eines Behandlungsfehlers.

Zuletzt aktualisiert:
Fri Mar 20 09:48:33 CET 2015

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