Spender gefunden? Mit Eurotransplant funktionieren Vermittlung und Transplantation.

Organspende: Vermittlung und Transplantation

Mit Eurotransplant zum passenden Spender

Wer auf eine Organspende angewiesen ist und auf die Vermittlung und Transplantation wartet, kommt an der Stiftung Eurotransplant nicht vorbei. Sie ist als übergeordnete Organisation für die Vermittlung und Zuteilung von Spenderorganen in verschiedenen europäischen Ländern zuständig. In ihrer Datenbank sind alle Patienten erfasst, die auf eine Transplantation warten.

Stirbt in Deutschland ein Mensch im Krankenhaus und ist eine Organspende möglich, informiert das Krankenhaus die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Nur diese Organisation darf eine Organentnahme veranlassen. Sie nimmt Kontakt zu Eurotransplant auf. Hat Eurotransplant einen Empfänger gefunden, wird das zuständige Transplantationszentrum benachrichtigt. Das wiederum informiert den Patienten über die Organspende und mögliche Transplantation. Sollte es aus bestimmten Gründen nicht dazu kommen, geht die Vermittlung weiter. Eurotransplant informiert das Transplantationszentrum des nächsten Empfängers auf der Liste. Alles passiert in wenigen Stunden, denn je eher ein Organ transplantiert wird, desto höher sind die Erfolgsaussichten.

Lesen Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Organspende, ihre Vermittlung und die Transplantation.

Wann kommt eine Organspende infrage?

Eine postmortale Organspende kommt bei Patienten infrage, deren Hirnschädigungen so schwer sind, dass die Gehirnfunktion unwiederbringlich und vollständig zerstört ist. Dies kann beispielsweise nach einem Schlaganfall, Hirnblutungen oder auch schweren Unfällen der Fall sein. 

Was ist der Hirntod?

Als Hirntod wird der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns sowie des Hirnstammes bezeichnet. Mit dem Hirntod erlischt unter anderem die Fähigkeit zur selbstständigen Atmung. Deshalb folgt ohne eine maschinelle Beatmung durch den dann eintretenden Sauerstoffmangel unausweichlich auch der Herzstillstand. Intensivmedizinische Maßnahmen bringen niemals die erloschenen Hirnfunktionen zurück, sie können nur das Eintreten des Herz- und Kreislaufstillstandes hinauszögern. Diese Möglichkeit eröffnet die Chance, Organe für die Transplantation zu entnehmen. 

Wie wird der Hirntod festgestellt?

Zur Feststellung des Hirntods müssen zunächst die Voraussetzungen und Ursachen einer schweren Hirnschädigung geprüft werden. Anschließend werden die Funktionen der verschiedenen Hirnareale untersucht, um den Nachweis einer unumkehrbaren Schädigung zu führen. Ergänzend dazu können apparative Untersuchungen eingesetzt werden, etwa das EEG (Elektro-Enzephalogramm), mit dem sich die elektrische Eigenaktivität der Gehirnzellen registrieren und aufzeichnen lässt. Wenn das Gehirn tot ist, zeichnet das Gerät keinerlei elektrische Hirn-Aktivität auf - es kommt zum sogenannten Nulllinienverlauf. Gelegentlich kann auch die Überprüfung der Gehirndurchblutung erforderlich sein. 

Von wem wird der Hirntod festgestellt?

Im Transplantationsgesetz ist festgelegt, dass die Untersuchung zur Hirntodfeststellung von zwei Ärzten unabhängig durchgeführt und im sogenannten Hirntodprotokoll festgehalten werden muss. Beide Ärzte dürfen weder an der Organentnahme noch an der anschließenden Transplantation beteiligt sein.

Was geschieht, wenn der Hirntod festgestellt wurde?

Wurde von den Ärzten der Hirntod eines Menschen festgestellt, ist eine Fortsetzung der therapeutischen Bemühungen sinnlos. Kommt aus medizinischer Sicht eine Organ- und Gewebespende in Betracht, führt der behandelnde Arzt oder ein Transplantationskoordinator ein Gespräch mit den Angehörigen. Dabei wird die künstliche Beatmung aufrechterhalten. Liegt keine schriftliche Erklärung des Verstorbenen zur Organspende vor, werden die Angehörigen nach dem mündlich geäußerten Willen des Verstorbenen befragt. Ist dieser nicht bekannt, werden die Angehörigen zum mutmaßlichen Willen des Verstorbenen befragt. Ist auch dieser nicht hinreichend deutlich erkennbar, werden die Angehörigen um eine Entscheidung nach eigenen ethischen Maßstäben gebeten. 

