Immer mehr depressive Jugendliche in Hamburg

Klinikaufenthalte steigen um das Achtfache: DAK-Gesundheit sieht erhöhte Sensibilität gegenüber seelische Leiden

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Wenn junge Seelen leiden: In Hamburger Krankenhäusern landen immer mehr depressive Kinder und Jugendliche. Innerhalb von zwölf Jahren ist die Zahl der stationären Behandlungen bei Patienten zwischen 10 und 19 Jahren fast um das Achtfache gestiegen. Darüber informiert die DAK-Gesundheit mit Bezug auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts für die Jahre 2000 bis 2012. Als eine der Ursachen für den Anstieg sehen Experten eine größere Sensibilität in der Bevölkerung für seelische Leiden.

2012 zählten die Hamburg Krankenhäuser 474 Fälle unter den 10- bis 19-Jährigen, 2000 dagegen nur 61. Damit liegt der Anstieg in Hamburg noch über der Zunahme im Bundesgebiet, wo sich die Zahlen im gleichen Zeitraum versechsfacht haben. Im Verhältnis zur Gesamtzahl im Bund ist der Hamburger Anteil seit 2005 um zwei Prozent gestiegen, von 1,8 auf 3,8 Prozent (2012). Wie in sämtlichen Bundesländern gab es auch in Hamburg deutlich mehr weibliche als männliche Betroffene. Im Bundesdurchschnitt sind rund zwei Drittel der Patienten entweder Mädchen oder junge Frauen, diese Zahl bestätigte sich auch in Hamburg mit 67,9 Prozent (2012).

Gute Therapie-Chancen bei früher Behandlung

Die DAK-Gesundheit wertet die Entwicklung der vergangenen Jahre auch als Zeichen einer Enttabuisierung. „Heute ist es kein Makel, wenn jemand an einer Depression erkrankt“, sagt die Hamburger Landeschefin Regina Schulz. „Auch werden Anzeichen für eine depressive Störung viel eher erkannt.“ Schulz betont die guten Therapiemöglichkeiten: „Bei einer frühen Behandlung sinkt die Gefahr, dass eine Depression einen chronischen Verlauf nimmt.“ Nach Expertenmeinung werden Depressionen im Kindes- und Jugendalter aber noch immer zu oft übersehen.

Typische Merkmale sind extreme Stimmungsschwankungen, Antriebsarmut, vermindertes Selbstvertrauen, Konzentrationsprobleme sowie psychosomatische Symptome wie Schlafstörungen. Im Regelfall ist eine ambulante Behandlung angemessen, nur bei gravierenden Indikationen wie Suizidgefahr empfiehlt sich eine stationäre Behandlung. Die immense Steigerungsrate stationärer Behandlungen sieht die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) als Ergebnis einer verbesserten Diagnostik. Im Verhältnis zur Häufigkeit der Erkrankung sei die zunehmende Zahl der Klinikaufenthalte aber eher noch gering, die meisten depressiven Kinder und Jugendlichen würden gar nicht oder ambulant behandelt. Adäquate Behandlungsangebote gibt es bei spezialisierten Psychotherapeuten oder Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Enge Zusammenarbeit soll Klinikaufenthalte vermeiden

Die DAK-Gesundheit bietet jungen Erwachsenen bei psychischen Erkrankungen kompetente Hilfe durch regionale Spezialistennetzwerke an. Bundesweit hat die Krankenkasse 30 besondere Verträge abgeschlossen, die eine frühzeitige Diagnostik und eine qualitativ hochwertige Behandlung gewährleisten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kliniken, ambulanten Fachärzten und Psychotherapeuten soll stationäre Krankenhausaufenthalte vermeiden. Weitere Informationen zu den Spezialistennetzwerken gibt es im Internet unter www.dak.de/spezialistennetzwerk.

Tabelle: Die Zahl der stationären Behandlungen in Hamburg im Verhältnis zum Bund

Jahr

Hamburg

Bund

Anteil

2012

474

12.567

3,8 %

2011

294

11.055

2,7 %

2010

282

9.773

2,9 %

2009

188

7.572

2,5 %

2008

180

6.885

2,6 %

2007

138

6.316

2,2 %

2006

115

5.369

2,1 %

2005

80

4.417

1,8 %

2004

122

4.176

2,9 %

2003

87

3.930

2,2 %

2002

113

3.378

3,3 %

2001

73

2.905

2,5 %

2000

61

2.145

2,8 %

Quelle:  Statistisches Bundesamt

Zuletzt aktualisiert:
Thu Mar 06 09:14:09 CET 2014

Sönke Krohn

Pressesprecher für Hamburg

  • Gotenstraße 12
    20097 Hamburg
  • Tel.: 040 8972130-1184

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