Magersucht: Wenn der Schlankheitswahn krank macht

Symptome, Folgen, Anlaufstellen und Therapie der Anorexie

Magersucht ist eine psychische Krankheit, von der vor allem junge Mädchen und Frauen betroffen sind: 14- bis 18-Jährige erkranken am häufigsten. Wir klären auf, wann Mediziner von einer Magersucht sprechen, welche Folgen sie haben kann und wie die DAK-Gesundheit Betroffene bei der Überwindung ihrer Krankheit unterstützt.

Was ist Magersucht?

DAK-Expertin Dr. Elisabeth Thomas berät Betroffene und Angehörige zum Thema Magersucht

DAK-Ärztin Dr. Elisabeth Thomas zum Thema Essstörungen

Der medizinische Fachbegriff „Anorexie" bedeutet soviel wie „ohne Appetit sein“. Ganz genau trifft er nicht: Magersüchtige spüren Hunger und Appetit, lassen diese Bedürfnisse aber nicht zu. Sie versuchen, ein extrem niedriges Gewicht zu erreichen, indem sie möglichst wenig essen, sehr viel Sport treiben, entwässernde Medikamente und Appetitzügler nutzen. Selbst, wenn die Erkrankten bereits gefährlich untergewichtig sind, empfinden sie sich selbst als noch zu dick und wollen weiter abnehmen. „Von Magersucht kann man ausgehen bei einen Body Mass Index unter 17,5 bei Erwachsenen oder wenn bei Jugendlichen das Körpergewicht 15 Prozent unter dem zu erwartenden liegt“, sagt die DAK-Ärztin Elisabeth Thomas.

Symptome von Magersüchtigen

Typisch für die Magersucht ist ein starker Gewichtsverlust - die Betroffenen sind auffällig dünn. Der Übergang vom gestörten Essverhalten zur Krankheit Magersucht verläuft oft schleichend. Erst werden zum Beispiel einzelne kalorienreiche Lebensmittel gemieden, später werden Mahlzeiten ganz ausgelassen. Manche Magersüchtige nehmen nur durch Hungern ab, andere nutzen auch Medikamente wie Abführmittel oder erbrechen sich nach dem Essen – sie haben den so genannten bulimischen Typ der Magersucht. Das Leben der Magersüchtigen dreht sich um die Themen Gewicht, Kalorien, Essen und um die Angst zuzunehmen.
Häufig entwickeln Magersüchtige zwanghaftes Verhalten: Beim Essen zum Beispiel muss jeder Bissen in einer bestimmten Häufigkeit gekaut werden. Paradoxerweise sammeln sie manchmal gern Rezepte und kochen gern für andere – essen aber selbst nichts. Oft ist die Stimmungslage von Magersüchtigen gereizt oder depressiv.

Ansprechpartner und Beratungsstellen helfen bei Magersucht

Vertrauenspersonen sind oft die ersten Ansprechpartner für Betroffene und auch für deren Freunde sowie Angehörige. Dabei handelt es sich oft um Eltern oder um bestimmte andere Familienmitglieder. Aber auch Lehrer, Partner oder enge Freunde werden bisweilen eingeweiht und um Hilfe gebeten. Wir empfehlen als ersten Schritt, dass Betroffene und Vertrauenspersonen gemeinsam eine spezielle Beratungsstelle für Essstörungen aufsuchen. Auch Familienberatungsstellen eignen sich als erste Anlaufstelle. Die Mitarbeiter führen dort Beratungsgespräche – auf Wunsch auch anonym – und vermitteln Ärzte und Fachkliniken für die Betroffenen.

Wie finde ich einen Arzt oder eine Klinik?

Magersucht ist eine psychosomatische Krankheit, die Psyche und Körper betrifft. Von ärztlicher Seite muss das Gewicht stabilisiert und die womöglich schon vorhandenen körperlichen Folgen der Magersucht behandelt werden. Der DAK Arztfinder hilft Ihnen, einen Mediziner zu finden.

Parallel dazu begleitet häufig eine Psychotherapie den Patienten. Dabei geht es unter anderem um die Fragen, warum die Krankheit entstehen konnte, wie sich das Essverhalten und die Einstellung zum Körper ändern lässt. Mit der Zeit sollen die Betroffenen lernen, wieder regelmäßig zu essen und ihre Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen.

