Pressemeldung

Baden-Württemberg: Frauen haben neun Prozent mehr Fehltage als Männer

DAK-Gesundheitsreport zeigt große Unterschiede in den Krankheitsprofilen und im Umgang mit Krankschreibungen

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Frauen in Baden-Württemberg fehlen häufiger im Job als Männer. Ihr Krankenstand lag im vergangenen Jahr neun Prozent höher. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport 2016 hervor. Die Studie zeigt auch, dass Männer und Frauen anders krank sind: In Baden-Württemberg haben Männer 86 Prozent mehr Fehltage bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frauen 93 Prozent mehr bei Krebsleiden. Insgesamt erreichte der Krankenstand im Südwesten mit 3,5 Prozent den höchsten Wert seit 16 Jahren. 

Für die Studie wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5.000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Dabei ging es insbesondere um Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Beim Krankenstand zeigt sich: Von 1.000 erwerbstätigen Frauen fehlten 2015 im Durchschnitt pro Tag 36 bei der Arbeit, bei Männern waren es nur 33 von 1.000. „Damit ist der viel zitierte kleine Unterschied größer als gedacht“, sagt Markus Saur, Landeschef der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg. „Die Studie zeigt, dass Männer und Frauen von ganz unterschiedlichen Krankheitsprofilen betroffen sind.“ 

Fehltage bei Herzinfarkt und Brustkrebs

Männer in Baden-Württemberg leiden häufiger als Frauen unter Herz-Kreislauf-Problemen (+ 86 Prozent mehr Fehltage). Sie haben knapp die Hälfte mehr Fehltage (+ 48 Prozent) wegen Verletzungen und sind häufiger von psychischen Störungen durch Alkoholmissbrauch betroffen (+ 65 Prozent). Frauen fehlen hingegen öfter wegen allgemeiner psychischer Erkrankungen (+ 53 Prozent) wie beispielsweise Depressionen. Sie haben fast doppelt so viele Fehltage wegen Krebsleiden (+ 93 Prozent), was durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt ist. „Betroffene Frauen stehen oft noch voll im Erwerbsleben“, erklärt Saur. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern, der Prostatakrebs, trete hingegen erst im höheren Alter auf – meist ab etwa 60 Jahren. „Diese Krebsfälle bei den Männern werden von unserer Statistik, die sich ausschließlich auf Erwerbstätige bezieht, nicht mehr erfasst“, so Saur. Grundsätzlich sei das Krebsrisiko bei Männern und Frauen gleich. 

Schwangerschaft hat Einfluss

Wenn Frauen öfter im Job fehlen, spielt auch das Kinderkriegen eine Rolle. Komplikationen während der Schwangerschaft machen bei den 30- bis 34-jährigen Beschäftigten in Baden-Württemberg knapp sieben Prozent aller Fehltage aus. Schwangerschaftskomplikationen wie quälende Übelkeit erklären in dieser Altersgruppe 51 Prozent des Geschlechterunterschieds im Krankenstand. 

Männer sind seltener beim Arzt

Ein Teil des Unterschieds bei den Fehltagen könnte sich auch durch den anderen Umgang von Männern und Frauen mit Krankheit erklären lassen. Berufstätige Männer im Südwesten besuchen im Durchschnitt nur vier Mal pro Jahr einen Arzt. Berufstätige Frauen hingegen sind fast sieben Mal in ärztlicher Behandlung. „Selbst wenn man Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingte Behandlungen nicht einrechnet, sind Männer weitaus seltener beim Arzt. Sie sind womöglich aber genauso oft krank wie Frauen“, so Saur. 

Frauen neigen zu Präsentismus

Obwohl Frauen den höheren Krankenstand haben, schleppen sie sich sogar noch häufiger als Männer krank zur Arbeit. Experten sprechen vom Präsentismus: 64 Prozent der Frauen in Baden-Württemberg waren 2015 mindestens einmal krank bei der Arbeit, bei den Männern nur 56 Prozent. Als Hauptgründe gaben Frauen in der Befragung an, dass sie ihre Kollegen nicht hängen lassen wollten (84 Prozent) oder auch ihre Arbeit fertigstellen müssten (75 Prozent). 

Wenn ihre Kinder krank sind, melden sich hingegen viele Frauen selbst krank. Jede fünfte Frau in Baden-Württemberg sagte in der Befragung, dass sie manchmal so vorgehen müsse, weil sie sich nicht anders zu helfen wisse. Bei den Männern sagen das nur 11,8 Prozent. Demnach tragen Frauen noch immer einen größeren Anteil an der Betreuung kranker Kinder als Männer. 

Betriebliches Gesundheitsmanagement im Fokus

„Für eine geschlechtersensible Gesundheitsförderung in den Betrieben können die Ergebnisse unserer Studie eine wichtige Grundlage sein“, sagt DAK-Landeschef Markus Saur. „Wo Männer und Frauen unterschiedliche Bedürfnisse haben, sollen sie von den Betrieben auch geschlechtsspezifische Angebote bekommen.“ Die DAK-Gesundheit stehe den Unternehmen in Baden-Württemberg sowohl bei der Bedarfsanalyse als auch bei der Entwicklung und Evaluation von passgenauen Maßnahmen kompetent zur Seite. 

