Diese Änderungen kommen 2017 mit der neuen Pflegereform

Alles rund um die neue Pflegereform 2017

Wichtig zu wissen: Pflegestufen werden zu Pflegegraden und Alltagskompetenzen erhalten mehr Relevanz

Mit der Pflegereform 2017 orientiert sich der Pflegebedürftigkeitsbegriff zukünftig deutlich näher an der Realität vieler Menschen, denn oft kommt zu einer körperlichen Pflegebedürftigkeit noch eine geistige Einschränkung z. B. in Form einer Demenz hinzu. Die sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz wurde in der bisherigen Pflegereform nicht berücksichtigt. Dies wird sich ab Januar 2017 ändern: Körperliche, geistige und psychische Einschränkungen nehmen dann gleichermaßen Einfluss auf die Einstufung der Pflegebedürftigkeit und auf die Zuschreibung der Pflegeleistungen.

Im neuen Pflegegesetz wird künftig nach sechs Bereichen beurteilt

Für die neuen Pflegestufen sind sechs Bereiche relevant:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

DAK-Pflegeexperte Milorad Pajovic erläutert die Änderungen der Pflegereform 2017

Milorad Pajovic, DAK-Pflegeexperte

In der Pflegeversicherungsreform ist jeder Bereich in mehrere Teilaspekte unterteilt. „In jedem Bereich wird begutachtet, wie selbstständig eine Person ist“, sagt Milorad Pajovic, Pflegeexperte bei der DAK-Gesundheit. Die Ergebnisse werden unterschiedlich gewichtet und führen zu einem aussagekräftigen Gesamtergebnis. „Das gibt jetzt ein wesentlich realistischeres Bild von der tatsächlichen Hilfsbedürftigkeit eines Menschen“, fügt Pajovic hinzu.

Änderungen der Pflegereform 2017: Einführung der Pflegegrade

Ab 2017 werden die Pflegestufen zu Pflegegraden. (Mit Klick auf das Bild öffnet sich die Grafik)

Das System der neuen Pflegegrade ist realistischer und genauer als das alte System der bislang gültigen Pflegestufen. Statt drei Stufen, zuzüglich der sogenannten Pflegestufe 0, gibt es ab Januar 2017 fünf Grade, die es ermöglichen die individuelle Situation eines Menschen, je nach seinen konkreten Bedürfnissen, genauer einschätzen zu können.

Wer bereits Pflegeleistungen bezieht, wird nahtlos in das neue System überführt ohne einen neuen Antrag stellen zu müssen. „Der Umfang der Leistungen bleibt dabei gleich oder ist sogar höher als vorher“, so Pajovic. Mit den neuen Pflegegraden erhalten pflegebedürftige Menschen ab nächstem Jahr in manchen Fällen eine Pflegegelderhöhung. Wer ausschließlich körperlich eingeschränkt ist, wird automatisch einen Grad höher eingestuft, d.h. aus Pflegestufe 1 wird Pflegegrad 2.

Wer durch eine Demenz oder eine psychische Krankheit in der Alltagskompetenz eingeschränkt ist, rückt sogar zwei Grade auf und kommt von Pflegestufe 1 in Pflegegrad 3.

„Es war überfällig, dass sich geistige Einschränkungen auch in der Begutachtung niederschlagen“, sagt Pajovic, „Mit dem neuen System bekommen Pflegebedürftige endlich den Leistungsumfang, den sie benötigen.“

Leistungen bei Pflegegrad Eins

Ab dem 1. Januar 2017 werden die neuen Pflegegrade eingeführt. Anspruch auf Leistungen im Pflegegrad 1 haben dann Personen, die bisher in der Pflegeversicherung noch nicht eingestuft wurden, aber eine Pflege benötigen. In der Regel sind Menschen dieses Pflegegrades in geringem Maße körperlich eingeschränkt und die Beeinträchtigungen liegen hauptsächlich im somatischen, körperlichen Bereich. Folgende Tabelle gibt Aufschluss über die Leistungen im Rahmen der neuen Pflegereform, die für den Pflegegrad eins vorgesehen sind:

LeistungBetrag ab 01.01.2017
Sachleistungen0,00 €
Pflegegeld0,00 €
Tagespflege0,00 €
Verbrauchshilfsmittel40,00 €
Wohngruppenzuschlag214,00 €
Wohnumfeldverbesserungen
(§ 40 SGB XI)
4.000,00 €
Verhinderungspflege
(§ 39 SGB XI)
0,00 €
Kurzzeitpflege
(§ 42 SGB XI)
0,00 €
Entlastungsbetrag*
(§ 45b SGB XI)
125,00 €
Stationäre Pflege125,00 €

*beim Pflegegrad 1 kann der Entlastungsbetrag auch für die Sachleistung durch den Pflegedienst (Grundpflege) eingesetzt werden.

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Zuletzt aktualisiert:
Wed Nov 23 13:29:20 CET 2016

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