Diabetes vorbeugen durch gesundes Essen: Das Risiko für das Zivilisationsleiden sinkt, wenn die Ernährung umgestellt wird.

Diabetes: Die Ernährung ist der Schlüssel

Ein ausgewogener Speiseplan senkt die Gefahr, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Das Wichtigste bei Diabetes ist es, die Ernährung umzustellen und abzunehmen. Das mag viele Diabetes mellitus Typ 2-Betroffene überraschen, denn die Stoffwechselerkrankung gilt eigentlich als unheilbar. Tatsächlich gibt es aber einen Weg, die Krankheit wirksam zu bekämpfen, fanden Forscher aus Newcastle (England) kürzlich heraus: Durch einen radikalen Wandel des Lebensstils lässt sich die chronische Krankheit womöglich heilen, allenfalls die Veranlagung bleibt bestehen.

Für die Untersuchung wurden elf übergewichtige Patienten auf Radikaldiät gesetzt; nach acht Wochen mit 700 Kilokalorien pro Tag waren alle frei von Symptomen. Die Bauchspeicheldrüsen hatten sich wieder erholt, die insulinproduzierenden Zellen nahmen ihre Arbeit wieder auf.
Noch werden die Ergebnisse der Studie in der Fachwelt diskutiert. Offen ist zum Beispiel, wie nachhaltig solch ein Ernährungswechsel ist. Doch ein allseits akzeptierter Aspekt wurde durch die Forschungsergebnisse noch einmal deutlich bestätigt: Die Ernährung ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie des Diabetes mellitus Typ 2. Da die meisten Zuckerkranken stark übergewichtig sind (BMI über 30), sollten sie alles daran setzten, ihr Gewicht zu reduzieren.

Diabetes: die Ernährungs-Pyramide
DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff: Die Ernährung ist der Schlüssel bei Diabetes

DAK-Experten Dr. Mark Dankhoff

Die Formel fürs Abnehmen ist einfach: Man verliert Kilos, sobald der Körper weniger Kalorien bekommt als er verbraucht. „Neben einer ausgewogenen Ernährung ist es wichtig, auch auf mehr Bewegung zu setzen, damit der Kalorienumsatz steigt“, sagt DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff. Zum Thema Ernährung rät der Experte: „Oft bringt es schon viel, wenn Diabetiker ihre einseitigen Essgewohnheiten ändern: Statt schnell verdaulicher Kohlenhydrate (etwa in Kuchen, Chips, Weißbrot) sollte man ballaststoffreiche Kost (Gemüse, Vollkornprodukte) zu sich nehmen. So bleibt man lang anhaltend satt und kommt nicht in Versuchung, zwischendurch zu naschen.“ Ballaststoffe haben außerdem den Vorteil, dass die Blutzuckerwerte nach einer Mahlzeit geringer ansteigen: Der Insulinspiegel bleibt konstanter, die Bauchspeicheldrüse muss nicht unter Stress produzieren.

Einen wichtigen Anhaltspunkt für die Auswahl der Nahrungsmittel gibt die sogenannte Ernährungs-Pyramide. Top ist hier flop: Je weiter oben Nahrungsmittel stehen, desto mäßiger sollte man zugreifen.

Die Basis bilden nicht-gesüßte (kalorienarme) Getränke. Davon darf man so viel konsumieren wie man möchte. Es folgen pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst sowie Getreideprodukte. Tierische Lebensmittel (Milch, Milchprodukte sowie Fisch, Fleisch, Wurstwaren und Eier) sollten maßvoll genossen werden. Sparsamkeit ist angesagt bei Ölen und Fetten auf Ebene fünf. In der Pyramidenspitze finden sich Süßigkeiten, Snacks und Alkohol. Sie werden – in Maßen – geduldet, wenn die Lebensmittel aus Basis und Mittelfeld ausreichend im Speiseplan vertreten sind.

Die medizinischen Leitlinien zur Ernährung bei Typ-2-Diabetes empfehlen, ca. 45 bis 60 Prozent der täglich benötigten Energiemenge in Form von Kohlenhydraten zu sich zu nehmen. Fette sollten nicht mehr als 35 Prozent des Tagesbedarfs ausmachen, und Eiweiß zehn bis 20 Prozent, wenn keine Nierenerkrankungen vorliegen.

