Adipositas: Ursachen und Diagnose einer unterschätzten Erkrankung

Adipositas: Fettleibigkeit ist eine chronische Krankheit

DAK-Gesundheit informiert über Ursachen und Diagnose starken Übergewichts

Adipositas – also starkes Übergewicht – ist eine ernstzunehmende Erkrankung. In Deutschland leben mittlerweile viele Menschen, die so starkes Übergewicht haben, dass sie krank sind. Knapp ein Viertel aller Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren ist adipös. Mit dem Alter nimmt Adipositas stark zu. Aber auch gute sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen sind bereits betroffen. Von Teilen der Bevölkerung und auch von manchen Ärzten wird Adipositas nicht als Krankheit wahrgenommen, sondern als Zeichen eines persönlich verschuldeten ungesunden Lebensstils. Das ist falsch. DAK-Gesundheit informiert über eine ernste Erkrankung, die weltweit auf dem Vormarsch ist, und erklärt mögliche Ursachen.

Adipositas ist eine chronische Krankheit

Thomas Bodmer, DAK-Vorstandsmitglied, will Patienten mit Adipositas helfen.

Thomas Bodmer, Mitglied im DAK-Vorstand

„Adipöse Menschen haben in unserer Gesellschaft ein schweres Los. Sie kämpfen gegen Pfunde und Vorurteile“, sagt DAK-Vorstand Thomas Bodmer. Menschen mit Adipositas leiden häufig an zahlreichen Begleit- und Folgeerkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes. So überrascht es nicht, dass Adipositas zwar therapierbar, aber nicht heilbar ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Europäische Parlament, das Bundessozialgericht und die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) stufen Adipositas daher als chronische Krankheit ein. „Mit unserer aktuellen Untersuchung und Aufklärungskampagne wollen wir deshalb zum Nachdenken anregen und die Sichtweise auf die Krankheit verändern“, ergänzt Bodmer.

Adipositas nimmt zu

Fettleibigkeit als chronische Krankheit ist weltweit auf dem Vormarsch. Seit Jahrzehnten nimmt die Zahl adipöser Menschen auch in Deutschland stetig zu. Im Zeitraum von 1999 bis 2013 lag der Anstieg von Patienten mit Adipositas Grad III bei Männern bei etwa 144 Prozent und bei den Frauen bei knapp über 100 Prozent (Quelle: Weißbuch Adipositas, IGES, 2016).

Definition: Wann gefährdet Übergewicht die Gesundheit?

Nicht jeder Mensch mit Übergewicht ist krank. So kann zum Beispiel jemand mit einigen Pfunden zu viel auf der Waage, der sich jedoch regelmäßig bewegt, gesünder sein als ein dünner, nicht aktiver Mensch. Richtig ist aber auch, dass mit zunehmendem Gewicht das Risiko von Begleiterkrankungen steigt.

Wegweiser: Body-Mass-Index

Der Body-Mass-Index (BMI) bildet das Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße ab. Auch wenn das Gewicht nur ein Aspekt der Adipositas ist, unterscheidet man mit Hilfe des BMI die Schweregrade. Von Übergewicht spricht man ab einem BMI größer als 25, von Adipositas ab einem BMI größer als 30. Lange Zeit galten mäßige Speckpolster eher als nützlich denn als schädlich. Doch nun haben Forscher der Cambridge Universität in einer aktuellen Meta-Studie herausgefunden, dass schon leichtes Übergewicht – also ein BMI von 25 bis 30 – das Gesundheitsrisiko deutlich erhöht.

Schweregrade der Adipositas

Untergewicht < 18,5 niedrig
Normalgewicht 18,5 – 24,9 durchschnittlich
Übergewicht 25 – 29,9 gering erhöht
Adipositas Grad I 30 – 34,9 erhöht
Adipositas Grad II 35 – 39,9 hoch
Adipositas Grad III ≥ 40 sehr hoch

Ursachen für Adipositas: Wie kommt es zu krankhaftem Übergewicht?

Die Erkrankung kann viele Ursachen haben, etwa Ernährungs- und Stoffwechselstörungen. Für die Betroffenen führt das nicht nur zu Belastungen in ihrem persönlichen Alltag, sondern auch zu schwerwiegenden Gesundheitsrisiken.

Risikofaktoren für Übergewicht

Die Ursachen für Adipositas sind vielschichtig und von der Wissenschaft noch nicht vollständig geklärt. Unstrittig ist, dass übermäßiges Essen, zu wenig Bewegung und eine ungünstige genetische Veranlagung zu wesentlichen Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas zählen.

Vielschichtige Gründe für Adipositas

Auch psychische Faktoren, Schlafstörungen, chronischer Stress und ungünstige Umweltbedingungen können dazu führen, dass die Balance von Energiezufuhr und -verbrauch ins Ungleichgewicht gerät. Aufgrund der jüngsten Erkenntnisse der Wissenschaft wird heute neben dem Lebensstil und der Energiebalance auch der Steuerung durch das Gehirn eine wichtige Bedeutung zugewiesen.

Sensibler Stoffwechsel hält an Pfunden fest

Dass die Erkrankung so hartnäckig ist, liegt auch daran, dass sich der Körper vehement dagegen wehrt, die überschüssigen Pfunde wieder abzugeben. Das Stoffwechselsystem reagiert nämlich sehr sensibel auf kleine Veränderungen, die früher einen evolutionären Vorteil hatten. Bekommt der Körper weniger Nahrung, zum Beispiel im Rahmen einer Diät, ergreift er sofort Gegenmaßnahmen, um im Falle einer Hungersnot gewappnet zu sein, und fährt den Kalorienverbrauch herunter.

Achtung: Jojo-Effekt

Sobald die Diät beendet ist, strebt der Körper nach einer Wiederherstellung des Ausgangszustands und es kommt zum bekannten Jojo-Effekt und einer Gewichtszunahme. Daher können auch keine einzelnen Diäten helfen. Vielmehr bedarf es eines auf den Patienten abgestimmten Therapieplans, um aus diesem Teufelskreis hinauszufinden.

Adipositas: Kein Lifestyle-Problem

Bei Adipositas handelt es sich also um weit mehr als ein Lifestyle-Problem. Sie führt nicht nur zu erheblichen Einschränkungen im Alltag, sondern häufig auch zu weiteren ernsthaften Erkrankungen. Deshalb sollte sie auch in der Gesellschaft als Erkrankung anerkannt und entsprechend behandelt werden.

Zuletzt aktualisiert:
Fri Sep 23 08:25:18 CEST 2016
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