Es gibt viele verschiedene Antibabypillen – wie hoch ist die Thrombosegefahr wirklich?

Thrombosegefahr durch die Pille

Wenn die Antibabypille Nebenwirkungen verursacht

Einige Antibabypillen erhöhen laut aktuellen Studien die Thrombosegefahr drastisch. Unser DAK-Experte und Apotheker Dr. Ronald Meurer erklärt, welche Pillen betroffen sind, worauf bei der Pillenwahl geachtet werden sollte und was Sie tun können, wenn Ihre Pille betroffen ist.

Kann man wegen der Pille Thrombose bekommen?

Die Antibabypille kann, wie die meisten anderen Medikamente auch, verschiedene Nebenwirkungen auslösen. Zu den eher harmlosen Nebenwirkungen gehören zum Beispiel Gewichtszunahme, Zwischenblutungen, Unwohlsein, Brustspannen oder Kopfschmerzen. Während diese Begleiterscheinungen zwar unangenehm, aber meistens nicht richtig gefährlich sind, kann die Antibabypille in selteneren Fällen auch schwerwiegende Nebenwirkungen auslösen: beispielsweise Thrombosen (Blutgerinnsel in Adern oder Venen) und Embolien (Verschluss eines Blutgefäßes, z.B. durch Blutgerinnsel). „Doch nicht alle Antibabypillen haben dasselbe Erkrankungsrisiko!“, beruhigt DAK-Experte Dr. Meurer.

Warum ist bei einigen Antibabypillen die Thrombosegefahr höher als bei anderen?

DAK-Experte und Apotheker Dr. Ronald Meurer erklärt, welche Pillen das Thrombose-Risiko erhöhen

Dr. Ronald Meurer, Apotheker bei der DAK-Gesundheit

Die Antibabypille gibt es mittlerweile in vier Generationen. Alle vier Generationen enthalten die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen, allerdings in verschiedene Dosierungen und Kombinationen. Während die ersten beiden Generationen noch eine sehr große Menge an Östrogen und dem Gestagen Norethisteron enthielten, haben die heutigen Pillen nur noch eine wesentlich geringere Menge an Östrogen und werden mit einem anderen Gestagen (Levonorgestrel) kombiniert. Bei den Antibabypillen der dritten und vierten Generation wurden dann auch neu entwickelte Gestagene, wie Gestoden, Desogestrel und Drospirenon verwendet.

Laut aktuellen Studien ist die Thrombose- und Embolie-Gefahr bei den Pillen der dritten und vierten Generation eineinhalb bis zweimal so groß wie bei den älteren Generationen. Statistisch gesehen bedeutet das, dass neun bis zwölf von 10.000 Frauen, die eine der neuen Pillen einnehmen, pro Jahr an einer Embolie erkranken, während es bei der zweiten Generation nur fünf bis sieben Frauen sind.

Wie hoch ist die Thrombosegefahr bei meiner Pille?

Ob Ihre Pille aus der dritten oder vierten Generation stammt, in der das Thrombose- und Embolie-Risiko bei einigen Pillen besonders hoch ist, können Sie in der folgenden Tabelle herausfinden.

Pillen der dritten und vierten Generation
PräparatGestagenHersteller
Aida®DrospirenonJenapharm

Aristelle®

DienogestAristo Pharma
Belara®ChlormadinonGrünethal

Bellissima®

ChlormadinonMadaus
Bonadea®DienogestZentive

Chariva®

ChlormadinonGedeon Richter

Chloee®

ChlormadinonZentiva Pharma

Desmin®

Desogestrel

Gedeon Richter

Dienovel®

Dienogestmibe

Enriqua®

ChlormadinonJenapharm

Lamuna®

Desogestrel

Hexal

Lilia®

ChlormadinonAristo Pharma

Maitalon®

DrospirenonGedeon Richter

Maxim®

DienogestJenapharm

Mayra®

DienogestMadaus

Minette®

ChlormadinonDr. Kade/Besins

Mona-Hexal®

ChlormadinonHexal

Neo-Eunomin®

ChlormadinonGrünenthal

Starletta-Hexal®

DienogestHexal

Valette®

DienogestJenapharm

Velafee®

DienogestVelvian

Yasmin®

DrospirenonJenapharm

Yasminelle®

DrospirenonJenapharm

Yaz®

Drospirenon

Jenapharm

Zoely®

NomegestrolacetatMSD

Falls Ihre Pille aus der dritten oder vierten Generation stammt, rät unser Experte und Apotheker Dr. Meurer: „Keine Sorge! Bitte setzen Sie Ihre Pille nicht einfach sofort ab. Thrombose und Embolien sind zwar ernst zu nehmende Nebenwirkungen, treten aber nur selten auf. Suchen Sie daher das Gespräch mit Ihrem Arzt. Gemeinsam können Sie herausfinden, wie hoch Ihr persönliches Risiko ist, welche andere Pille ohne Thrombose-Risiko möglicherweise in Frage kommt oder welche Alternativen es stattdessen für Sie gibt.“

Wie finde ich die richtige Pille ohne Thrombosegefahr?

Welche Pille für Sie die Richtige ist, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Frauenarzt in einem ausführlichen Beratungsgespräch herausfinden.

Neben Ihrem gesundheitlichen Zustand sind dabei vor allem auch weitere mögliche Risikofaktoren zu beachten. Sie sollten daher in jedem Fall mit Ihrem Arzt über bestehende Erkrankungen sprechen, wie Bluthochdruck, Thrombophilie (Neigung zur Blutgerinnsel-Bildung) oder Lebererkrankungen. Bestimmte Antibabypillen könnten diese Erkrankungen verschlimmern oder ihnen entgegenwirken.

Aber auch Ihr allgemeiner Gesundheitszustand kann durch die verschiedenen Pillen-Zusammensetzungen begünstigt oder verschlechtert werden. Ihr Frauenarzt wird Sie daher ebenfalls nach möglichen Haut- und Haarproblemen, Menstruationsbeschwerden und dem Auftreten von Zwischenblutungen fragen.

Thrombosegefahr bei der Pille: Nebenwirkungen nicht unterschätzen

Vielen Frauen ist es sehr wichtig, durch die Pillen-Einnahme eine schönere Haut zu bekommen und nicht an Gewicht zuzunehmen. Unser Experte Dr. Meurer rät allerdings: „Viel wichtiger ist, dass bei der Pillenwahl vor allem auf die Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Thrombophilie geachtet wird. Hier verbirgt sich die größere Gefahr für Ihre Gesundheit.“ Genauso wichtig für die Wahl der richtigen Pille ist es, ob Sie Raucherin sind oder nicht, da Rauchen das Risiko für Gefäßerkrankungen und damit auch die Thrombosegefahr erhöht.

Kann ich die Pille trotz oder nach einer Thrombose nehmen?

Nein. Wenn Sie bereits eine Thrombose-Erkrankung hatten oder derzeit darunter leiden, ist die Pille kein geeignetes Verhütungsmittel für Sie. Wenn Sie an einer Thrombose erkrankt sind oder Ihnen bekannt ist, dass Sie besonders anfällig sind, sprechen Sie bitte in jedem Fall mit Ihrem Arzt.

Viele weitere Informationen zur Pille und alternativen Verhütungsmethoden finden Sie auch in der Informations-Broschüre Sichergehn - Verhütung für sie und ihn der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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Zuletzt aktualisiert:
Fri Aug 12 13:14:59 CEST 2016

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