Welche Funktion übernimmt die Deutsche Stiftung Organtransplantation?

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Nach dem Transplantationsgesetz ist sie die Koordinierungsstelle für die Organspende nach dem Tod. Laut der EU-Richtlinie über Qualität- und Sicherheitsstandards für zur Transplantation bestimmte menschliche Organe legt sie Verfahrensanweisungen für sämtliche Schritte des Organspendeprozesses fest. Zu ihren weiteren Aufgaben zählen:

  • Beratung und Unterstützung der Krankenhäuser mit Intensivstation in allen Fragen der Organspende

  • Entlastung des Krankenhauspersonals im Fall einer Organspende

  • Achtung des Willens und der Würde der Organspender

  • Unterstützung und Begleitung der Angehörigen von Organspendern

  • Koordinierung der Entnahme und des Transports von Organen

  • Einsatz für die gesellschaftliche Anerkennung der Organspende

  • Dialog mit der Öffentlichkeit für mehr Information und Transparenz

  • Förderung des Wissenstransfers und der Weiterentwicklung der Transplantationsmedizin. 

Wie läuft die Organentnahme ab?

Sobald die erforderlichen medizinischen Untersuchungen des Spenders vorgenommen wurden, werden die zur Spende freigegebenen Organe entnommen. Die Entnahme wird durch regionale Operationsteams, sogenannten Entnahme-Teams, durchgeführt.

Das Entnahme-Team kommt aus einem Transplantationszentrum (TPZ) in der Nähe des Entnahme-Krankenhauses. Es ist berechtigt, alle Organe des Bauchraums – Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm (auch viszerale Organe genannt) - zu entnehmen. Koordiniert werden diese Teams durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO).

Herz und Lunge (thorakale Organe genannt) werden von den Ärzten des TPZ entnommen, das die entsprechenden Organe vermittelt bekommen hat. Das heißt, der Arzt, der das Herz entnimmt, ist der gleiche, der es wieder einsetzt.

Des Weiteren nimmt auch der Koordinator und Perfusionsdienstmitarbeiter der DSO an der Operation teil. Durch das Krankenhaus werden das Anästhesieteam und OP-Pflegekräfte gestellt. 

Was geschieht nach der Operation mit dem Leichnam?

Der Leichnam des Spenders wird nach der Operation in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben. Die Angehörigen können in jeder gewünschten Weise Abschied von dem Verstorbenen nehmen.

Wer kontrolliert die Deutsche Stiftung Organtransplantation?

Die Kontrolle der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) erfolgt durch die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und den GKV-Spitzenverband. Diese sind als Auftraggeber gesetzlich verpflichtet, hierfür eine Überwachungskommission einzusetzen, die diese kontinuierlich überwacht (§ 11 Transplantationsgesetz). Diese Überwachungskommission prüft die Einhaltung der gesetzlichen Verpflichtungen der Koordinierungsstelle. Zur Verbesserung der Transparenz ist im Transplantationsgesetz ausdrücklich geregelt, dass die DSO der Kommission alle grundsätzlichen finanziellen und organisatorischen Entscheidungen vorlegen muss. Ebenso ist die DSO verpflichtet, jährlich ihren Geschäftsbericht zu veröffentlichen.

Ablauf der Vermittlung

Was geschieht mit den Daten des Spenders?

Liegt eine Zustimmung zur Organentnahme vor, veranlasst der Koordinator der Deutschen Stiftung Organtransplantation neben apparativen Untersuchungen Laboruntersuchungen, welche die Blutgruppe und Gewebemerkmale des Spenders ermitteln. Zudem wird geklärt, ob beim Spender Infektionen vorliegen, die den Organempfänger gefährden könnten. Zeitgleich informiert der Koordinator auch die Vermittlungsstelle Eurotransplant und teilt die Daten des Spenders mit, die zur Vermittlung seiner Organe benötigt werden. 

Nach welchen Kriterien werden Spendeorgane verteilt?

Die Entscheidung darüber, wer ein Organ bekommt, erfolgt anhand medizinischer Kriterien und ist nicht beeinflussbar. Für jedes neue Spenderorgan wird von Eurotransplant eine eigene Rangliste erstellt, in der die möglichen Empfänger des Organs aufgelistet sind. Die Rangfolge in der Liste hängt von verschiedenen Kriterien ab. Diese Kriterien sind je nach Organ unterschiedlich wichtig bzw. haben eine unterschiedliche Priorität. 

