Honig kann für Babys gefährlich werden und zu Säuglingsbotulismus führen

Säuglingsbotulismus: Honig ist eine Gefahr für Babys

DAK-Gesundheit warnt davor, Säuglinge und Kleinstkinder mit Honig zu füttern

Säuglingsbotulismus – was ist das? Eine seltene Erkrankung, mit der sich Babys vor Vollendung des ersten Lebensjahres infizieren können.

Kaum zu glauben: Honig, der goldene Saft, der Wunder schafft, soll gefährlich sein? Immerhin wurden griechische Götter angeblich unsterblich dank Honig – und noch immer genießt Honig als Heilmittel wegen seiner guten Eigenschaften weitläufig einen guten Ruf. Für Säuglinge kann er allerdings lebensbedrohlich werden. Denn bei der Verarbeitung kommt es gelegentlich zu Verunreinigungen. Darum ist Honig im ersten Lebensjahr für Babys verboten.

Säuglingsbotulismus – zum Glück sehr selten


Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) treten Säuglingsbotulismus-Erkrankungen in Deutschland glücklicherweise sehr selten auf. Seit 2001 wurden in Deutschland 80 Fälle verzeichnet (Stand 2015). Umso schwerwiegender ist es, wenn ein Baby tatsächlich vom Säuglingsbotulismus betroffen ist. Dem RKI wurden im Zeitraum 2001 bis 2012 sechs Fälle von Säuglingsbotulismus gemeldet. Die Symptome sind nur schwer zu diagnostizieren.

Babys Darmflora ist noch zu schwach für schädliche Erreger


DAK-Ernährungsexpertin Silke Willms warnt vor der Gabe von Honig im ersten Lebensjahr

Ernährungsexpertin Silke Willms von der DAK-Gesundheit

In den ersten zwölf Lebensmonaten ist die menschliche Darmflora noch nicht ausgereift. „Darum haben Keime besonders leichtes Spiel, wenn sie in den Säuglingsdarm gelangen“, erklärt Silke Willms, Ernährungswissenschaftlerin der DAK-Gesundheit. Bakterium Clostridium botulinum heißt der gefährliche Missetäter, der im Honig vorkommen kann und der sich im kindlichen Darm rasant vermehrt und zu Verstopfungen führt. Dieses Bakterienwachstum führt zur Produktion von Botulinumgift, das schnell durch die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf übergeht. Von dort lähmt es nach und nach alle Muskeln. Der kleine Körper ist an Säuglingsbotulismus erkrankt.

Symptome des Säuglingsbotulismus: Darmstillstand und Muskellähmung


„Die Vergiftung führt zu einem Darmstillstand, kann jedoch auch eine Schlucklähmung oder Lähmungen der Augen, Arme, Beine oder der Atemmuskulatur verursachen“, zählt Willms die Symptome auf und ergänzt: „Auch eine ausbleibende Mimik oder Halteschwäche des Kopfes aufgrund einer gelähmten Nackenmuskulatur ist möglich.“ Im schlimmsten Fall führe das Bakterium sogar zum Tod des Babys. In Notfällen muss das Baby daher sofort intensivmedizinisch behandelt werden. Bleibende Schäden des Säuglings seien aber sehr wahrscheinlich.

Säuglingsbotulismus – die Diagnose ist schwer festzustellen


Tückisch ist die Diagnose: Von der Infektion mit dem Erreger bis zu den ersten Vergiftungserscheinungen des Säuglingsbotulismus vergehen zum Teil Tage bis Wochen. „Ein direkter Zusammenhang zwischen dem ursächlichem Lebensmittelverzehr und dem Krankheitsbild ist darum nur schwer festzustellen“, gibt Willms zu bedenken.

Fertigprodukte bergen keine Gefahr für Säuglingsbotulismus


Kommt Honig zum Beispiel in Breipulver oder im Saft vor, ist er unbedenklich: „Bei der Herstellung wurde das Produkt stark erhitzt, sodass mögliche Bakterien direkt abgetötet wurden“, klärt Willms auf. Sie betont jedoch, dass Babybrei-Pulver ohnehin überflüssig sei: „Diese Pulver enthalten viele Nicht-Nährstoffe wie zum Beispiel Honig, den Kinder einfach nicht brauchen.“
Das Bakterium Clostridium botulinum befindet sich zum Teil auch auf Früchten oder Gemüse. Die Bakterien können sich allerdings nur ohne Sauerstoff vermehren und das Gift bilden.

Die Bakterien im Honig sind für den Erwachsenendarm übrigens unschädlich, weil die Dosen viel zu gering sind. Die Warnung vor Säuglingsbotulismus gilt also nur für die Kleinen, die ohne Honig und andere Süßmacher im ersten Lebensjahr sowieso deutlich gesünder und sicherer heranwachsen.

Lesen Sie dazu auch unseren anderen Artikel zur Babyernährung oder unsere Broschüre „Babys erste Kost“.

Zuletzt aktualisiert:
Fri Sep 18 14:58:51 CEST 2015
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