Fläschchen geben statt stillen – dieses Baby wird mit der Flasche gefüttert

Fläschchen geben statt stillen

Die DAK-Gesundheit erklärt, worauf Sie achten sollten

Manchmal geben Mütter ihren Babys das Fläschchen, weil es mit dem Stillen partout nicht klappen will. Andere Frauen entscheiden sich aus bestimmten Gründen ganz bewusst gegen das Stillen und für das Fläschchen. Welche Gründe auch immer vorliegen, hier erfahren Sie, auf welche Dinge Sie achten sollten, wenn Sie Ihrem Baby das Fläschchen geben.

Fläschchen geben mit Säuglingsanfangsnahrung


DAK-Ernährungsexpertin Silke Willms erklärt, was beim Fläschchengeben zu beachten ist

Ernährungsexpertin Silke Willms von der DAK-Gesundheit

Mütter, die nicht stillen, können auf industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung ausweichen. Die Alternative zur Muttermilch ist die Säuglingsanfangsnahrung, die auf der Verpackung mit dem Hinweis „Pre“ oder „1“ versehen ist. Diese Nahrung können Eltern ihren Babys von Geburt an das gesamte erste Lebensjahr per Fläschchen geben. „Auch wenn Stillen immer die erste Wahl bleibt, können Frauen mit Stillproblemen beruhigt sein: Die Qualität der Fertigmilch entspricht in den wesentlichen Nährstoffen denen der Muttermilch“, beruhigt Silke Willms, Ernährungswissenschaftlerin der DAK-Gesundheit, besorgte Mütter.

Folgenahrung mit Beikost-Einführung


Milchpulver-Packungen tragen den Hinweis „2“ oder „3“, wenn es sich um Folgenahrung handelt, die den Beikostbeginn ergänzen können. Kindermediziner und Hebammen streiten sich jedoch noch über den Nutzen der Folgenahrung. „Solche Folgenahrungen sind nicht notwendig. Wer sie dennoch verwenden möchte, sollte diese frühestens mit Beginn der Beikost geben. Das Baby ist aber auch mit der Anfangsnahrung zu der Beikost im zweiten Lebenshalbjahr gut versorgt“, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Willms ergänzt: „Die Nahrung enthält Stärke und zum Teil auch Zucker. Damit können die Babys überfüttert werden und sich an die zugesetzten Aromen gewöhnen.“ Beim Fläschchengeben kommt es aber nicht nur darauf an, was in der Flasche steckt, sondern auch woraus die Flasche gemacht ist.

Antje Gahl weist auf den richtigen Umgang mit Säuglingsnahrung hin für Babys mit Allergierisiko

Antje Gahl, Ernährungsexpertin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Fläschchen geben: Aber bitte ohne BPA


Entscheidend ist das „BPA-free“-Zeichen auf den Verpackungen der Flaschen, denn es bestätigt, dass kein Bisphenol A im Flaschenmaterial steckt. Diese Chemikalie ist ein hormoneller Schadstoff und gesundheitsgefährdend für Säuglinge. Seit dem 1. Juni 2011 verbietet eine EU-Verordnung, bei der Herstellung von Babyfläschchen BPA zu verwenden.

Glas oder Kunststoff – welches Fläschchen ist besser?


Fläschchen geben können Eltern sowohl mit Glas- als auch mit Plastikflaschen. Glasflaschen haben den Vorteil, dass sich kein Geruch oder Geschmack ans Material haften kann, wie es bei Plastikflaschen durchaus vorkommen kann. Dafür sind Glasflaschen nicht bruchsicher. Besonders wenn Babys lernen, ihre Flasche allein zu halten, wird dieser Nachteil deutlich. Plastikflaschen sind stabil, leicht und das Material hat heutzutage eine relativ hohe Qualität. Kleine Kratzer im Plastik können aber dazu führen, dass sich Bakterien, zum Beispiel durch Milchreste, festsetzen. Umso wichtiger ist eine einwandfreie Reinigung der Fläschchen.

Hygiene beim Fläschchengeben ist das A und O


Um Babys vor Erkrankungen wie zum Beispiel Magen- und Darminfektionen zu schützen, werden Fläschchen, Sauger und Schnuller regelmäßig sterilisiert. „Mindestens acht Monate lang sollten Eltern beim Fläschchengeben streng auf sterilisiertes Material achten, um das noch schwache Immunsystem des Babys zu schützen“, mahnt Ernährungsexpertin Willms.

