Leukämie wird auch als Blutkrebs bezeichnet

Leukämie erkennen und behandeln

Alles über die verschiedenen Arten von Blutkrebs

Leukämie erkennen kann Leben retten – doch was ist Leukämie überhaupt? Hinter dem Begriff (umgangssprachlich „Blutkrebs“, übersetzt „weißes Blut“) steht eine ganze Gruppe von Krebserkrankungen, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Pro Jahr wird in Deutschland bei über 11.400 Menschen Leukämie diagnostiziert. Fast drei Viertel der Leukämiepatienten sind bei der Diagnose über 60 Jahre alt. Männer trifft es etwas häufiger als Frauen.

Wissens­wertes

Leukämie erkennen: Blutbildendes oder lymphatisches System?
 

Eine Leukämie erkennen die Ärzte durch viel zu viele weiße Blutkörperchen im Blut – davon hat mancher schon gehört. Tatsächlich betrifft das aber nur einen Teil der Patienten, nicht jede Leukämie ist so im Blutbild erkennbar. Die Anzahl der Leukozyten im Blutbild kann bei Leukämie sogar erniedrigt sein. Leukämie, obwohl das Blutbild in Ordnung ist? Auch das kommt vor. Leukämie fasst als Oberbegriff bösartige Erkrankungen des blutbildenden (myeloischen) und des lymphatischen Systems zusammen. Betroffen ist also entweder das Knochenmark oder aber das System aus Lymphknoten, Milz, Thymusdrüse, Rachen- und Gaumenmandeln.

Leukämie erkennen: Akut oder chronisch?
 

Je nach Verlauf unterscheidet man akute und chronische Leukämien. Ohne Behandlung führt akute Leukämie oftmals in wenigen Wochen bis Monaten zum Tod. Ansonsten hängen die Chancen bei akuter Leukämie von Faktoren wie dem Alter des Betroffenen und den genetischen Eigenschaften der betroffenen Zellen ab. Wenn die Ärzte bei Kindern Leukämie erkennen, ist das ein Schock für die Familie, die Heilungschancen sind aber deutlich besser als wenn bei Erwachsenen aus Anzeichen für akute Leukämie Gewissheit wird. Chronische Leukämien verlaufen meist über Jahre und beginnen schleichend. 

Die vier wichtigsten Leukämieformen
 

Für Behandlung und Heilungschancen einer Leukämie macht es einen großen Unterschied, an welcher Form der Erkrankung man leidet: 

  • Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste akute Leukämie im Erwachsenenalter. Im Schnitt sind Patienten bei der Diagnose 62 Jahre alt.
  • Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste bösartige Erkrankung bei Kindern, kann aber auch Erwachsene treffen, vor allem nach dem 60. Lebensjahr.
  • Die chronische myeloische Leukämie (CML) betrifft überwiegend Erwachsene, etwa zehn Prozent der Patienten sind jünger als 35 Jahre.
  • Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) tritt meist im Alter auf, fast die Hälfte der Patienten ist über 75. In der Regel schreitet eine unbehandelte CLL so langsam fort, dass viele nicht an, sondern mit der Erkrankung sterben.

Leukämie erkennen: Blutbild und erste Symptome
 

Die Anzeichen einer akuten Leukämie sind vielfältig. Die Erkrankung kann aus völliger Gesundheit heraus entstehen. Mögliche Symptome sind: 

  • Blässe, Schwäche, Müdigkeit, Atemnot
  • Blutungsneigung, gehäuftes Nasenbluten, Zahnfleischentzündung
  • auch spontane blaue Flecken können Leukämie-Anzeichen sein
  • Anfälligkeit für Infektionen, besonders für bakterielle Erkrankungen und Pilzinfektionen
  • geschwollene Lymphknoten, Milz- und Lebervergrößerung
  • Knochenschmerzen
  • Gewichts- und Appetitverlust
  • Nachtschweiß 

Was auf eine chronische Leukämie hinweisen kann
 

Chronische Leukämien werden oft per Zufall bei einer Routineuntersuchung festgestellt, weil entsprechende Werte im Blutbild auf Leukämie hindeuten beziehungsweise ein typisches Leukämie-Blutbild festgestellt wird. Erste spürbare Anzeichen können sein: 

  • allgemeine Krankheitssymptome wie Unwohlsein, Müdigkeit, Leistungsminderung
  • Milz- und Lymphknotenschwellungen, letztere besonders bei chronischer lymphatischer Leukämie
  • Infektionen, Fieber
  • Gewichts- und Appetitverlust
  • Nachtschweiß
  • Juckreiz, Ausschläge 

Im fortgeschrittenen Stadium kommt es auch bei chronischen Leukämien zu Blutarmut (Anämie), die sich durch Schwäche, Blässe und Atemnot äußern kann, häufigerem Nasenbluten oder vermehrt blauen Flecken. 

Was steigert das Leukämie-Risiko?
 

