Adipositas OP: Manchmal ist für adipöse Menschen ein operativer Eingriff die einzige Chance auf Heilung

Adipositas OP: Die chirurgische Behandlung von Fettleibigkeit

Fettsucht bekämpfen mit der chirurgischen Therapie

Die chirurgische Therapie, also eine Operation, kann als Möglichkeit zur Gewichtsreduktion in Betracht gezogen werden, wenn die multimodale Therapie versagt. Das bedeutet, dass die kombinierte Behandlung aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie, trotz aktiver Mitarbeit des Patienten, nicht erfolgreich war.

Wann gilt die Therapie als erfolglos?

Laut den Regelungen in Deutschland gilt eine Therapie zum Beispiel als erfolglos, wenn ein Betroffener mit einem BMI zwischen 35 und 40 sein Gewicht nicht um mindestens zehn Prozent reduzieren konnte. Bei Erwachsenen mit einem BMI über 40 müssen mindestens 20 Prozent erreicht werden. Für einen 35-jährigen Mann (1,73 Meter groß und 120 kg schwer) wären das wenigstens 24 kg.

Entscheidungskriterien für eine Adipositas OP

Darüber hinaus gibt es weitere Kriterien zu berücksichtigen, um auszuschließen, dass eine Operation nicht zu langfristigen Komplikationen führt. So sollten unter anderem keine medizinischen oder psychologischen Einwände gegen eine adipositas-chirurgische Operation bestehen.

Ziel der OP

Die Entscheidung für oder gegen einen Eingriff trifft ein interprofessionelles Team, bestehend aus Hausarzt, Adipositas-Chirurgen und Therapeuten der multimodalen Therapie in enger Absprache mit den Betroffenen. Die Operation hat zum Ziel, Folgeerkrankungen zu lindern, dauerhaft das Gewicht zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Was passiert bei der Adipositas-Chirurgie?

Eines der bekanntesten Verfahren ist das Einsetzen eines verstellbaren Magenbands, wobei diese Methode nur noch selten durchgeführt wird. Andere Verfahren, wie die Schlauchmagenresektion und der Roux-en-Y-Magenbypass, finden weltweit am häufigsten Verwendung und sind nachweislich effektiver als die Magenbandoperation.

Schlauchmagen-Operation

Bei diesem Eingriff wird ein Teil des Magens entfernt. Zurück bleibt der restliche Magen in Schlauchform. Das Füllungsvermögen ist nach der OP deutlich geringer. Das hat zur Folge, dass das Sättigungsgefühl eher eintritt.

Magenballon

Bei diesem Verfahren wird ein leerer Ballon für maximal sechs Monate in den Magen eingesetzt, um das Magenvolumen zu reduzieren. Auf diese Weise tritt das Sättigungsgefühl früher ein, sodass die Patienten eher aufhören zu essen. Ist der Ballon eingeführt, wird er mit bis zu 700 ml Flüssigkeit oder Luft gefüllt. Dadurch ist er zu groß, um den Darmausgang zu passieren.

Einstellbares Magenband

In einigen Fällen entscheiden sich die Mediziner für ein einstellbares Silikonband mit Ballon, welches über einen Schlauch mit einem implantierten Port verbunden ist. Dieses Band wird um den oberen Teil des Magens gelegt und bildet eine Magentasche. Bei der Nahrungsaufnahme sammelt sich die Nahrung in der Magentasche und wird langsam in den unteren Magenbereich weitergeleitet. Auch bei diesem Verfahren entsteht so ein schneller eintretendes Sättigungsgefühl. (Quelle: IGES Weißbuch Adipositas)

Spezielle Adipositas OP: Roux-Y-Magen-Bypass (RYMBP)

Diese Technik gilt als besonders effektiv. Mediziner trennen einen Teil des Magens ab, sodass eine kleine Magentasche verbleibt, und verbinden ihn mit dem mittleren Dünndarm. Der restliche Teil vom Magen und das obere Stück Dünndarm sind funktionslos, bleiben jedoch im Bauchraum. Durch diesen Eingriff kann der Patient aufgrund des verringerten Magenvolumens nur noch kleine Portionen zu sich nehmen. Mit diesem Eingriff geht ein veränderter Hormonhaushalt einher, der mit dem Gewichtsverlust im Zusammenhang steht. Weiterer Vorteil: Da die Speisen weniger Darm durchlaufen, nimmt der Körper auch weniger Fett und Zucker aus der Nahrung auf. Das Verfahren eignet sich für Patienten, die schnell Gewicht verlieren wollen. Zusätzlich verringern sich bei diesem Eingriff früher Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Allerdings kann dieser Eingriff negative Nebenwirkungen zur Folge haben, wie Spätkomplikationen nach der OP oder einen dauerhaften Eisen-, Eiweiß- und Vitaminmangel.

Individuelle Faktoren bestimmen Verfahren

Jedes dieser Verfahren wirkt auf unterschiedliche Weise und kann daher nicht pauschal allen Patienten empfohlen werden. Die Auswahl hängt von verschiedenen Faktoren ab wie etwa Alter, BMI, Beruf, Begleiterkrankungen und Geschlecht der Patienten. Zudem birgt auch die Adipositas-Chirurgie wie jede Operation Risiken. Darum sind vor einem derartigen Schritt eine ausführliche Beratung und gegebenenfalls eine Zweitmeinung sinnvoll.

Wie verläuft die OP?

So unterschiedlich die OP-Verfahren sind, zeichnen sie sich jedoch alle durch eine Gemeinsamkeit aus: Jedes der Verfahren wird minimalinvasiv durchgeführt. Dabei werden über mehrere kleine Schnitte in der Bauchwand hohle, rohrförmige Arbeitskanäle in die Bauchhöhle geschoben, über die der Chirurg seine Instrumente führen kann.

Und nach der Adipositas Operation?

Eine OP verlangt im Nachgang eine radikale Umstellung des persönlichen Essverhaltens und vieler Lebensgewohnheiten. Die Betroffenen sollten sich klar sein: Adipositas-Operationen machen nicht von selbst schlank. Sie spielen aber eine wichtige Rolle bei den Bemühungen, Begleiterkrankungen zu lindern und langfristig Gewicht zu reduzieren.

Lebensgewohnheiten anpassen

Der Erfolg der Operation hängt wesentlich davon ab, dass die Betroffenen ihren Lebensstil entsprechend anpassen. Dazu gehören vor allem eine konsequente Ernährungsumstellung und häufig die dauerhafte regelmäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, wie beispielsweise Vitaminen. Auch ausreichend Bewegung und die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensgewohnheiten im Allgemeinen sind unerlässliche Voraussetzungen, um ein langfristig positives Ergebnis zu erzielen. Daher ist bei einer Adipositas OP eine lebenslange Nachsorge wesentlich für den langfristigen Therapieerfolg.

Zuletzt aktualisiert:
Fri Sep 23 08:39:12 CEST 2016
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