Diagnose Diabetischer Fuß: Viel zu oft wird amputiert

Diabetischer Fuß, Erblindung, Herzinfarkt: hohe Blutzuckerwerte steigern Risiko

So vermeiden Sie mögliche Folgen Ihrer Diabeteserkrankung

Der Diabetische Fuß ist eine der häufigsten Folgekrankheiten eines Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2. Sie trifft laut Wissenschaftlern der Universitätsklinik Düsseldorf fast jeden 7. Diabetiker in Deutschland und führt in vielen Fällen zu Amputationen. Auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Organschäden und Erblindung durch Netzhautschädigungen tragen Diabetiker ein höheres Risiko. Lesen Sie hier, wie Sie diese Folgen durch Vorsorge und optimale Versorgung verhindern.

Diabe­ti­scher Fuß

Die Diagnose „Diabetischer Fuß“ wird zu oft zu spät gestellt, monierte die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) kürzlich. Bekannt ist zwar, dass vor allem ältere Diabetiker häufig an schlecht heilenden Fußwunden leiden. Trotzdem wird diese typische Folge eines Diabetes immer wieder zu spät behandelt – und die Therapie findet viel zu selten in spezialisierten Zentren statt. Dabei droht schlimmstenfalls eine Amputation, wenn Wunden an den Füßen nicht optimal versorgt werden. Laut DDG hält sich die Quote von Major-Amputationen (Abtrennungen des Fußes oberhalb des Knöchels) in spezialisierten Zentren bei 3,1 Prozent, in normalen Krankenhäusern liegt die Quote zwischen 10 und 20 Prozent. Ein enormes Ungleichgewicht! Die langfristigen Konsequenzen: Nur ein Viertel der Patienten lebt nach einer Major-Amputation noch länger als fünf Jahre. Unser Rat für Betroffene: Wenden Sie sich bei Bedarf an von der DDG zertifizierte Einrichtungen.

Diabetischer Fuß: Symptome und Ursachen

Ein dauerhaft hoher Blutzuckerwert schädigt Blutgefäße und Nervenbahnen. Dadurch kommt es an den Füßen zu typischen Komplikationen, an den je nach Schätzung bis zu zehn Prozent der Typ-1-Diabetiker sowie der Typ-2-Diabetiker leiden:

  • Neuropathischer diabetischer Fuß: Weil die Nerven der Haut geschädigt sind, verlieren die Patienten die Fähigkeit, Schmerz zu empfinden. Verletzungen am Fuß werden deshalb nicht bemerkt. Außerdem heilen Wunden nicht ab, weil sie unzureichend versorgt werden bzw. weil die Betroffenen sich nicht genug schonen. So können (bei mangelnder Behandlung) Geschwüre entstehen, die sich noch mehr entzünden: ein Teufelskreis.
  • Ischämischer diabetischer Fuß: Die unteren Extremitäten sind schlecht durchblutet. Die Haut ist blass oder bläulich, fühlt sich kühl an, der Puls der Fußarterien ist kaum tastbar. Da die Muskeln zu wenig versorgt werden, haben die Patienten starke Schmerzen. Selbst kleine Wunden heilen durch den verminderten Stoffwechsel schlecht; es bilden sich Geschwüre und/oder Infektionen (unter anderem mit Fußpilz). In Extremfällen stirbt das umliegende Gewebe sogar ab. Kommen auch noch weitere Risikofaktoren wie z.B. Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte hinzu, ist die Wahrscheinlichkeit einer Amputation besonders hoch.

Diabetischer Fuß: die Warnsignale

Risikopatienten, die bereits länger an Diabetes mellitus erkrankt sind, sollten auf diese Symptome achten:

  • Kribbeln und Taubheitsgefühl an den Füßen
  • Mangelndes Gespür für Schmerz, Druck, Temperaturschwankungen
  • Häufige Entzündungen oder Infektionen, unter anderem mit Nagelpilz

Besondere Vorsicht bei diesen zusätzlichen Risikofaktoren:

  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Übergewicht

Diabetischer Fuß: die Therapie
DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff erklärt, wie Sie einem diabetischen Fuß und anderen Folgeerkrankungen vorbeugen.

DAK-Experten Dr. Mark Dankhoff

Die wichtigste Maßnahme nennt DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff: „Die Blutzuckerwerte sollten so gut wie möglich von einem Facharzt kontrolliert und eingestellt werden. Nur so werden die Blutgefäße und Nervenbahnen an den Füßen und Beinen nicht weiter geschädigt.“ Entscheidend ist auch eine optimale Wundversorgung, denn dadurch sinkt das Risiko einer Amputation erheblich. „Entzündungen sollten desinfiziert und antibiotisch behandelt werden. Zur besseren Durchblutung der unteren Extremitäten verschreibt der Arzt meist Acetylsalicylsäure (ASS)“, sagt unser Experte. Zusätzlich gilt es Risiken wie etwa Nikotingenuss abzustellen.

