Zölliakie bedeutet Glutenunverträglichkeit und führt zu einem Leben ohne Brot und Nudeln

Schockdiagnose Zöliakie – wenn das tägliche Brot ein Leben lang zum Gesundheitsproblem wird

Glutenunverträglichkeit verbietet viele Nahrungsmittel – Heilung ist nicht in Sicht

Wer unter Zöliakie leidet, lebt ein Leben ohne Brot und Nudeln. Unvorstellbar? Leider bittere Realität für Betroffene. Und das ist nicht alles: Zöliakie-Patienten müssen noch auf mehr verzichten. Ihr Körper verträgt kein Gluten, und das ist in sehr vielem enthalten, was zum täglichen Leben gehört. Gluten ist das Eiweiß, das Teig klebrig macht. Es wird deshalb auch Klebereiweiß genannt. Es steckt von Natur aus in Weizen, Roggen, Gerste und weiteren Getreidesorten. Vielen Nahrungsmitteln, aber auch Kosmetika und Arzneimitteln wird es beigemischt.

Was passiert bei einer Zöliakie?

DAK-Ernährungsexpertin Silke Willms informiert über Zöliakie

Ernährungexpertin Silke Willms von der DAK-Gesundheit

Bei einer Zöliakie löst das Gluten Entzündungen der Dünndarmzotten aus. Diese feinen Verästelungen filtern Nährstoffe aus der Nahrung und schleusen sie ins Blut. Die Entzündungen stören diesen Vorgang und sorgen somit für einen Nährstoffmangel im Körper. Voraussetzung für Zöliakie ist eine vererbbare genetische Veranlagung. Nicht bei jedem bricht die Krankheit aus, aber wer sie hat, behält sie ein Leben lang.

Etwa jeder 250. Deutsche ist von Zöliakie betroffen – schätzungsweise. „Viele wissen gar nichts von ihrer Erkrankung“, sagt DAK-Ernährungsexpertin Silke Willms. Denn die typischen Symptome – Durchfall, Blähungen, Erbrechen – treten nicht immer auf. Oft sind es indirekte Folgen eines Nährstoffmangels, die nicht mit einer Glutenunverträglichkeit in Zusammenhang gebracht werden. Das können Müdigkeit, Gelenkschmerzen und vieles mehr bis hin zum Knochenschwund sein.

Zöliakie – nicht zu verwechseln mit einer Weizen-Sensitivität

Zöliakie kann aufgrund der genetischen Struktur nicht wieder verschwinden. Bei einer Weizen- oder Gluten-Sensitivität ist das anders. Sie kann temporär, also für eine gewisse Zeit, auftreten und anschließend wieder abklingen. Um eine Zöliakie zu diagnostizieren, nimmt der Arzt eine Blutprobe. Falls der Körper kein Gluten verträgt, können bestimmte Antikörper darin nachgewiesen werden. Üblicherweise folgt dann eine Endoskopie, bei der Gewebeproben aus dem Dünndarm entnommen werden. Darin kann man die glutenbedingt veränderten Zotten erkennen – der letzte Beweis einer Zöliakie.

Ernährungsumstellung mit einer Zöliakie ist unvermeidlich

Ein Heilmittel gibt es noch nicht, den Beschwerden kann nur mit Verzicht begegnet werden. Schon eine unvollständige Liste glutenhaltiger Lebensmittel zeigt, was das bedeutet: Brot, Pizza, Pasta, Kekse, Kuchen, Bier – die Liste ist lang. All die Dinge mit Gluten wegzulassen bedeutet, den Ernährungsplan komplett umzukrempeln. Hinzu kommt, dass das Eiweiß in der Lebensmittelindustrie als Trägerstoff verwendet wird. Viele Fertigprodukte von Wurst bis Pudding enthalten deshalb Gluten.

Alternative für Zöliakie-Betroffene: Reismehl

Die Rettung für Zöliakie-Erkrankte: Inzwischen gibt es viele Alternativen, etwa Backwaren aus Hirse, Buchweizen oder Reismehl. Auch Amaranth und Johannisbrotkernmehl sind verträglich. Spezialhändler bieten entsprechende Produkte an. Als Orientierungshilfe ist es EU-weit vorgeschrieben, den Glutengehalt abgepackter Lebensmittel anzugeben. Als „glutenfrei“ dürfen nur Produkte bezeichnet werden, die höchstens 20 mg Gluten pro Kilo enthalten, bei bis zu 100 mg gilt die Kennzeichnung „sehr geringer Glutengehalt“.

Menschen mit Zöliakie sind empfindlich

Schon kleinste Mengen Gluten lösen bei Menschen mit Zöliakie die Entzündungen im Darm aus. Bei der Ernährung hört die Achtsamkeit daher nicht auf. „In der Küche muss eine ganz besondere Ordnung herrschen“, sagt Silke Willms. „Zum Beispiel lagert sich Gluten in Holzlöffeln ab, deshalb ist es besser, welche aus Kunststoff zu verwenden.“ Töpfe, Pfannen und Arbeitsflächen müssen sehr sorgfältig gereinigt werden. Und bei einigen Geräten wie Toastern ist es eventuell sogar sinnvoll, sie doppelt anzuschaffen, so dass sich Weizen und Buchweizen beim Frühstück nicht in die Quere kommen. Mit Disziplin und einer Ernährungsumstellung ist ein Leben ohne Beschwerden möglich.

Diese Lebensmittel sind von Natur aus glutenfrei:

  • Mais, Reis, Wildreis, Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa, Johannisbrotkernmehl, Mais-, Kartoffel- und Reisstärke, Sojamehl, Esskastanien, Maisgrieß
  • Kartoffeln, Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen
  • Milch, Naturjoghurt, reine Buttermilch, naturbelassener Quark, Frischkäse, Käse
  • Tofu, Sojamilch
  • Eier
  • unverarbeitetes, naturbelassenes Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte ohne Zusätze
  • Pflanzenöle, Butter
  • Zucker, Honig, Konfitüre, Marmelade, Ahornsirup
  • reine Gewürze und Kräuter
  • Wasser, Kaffee, reiner Schwarz-, Kräuter- und Früchtetee, reine Fruchtsäfte
  • Wein und Sekt

Zuletzt aktualisiert:
Fri Jul 03 13:10:49 CEST 2015

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