Ein Schwangerschaftsdiabetes gefährdet Mutter und Kind. Durch gesunde Ernährung lässt er sich jedoch meist gut in den Griff bekommen.

Schwangerschaftsdiabetes erkennen und behandeln

Einen Diabetes entwickeln rund vier von 100 Schwangeren. Häufig bessert sich die Krankheit durch ausgewogene Ernährung und Bewegung.

Schwangerschaftsdiabetes? Diese Diagnose kommt für werdende Mütter meist überraschend, denn vor der Schwangerschaft waren die Frauen nicht zuckerkrank. Erst mit dem wachsenden Babybauch gerät der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Bleibt die Krankheit unerkannt, kann sie im schlimmsten Fall zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen. Und auch die Gesundheit der Frau leidet unter Umständen schwer.

Lesen Sie, auf welche Symptome Schwangere achten sollten, welche Frauen ein erhöhtes Risiko haben und welche Maßnahmen dabei helfen, die Krankheit zu kontrollieren. Besonders wichtig ist eine ausgewogene Ernährung.

Symptome

Von ihrem Schwangerschaftsdiabetes spüren werdende Mütter meist wenig – keinen unstillbaren Durst oder häufigen Wasserdrang wie bei einem normalen Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 üblich. Auch Müdigkeit und Schwäche treten seltener auf. Aufmerksam machen sollten diese Symptome: außergewöhnliche Gewichtszunahme, erhöhter Blutdruck, häufige Harnwegs- und Nierenentzündungen. Weitere Hinweise zeigen sich im Verlauf der regelmäßigen gynäkologischen Untersuchungen: Die Frauenärztin diagnostiziert eine starke Zunahme der Fruchtwassermenge und ein ungewöhnliches Größenwachstum des Ungeborenen, während seine Organe – vor allem die Lunge – sich nicht altersgemäß entwickeln. Damit es nicht zu Komplikationen kommt, sollte schnellstens mit einer Therapie begonnen werden.

Ursachen und Risiken des Schwangerschaftsdiabetes

Die Ursachen lassen sich nicht immer exakt ermitteln. Sicher hingegen ist, dass das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes durch diese Faktoren steigt:

  • Übergewicht: Waren Frauen bereits vor der Schwangerschaft übergewichtig, könnten ihre Körperzellen eine Insulinresistenz entwickeln, die Vorstufe eines Schwangerschaftsdiabetes. Kritisch ist ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI).
  • Alter: Bei über als 30-Jährigen besteht statistisch gesehen ein erhöhtes Risiko .
  • Fehlgeburten: Statistiken zeigen, dass frühere Fehlgeburten ein weiterer Indikator für einen möglichen Schwangerschaftsdiabetes sind .
  • Veranlagung: Frauen, die bei ihrer eigenen Geburt mehr als 4325 Gramm wogen, sind besonders häufig von Übergewicht bedroht und dadurch Risikopatientinnen für Diabetes.

So erkennt der Arzt, dass eine Therapie des Schwangerschaftsdiabetes nötig ist

Einen ersten Hinweis geben die regelmäßigen Ultraschall-Untersuchungen in der Frauenarzt-Praxis. Dort wird geprüft:

  • Ist die Fruchtwassermenge ungewöhnlich hoch?
  • Ist das Ungeborene größer und schwerer als es der Normalwert vorgibt?
  • Leidet die Schwangere unter Bluthochdruck?

Achten sollten Schwangere – und Gynäkologen auch auf diese Anzeichen:

  • Müdigkeit und Konzentrationsschwäche.
  • Schwindelanfälle.
  • Scheidenentzündungen und/oder Harnwegsinfekte.
  • Ein ausgeprägtes Durstgefühl und häufiger Harndrang.

Leistungen der DAK-Gesundheit bei Schwangerschaftsdiabetes

Zeigen sich eines oder mehrere der oben genannten Symptome, sollte die werdende Mutter so schnell wie möglich ihren Frauenarzt kontaktieren: Dieser führt Bluttests durch und bespricht mit der Patientin die weiteren Schritte der Therapie. Besonders wichtig ist die Umstellung der Ernährung; dabei helfen auch Ernährungsprogramme der DAK-Gesundheit.

Ursachen und Vorbeugung

DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff erläutert, was ein Schwangerschaftsdiabetes ist.

