Doping am Arbeitsplatz ist oft eine Folge von Überforderung im Job

Doping am Arbeitsplatz

Gefährliche Pillen fürs Gehirn

Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem beruflichen Stress geraten viele in einen gefährlichen Medikamentenmissbrauch: Sie greifen ohne medizinische Notwendigkeit zu verschreibungspflichtigen Mitteln. Doping am Arbeitsplatz – Experten nennen das pharmakologisches Neuro-Enhancement. In Deutschland haben knapp drei Millionen Beschäftigte (6,7 Prozent) schon einmal leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente zum Hirndoping eingenommen. Die hohe Dunkelziffer mit eingerechnet sind es sogar fünf Millionen. Vor allem Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten oder unsicheren Jobs gehören zu den Risikogruppen für den Medikamentenmissbrauch.

Die Gefahr von Doping am Arbeitsplatz wird unterschätzt

Es gibt verschiedene Präparate, mit denen sich Beschäftige am Arbeitsplatz dopen. Dabei handelt  es sich um Arzneimittel, die für die Bekämpfung schwerer Krankheiten wie Alzheimer oder Depression gedacht sind. Bei Gesunden sollen sie Denkfähigkeit oder emotionale Stabilität steigern. Am häufigsten werden zum Hirndoping Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe (60,6 Prozent) sowie Mittel gegen Depressionen (34 Prozent) eingenommen. Etwa jeder achte Doper schluckt Tabletten gegen starke Tagesmüdigkeit und 11,1 Prozent nehmen Betablocker. Das Problem dabei: Die Medikamente haben oft nur kurzfristige und minimale Effekte auf die geistige Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig sind sie verknüpft mit hohen gesundheitlichen Risiken – und mögliche Langzeitfolgen sind noch völlig unklar.

Doping-Pillen für den Arbeitsplatz – Die bekanntesten Neuro-Enhancer und ihre Risiken:

 

  • Methylphenidat: "Ritalin" fürs Büro 

    Die stimulierende Substanz ist zugelassen zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern, die oft mit Hyperaktivität einhergehen (ADHS). Das Arzneimittel steigert die Konzentration des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Bei Gesunden kann es die Aufmerksamkeit steigern und Reaktionszeiten verkürzen. Aber die Palette der möglichen Nebenwirkungen reicht von Kopfschmerzen, Nervosität und Schlaflosigkeit bis hin zu Herzrhythmusstörungen, Stimmungsschwankungen oder Persönlichkeitsveränderungen.

  • Modafinil: Wachmacher mit Nebenwirkungen 

    Modafinil wird aufgrund seiner stimulierenden Wirkung zur Behandlung der seltenen Schlafkrankheit Narkolepsie eingesetzt. Wie es genau wirkt, ist nicht bekannt. Vermutlich verlangsamt es die Ausschüttung eines schlaffördernden Botenstoffes. Bei Gesunden kann es die Wachheit erhöhen und Reaktionszeiten verkürzen. Auch wer mit diesem Mittel am Arbeitsplatz dopt, muss mit Nebenwirkungen rechnen. Dazu gehören Schwindel, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit und Verdauungsstörungen. Außerdem: Herzrasen und Leberfunktionsstörungen.

  • Piracetam: Schnelldenken auf Rezept?

    In Deutschland ist Piracetam das meistverordnete Mittel gegen Demenz. Es beschleunigt den Zuckerstoffwechsel und fördert die Sauerstoffverwertung im Gehirn. Es gibt widersprüchliche Studien zur Wirkung des Mittels bei Gesunden. Manche weisen auf eine leichte Verschlechterung (!) der Gedächtnisleistung hin. Die Nebenwirkungen sind hingegen eindeutig: Sehr häufig Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen, gelegentlich Magen- und Darmblutungen sowie Krampfanfälle.

  • Fluoxetin: Glückspillen mit Suizidgefahr

    Fluoxetin wird häufig gegen Depressionen verschrieben. Die Pille erhöht künstlich den Spiegel des Botenstoffs Serotonin und hebt dadurch die Stimmung. Bei Gesunden wirkt das Mittel nicht besser als ein Placebo. Wer trotzdem mit Fluoxetin am Arbeitsplatz dopen will, muss mit beträchtlichen Nebenwirkungen rechnen. Häufig sind Benommenheit, Kopfschmerzen oder Verdauungsstörungen. In seltenen Fällen kann es zu schweren Reaktionen an Lunge, Nieren oder Leber kommen.

  • Metoprolol: Herzmittel gegen Lampenfieber

    Der sogenannte Betablocker wird bei Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Migräneattacken verschrieben. Das Mittel vermindert die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Ein Grund, warum es häufig als Doping-Pille am Arbeitsplatz eingenommen wird. Bei Gesunden ist nachgewiesen, dass das Mittel Angstsymptome wie Herzklopfen oder Zittern reduzieren kann. Die Einnahme führt allerdings auch zu Müdigkeit und Stimmungsschwankungen. Weitere Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden und bei Menschen mit Asthma Atemnot.

Zuletzt aktualisiert:
Wed Aug 31 12:36:25 CEST 2016

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