Stigmatisiert und ausgegrenzt: Adipöse Menschen leiden oft gesundheitlich und psychisch.

Adipositas: Das denken Deutsche über Dicke

DAK-Studie zeigt: Adipöse Menschen werden stigmatisiert und ausgegrenzt

Wenn es ums Übergewicht geht, treffen Betroffene auf diverse Vorurteile: Dicke Menschen seien lustig, Fettleibige leider willensschwach. Nicht selten werden Übergewichtige ausgegrenzt. Eine neue Studie von DAK-Gesundheit und Johnson & Johnson Medical zeigt, welchen Stigmatisierungen Betroffene in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind, und beleuchtet, wie die Bevölkerung dicke Menschen einschätzt.

„XXL-Report": Die drei wichtigsten Aussagen zu adipösen Menschen

Die Studienteilnehmer geben an, dass:

  1. Fettleibige selbst schuld seien an den überflüssigen Pfunden und zu faul seien, um abzunehmen (36 Prozent).
  2. stark übergewichtige Menschen unästhetisch seien (71 Prozent).
  3. sie bewusst Kontakt zu adipösen Menschen mieden (15 Prozent).

Fettleibige Menschen leiden in Deutschland also nicht nur gesundheitlich. Sie haben darüber hinaus mit psychosozialen Beeinträchtigungen wie Ausgrenzung und Stigmatisierung zu kämpfen.

Einfache Schuldzuweisungen

Deutlich werden Vorurteile, wenn es um mögliche Ursachen für das starke Übergewicht geht. Die häufigsten Antworten der Befragten nach Gründen für Übergewicht und Adipositas-Auslöser sind:

  • Bewegungsmangel und vieles Sitzen – sagen 47 Prozent, also fast jeder Zweite
  • falsche beziehungsweise ungesunde Ernährung – sagen 33 Prozent
  • Fast Food – sagen 31 Prozent
  • Fertigprodukte – sagen 23 Prozent
  • Zeitmangel und Bequemlichkeit – sagen 20 Prozent.

Dagegen scheinen gesundheitliche Gründe wie Stoffwechselstörungen oder genetische Veranlagungen in der Öffentlichkeit gar keine Rolle zu spielen.

Dicke sind lustig

Leichtes Übergewicht wird in unserer Gesellschaft meist noch akzeptiert und zum Teil sogar positiv bewertet. 35 Prozent der Befragten empfinden Übergewichtige zum Beispiel oft als lustig. Von fettleibigen Menschen sagen dies lediglich 13 Prozent. Während noch fast jeder Zweite (43 Prozent) dicke Menschen gesellig findet, trifft das auf Adipöse nur mit 13 Prozent zu.

Nachteile im Alltag und Job

Wie die Befragten den Alltag von adipösen Menschen einschätzen, zeigen diese Ergebnisse:

  • 85 Prozent der Deutschen glauben, adipöse Menschen seien gesundheitlich eingeschränkt.
  • 71 Prozent gaben Probleme in der Mobilität an, beispielsweise beim Laufen oder Anziehen.
  • Jeder Zweite sagt, fettleibige Menschen seien sozial weniger anerkannt.
  • 44 Prozent vermuten Nachteile in Beruf und Karriere aufgrund der vielen Pfunde.

Mehrheit hält sich für zu dick

Auch insgesamt spielt das Gewicht bei den meisten Menschen eine große Rolle. Der „XXL-Report“ zeigt:

  • Sechs von zehn Deutschen halten sich für zu dick (60 Prozent).
  • Mehr als jeder Dritte sorgt sich ständig, zu dick zu sein oder übergewichtig zu werden (37 Prozent).
  • Mehr als jeder Fünfte hat schon mal versucht, durch Fasten oder Intensiv-Diäten abzunehmen (22 Prozent).
  • Gut jeder Sechste macht derzeit eine Diät, um Gewicht zu verlieren (17 Prozent).

Immer mehr Adipositas in Deutschland

Hierzulande ist jeder vierte Erwachsene zwischen 18 und 79 Jahren adipös. Das sind 16 Millionen Menschen. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Der Anteil der Patienten mit extremer Adipositas (BMI über 40) hat sich im Zeitraum 1999 bis 2013 mehr als verdoppelt. Studien belegen, dass Adipositas als Auslöser für mehr als 60 Begleiterkrankungen gilt.

Fotoausstellung „SCHWERE[S]LOS“ auf Tour

Die Studienergebnisse sind auch Grundlage für die Kampagne „SCHWERE[S]LOS“ mit Fotoausstellung. Auf diese Weise wollen die DAK-Gesundheit und Johnson & Johnson Medical GmbH bundesweit über Adipositas aufklären und Vorurteile entkräften. Das Bundesministerium für Gesundheit unterstützt dabei.

Die Wanderausstellung „SCHWERE[S]LOS“ stellt die Krankheit Adipositas und Betroffene einmal ganz anders dar. Ob als schwerelos Schwimmende unter Wasser oder im eigenen Körper Gefangene, die nicht aus ihrer Haut können – die Ausstellung geht mit 26 beeindruckenden Fotografien auf Tour durch ganz Deutschland. Zahlreiche Studierende des Institute of Design in Hamburg, Berlin und Düsseldorf sind dem Aufruf der Initiatoren gefolgt und haben das schwierige Thema Adipositas kreativ umgesetzt.

Zuletzt aktualisiert:
Fri Sep 23 08:16:02 CEST 2016
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
25 Bewertungen mit  2.84 Sternen von 1 bis 5 Sternen

Zum Seitenanfang