Wichtige Kriterien für die Auswahl eines Empfängers sind eine passende Blutgruppe von Organspender und -empfänger sowie – bei einigen Organen – die Übereinstimmung der HLA-Antigene. Auch die Dringlichkeit einer Transplantation spielt eine wichtige Rolle. Ein weiteres Kriterium ist die Wartezeit eines Patienten auf ein Organ. Die Wartezeit ist gleichbedeutend mit der Zeit, die sich ein Empfänger auf der Warteliste befindet.

Hinzu kommt der Aspekt der Konservierungszeit, also der Zeit, die das Organ zwischen der Entnahme und der Transplantation konserviert werden muss. Je kürzer diese Zeitspanne, desto besser.

Was ist Eurotransplant?

Die Stiftung Eurotransplant ist als Service-Organisation verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in Belgien, Luxemburg, Niederlande, Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und arbeitet hierzu eng mit den Organspende-Organisationen, Transplantationszentren, Laboratorien und Krankenhäusern zusammen. Seit dem Jahr 2000 ist Eurotransplant beauftragt, alle ihr gemeldeten vermittlungspflichtigen Organe an geeignete Patienten, die auf der Warteliste stehen, zu vermitteln. 

Wie verfährt Eurotransplant mit den Patientendaten?

Eurotransplant führt Wartelisten mit den auf eine Organtransplantation wartenden Patienten, auf denen alle relevanten Patienteninformationen für die Zuteilung der Spenderorgane vermerkt sind. Diese Daten werden von den Transplantationszentren an Eurotransplant übermittelt und können bei einer Veränderung des klinischen Zustands eines Wartelistenpatienten verändert werden. Anhand der von der Bundesärztekammer festgelegten Verteilungsregeln legt Eurotransplant eine Vermittlungsreihenfolge fest. In dieser Reihenfolge erhalten die Patienten auf der Warteliste ein Organangebot. 

Wer überwacht Eurotransplant?

Die Kontrolle von Eurotransplant erfolgt durch die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und den GKV-Spitzenverband. Diese sind als Auftraggeber gesetzlich verpflichtet, eine Prüfungskommission einzusetzen, die Eurotransplant kontinuierlich überwacht (§ 12 Transplantationsgesetz). Die Kommission prüft das Allokationsverfahren (Vermittlungsentscheidung) der Vermittlungsstelle Eurotransplant und der Transplantationszentren. Eurotransplant und die Transplantationszentren sind verpflichtet, der Kommission die erforderlichen Unterlagen zur Verfügung zu stellen und erforderliche Auskünfte zu erteilen.

Wer ist die ständige Kommission Organtransplantation?

Die ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer legt in Form von Richtlinien die Regeln für die Wartelistenführung und Vermittlung von Organen fest. Daneben hat sie unter anderem die Aufgabe, Regeln zur Feststellung des Hirntodes festzulegen. Die Aufgaben sind in § 16 des Transplantationsgesetzes (Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben) festgelegt. Sie besteht aus mindestens 16 Mitgliedern, die vom Vorstand der Bundesärztekammer für jeweils vier Jahre berufen werden. 

Was ist das modifizierte Vermittlungsverfahren?

In diesem Verfahren werden die „eingeschränkt vermittelbaren Organe“ nur den Patienten auf der Warteliste angeboten, die im Vorfeld von dem jeweiligen Transplantationszentrum über die Möglichkeit aufgeklärt wurden und ihre Zustimmung gegeben haben. Die Patienten haben bewusst entschieden, auch das Angebot eines „nicht vollständig gesundes Organs“ anzunehmen. Ist eine Vermittlung des Organs auch nach diesem Verfahren nicht möglich und droht ein Verlust des Organs, darf Eurotransplant zum „beschleunigten Vermittlungsverfahren“ übergehen. 

Was ist das beschleunigte Vermittlungsverfahren?

Ein beschleunigtes Vergabeverfahren ist möglich, wenn aus logistischen Gründen ein Organverlust droht, bei dem Spender die zur Entnahme nötige künstliche Aufrechterhaltung seines Kreislaufes gefährdet ist oder wenn drei (bei Herz, Lunge, Pankreas und Leber) bzw. fünf (bei Nieren) Transplantationszentren die angebotenen Organe abgelehnt haben. Die Organe werden dann primär in einer Region angeboten. Oft ist es deshalb auch nicht ausgeschlossen, dass ein Organ in ein und derselben Klinik entnommen und auch wieder transplantiert wird. Die Vermittlungsstelle bietet das Organ den regionalen Zentren an. Diese melden jeweils bis zu zwei geeignete Empfänger aus ihrer Warteliste. Eurotransplant teilt das Organ dann nach den üblichen Kriterien unter den genannten Patienten zu.

