Wenn die Pollen kommen: Immer mehr Menschen leiden unter Heuschnupfen.

Heuschnupfen: Ursachen, Behandlung und Tipps

Wenn allergischer Schnupfen Saison hat

Sobald es im Frühjahr zu blühen beginnt, ist für Millionen von Menschen die Zeit des Heuschnupfens gekommen. Aber: Sich mit einem Jahresvorrat Taschentücher hinter verschlossenen Türen und Fenstern einzuigeln, muss nicht sein – Medikamente und Therapien können helfen, trotz Heuschnupfens das Leben im Freien zu genießen.

Heuschnupfen: Ursachen

Auslöser von Heuschnupfen kann eine Allergie gegen Hasel-, Erlen-, Ulmen-, Weiden-, Gräser- und viele anderen Pollen sein. Heuschnupfen entsteht auf dieselbe Weise wie andere Allergien: So bestehen Pollen aus vielen verschiedenen Eiweißen, die der Körper normalerweise als harmlos erkennt. Bei überempfindlichen Menschen lässt sich das Immunsystem aber täuschen und geht von Krankheitserregern aus. Um sie zu bekämpfen, rüstet es mit Antikörpern auf, die beim nächsten Kontakt mit dem Allergen freigesetzt werden. Das wiederum ruft die so genannten Mastzellen auf den Plan. Sie setzen große Mengen des Botenstoffes Histamin frei, was in Minutenschnelle allergische Symptome auslöst.

Heuschnupfen: Symptome

Die häufigsten Merkmale eines Heuschnupfens sind Niesattacken, tränende Augen und eine laufende Nase – ausgelöst durch umherfliegende Baum- und Gräserpollen. Bei einigen Betroffenen treten auch Entzündungen und Schwellungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich auf. Gefährlich wird es, wenn Husten und Atemnot hinzukommen und sich die Pollenallergie auf die Bronchien ausdehnt. Bleibt Heuschnupfen über einen längeren Zeitraum unbehandelt, kann er Asthma auslösen.

Heuschnupfen: Diagnose

Der Pricktest ermittelt die Allergene, auf die der Körper allergisch reagiert.

Für das Stellen der Diagnose sind Sie am besten bei einem Allergologen aufgehoben. Meist haben Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oder Hautärzte diese zusätzliche Fachqualifikation in Allergologie. Der Arzt erkundigt sich bei Ihnen zunächst nach Art, Dauer und Häufigkeit der Beschwerden und erfragt Zusammenhänge mit der Jahreszeit. Danach erfolgt der Pricktest: Dabei werden verschiedene allergieauslösende Stoffe in flüssiger Form auf die Unterarme getropft und die Haut wird mit einer feinen Nadel ganz oberflächlich angestochen. Nach 20 Minuten zeigt eine Schwellung und Rötung eine Allergie an. Bei fraglichem Ergebnis kann der Arzt ein verdächtiges Allergen auch in die Nasenschleimhaut tropfen. Prompt eintretender Heuschnupfen ist dann der sichere Beweis.

Heuschnupfen: Therapie

Heuschnupfen ist eine ernstzunehmende chronische Erkrankung. Wird falsch oder gar nicht behandelt, besteht die Gefahr eines „Etagenwechsels‟: Wenn sich Heuschnupfenprobleme über Monate und Jahre hinziehen, können sie vom Nasen-Rachen-Raum in die Bronchien wandern und zum Asthma bronchiale werden.

Die Beschwerden eines Heuschnupfens lassen sich jedoch mit Medikamenten lindern. Sogenannte Mastzellstabilisatoren verhindern die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen. Damit sie wirken können, muss man sie bereits zwei Wochen vor der Pollensaison anwenden – am besten in Form von Augentropfen, Nasentropfen und Nasensprays.