Wichtig ist auch eine regelmäßige Fußpflege durch geschultes Personal. Die Patienten selbst sollten auf Druckstellen, Hühneraugen oder Verdickungen der Hornhaut achten, aus denen sich Entzündungsherde entwickeln können. Tägliches Eincremen der Füße verhindert, dass die Haut austrocknet oder einreißt. Geeignete, nicht drückende Schuhe (ggf. mit Einlagen und besonders viel Platz) und spezielle Diabetiker-Socken mit optimaler Belüftung wirken außerdem vorbeugend.

Herzin­farkt und Schlag­anfall

Neben einem Diabetischen Fuß drohen Diabetes-Patienten unter anderem die gefährlichen Folgekrankheiten Herzinfarkt und Schlaganfall.

Herzinfarkt

Durch anhaltend zu hohe Blutzuckerwerte können sich die Herzkranzgefäße verengen. Deshalb sollten Risikopatienten auf typische Warnsignale solch einer koronaren Herzerkrankung achten:

  • Schmerzen in der Brust
  • Engegefühl über der Brust
  • Bei Frauen oft auch: Rücken-/Kieferschmerzen

Bei vielen Diabetikern sind aber die Nerven lädiert, so dass sie solche Symptome möglicherweise nicht oder kaum spüren. Deshalb sind regelmäßige Herzuntersuchungen (zum Beispiel EKGs, Ultraschall, Computertomographie) ratsam. Sie gehören zu den Leistungen der beiden Diabetes-Programme für Typ 1 und Typ 2, die die DAK-Gesundheit anbietet.

Wird bei einer Untersuchung eine Schädigung an den Herzkranzgefäßen entdeckt, kann der behandelnde Arzt Gegenmaßnahmen ergreifen. Doch auch hier heißt die Devise: Vorbeugen ist besser als kurieren. „Der Blutzuckerwert sollte bei jedem Diabetiker optimal eingestellt werden“, rät DAK-Experte Dr. Mark Dankhoff. „Allein dadurch sinkt das Herz-Kreislauf-Risiko um bis zu 50 Prozent!“

Kommen folgende Maßnahmen hinzu, kann ein Herzinfarkt verhindert werden:

  • Gewichtsreduktion durch mehr Bewegung und gesunde Ernährung
  • Nikotinverzicht
  • Senkung eines zu hohen Cholesterinspiegels
  • Einnahme von ASS: Es unterdrückt die Blutgerinnung und verhindert, dass sich Blutpfropfen bilden, die Herzkranz-Gefäße verstopfen.
  • Bei schweren arteriellen Verengungen der Herzkranzgefäße kann eine Bypass-OP oder eine Gefäßerweiterung per Stent Besserung bringen.

Schlaganfall

Das Gehirn wird über Blutgefäße mit Energie und Sauerstoff versorgt. Durch eine dauerhaft hohe Blutzucker-Konzentration bilden sich auch hier Ablagerungen, was zwei Folgen nach sich ziehen kann:

  • Das Gehirn wird nicht ausreichend durchblutet und verliert an Leistungsfähigkeit.
  • In den verengten Gefäßen können Blutgerinnsel entstehen, die die Versorgung von Hirnregionen unterbrechen. Besonders Patienten mit einem zu hohen Blutfettwert sind gefährdet.
  • Ablagerungen können sich von der Gefäßwand lösen und ebenfalls Blutgefäße zum Gehirn blockieren. In beiden Fällen spricht man von einem Schlaganfall.

Zur Vorsorge dienen diese Maßnahmen:

  • Optimale Einstellung des Blutzuckerspiegels, damit sich keine weiteren Ablagerungen bilden.
  • Senkung des Blutdrucks, um die Blutgefäße zu entlasten.
  • Einnahme von Medikamenten, die die Blutgerinnung unterdrücken (z.B. ASS = Acetylsalicylsäure).

Augen­schäden

Zu hohe Blutzuckerwerte greifen auch die Gefäße der Netzhaut an, weshalb zwei Erkrankungen bei Diabetikern besonders häufig auftreten:

Schädigungen der Netzhaut

Eine „diabetische Retinopathie“ gilt als Hauptursache für Erblindungen im mittleren Lebensalter. Dieses Leiden begleitet eine ganze Reihe von Symptomen:

  • In Folge eines schlecht eingestellten Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 können sich Gefäßaussackungen oder sogar Gefäßverschlüsse im Auge bilden.
  • Oft lagert sich auch Blutfett in den Gefäßen der Augen ab.
  • Es kommt zu Blutungen im Auge.
  • Im Auge bilden sich neue Adern, mit denen der Körper die Unterversorgung des Auges ausgleichen will. Diese neuen Gefäße können platzen und dadurch eine Netzhautablösung auslösen.