Wie wird verfahren, sobald ein Organempfänger ausgewählt wurde?

Sobald Eurotransplant das zuständige Transplantationszentrum des ausgewählten Empfängers benachrichtigt hat, nimmt dieses Kontakt mit dem Patienten auf. Ist dieser in der körperlichen Lage für eine Transplantation, so muss er in den nächsten zwei bis drei Stunden in das Transplantationszentrum kommen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation organisiert anschließend den schnellstmöglichen Transport des Organs vom Ort der Entnahme zum zuständigen Transplantationszentrum. Ist der Empfänger des Organs im Transplantationszentrum eingetroffen, beginnen die Vorbereitungen zur Operation. 

Welche Vorbereitungen sind für die Operation notwendig?

Ist der Empfänger des Organs im Transplantationszentrum eingetroffen, dauert es noch wenige Stunden, bis die Operation beginnt. In dieser Zeit führen die Ärzte noch einige für die Transplantation notwendige Voruntersuchungen durch und informieren den Patienten über den Ablauf und die Risiken der Operation. 

Nach einer ausführlichen Befragung des Organempfängers zu seinem derzeitigen Gesundheitszustand entnimmt der Arzt Blutproben. Bestehende gesundheitliche Probleme, die eine Transplantation erschweren oder verhindern könnten, sollen im Vorfeld erkannt bzw. ausgeschlossen werden. Das Blut wird im Labor unter anderen auf auffällige Gerinnungs- und Entzündungswerte sowie auf Virusinfektionen überprüft. Zur diagnostischen Abklärung gehört weiterhin eine Röntgenuntersuchung der Lunge. Um den Zustand des Herzens zu überprüfen, wird ein EKG durchgeführt. 

Welche Erfolgsaussichten haben Organübertragungen?

Sehr gute. So funktionieren beispielsweise 88 Prozent der transplantierten Nieren noch nach einem Jahr, nach fünf Jahren sind es noch 74 Prozent. Bei den anderen Organen liegen die Erfolgsraten nur geringfügig darunter. 

Was passiert nach der Operation?

Nachdem das neue Organ transplantiert wurde, bleibt der Empfänger noch eine gewisse Zeit im Krankenhaus. Wie lange, hängt davon ab, welches Organ transplantiert wurde, wie die Operation verlaufen ist und in welchem Gesundheitszustand sich der Patient befindet.

Bei einer Nierentransplantation geht man beispielsweise von zehn Tagen bis drei Wochen Krankenhausaufenthalt aus. Ob man danach direkt nach Hause entlassen wird oder noch eine Rehabilitationsmaßnahme notwendig ist, wird individuell entschieden. Bei Herz-, Lungen- oder Lebertransplantationen muss man länger im Krankenhaus bleiben. Zudem schließt sich nach diesen Transplantationen oft ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik an die Zeit im Krankenhaus an. Man kommt dann erst im Anschluss an die Rehabilitation wieder nach Hause.

Für den meist mehrwöchigen Klinikaufenthalt nach der Transplantation gibt es verschiedene Gründe: Im Anschluss an die Operation ist es wichtig, die Funktion des eingesetzten Organs genau zu überwachen und zu überprüfen. Daran wird erkannt, wie gut der Körper das Transplantat annimmt. Normalerweise nimmt das Organ nach erfolgreichem Eingriff schnell seine Arbeit auf.

Durch den mehrwöchigen Aufenthalt des Patienten im Krankenhaus können die Ärzte frühzeitig Abstoßungsreaktionen des Körpers sowie eine mangelnde Funktionsfähigkeit des transplantierten Organs bemerken. Manche Transplantierte bleiben zur besseren Kontrolle auch zunächst für einige Tage auf der Intensivstation.

In den ersten Tagen und Wochen nach der Transplantation ist es wichtig, die Immunsuppression genau auf den Patienten einzustellen, um zu verhindern, dass der Körper das neue Organ abstößt.

Quelle: VdEK, Stand: Dezember 2015

Zuletzt aktualisiert:
Wed Dec 30 02:39:53 CET 2015

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