Wenn Mastzellstabilisatoren nicht helfen, sind Antihistaminika das Mittel der Wahl. Sie schwächen die Wirkung des Histamins und kommen im Akutfall zum Einsatz, also wenn Augen und Nase bereits geschwollen sind. Histamin-Hemmer wirken als Spray, Tropfen oder in Tablettenform. Letztere helfen besonders bei Mehrfachallergien, können zum Teil aber etwas müde machen. Gut sind Antihistaminika der 2. Generation (etwa mit dem Wirkstoff Levocetirizin), da sie besonders nebenwirkungsarm sind und kaum müde machen. Für Heuschnupfen-Härtefälle gibt es außerdem Glukokortikoide, die Kortison enthalten. Kortisonpräparate gibt es sowohl als Nasenspray als auch in Tablettenform, beides muss allerdings vom Arzt verschrieben werden. Mehr Informationen zu Medikamenten, die bei Allergien eingesetzt werden, lesen Sie unter Therapiemöglichkeiten von Allergien.

Hyposensibilisierung gegen Heuschnupfen

Eine sehr gebräuchliche und langfristig wirksame Behandlung bei Heuschnupfen ist zudem die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie (SIT) genannt. Ziel dieser Therapie ist es, dem Immunsystem seine fehlerhafte Reaktion auf Pollen wieder abzugewöhnen. Optimaler Zeitpunkt für den Beginn einer Hyposensibilisierung ist der Herbst, wegen der geringen Pollenbelastung. Bei der Langzeitbehandlung, die bis zu drei Jahren dauert, erhält der Patient in den ersten Monaten alle zehn Tage, dann alle vier bis acht Wochen eine Spritze vom Arzt unter die Haut in den Oberarm. Bei der Kurzzeitbehandlung werden vier bis acht Spritzen vor der Pollensaison gegeben und dann die folgenden zwei Jahre wiederholt. Die Tropfenbehandlung unter die Zunge erfolgt einmal die Woche für drei Jahre.

Heuschnupfen: Vorbeugen

Pollen sind fast überall. Sie heften sich an Kleidung, Schuhe und Haare und fliegen durch das Fenster hinein. Doch mit ein paar einfachen Maßnahmen können Sie sich in Ihrem Zuhause eine Umgebung schaffen, in der Sie etwas Durchatmen können.

  • Kleidung und Wäsche
    Wechseln Sie die Kleidung wenn Sie nach Hause kommen und waschen Sie die getragenen Sachen. Waschen oder lagern Sie Wäsche in einem wenig genutzten Raum und lassen Sie frisch gewaschene Kleidung nicht im Freien trocknen, denn auf nasse Textilien legen sich Pollen besonders gerne. Generell gilt: Wechseln Sie öfter die Bettwäsche und Handtücher.
  • Lüften
    Lüften Sie nur kurz, und zwar dann, wenn wenig Pollen herumfliegen: In der Stadt am besten morgens zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land abends zwischen 20 und 24 Uhr. Vermeiden Sie Durchzug und schlafen Sie nicht bei offenem Fenster.
  • Haare waschen
    Duschen Sie sich jeden Abend und waschen Sie sich die Haare, um Pollen zu entfernen. Bitten Sie Ihren Partner darum, das Gleiche zu tun.
  • Staubsaugen und -wischen
    Tägliches Staubsaugen und -wischen lohnt sich, um die Pollenbelastung im Haus zu reduzieren, der Staubsauger sollte dabei einen Pollenfilter haben. Saugen Sie nicht nur den Fußboden ab, sondern auch Sofas und Sessel.
  • Pollengitter und -filter
    Pollengitter für Fenster bieten zwar keinen hundertprozentigen Schutz, aber eine zusätzliche Barriere. Auch der Einbau eines Pollenfilters ins Auto empfiehlt sich.
  • Informieren
    Nutzen Sie die tagesaktuelle Pollenflugvorhersage des Deutschen Wetterdienstes. Sie können sich auch per Newsletter oder App über die zu erwartende Pollenbelastung informieren lassen.
  • Der Gang nach draußen
    Gehen Sie am besten nach Regengüssen ins Freie. Der Regen hat dann die Luft gereinigt und die Pollen liegen am Boden. In der Stadt ist der Pollenflug früh morgens am geringsten, auf dem Lande am Abend nach 18 Uhr.

Zuletzt aktualisiert:
Fri Jul 29 13:15:54 CEST 2016

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