Normalerweise werden aus den Stammzellen des Knochenmarks über Zwischenstufen reife weiße Blutkörperchen gebildet. Zu Leukämie kommt es, wenn dem Organismus dabei ein Fehler unterläuft. Gerade bei akuter Leukämie sind die Ursachen meist unklar. Folgende mögliche Auslöser werden diskutiert: 

  • chemische Substanzen (Benzol, Pestizide, Asbest)
  • eine vorangegangene Chemotherapie aufgrund einer anderen Erkrankung
  • Röntgenstrahlen, radioaktive Strahlung
  • verschiedene Viren
  • genetische Vorbelastung
  • psychische Faktoren 

An akuter myeloischer Leukämie erkranken besonders häufig Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21). Für chronische lymphatische Leukämie ist auch das Alter ein Risikofaktor.

Diagnose

Leukämie: Diagnose per Blutbild
 

Um eine Leukämie zu erkennen, tastet der Arzt nach einem ausführlichen Gespräch über Beschwerden und mögliche Risikofaktoren zunächst Lymphknoten, Milz und Leber ab. Unverzichtbar ist eine Blutuntersuchung: Eine sogenannte Verdachtsdiagnose lässt sich bei Leukämie häufig bereits durch ein kleines Blutbild und ein Differentialblutbild erkennen. Zur exakten Diagnose und um die Leukämie genauer bestimmen zu können, folgt eine Knochenmarkpunktion. 

Leukämie durch eine Knochenmarkpunktion erkennen?
 

Leukämie oder nicht? Zum Beantworten dieser Frage reicht die Diagnose per Blutbild oft nicht aus. Deshalb entnimmt der Arzt unter örtlicher Betäubung Knochenmark, meist aus dem Beckenkamm. Bei Kindern kann eine leichte Narkose sinnvoll sein. Die gewonnenen Leukämiezellen helfen den Medizinern auch, das Rückfallrisiko abzuschätzen und die Behandlung der Leukämie individuell zu planen. Bei chronischer lymphatischer Leukämie ist eine Knochenmarkuntersuchung nicht immer sofort nötig, kann jedoch im Krankheitsverlauf erforderlich werden. 

Weitere Untersuchungen
 

Haben die Leukämiezellen bereits innere Organe befallen? Um die Ausbreitung einer Leukämie zu erkennen, werden Patienten per Ultraschall (Sonografie), Röntgenuntersuchung und gegebenenfalls Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) buchstäblich durchleuchtet. Zudem werden die Funktion der Organe und die Blutgerinnung überprüft. Ob die Hirnhäute befallen sind, wird durch eine Untersuchung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit ermittelt. Um diese zu gewinnen, sticht ein erfahrener Arzt den Rückenmarkskanal in Höhe der Lendenwirbelsäule mit einer kleinen Hohlnadel an (Lumbalpunktion) – wenige aufgefangene Tropfen genügen.

Therapie

Leukämie erkennen und therapieren
 

Wer an Leukämie erkrankt ist, erhält meist eine intensive Chemotherapie, die sich in drei Blöcke gliedert: Induktionschemotherapie, Konsolidierungstherapie und Erhaltungstherapie. Flankiert wird die Chemotherapie beispielsweise mit Transfusionen von roten Blutkörperchen und Blutplättchen, der Gabe von Antibiotika, Mitteln gegen Pilzinfektionen sowie Wachstumsfaktoren für weiße Blutkörperchen. 

Leukämie behandeln und besiegen per Knochenmarktransplantation
 

Auch Hochdosistherapien mit einer Transplantation eigener Stammzellen des Patienten (autolog) sowie die Transplantation von Knochenmark oder Stammzellen eines Spenders (allogen) werden bei Leukämie eingesetzt, letztere insbesondere bei Rückfällen. Damit der Körper die fremden Zellen nicht abstößt, muss vor einer Transplantation das Immunsystem unterdrückt werden. Daher ist das gesamte Verfahren für den Patienten sehr belastend und risikoreich. Seltener wird bei Leukämie die Strahlentherapie genutzt. Darüber hinaus gibt es neue Therapiemöglichkeiten durch den Einsatz von sogenannten monoklonalen Antikörpern und neuen Medikamenten.

Auf die Form der Leukämie kommt es an
 

Entscheidend für die Therapieplanung ist, welche Form der Leukämie die Ärzte erkennen. Eine akute Leukämie sollte so rasch wie möglich behandelt werden, da sich der Zustand des Patienten rapide verschlechtern kann. Dazu sollte eine Klinik gewählt werden, die sich mit der Therapie von Leukämien gut auskennt. Die Intensität der Therapie hängt vom zu erwartenden Rückfallrisiko ab. Bei der chronischen lymphatischen Leukämie, die überwiegend im Alter auftritt, folgt auf die Diagnose nicht zwingend gleich eine Therapie, auch eine gezielte Überwachung ist möglich („Watch and Wait“-Strategie).

DAK-Gesundheit

Die DAK-Gesundheit begleitet Sie durch Ihre Leukämie-Behandlung

Leukämie erkennen ist nur der Anfang: In welche Klinik gehe ich? Wie ist das mit dem Krankengeld? Die DAK-Gesundheit hilft Ihnen bei diesen und vielen weiteren Fragen, die nach der Diagnose Leukämie und im Verlauf von Therapie und Rehabilitation möglicherweise aufkommen. Unser Versorgungsmanagement unterstützt Sie gerne – setzen Sie sich einfach mit Ihrem Gesundheitsberater vor Ort in Verbindung.

Zuletzt aktualisiert:
Mon Oct 12 13:02:20 CEST 2015

Zum Seitenanfang