Histaminintoleranz kann nach dem Genuss von Rotwein und gereiftem Käse zu Hautausschlag führen

Histaminintoleranz: Wenn Käse und Rotwein krank machen

Symptome und Diagnose der Lebensmittelunverträglichkeit

Histaminintoleranz: Würde man Lebensmittelunverträglichkeiten bestimmten Tieren zuordnen, so wäre das Chamäleon die erste Wahl. Wohl kaum eine andere Lebensmittelunverträglichkeit weist so viele Symptome auf wie die des Histamins. Besonders tückisch: Die Histamin-Unverträglichkeit lässt sich nur schwer diagnostizieren – und eine einheitliche Vorgehensweise zum Befund fehlt bislang.

Symptome einer Histaminintoleranz


Betroffene klagen häufig über Magen-Darm-Beschwerden wie beispielsweise Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen und Übelkeit nach den Mahlzeiten. Weitere Folgen der Histaminintoleranz können Hautrötungen im Gesicht, eine laufende Nase, Schwindel aufgrund eines abfallenden Blutdrucks und Herzrasen ein. Selbst Migräne-Anfälle soll die Histamin-Unverträglichkeit auslösen können.

Was ist Histamin?


DAK-Ernährungsexpertin Silke Willms informiert zur Histaminintoleranz

Ernährungexpertin Silke Willms von der DAK-Gesundheit

Histamin ist der Gruppe der biogenen Amine zugehörig. Das sind natürliche Stoffe, die bei der Reifung von Lebensmitteln entstehen. Darum kommen die biogenen Amine vor allem in Rotwein, gereiftem Käse, gereifter Wurst, Schinken oder Sauerkraut vor. Biogen bedeutet, dass an der Lebensmittelreifung Bakterien beteiligt sind. Andererseits werden biogene Amine von unserem Körper auch selbst produziert. Sie unterstützen nämlich bestimmte Körperfunktionen. DAK-Expertin Silke Willms erklärt: „Stellen Sie sich Histamine wie kleine Dienstboten im Körper vor. Sie haben Einfluss auf den Blutdruck, kurbeln die Darmbewegung und Magensaftproduktion an und regulieren den Schlaf-Wach-Rhythmus“. Sind die Dienstboten mit ihrem Job fertig oder gibt es zu viele von ihnen, werden sie zum Beispiel im Dünndarm von einem Enzym namens Diamonioxidase abgebaut.

Was ist eine Histaminintoleranz und was passiert dabei eigentlich im Körper?


Histaminintoleranz bedeutet, dass der Körper Histamin anscheinend nicht gut oder schnell genug abbauen kann. Es kommt zu einem Ungleichgewicht zwischen der Bildung, der Aufnahme und dem Abbau von Histamin. Eine noch immer diskutierte These ist, dass das eben beschriebene Enzym zum Histamin-Abbau bei Betroffenen nicht ausreichend vorhanden ist. Was genau im Körper passiert oder nicht passiert, ist noch nicht endgültig erforscht.

Histaminintoleranz: Diagnose eines stark umstrittenen Krankheitsbildes


An der Histamin-Unverträglichkeit scheiden sich die Geister. Diverse Mediziner zweifeln an der Histaminintoleranz als Krankheit, wogegen andere selbst geringste Symptome als Anzeichen der Unverträglichkeit deuten. Gerade weil noch nicht genau bekannt ist, was bei einer Histaminintoleranz im Körper passiert, gibt es auch noch kein genau definiertes Verfahren, um die Unverträglichkeit festzustellen.

Hilfe für Betroffene: Was tun bei Verdacht auf Histaminintoleranz?


Wenn Sie befürchten, an einer Intoleranz zu leiden, suchen Sie einen Mediziner auf, der sich mit dem Krankheitsbild auskennt. An dieser Stelle hilft Ihnen das umfassende Beratungsangebot der DAK-Gesundheit weiter, wie zum Beispiel die Hotline zu den Medizinexperten. Ein Hinweis von Silke Willms: „Die DAK-Gesundheit beteiligt sich an den Kosten einer Ernährungsberatung zum Umgang mit einer Histaminintoleranz.“ Kommt der Mediziner zu dem Ergebnis, es könnte eine Unverträglichkeit vorliegen, bitten Sie ihn um eine sogenannte Notwendigkeitsbescheinigung. Reichen Sie diese bei der Krankenkasse ein und lassen Sie sich den Zuschuss bestätigen. Danach können Sie eine Ernährungsberatungsstelle aufsuchen, die bereits Erfahrung mit der Behandlung einer Histamin-Unverträglichkeit hat.

Ernährungsumstellung in drei Stufen hilft bei Histaminintoleranz


1. Stufe: Die Ernährungsberater stellen dem Patienten für eine gewisse Zeit einen neuen Speiseplan zusammen. Bleiben die Symptome erhalten, ist sehr wahrscheinlich eine andere Ursache als die Histaminintoleranz für die Beschwerden verantwortlich.
2. Stufe: Lassen die Symptome nach, leiten die Experten eine Testphase ein, in der schrittweise histaminhaltige Lebensmittel wieder eingeführt werden.
3. Stufe: In der letzten Phase legen die Ernährungsberater in Zusammenarbeit mit dem Patienten die individuell verträgliche Histaminmenge fest. Während dieser ganzen Zeit führt der Patient ein Symptomtagebuch über sechs bis acht Wochen.

Auf welche Lebensmittel muss bei Histaminintoleranz verzichtet werden?

Die Frage, was bei Histaminintoleranz gemieden werden sollte, ist nicht so leicht zu beantworten, da der Histamingehalt der Lebensmittel je nach Reifungsgrad schwankt. „Generell sollten Betroffene eine histaminarme Ernährung vorziehen und diese mit einem Ernährungswissenschaftler abstimmen“, sagt Willms. Die Expertin weist auf einige Beispiele hin, bei denen Sie vorsichtig sein sollten:

  • Wenig Alkohol: Alkohol kann den Abbau von Histamin und anderen Biogenen behindern. Weinliebhaber sollten lieber weißen als roten Wein trinken.
  • Sauerkraut
  • Auberginen, Spinat, Tomaten, Tomatenmark, Tomatensaft
  • Überreife Bananen, Erdbeeren, Orangen
  • Hartkäse weglassen, besser wenig gereifte Käsesorten wie Butterkäse oder Streichkäse verwenden.
  • Geräucherte und gepökelte Lebensmittel. Also zum Beispiel besser Fleischwurst als Salami wählen.
  • Fischverzehr: Bitte frischen oder tiefgekühlten Fisch verwenden. Sorten wie Sardelle, Thunfisch, Hering oder Makrele eher meiden.

Generell gilt bei Histaminintoleranz: Lebensmittel schnell verzehren, wenn sie noch frisch sind. Bleiben sie länger liegen, steigt der Gehalt an biogenen Aminen.

Bitte beachten Sie, dass diese Liste nicht vollständig ist. Die Lebensmittel können innerhalb der Toleranzgrenze durchaus vertragen werden.

Zuletzt aktualisiert:
Wed Aug 24 13:21:08 CEST 2016

Zum Seitenanfang