DAK-Experten Dr. Mark Dankhoff

„Während der Schwangerschaft ändert sich die Zusammensetzung des Hormonspiegels“, erklärt DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff. „ Besonders ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel signalisieren Hormone wie Östrogen, Progesteron, Cortisol und das Humane Plazentalaktogen (HPL): Mehr Energie wird gebraucht!“ Um diesen höheren Energieumsatz zu gewährleisten, produziert die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin, das die Konzentration des Blutzuckers im Gleichgewicht halten soll. „Genau das ist bei manchen Frauen aber nicht möglich“, sagt Dr. Dankhoff: „Ihre Insulindrüsen können nicht mehr leisten. Zwar steigt der Insulinspiegel der meisten Patientinnen an, doch haben die Körperzellen inzwischen eine Insulinresistenz entwickelt – sie reagieren nicht mehr ausreichend auf das Hormon. Deshalb bleibt der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht.“ Vor allem Frauen über 30, die an Übergewicht leiden, sind von dieser Art des Schwangerschaftsdiabetes betroffen. In sehr seltenen Fällen verursacht eine Erbkrankheit das Leiden: Experten sprechen vom MODY Typ 2, der per Gentest nachgewiesen werden kann.

Wozu Insulin nötig ist

Insulin wird in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. Im Blut öffnet dieses Hormon den Körperzellen sozusagen die ‚Türen’, durch die der Blutzucker (die Glukose) aus dem Blut einströmen kann, um in Energie umgewandelt zu werden. Bei gesunden Menschen sinkt der Blutzuckerspiegel dadurch wieder ab – bis zur nächsten Mahlzeit. Da bei Typ-2-Diabetikern das Insulin kaum noch wirkt, erhöht sich der Glukosegehalt im Blut.

Schwangerschaftsdiabetes: mögliche Folgen

Neun von zehn Frauen bekommen ihren Schwangerschaftsdiabetes zwar durch eine Ernährungsumstellung in den Griff. Trotz erfolgreicher Therapie müssen Schwangere mit einer Diabetesneigung mit folgenden Komplikationen rechnen:

  • Bluthochdruck
  • Wassereinlagerungen in den Beinen
  • Harnwegsinfekte

Wesentlich seltener zeigen sich: Kopfschmerzen, Flimmersehen, Krampfanfälle – diese Symptome signalisieren: Vorsicht! Hier sollten Frauen schnellstens zum Arzt, denn lebensbedrohliche neurologische Störungen könnten die Ursache sein.

Stellen Betroffene ihre Lebensgewohnheiten nicht um, entwickelt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 50 Prozent ein Schwangerschaftsdiabetes auch in einer folgenden Schwangerschaft. Außerdem erkrankt jede zweite Risiko-Patientin ohne Vorbeugung innerhalb von zehn Jahren dauerhaft an Diabetes mellitus Typ 2.

Das Kind kann ebenfalls Schaden nehmen:

  • Das Risiko einer Fehlgeburt ist durch Schwangerschaftsdiabetes erhöht.
  • Auch Frühgeburten kommen häufiger vor. Ursache ist das zu hohe Fruchtwasservolumen, das frühzeitige Wehen auslösen und zu einem Blasensprung führen kann.
  • Nach der Geburt drohen dem Baby Unterzuckerung und Atemnot.
  • Kinder wachsen zu schnell und wiegen bei der Geburt oft mehr als 4000 Gramm, was wiederum zu Komplikationen führen kann. Deshalb kommt es häufiger zu Kaiserschnitten.
  • Die Kinder haben nach der Geburt überdurchschnittlich häufig eine Gelbsucht.
  • Entwickelt sich der Schwangerschaftsdiabetes schon im ersten Drittel der Schwangerschaft, drohen dem Kind Fehlbildungen am Herzen oder am Darm.

Schwangerschaftsdiabetes: der Nachweis

Um einen Schwangerschaftsdiabetes nachweisen zu können, führt der Gynäkologe in der Regel ab der 24. Schwangerschaftswoche (früher bei Risikopatientinnen mit einem BMI über 27) Glukosetoleranz-Tests durch. Einen ersten Hinweis gibt ein „Such-Test“, bei dem 50 g Traubenzucker in 200 ml Wasser aufgelöst und getrunken werden, unabhängig von der Tageszeit und vorherigen Nahrungsaufnahme. Liegt der Glucosewert im Blut eine Stunde danach bei über 140 mg/dl, liegen erste Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes vor. In solchen Fällen wird die Prozedur mit einer anderen Glukose-Mischung noch einmal wiederholt (75g auf 300 ml Wasser), und das Blut bei nüchterner Einnahme sowie nach einer und nach zwei Stunden untersucht. Dieser Test zählt zu den Leistungen der DAK-Gesundheit.