Therapien werden ambulant, aber auch in spezialisierten Kliniken stationär angeboten – was sich besonders für Menschen empfiehlt, die sehr viel Gewicht verloren haben oder bei denen eine ambulante Therapie nicht erfolgreich war. Ihr Mediziner wird Sie dazu gern beraten. Unser Klinikfinder hilft Ihnen, eine passende Einrichtung zu finden.

Magersucht-Therapie: Wer übernimmt die Behandlungskosten?

Die Kosten für den Besuch beim Facharzt, die ambulante ärztliche Behandlung oder eine Psychotherapie zahlen wir für Sie. Einzige Voraussetzung: Der Arzt muss eine Kassen-Zulassung haben. Bei einer akuten Erkrankung zahlen wir grundsätzlich die stationäre oder teilstationäre Behandlung im Krankenhaus, wenn entweder ein Notfall vorliegt oder aber eine stationäre Einweisung des behandelnden Arztes vorliegt.

Ist eine Rehabilitation erforderlich, kann die Zuständigkeit beim Rentenversicherungsträger oder bei uns liegen – egal ob stationär, teilstationär oder ambulant. Bei einer Unterbringung in einer Wohngemeinschaft werden diese Kosten ausschließlich vom Sozialhilfeträger übernommen.

Wir helfen Ihnen gern dabei zu klären, welcher Kostenträger in Ihrem Fall zuständig ist. Kontaktieren Sie einfach unsere Mitarbeiter in Ihrem nächstgelegenen Servicezentrum. Oder rufen Sie uns an unter der Service-Hotline 040 325 325 555.

Genaue Ursache unbekannt

Was die Magersucht im einzelnen verursacht, ist noch nicht genau bekannt. „Mehrere Faktoren spielen eine Rolle, wie etwa Vererbung, gesellschaftliche Einflüsse, ein Mangel an Selbstwertgefühl“, sagt die DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. Magersüchtige haben oft einen perfektionistischen Leistungsanspruch und sind meist sehr gut in der Schule, im Beruf oder Sport. Dünnsein verbinden Magersüchtige mit mehr Anerkennung von anderen. Die Kontrolle über Bedürfnisse wie Hunger vermittelt ihnen ein Gefühl von Stärke. Viele haben jedoch eine Körperschemastörung: sie empfinden ihren Körper größer und breiter als er tatsächlich ist.

Die Familie kann die Entstehung von Magersucht beeinflussen, etwa indem bestimmte Schönheitsideale vermittelt werden, aber auch durch übergroße Erwartungen an den Nachwuchs oder das Vermeiden von Konflikten. Auch Sportarten und Berufe, in denen es auf ein geringes Körpergewicht ankommt, erhöhen das Risiko für Magersucht, etwa Ballett, Turnen, Modeln. Eine weitere Theorie sieht in der Magersucht den verborgenen Wunsch, Kind zu bleiben und die körperliche Entwicklung zum Erwachsenen anzuhalten.

Lebensgefährliche Folgen für Betroffene

Anorexia nervosa ist eine gefährliche Essstörung: Je länger jemand daran erkrankt ist, umso höher ist das Risiko, daran zu sterben. Nach zehn Jahren Magersucht liegt das Risiko, an den Folgen zu sterben oder Suizid zu begehen, bei zehn Prozent. „Gefährlich ist nicht nur das starke Untergewicht“, sagt die DAK-Ärztin Elisabeth Thomas, „sondern auch die Folgen: der sehr niedrige Blutdruck, ein langsamerer Herzschlag bis zur Herzrhythmusstörung und eine mögliche Unterzuckerung.“ Bei Mädchen und jungen Frauen bleibt die Regelblutung aus. Das niedrige Gewicht kann außerdem den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt stören. „Durch die fehlende Kalziumzufuhr haben die Betroffenen ein erhöhtes Risiko für Osteoporose“, sagt Elisabeth Thomas. Auch schwerwiegende Organschäden sind möglich, etwa des Herzens.

Zuletzt aktualisiert:
Thu Jun 29 09:08:52 CEST 2017
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