Erste Warnhinweise dieser Augenleiden sind in vielen Fällen Sehbeschwerden (u.a. verschwommenes Sehen, gestörtes Farbensehen). Sobald sie auftreten, ist eine sofortige Behandlung nötig, damit das Auge nicht noch stärker geschädigt wird. Außerdem muss man Risikofaktoren ausschalten und folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Bluthochdruck senken.
  • Blutzuckerspiegel optimal einstellen.
  • Nicht mehr rauchen.
  • In manchen Fällen kann der Augenchirurg per Lasertherapie die Netzhautablösung verhindern.
  • Um die Bildung neuer, undichter Blutgefäße im Auge zu verhindern, injiziert der Augenarzt Medikamente (sogenannte VEGF-Hemmer) direkt in den Glaskörper.

Makulopathie

Bei diesem Augenleiden ist der Bereich betroffen, der für das scharfe Farb-Sehen zuständig ist: die Makula. Platzen Blutgefäße in ihrer Nähe, können sich Wasseransammlungen (Ödeme) bilden und die Netzhaut anschwellen lassen. In leichten Fällen ist danach „nur“ die Sehfähigkeit eingeschränkt, in schweren wird die zentrale Netzhaut dauerhaft geschädigt und das Auge kann nicht mehr scharf sehen.

Zur Vorbeugung gilt auch hier:

  • Blutzucker optimal einstellen.
  • Blutdruck senken.
  • Rauchen abgewöhnen.
  • Jährliche Kontrollen beim Augenarzt verhindern, dass eine Erkrankung zu lange unerkannt bleibt. Auch diese Untersuchungen gehören zum Leistungsspektrum der DAK-Gesundheit.

Nieren­schäden

Je nach Schätzung erkranken bei 20 bis 40 Prozent aller Diabetiker die Nieren (Fachausdruck: Nephropathie). Das Organ ist dann nicht mehr in der Lage, das Blut zu entgiften und den Wasserhaushalt des Körpers zu regulieren. In der Folge steigt bei vielen Betroffenen der Blutdruck an, was Nieren und Blutgefäße zusätzlich schädigt. In der Folge drohen weitere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Warnsignale bei Nierenschäden:

Erstes Anzeichen einer Nierenschwäche ist ein zu hoher Eiweißwert im Urin. Weitere Untersuchungen erhärten die Diagnose, etwa eine Analyse des Kreatinin-Wertes im Blut (Produkt des Muskelstoffwechsels) oder die Ermittlung der Harnmenge, die von den Nieren gefiltert werden. Je geringer dieser Wert ist, desto stärker sind die Nieren bereits geschädigt.

Therapie von Nierenschäden

Die Therapie eines diabetischen Nierenleidens folgt ähnlichen Richtlinien wie bei anderen Folgekrankheiten eines Diabetes mellitus:

  • Blutdruck senken.
  • Diabetes optimal einstellen.
  • Zusatzrisiken minimieren wie Übergewicht abbauen, Rauchen aufgeben.
  • Eiweißarme, ballaststoffreiche Ernährung und moderate Bewegungstherapie (nach Absprache mit dem behandelnden Arzt).
  • Medikamente einnehmen: ACE-Hemmer zur Senkung des Blutdrucks, Cholesterinsenker zur Minimierung der Blutfett-Werte.

Bei Nierenversagen benötigt der Patient eine regelmäßige Dialyse (Blutwäsche) oder eine Organtransplantation. Bei Typ-1-Diabetikern werden, wenn möglich, Nieren und Bauchspeicheldrüse zusammen transplantiert, bei Typ-2-Diabetikern meist nur die Nieren. Damit es nicht so weit kommt, sollten Betroffene sich in die DAK-Gesundheitsprogramme für Typ-1-Diabetes bzw. Typ-2-Diabetes einschreiben. Beide Programme helfen dabei, die Lebensqualität des Patienten zu steigern und seine Behandlung zu optimieren. Dafür arbeiten Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser und andere Leistungserbringer wie Ernährungsberater, eng zusammen. Diagnostik, Therapie und begleitende Angebote der DAK-Gesundheit werden exakt aufeinander abgestimmt.

Zuletzt aktualisiert:
Wed Aug 31 12:09:39 CEST 2016
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