Künstlicher Darmausgang: Ein Leben mit Stoma

Künstlicher Darmausgang: Leben mit einem Stoma

Wissenswertes und Tipps zum richtigen Umgang

Ein künstlicher Darmausgang kann bei schweren Erkrankungen des Darms zeitweise oder auch dauerhaft notwendig werden. Wird ein sogenanntes Stoma eingesetzt, bedeutet das eine enorme Lebensumstellung für den Patienten und auch für die Angehörigen. In Deutschland leben nach der Gesundheitsberichterstattung Bund etwa 100.000 Menschen mit einem solchen künstlichen Ausgang, bei dem der Darm nach außen geleitet wird. Unser DAK-Experte Dr. Mark Dankhoff erklärt, wie ein Stoma funktioniert und wie Sie damit umgehen sollten. 

Was ist ein Stoma?

Das Wort „Stoma“ bezeichnet jede operativ angelegte Verbindung vom Körperinneren zur Körperoberfläche. Es gibt verschiedene Arten, wie beispielsweise das Urostoma aus der Harnblase. Im Alltag verwenden wir den Begriff Stoma aber meist als Synonym für den künstlichen Darmausgang. Dr. Mark Dankhoff erklärt: „Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Darmkrebs ist der Darm oft so stark erkrankt, dass Teile des Darms bei Operationen verlegt oder entfernt werden müssen. Damit die Nahrungsreste den Körper dennoch verlassen können, muss dann ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.“ Es wird unterschieden zwischen Ileostoma und Kolostoma. Das Ileostoma mündet vom Dünndarm nach außen, während das Kolostoma vom Dickdarm aus durch die Bauchdecke führt. 

Wann ist ein künstlicher Darmausgang nötig?

Durch tief sitzende Tumore kann es vorkommen, dass Teile des Schließmuskels entfernt werden müssen. Der Schließmuskel sorgt dafür, dass der Stuhl im Darm zurückgehalten wird. Muss der Schließmuskel allerdings entfernt werden, kann der Stuhl unkontrolliert aus dem Darm hinauslaufen. Um das zu vermeiden, wird der Anus operativ verschlossen und der Darm auf die Bauchdecke herausgeleitet. Ein künstlicher Darmausgang kann aber auch nur vorübergehend benötigt werden. Wenn durch Operationen am Darm Narben gesetzt werden, welche zunächst nicht stark belastet werden sollen, kann ein künstlicher Ausgang während der Heilungszeit eingesetzt werden. So kann ein Nahtbruch verhindert werden. Nach der Heilung wird der künstliche Darmausgang dann wieder verschlossen. 

Wie funktioniert ein Stoma?

An den künstlich gesetzten Darmausgang wird an der Austrittsstelle ein geruchsdichter Auffangbeutel platziert, der den Stuhlgang auffängt. Dieser Beutel kann vom Patienten oder den Angehörigen nach vorheriger Anleitung selbst geleert werden. Damit kein Stuhl austritt, ist der Auffangbeutel mit einer Hautschutzplatte verschweißt, welche auf die Haut geklebt wird. Es gibt auch die Möglichkeit, die Bauchdeckenöffnung mit einer Klappe zu verschließen. Bei dieser Variante wird der Darm einmal am Tag mit einer speziellen Spülflüssigkeit geleert. 

Stoma richtig reinigen
DAK-Arzt Dr. Dankhoff erzählt Wissenswertes zum künstlichen Darmausgang

Medizin-Experte Dr. Mark Dankhoff von der DAK-Gesundheit


„Der wichtigste Punkte bei der Reinigung des künstlichen Darmausgangs ist die Hautpflege“, erklärt DAK-Experte Dr. Dankhoff. „Die schonendste und sicherste Variante ist die Reinigung mit klarem Wasser.“ Andere Produkte oder Feuchttücher wirken nachfettend auf die Haut und führen dazu, dass die Hautschutzplatte nicht fest genug auf der Haut klebt. Zur Entfernung der Klebereste können spezielle Pflasterentferner verwendet werden. Dr. Dankhoff merkt zudem an, dass Waschlappen oder Schwämme nicht zur Reinigung geeignet sind, da sich dort zu leicht Keime bilden können. „Einmal-Waschlappen oder Kompressen sind besser geeignet“, so der Mediziner. Nach der Reinigung sollten Sie die Haut an der Luft trocknen lassen, damit die neue Hautschutzplatte gut und dicht klebt. 

Ernährung bei künstlichem Darmausgang

Eine spezielle Ernährungsumstellung ist bei einem künstlichen Darmausgang nicht notwendig. Jeder Patient sollte allerdings selbst beobachten, welche Dinge er verträgt und auf welche er schlecht reagiert. Der Tipp von Dr. Dankhoff: „Ein Ernährungsprotokoll kann Ihnen am Anfang dabei helfen, einen Überblick zu bekommen, wie Sie auf welche Nahrungsmittel reagieren.“ Kleine, regelmäßige Mahlzeiten, gutes Kauen und ausreichend Flüssigkeit sind auch für Stomapatienten für eine geregelte Verdauung wichtig. 

Sport machen mit künstlichem Darmausgang

Stomapatienten müssen nicht auf Sport verzichten. Sie sollten jedoch darauf achten, dass die Stomaversorgung gut sitzt, damit kein Stuhl austreten kann. Besonders, wenn man zum Schwitzen neigt, kann es sein, dass sich der Kleber ungewollt löst. Damit ein sicherer Halt der Versorgung gewährleistet ist, gibt es spezielle Gürtel, die so zusätzlich einen Sichtschutz bieten. Selbst das Schwimmen mit Stoma ist dadurch möglich. Lediglich Kampfsportarten oder Sport mit starker Beanspruchung der Bauchmuskulatur sind aufgrund der Bruchgefahr der Konstruktion nicht zu empfehlen.

Zuletzt aktualisiert:
Mon May 30 14:16:14 CEST 2016

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