Vor dem Fläschchengeben: Richtig sterilisieren


Nach der gründlichen Reinigung in Seifenwasser folgt die Sterilisation. Hier können Eltern aus einem bunten Strauß an Möglichkeiten die Methode wählen, die ihnen am einfachsten erscheint:

  • Auskochen: der Klassiker – Flaschen, Sauger und Schnuller landen in einen Topf und schwimmen mindestens drei Minuten lang in kochendem Wasser. Der Topf wird übrigens ausschließlich zum Auskochen verwendet.
  • Dampfsterilisation: Diese Methode nutzen auch Kliniken. Je nach Gerät dauert der Vorgang zwischen acht und zwölf Minuten. Alle Teile müssen hitzebeständig sein und beim Einsetzen muss die Öffnung der Einzelteile nach unten zeigen.
  • Mikrowellen-Sterilisation: Einige Flaschen dürfen unverschlossen direkt in der Mikrowelle sterilisiert werden. Bitte auf die Packungsbeilage achten.
  • Kalt-Wasser-Sterilisation: Dabei werden Tabletten in abgekochtem Wasser aufgelöst. Die spezielle Lösung muss täglich erneuert werden, um Bakterien an Flaschen, Saugern und Schnullern sicher abzutöten.

Übrigens: Eine Reinigung in der Geschirrspülmaschine ist nur bei einem Programm sinnvoll, das für den Waschgang mindestens 70 Grad Wassertemperatur verwendet – ansonsten überleben Keime.

Welche Bedeutung haben Sauger beim Fläschchengeben?


Es gibt diverse Saugertypen, die zum Teil eine Anti-Kolik-Wirkung bewerben. Ob dieses Werbeversprechen zutrifft, ist umstritten. Genau wie das angeblich beste Material, das immer wieder Diskussionsstoff birgt. Unterschieden werden Latex- oder Naturkautschuk-Sauger und Silikon-Sauger. Während erstere elastisch, reißfest und auch noch umweltfreundlich sind, überwiegt bei Silikon-Saugern die Hitzebeständigkeit und Geschmacksneutralität. Latex-Sauger müssen alle vier bis sechs Wochen ausgetauscht werden, weil diese Sauger beim Auskochen schneller porös werden. Silikon-Sauger brauchen Eltern nur alle acht bis zwölf Wochen auszuwechseln.

Wie geht richtiges Fläschchengeben?


Stellen Sie zunächst sicher, dass die verwendeten Sauger die richtige Größe haben. Sauger werden meist in drei Größen angeboten, die sich innerhalb der ersten 18 Lebensmonate nach dem jeweiligen Alter des Kindes richten. Es ist wichtig, dass das Loch im Sauger nicht zu groß für Ihr Baby ist, sonst hat es Schwierigkeiten beim Trinken. Orientieren Sie sich beim Kauf einfach an der Altersangabe auf der Packung. Wenn Sie Ihrem Baby das Fläschchen geben, halten Sie es hoch genug und nicht zu waagerecht. Der Sauger sollte komplett mit Milch ausgefüllt sein. Andernfalls riskieren Sie, dass Ihr Kind zu viel Luft einsaugt, und lösen eventuell Koliken aus. Willms rät: Halten Sie Ihr Baby im Arm, wenn Sie es füttern. Die Kleinen sollten ihr Fläschchen nicht allein in der Babywippe oder im Bettchen trinken, weil der Körperkontakt zu den Eltern in dieser Zeit sehr wichtig ist.

Säuglingsmilch für allergiegefährdete Kinder


Babys, deren Eltern oder Geschwister von einer Allergie betroffen sind, haben ein erhöhtes Allergierisiko. Können Mütter diese Säuglinge nur zum Teil oder gar nicht stillen, sollten sie beim Fläschchengeben auf eine HA³-Säuglingsnahrung ausweichen. „HA steht für hypoallergen und bedeutet weniger allergieauslösend. Diese Milch ist bis zur Einführung der Beikost für nicht gestillte Babys empfehlenswert, deren Eltern oder Geschwister eine Allergie haben oder hatten“, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Wie lange Fläschchen geben? Klassische Milchnahrung ab Beikost-Beginn


Sobald diese Kinder Beikost erhalten, können Eltern sie auf eine klassische Säuglingsmilchnahrung „Pre“ umstellen. Beachten Sie, dass Säuglingsnahrung, die auf Sojaprotein oder einer Tiermilch basiert wie zum Beispiel Ziegen- oder Stutenmilch, sich nicht zur Vorbeugung von Allergien eignet. „Generell gilt, dass Eltern vor der Gabe von Spezialnahrung wie HA-Säuglingsmilch oder Milch gegen vermehrtes Spucken, Blähungen, Krämpfe oder Verstopfungen mit dem Kindermediziner sprechen“, betont Gahl. Die Ernährungsexpertin weist darauf hin: „Häufig sind diese Störungen nur vorübergehend und lassen sich leicht beheben.“

Zuletzt aktualisiert:
Tue Sep 08 12:34:03 CEST 2015
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