Psychische Störungen sind ernsthafte Erkrankungen, die behandelt werden müssen

Psychische Störungen: Die Bedeutung psychischer Erkrankungen in Deutschland wächst

Wenn die Psyche streikt, bedeutet das meist Ausfalltage im Job

Psychische Störungen wie Depressionen, Angststörungen und Anpassungsstörungen treten bei immer mehr Menschen auf. Das hat gravierende Folgen für den Arbeitsmarkt, denn die Seelenleiden verursachen eine wachsende Zahl von Ausfalltagen: 2014 rangierten sie erstmals auf Platz zwei der Fehltage-Statistik der DAK-Gesundheit. Nur mit Rückenschmerzen oder anderen Muskel-Skelett-Erkrankungen blieben die Versicherten noch häufiger der Arbeit fern.

Psychische Störungen bitte nicht auf die leichte Schulter nehmen


DAK-Experte Dr. Hans-Peter Unger informiert zum Thema psychische Störungen

DAK-Experte Dr. Hans-Peter Unger warnt davor, psychische Störungen zu bagatellisieren

„Psychische Krisen sind keine Befindlichkeitsstörungen, sie können sich zu ernst zu nehmenden Krankheiten entwickeln“, sagt Dr. Hans-Peter Unger, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit, Asklepios Klinik Hamburg-Harburg, der die DAK-Auswertung fachlich begleitet hat. „Sie stellen nicht nur das Gesundheitssystem, sondern die ganze Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Vor allem Unternehmen müssen sich auf die Problematik psychischer Störungen einlassen und mit gezielter Prävention gegensteuern.“

WHO untersucht psychische Störungen

Dass der Leidensdruck der Betroffenen aufgrund psychischer Störungen hoch ist, belegt auch die „Burden of Disease-Studie“ der WHO. Im Vergleich der Volkskrankheiten in den Industrienationen verursachen Depressionen die meisten mit Beeinträchtigungen gelebten Lebensjahre – noch vor Demenz oder Diabetes. Der Grund: Psychische Erkrankungen sind häufig, sie dauern vergleichsweise lange an und die Lebensqualität ist stark beeinträchtigt. Laut WHO begehen eine Million Menschen pro Jahr Suizid.

Psychische Störungen – wer ist betroffen?

Bundesweit und kassenübergreifend haben das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im Jahr 2012 rund 60 Millionen Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert.

Fehltage aufgrund psychischer Störungen verdreifacht

Diagnosen wie Depressionen, Angststörungen und andere psychische Leiden verursachten im vergangenen Jahr knapp 17 Prozent aller Fehltage. Auf 100 DAK-Versicherte entfielen 237 Ausfalltage. Der Anstieg ist beispiellos, bei keiner anderen Krankheitsart gibt es eine vergleichbare Entwicklung: Seit 1997 hat sich die Anzahl der durch psychische Störungen verursachten Fehltage verdreifacht (209 Prozent).

Psychische Störungen: Betroffenenquote bei Frauen doppelt so hoch

2014 betrug die Betroffenenquote bei den psychischen Erkrankungen in Deutschland 4,9 Prozent. Das bedeutet, dass jeder 20. mindestens einmal mit einem psychischen Leiden krankgeschrieben war. Frauen waren mit 6,5 Prozent fast doppelt so häufig betroffen wie Männer (3,6 Prozent). Langwierig waren die Fälle bei beiden Geschlechtern. Im Schnitt dauerte eine Krankschreibung 35,1 Tage.

Psychische Störungen verursachen einen Anstieg der Fehltage

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gibt es einen deutlichen Anstieg bei den Fehltagen durch psychische Erkrankungen. Während im Jahr 1997 die Zahl der Ausfalltage pro hundert weibliche DAK-Versicherte 94 betrug, waren es 2014 bereits 303 Tage. Psychische Störungen hatten bei den Männern 1997 lediglich 62 Fehltage pro 100 Versicherte zur Folge – bis 2014 ist dieser Wert auf 181 Tage angestiegen. Trotz des unterschiedlichen Niveaus verläuft die Entwicklung bei beiden Geschlechtern also nahezu synchron.

Zuletzt aktualisiert:
Thu Nov 26 08:27:27 CET 2015
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