Diabetes: Tipps für eine gesunde Ernährung

  • Gemüse: Ist meist kalorienarm und enthält viele gesunde Wirkstoffe, besonders wenn es roh ist oder schonend gegart wird. Empfohlen werden drei Portionen täglich.
  • Obst: Mindestens zwei Portionen dürfen es für Diabetiker sein. Viele Sorten liefern wertvolle Nähr- und Ballaststoffe, teilweise aber auch Kalorien in Form von Fruchtzucker. Hier auf den Gesamtumsatz achten.
  • Kohlenhydrate: Alles, was im Darm langsam aufgespalten wird, lässt den Blutzuckerwert nicht sprunghaft ansteigen. Das gilt zum Beispiel für Vollkornprodukte, die einen niedrigen glykämischen Index (GI) haben. „Je höher der GI ist“, erklärt DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff, „desto schneller steigt der Blutzucker durch das Lebensmittel an." Diabetiker sollten Lebensmittel mit niedrigem GI und/oder vielen Ballaststoffen bevorzugen, da letztere die Blutzuckeraufnahme verlangsamen.
  • Ballaststoffe: Sie stecken in Vollkorn, Hülsenfrüchten sowie in den meisten Obst- und Gemüsesorten.
  • Getränke: Wasser und ungesüßte Tees sind optimal, auch Kaffee ist (meistens) erlaubt, Fruchtschorlen nach Absprache mit dem Arzt. Cola, Limos und auch Fruchtsäfte sättigen nicht, sind teilweise aber wahre Kalorienbomben. Tipp: ein Glas stilles Wasser vor dem Essen trinken – das zügelt den Appetit.
  • Alkohol: Wein, Bier & Co. liefern übermäßig viele Kalorien. Allenfalls mäßig genießen.
  • Zucker: Er sollte nicht mehr als fünf, maximal zehn Prozent des Energiebedarfs liefern.
  • Fette: Sie sind nicht grundsätzlich verboten, obwohl sie sehr kalorienreich sind. Um die Vitamine A, D, E und K aufnehmen zu können, braucht man jedoch etwas Fett. Positiv wirken ungesättigte Fette aus pflanzlichen Produkten (Raps, Oliven). Tierische Fette (in Milch, Fleisch, Wurst oder Käse) sollte man dagegen reduzieren, da sie negativ auf den Cholesterinspiegel wirken.
  • Sogenannte „Diät“-Produkte werben damit, „fettreduziert“ zu sein, sind aber oftmals Kalorienbomben, da sie Zucker als Geschmacksträger enthalten. Es lohnt sich deshalb, einen Blick auf die Verpackung zu werfen.
  • Süßstoffe: Welche Auswirkungen sie auf den Energiebedarf haben, ist unter Fachleuten umstritten. Manche nehmen an, dass sie nicht beim Abnehmen helfen. DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff sieht das entspannter: „Wenn Sie Kalorien sparen möchten und trotzdem gerne süß essen, können Sie gelegentlich zu Süßstoffen wie Cyclamat, Aspartam oder Saccharin greifen, wahlweise zu Stevia (ohne Zuckerzusatz). Diese Substanzen haben keinen Effekt auf den Blutzucker, sind kalorienfrei und verursachen keine Karies. Maßvoll verwendet, gelten sie nach heutigen Erkenntnissen als gesundheitlich unbedenklich.“
  • Salz: Hier sollten sich Typ-2-Diabetiker zurückhalten, wenn sie gleichzeitig unter Bluthochdruck leiden. Viele Gewürze können Salz prima ersetzen. Dazu zählen: Basilikum, Petersilie, Oregano, Schnittlauch, Dill oder Kresse, bei Fleisch auch Chili oder Pfeffer

Diabetes: Was Ernährung mit Motivation zu tun hat

Lange vertraute Vorlieben aufzugeben, fällt niemandem leicht. Gerade Übergewichtige haben oft schon mehrere Abnehmversuche hinter sich und sind damit langfristig gescheitert. Umso wichtiger ist es, bei einer Ernährungstherapie den Verstand anzusprechen ohne die Vorlieben zu ignorieren: „Nur so verlieren die Patienten ihre Motivation nicht“, weiß DAK-Experte Dr. Dankhoff. Seine Tipps:

  • Der behandelnde Arzt bzw. Diätberater sollte um die persönlichen Vorlieben wissen.
  • Auch Süßes ist ab und zu erlaubt, wenn der vorgegebene Kalorienumsatz berücksichtigt wird. Bei Heißhunger-Attacken gilt es allerdings auf Süßigkeiten zu verzichten und Obst oder Gemüse zu naschen.
  • Besonders wichtig ist, dass Patienten die Angebote für Ernährungsberatung nutzen – die DAK-Gesundheit übernimmt die Kosten im Rahmen der Diabetes-Schulung.
  • Vielen Diabetikern hilft es, (wieder) selbst zu kochen: So hat man selbst in der Hand, was auf dem Teller landet, und kann Salz, Fett und Kalorien sparen.
  • Beim Essen darf man jeden Bissen genießen und sich beim Kauen viel Zeit lassen: So isst man weniger.
  • Vor allem Zuckerkranke sollten versuchen, zu regelmäßigen Zeiten und auch ganz bewusst zu essen, also niemals vor dem Fernseher oder im Stehen und Gehen.

Diabetes: Durch Ernährung vorbeugen – wie die DAK hilft

Die DAK-Gesundheit bezuschusst spezielle Kochkurse für alle, die abnehmen wollen. Wie man sich gut und ausgewogen ernährt, erklären wir außerdem auch in unserer Rubrik Ernährung. Dort kann man auch die DAK-Broschüre Fit-Food. Einfach richtig essen kostenlos herunterladen und das Gesundheits-Kochbuch gratis nutzen. Die wichtigsten Fakten rund um eine gesunde Ernährung bei Diabetes sind in unserer Broschüre zusammengefasst.

Im Rahmen des DAK-Gesundheitsprogramms Diabetes Typ 2 werden auch Ernährungskurse speziell für Übergewichtige angeboten.

Viele Infos zur Prävention und Behandlung von Diabetes bietet außerdem die Broschüre Diabetes mellitus Typ 2.

Zuletzt aktualisiert:
Tue Aug 30 12:07:47 CEST 2016
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