Höchster Krankenstand seit 16 Jahren

Der DAK-Gesundheitsreport untersuchte auch den Krankenstand in Baden-Württemberg. Er war im vergangenen Jahr mit 3,5 Prozent der höchste seit 16 Jahren. 2015 waren von 1.000 erwerbstätigen Mitgliedern der DAK-Gesundheit durchschnittlich pro Tag 35 krankgeschrieben. Vor allem Erkältungen machten den Menschen zu schaffen. Die Anzahl der Fehltage aufgrund von schweren Atemwegserkrankungen wie Bronchitis stieg um fast ein Drittel an und verursachte 18 Prozent aller Fehltage. Für die meisten Ausfalltage waren aber mit 21 Prozent die sogenannten Muskel-Skelett-Erkrankungen wie etwa Rückenleiden sowie die psychischen Erkrankungen (15 Prozent) verantwortlich. 

Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand in Baden-Württemberg waren 2015 das Gesundheitswesen mit 4 Prozent und die Öffentliche Verwaltung mit 3,6 Prozent. Den niedrigsten Krankenstand hatte der Wirtschaftszweig Bildung, Kultur und Medien mit 2,9 Prozent. 

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten Krankenkassen Deutschlands. Für die Analyse wurden die Daten von 321.000 erwerbstätigen Mitgliedern der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg durch das IGES Institut ausgewertet.

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Statement

Statement von Markus Saur, Landeschef der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg, im Rahmen der Pressekonferenz am 5. April 2016

(Es gilt das gesprochene Wort!)

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Wir geben Ihnen heute einen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen der krankheitsbedingten Ausfalltage des vergangenen Jahres in Baden-Württemberg. Welche Diagnosen standen im Vordergrund? Wie sind die Differenzierungen nach Branchen, nach Alter – und nach Geschlecht? 

Beim Geschlecht schauen wir dieses Mal ganz genau hin. Und unser Report für den Südwesten zeigt: Der viel zitierte kleine Unterschied zwischen Frauen und Männern ist viel größer als gedacht. Sowohl die Fehlzeiten im Job als auch das Diagnosespektrum unterscheiden sich deutlich. Diese Differenzen sind kein spezifisches Phänomen der berufstätigen Versicherten der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg. Auch die Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit weist dies aus. 

Wir haben uns im DAK-Gesundheitsreport schon häufiger mit Fragen zur Frauen- (2006) und Männergesundheit (2008) auseinandergesetzt. Dennoch sind die Faktoren zum Unterschied zwischen den Geschlechtern noch nicht systematisch untersucht worden. Grund genug für uns, dies jetzt nachzuholen und den aktuellen DAK-Gesundheitsreport der Frage zu widmen, warum Frauen und Männer anders krank sind. 

Und darüber hinaus: Liegen die Unterschiede im Krankenstand in Baden-Württemberg tatsächlich am Geschlecht? Oder sind sie eher auf die Arbeitsbedingungen verschiedener Branchen oder den
Berufsstatus zurückzuführen? Welche Rolle spielt das Verhalten, also der individuelle Umgang mit einer Krankschreibung? 

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind ein weiterer Baustein für die geschlechtersensible Gesundheitsforschung. Sie können darüber hinaus  helfen, geschlechtergerechte Präventionsmaßnahmen für Betriebe zu entwickeln. Heute geht es beim betrieblichen Gesundheitsmanagement längst nicht mehr um Grundlagen der Notwendigkeit, sondern im Kern darum: Wie passgenau und effektiv können die Maßnahmen umgesetzt werden? Denn je genauer wir Erkrankungen mit individuellem Verhalten und Verhältnissen in Beziehung setzten können, umso gezielter wirken diese. 

Herr Marschall vom IGES-Institut wird Ihnen jetzt die differenzierten Ergebnisse zum Krankenstand des vergangenen Jahres in Baden-Württemberg sowie zum Zusatzthema „Der große Unterschied – warum Frauen und Männer anders krank sind“ präsentieren.

Fazit von Markus Saur:

Die Ergebnisse des Reports zeigen, dass der Genderaspekt nicht nur in Forschung und Medizin eine große Rolle spielt. Auch Krankenkassen und Unternehmen sollten ihre Angebote, beispielsweise beim betrieblichen Gesundheitsmanagement, zunehmend gendersensibel gestalten. 

Der ansteigende Krankenstand, der unter anderem auf psychische Erkrankungen zurückzuführen ist, unterstreicht die Notwendigkeit noch passgenauerer Angebote für unsere Versicherten. So haben wir beispielsweise in Baden-Württemberg letzte Woche ein neues Behandlungsangebot zur psychischen Gesundheit gestartet. Dieses ermöglicht es, psychotherapeutisch tätigen Ärzten und Psychotherapeuten kurzfristig mehr Zeit für ihre Patienten aufzuwenden. Weitere Vorteile sind eine schnellere Terminvergabe, ein zeitnaher Behandlungsbeginn sowie eine verbesserte Behandlungsqualität. 

Darüber hinaus bietet die DAK-Gesundheit als erste Kasse Deutschlands seit kurzem eine Sprechstunde per Videochat an. Bei dem Online-Angebot nehmen Ärzte aller Fachrichtungen teil. Versicherte können so schnell und unkompliziert vis-à-vis ihre Fragen von zu Hause aus klären.

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Zuletzt aktualisiert:
Tue Apr 05 11:00:00 CEST 2016

Daniel Caroppo

Pressesprecher für Baden-Württemberg

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