Pressemeldung

Berlin: Frauen haben 39 Prozent mehr Fehltage als Männer

DAK-Gesundheitsreport zeigt: In keinem Bundesland ist der Unterschied so groß wie in der Hauptstadt

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Frauen in Berlin fehlen häufiger im Job als ihre männlichen Kollegen. Ihr Krankenstand lag im vergangenen Jahr 39 Prozent höher. In keinem anderen Bundesland ist der Unterschied bei den Ausfalltagen so groß wie in der Hauptstadt. Bundesweit beträgt er 14 Prozent. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport hervor. Die DAK-Studie zeigt auch, dass Männer und Frauen anders krank sind: So haben Berliner Männer beispielsweise 24 Prozent mehr Fehltage bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frauen 90 Prozent mehr bei seelischen Leiden. Insgesamt blieb der Krankenstand in Berlin mit 4,4 Prozent konstant. In allen anderen Bundesländern ist der Krankenstand in 2015 angestiegen

Für die Studie wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Berlin aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5.000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Dabei ging es insbesondere um Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Beim Krankenstand in der Hauptstadt zeigt sich: Von 1.000 erwerbstätigen Frauen fehlten 2015 im Durchschnitt pro Tag 52 bei der Arbeit, bei Männern waren es nur 38. „Damit ist der viel zitierte kleine Unterschied größer als gedacht“, sagt Cornelia Raymund, Chefin des DAK-Versorgungsmanagements in Berlin. „Die Studie verdeutlicht, dass Männer und Frauen von ganz unterschiedlichen Krankheitsprofilen betroffen sind.“ Ein Vergleich aller Bundesländer zeigt zudem: In Ländern mit einem besonders hohen Anteil berufstätiger Frauen wie in Berlin ist der Unterschied bei den Fehltagen zu den Männern besonders groß.

Fehltage bei Herzinfarkt und Brustkrebs

Berufstätige Frauen in Berlin fehlen öfter als ihre männlichen Kollegen wegen psychischer Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen (+ 90 Prozent). Sie haben auch deutlich mehr Fehltage wegen

Krebsleiden (+ 90 Prozent), was durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt ist. „Betroffene Frauen stehen oft noch
voll im Erwerbsleben“, erklärt Cornelia Raymund. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern, der Prostatakrebs, trete hingegen erst im
höheren Alter auf – meist ab etwa 60 Jahren. „Diese Krebsfälle bei den Männern werden deshalb von unserer Statistik, die sich ausschließlich auf Erwerbstätige bezieht, meist nicht mehr erfasst“, so Raymund weiter. Männer in Berlin leiden hingegen häufiger als Frauen unter Herz-Kreislauf-Problemen (+ 24 Prozent mehr Fehltage) und sie haben 14 Prozent mehr Fehltage wegen Verletzungen.

Schwangerschaft hat Einfluss

Schwangerschaftskomplikationen spielten insgesamt eine eher kleine Rolle im Krankheitsgeschehen in Berlin. Bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich: Sie erklären über alle Altersgruppen hinweg immerhin vier Prozent des Unterschiedes beim Krankenstand von Frauen und Männern. Bei den 30- bis 34-jährigen Frauen sind 18 Prozent des Unterschiedes auf Schwangerschaftskomplikationen zurückzuführen.

Männer sind seltener beim Arzt

Ein Teil des Unterschieds bei den Fehltagen könnte sich auch durch den anderen Umgang von Männern und Frauen mit Krankheit erklären lassen. Berufstätige Männer in Berlin besuchen im Durchschnitt nur vier Mal pro Jahr einen Arzt. Berufstätige Frauen hingegen sind etwa sieben Mal in ärztlicher Behandlung. „Selbst wenn man Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingte Behandlungen nicht einrechnet, sind Männer weitaus seltener beim Arzt“, so Raymund.

Frauen neigen häufiger zu Präsentismus

Frauen engagieren sich beruflich sehr und gaben bei der Befragung im Rahmen des DAK-Reports an, häufig auch krank zur Arbeit zu gehen. Experten sprechen von Präsentismus: 68 Prozent der Frauen in Berlin gaben bei der DAK-Befragung an, 2015 mindestens einmal krank bei der Arbeit gewesen zu sein. Von den Männern sagten das 60 Prozent. Als Hauptgründe nannten Frauen, dass sie ihre Kollegen nicht hängen lassen wollten (86 Prozent) oder ihre Arbeit fertigstellen müssten (51 Prozent).

Betriebliches Gesundheitsmanagement im Fokus

„Für eine geschlechtersensible Gesundheitsförderung in den Betrieben können die Ergebnisse unserer Studie eine wichtige Grundlage sein“, sagt die Chefin des DAK-Versorgungsmanagements Cornelia Raymund. „Wo Männer und Frauen unterschiedliche Bedürfnisse haben, sollen sie von den Betrieben auch geschlechtsspezifische Angebote bekommen.“ Die DAK-Gesundheit stehe den Unternehmen in Berlin sowohl bei der Bedarfsanalyse als auch bei der Entwicklung und Evaluation von passgenauen Maßnahmen kompetent zur Seite.