Schwangerschaftsdiabetes – wie man vorbeugt

„Oberstes Ziel sollte es sein, die Ernährung umzustellen“, rät DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff. „Zu 90 Prozent stellt sich danach eine Besserung ein.“ Wichtig sei vor allem, weniger und dafür wertvollere Nahrungsmittel zu sich zu nehmen: Vollkornprodukte, die der Körper langsamer aufnimmt, wodurch der Blutzuckerspiegel weniger stark ansteigt. Schädlich sind dagegen Weißmehlprodukte, zuckerhaltige Süßigkeiten sowie kalorienreiche Fruchtsäfte und Limonaden, die alle viel zu schnell ins Blut gehen. Zur Vorbeugung sollten Schwangere auch auf moderate Bewegung setzen, um ihren Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht zu bekommen. „Hilft das alles nichts, wird der Facharzt eine Therapie mit Insulin verordnen“, sagt Dr. Dankhoff.

Therapie

Die Therapie eines Schwangerschaftsdiabetes ist übersichtlich:

  • bessere Ernährung
  • mehr Bewegung
  • Insulin, falls die beiden ersten Maßnahmen nicht greifen

Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes

Viele Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sind übergewichtig (BMI über 27). Vor allem sie sollten ihre Ernährungsgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Hier finden Sie Tipps, um dauerhaft abzunehmen.

  • Trinken Sie zuckerhaltige Getränke wie Limonaden oder Säfte? Diese enthalten viele leere Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen. Die bessere Wahl sind kalorienarme Getränke wie Wasser und ungesüßte Kräutertees.
  • Gönnen Sie sich wenig Obst, Salat, Gemüse? Dann fehlen dem Stoffwechsel Ballaststoffe
  • Ideal ist eine Ernährung mit komplexen Kohlenhydraten (etwa in Vollkornreis und Vollkornbot). Die werden langsamer aufgenommen, der Insulinspiegel bleibt konstanter
  • Mit einem Diabetologen und einer Diätberaterin sollte man über Kalorienberechnung und einen genauen Speiseplan sprechen; solche Maßnahmen übernimmt die DAK-Gesundheit.

Medikamente bei Schwangerschaftsdiabetes

Blutzuckersenkende Tabletten (orale Antidiabetika) werden zur Behandlung eines Diabetes in der Schwangerschaft nicht verordnet: Sie könnten die Gesundheit des Kindes gefährden. Bringen Ernährungsumstellung und Bewegung nichts, müssen Schwangere sich ein kurzwirksames Insulin vor den Mahlzeiten unter die Haut spritzen, um überschießende Blutzuckerspiegel zu verhindern. Selten ist ein lang wirksames Insulin nötig, das morgens nach dem Aufstehen zugeführt wird. Um die richtige Insulinmenge zu ermitteln, werden betroffene Frauen umfassend geschult.

Leistungen der DAK-Gesundheit

Zu den Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere gehört ein spezielles Diabetes-Screening: Da die Frauen ihre Stoffwechselstörung meist nicht selbst erkennen, führt der Gynäkologe in der Regel ab der 24. Schwangerschaftswoche (bei Risikopatientinnen mit einem BMI über 27 früher) ein bis zwei Glukosetoleranz-Tests durch. Einen ersten Hinweis gibt der „Such-Test“: Schwangere schlucken einen Mix aus 50 g Traubenzucker und 200 ml Wasser. Liegt der Glucosewert im Blut eine Stunde später bei über 140 mg/dl, deutet das auf einen Schwangerschaftsdiabetes hin. Die Prozedur wird mit einer anderen Glukose-Mischung wiederholt (75 g auf 300 ml Wasser auf nüchternen Magen) und das Blut mehrmals untersucht.

Die DAK-Gesundheit hilft bei der Vorbeugung

Werdende Mütter, die aufgrund von Übergewicht, einem bewegungsarmen Alltag oder Diabeteserkrankungen in der Familie befürchten, an Schwangerschaftsdiabetes erkranken zu können, sollten ihren Frauenarzt darauf ansprechen.

Allgemeine Tipps zu einem ausgewogenen Speiseplan finden Sie in unserer Ernährungs-Rubrik.

Um abzunehmen, spielt auch Bewegung eine große Rolle. Hier finden Sie viele Tipps zum Thema Bewegung und Sport

Wer sich in Sachen Ernährung individuell beraten lassen möchte, kann das in einem unserer Präventionskurse tun.

Zuletzt aktualisiert:
Wed Aug 31 09:51:01 CEST 2016
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