Scheidenpilz ist kein Grund zur Scham und Sorge, denn er lässt sich in der Regel problemlos behandeln.

Scheidenpilz: Ursachen und Behandlung

Hier gibt DAK-Ärztin Dr. Susanne Bleich Tipps, wie Sie der unangenehmen Entzündung vorbeugen können und was hilft, wenn es Sie doch erwischt hat

Scheidenpilz: Diese Diagnose ist kein Grund zur Panik oder Scham! Denn Scheidenpilz ist in den meisten Fällen keine schwerwiegende Erkrankung. Und obwohl keine Frau gerne darüber spricht, kommt Scheidenpilz gar nicht selten vor.

Was ist ein Scheidenpilz?

Der Scheidenpilz ist eine Entzündung der Scheidenschleimhaut und der Vulva, die durch Hefepilze ausgelöst wird. In der Regel sind die Erreger der Hefepilze bereits in der Scheide vorhanden. Sie lösen aber normalerweise keine Entzündung aus, weil die saure Scheidenflora, ihr pH-Wert liegt bei unter 4,5, das Wachstum hemmt. „Zu einer Entzündung und einem Scheidenpilz kommt es erst dann, wenn das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht gerät“, erklärt DAK-Ärztin Dr. Susanne Bleich. Umstände, die einen Ausbruch begünstigen können, sind zum Beispiel:

  • ein geschwächtes Immunsystem aufgrund von Infekten, einer Schwangerschaft oder Pilleneinnahme
  • die Einnahme einiger Antibiotika (beispielsweise gegen Blasenentzündung)
  • eine übermäßige Intimhygiene
  • synthetische und sehr eng anliegende Unterwäsche
  • eine große psychische Belastung.

Scheidenpilz erkennen und effektiv behandeln
DAK-Expertin Dr. Susanne Bleich erklärt, woher der Scheidenpilz kommt und was Sie tun können, um ihm vorzubeugen.

Dr. Susanne Bleich, Ärztin der DAK-Gesundheit

Ein Scheidenpilz ist meist schnell erkannt: der starke Juckreiz im Bereich der Scheide und der Vulva ist typisch für eine Infektion. Zusätzlich kann es zu einem weiß-gelblichen Ausfluss, Schwellungen und Rötungen der Scheide sowie zu Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr kommen.

Die meisten Frauen, die bereits mit einem Scheidenpilz zu kämpfen hatten, erkennen die Infektion schnell selbst und wissen, welche Anti-Pilz-Medikamente sie freiverkäuflich in der Apotheke erhalten und benötigen. Wer sich unsicher ist, sollte schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn die Beschwerden über einige Tage hinweg weiterhin anhalten. Mit einem Abstrich kann der Arzt feststellen, welcher Pilzerreger die Entzündung ausgelöst hat und welches Anti-Pilz-Medikament benötigt wird.

Die Anti-Pilz-Medikamente gibt es in Form von Zäpfchen, Tabletten oder Cremes zur inneren und äußeren Anwendung. Die Behandlung dauert in der Regel ein bis drei Tage, je nach Erreger und der Schwere der Entzündung. Es gibt aber auch einen chronischen Scheidenpilz, bei dem die Behandlung in Abstimmung mit Ihrem Arzt über mehrere Monate andauert.

Richtige Ernährung und Intimpflege bei Pilzinfektion

Sowohl während einer akuten Pilzinfektion als auch zur Vorbeugung kann die richtige Intimpflege eine Rolle spielen. DAK-Medizinerin Dr. Susanne Bleich empfiehlt: „Im Genitalbereich sollte generell nur pH-neutrale Seife verwendet und die Haut regelmäßig eingefettet werden. Auch die Wahl luftdurchlässiger Unterwäsche ist eine gute vorbeugende Maßnahme, um ein möglichst trockenes Milieu zu schaffen, in dem sich Pilze nicht wohl fühlen“. Ebenso werden Sitzbäder mit Kamille als Hausmittel oft mit Erfolg angewendet. Nicht sicher nachgewiesen ist jedoch die Annahme, dass eine zuckerarme Ernährung bei der Bekämpfung des Scheidenpilzes sinnvoll ist.

Hilft Joghurt gegen Scheidenpilz?

Viele Frauen kennen das „altbewährte“ Hausmittel, einen Tampon mit Joghurt gegen die Pilzinfektion einzusetzen. Angeblich sollen die Milchsäure-Bakterien im Joghurt dabei helfen, die Balance in der Scheidenflora wiederherzustellen. Aber hilft es wirklich? Nein, bewiesen ist das nicht und empfehlenswert leider auch nicht. Denn zum einen enthält handelsüblicher Natur-Joghurt nicht nur Milchsäure-Bakterien, sondern auch viele chemische Zusatzstoffe, die nicht ins Scheidenmilieu geraten sollten. Außerdem ist die Wirkung von Milchsäure-Bakterien im Zusammenhang mit Scheidenpilz umstritten und auch das Einführen des Tampons kann unter Umständen eher zu zusätzlichen Reizungen als zur Linderung führen. Verzichten Sie daher bei einer Scheidenpilzinfektion lieber auf Hausmittel und greifen stattdessen auf ein Anti-Pilz-Medikament aus der Apotheke zurück.

Kann ich meinen Partner mit dem Scheidenpilz anstecken?

Auch wenn der Penis des Mannes eher trocken ist und der Pilz zur Ausbreitung eine feuchte und warme Umgebung bevorzugt, ist eine Übertragung des Scheidenpilzes auf den Partner möglich. Ob deshalb auch eine Mitbehandlung des Partners notwendig ist, sollte bei Bedarf vorher mit einem Arzt besprochen werden. Wer trotz der Pilzinfektion Geschlechtsverkehr mit dem Partner haben möchte, sollte ein Kondom verwenden. Eine Infektion des Partners kann dennoch nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. Am besten ist es daher, auf Geschlechtsverkehr zu verzichten und Handtücher nicht gemeinsam zu benutzen.

Scheidenpilz vorbeugen – so bleiben Sie untenrum gesund

Zu einer Scheidenpilz-Infektion muss es aber gar nicht erst kommen. Wer einige vorbeugende Maßnahmen berücksichtigt, der kann die Infektionsmöglichkeiten verringern:

  • Vermeiden Sie eine übermäßige Intimhygiene (zum Beispiel mit Intimsprays) und reinigen Sie nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten.
  • Tragen Sie keine sehr enganliegende und synthetische Kleidung oder Unterwäsche und wechseln Sie vor allem die Unterwäsche täglich.
  • Verwenden Sie während der Periode keine kunststoffbeschichteten Slip-Einlagen und benutzen Sie insbesondere in den letzten Tagen Ihrer Periode nur kleine Tampons.
  • Behalten Sie nasse Badekleidung nach dem Schwimmen nicht noch lange an, sondern wechseln Sie diese gegen trockene Kleidung.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Partner beim Geschlechtsverkehr ein Kondom verwendet.
  • Waschen Sie Handtücher und Wäsche während einer akuten Infektion täglich und verwenden Sie sie nicht zusammen mit Ihrem Partner. So schützen Sie nicht nur sich, sondern auch Ihren Partner vor einer Ansteckung an Ihrem Scheidenpilz.
Zurück zur Übersichtsseite

Zuletzt aktualisiert:
Fri Aug 12 13:14:59 CEST 2016

Weitere Informationen

Zum Seitenanfang