Krankenstand konstant

Der DAK-Gesundheitsreport untersucht auch den Krankenstand in Berlin. Er ist mit 4,4 Prozent im Vergleich zum Bund (vier Prozent) erneut überdurchschnittlich, aber unverändert zum Vorjahr. 2015 waren demnach von 1.000 erwerbstätigen Mitgliedern der DAK-Gesundheit in Berlin durchschnittlich pro Tag 44 krankgeschrieben. Vor allem Muskel-Skelett-Erkrankungen wie beispielsweise Rückenschmerzen machten den Menschen zu schaffen. Jeder fünfte Fehltag ist auf diese Diagnose zurückzuführen. Auf Platz zwei rangierten in Berlin erneut psychische Erkrankungen mit einem Anteil von 18,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind hier die Fehltage nicht weiter angestiegen. Die Anzahl der Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen wie Bronchitis stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent an und verursachte rund 18 Prozent aller Fehltage.

Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand in Berlin waren 2015 der Wirtschaftszweig Verkehr, Lagerei und Kurierdienste mit 5,5 Prozent und das Gesundheitswesen mit 5,4 Prozent. Den niedrigsten Krankenstand hatten Organisationen und Verbände mit 3,3 Prozent.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten Krankenkassen Deutschlands. Für die Analyse wurden die Daten von rund 108.000 erwerbstätigen Mitgliedern der DAK-Gesundheit in Berlin durch das IGES Institut ausgewertet.

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Statement

Statement von Cornelia Raymund, Chefin des DAK-Versorgungsmanagements in Berlin, im Rahmen der Pressekonferenz am 3. Mai 2016

(Es gilt das gesprochene Wort!)

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Wir geben Ihnen heute einen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen der krankheitsbedingten Ausfalltage des vergangenen Jahres in Berlin. Welche Diagnosen standen im Vordergrund? Wie sind die Differenzierungen nach Branchen, nach Alter – und nach Geschlecht?

Beim Geschlecht schauen wir dieses Mal ganz genau hin. Und unser Report zeigt: Gerade bei uns in Berlin ist der viel zitierte kleine Unterschied zwischen Frauen und Männern viel größer als gedacht. In keinem anderen Bundesland ist der Unterschied bei den Ausfalltagen so groß wie hier. Doch auch das Diagnosespektrum unterscheidet sich deutlich. Insgesamt sind die Geschlechterdifferenzen übrigens kein spezifisches Phänomen der berufstätigen Versicherten der DAK-Gesundheit. Auch die Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit weist dies aus.

Wir haben uns im DAK-Gesundheitsreport schon häufiger mit Fragen zur Frauen- (2006) und Männergesundheit (2008) auseinandergesetzt. Dennoch sind die Faktoren zum Unterschied zwischen den Geschlechtern noch nicht systematisch untersucht worden. Grund genug für uns, dies jetzt nachzuholen und den aktuellen DAK-Gesundheitsreport der Frage zu widmen, warum Frauen und Männer anders krank sind.

Und darüber hinaus: Liegen die Unterschiede im Krankenstand in Berlin tatsächlich am Geschlecht? Oder sind sie eher auf die Arbeitsbedingungen verschiedener Branchen oder den
Berufsstatus zurückzuführen? Welche Rolle spielt das Verhalten, also der individuelle Umgang mit einer Krankschreibung?

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind ein weiterer Baustein für die geschlechtersensible Gesundheitsforschung. Sie können darüber hinaus helfen, geschlechtergerechte Präventionsmaßnahmen für Betriebe zu entwickeln. Heute geht es beim betrieblichen Gesundheitsmanagement längst nicht mehr um Grundlagen der Notwendigkeit, sondern im Kern darum: Wie passgenau und effektiv können die Maßnahmen umgesetzt werden? Denn je genauer wir Erkrankungen mit individuellem Verhalten und Verhältnissen in Beziehung setzen können, umso gezielter wirken diese.

Herr Marschall vom IGES-Institut wird Ihnen jetzt die differenzierten Ergebnisse zum Krankenstand des vergangenen Jahres in Berlin sowie zum Zusatzthema „Der große Unterschied – warum Frauen und Männer anders krank sind“ präsentieren.

Fazit von Cornelia Raymund:

Die Ergebnisse des Reports zeigen, dass der Genderaspekt nicht nur in Forschung und Medizin eine große Rolle spielt. Auch Krankenkassen und Unternehmen sollten ihre Angebote, beispielsweise beim betrieblichen Gesundheitsmanagement, zunehmend gendersensibel gestalten.

Der seit Jahren überdurchschnittlich hohe Krankenstand in Berlin, der unter anderem auch auf psychische Erkrankungen zurückzuführen ist, unterstreicht die Notwendigkeit noch passgenauerer Angebote für unsere Versicherten. Deshalb haben wir mit den Vivantes Kliniken ein psychiatrisches Modellvorhaben gestartet. Hierbei können psychiatrische Patienten künftig immer mehr und besser stationsersetzend betreuen werden – auch zuhause. Vivantes kann im Rahmen des Angebotes auch flexibler und individueller auf die speziellen Erfordernisse psychisch Kranker eingehen. So werden für die Betroffenen längere Klinikaufenthalte vermieden, ihre Lebensqualität erhöht und sie wieder fit für Familie und Job gemacht.
Darüber hinaus bietet die DAK-Gesundheit als erste Kasse Deutschlands seit kurzem eine Sprechstunde per Videochat an. An dem Online-Angebot sind Ärzte aller Fachrichtungen beteiligt. Versicherte können so schnell und unkompliziert vis-à-vis ihre Fragen von zu Hause aus klären.

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Zuletzt aktualisiert:
May 3, 2016

Stefan Poetig

Pressesprecher für Berlin

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